Rutschsicherheit nicht gegeben: Abpudern führt zu Kugellagereffekt

Im aktuellen Schadensfall wurde ein elastischer Bodenbelag – konkret Linoleum – in mehreren Räumen nach der Grundreinigung beschichtet. Bereits nach kurzer Zeit ­bemängelte der Auftraggeber, dass Flächen, die der höchsten Frequentierung ausgesetzt waren, seiner Meinung nach zu glatt seien.

Im Zuge der Messfahrten kam es zu einem deutlichen Abrieb der Polymerbeschichtung, wie am Gleiter (Gummi) deutlich zu erkennen ist. - © Sascha Hintze

"Zu glatt" ist häufig ein subjektives Empfinden. Um eine solche Aussage objektiv beurteilen zu können, sind grundsätzlich diverse äußere Faktoren genauer unter die Lupe zu nehmen. Unter anderem sind Fragen zu stellen, wie:

  • Welches Schuhwerk trägt die Person, die ein subjektives Glätteempfinden äußert?
  • Wie ist der Schmutzeintrag von außen?
  • Gibt es eventuell einen Kugellagereffekt durch eingetragenen Schmutz?
  • Wie ist die Reinigungsfrequenz im Objekt? Entspricht diese den tatsächlich anfallenden Verschmutzungen?
  • Ist es zu einer Veränderung an der Oberfläche des Bodenbelags gekommen?

Um bei Unstimmigkeiten zwischen Auftraggeber und Dienstleister in puncto Rutschsicherheit die Sachlage zu klären, ist es ratsam, im Anschluss an Grundreinigungsarbeiten neben der optischen Abnahme ebenso Messungen bezüglich des Gleitreibungskoeffizienten durchzuführen – so wie auch im vorliegenden Fall geschehen. Im besten Fall lässt sich damit das subjektive Empfinden revidieren; ansonsten gilt es, den Boden durch geeignete Lösungen in den Zustand der uneingeschränkten Nutzungsfähigkeit zu versetzen.

Vor der Messung des Gleitreibungskoeffizienten sind die ausgewählten Gleiter vollständig von Schmutz beziehungs­weise Schmutzpartikeln zu befreien, so dass ­eine korrekte Messung möglich wird. Die Messung selbst besteht aus jeweils fünf Messfahrten; dabei werden drei Fahrten zu einem Prüfzyklus zusammengefasst und bilden den mittleren Gleitreibungskoeffizienten für die Messstrecke. Die Auswertung erfolgt automatisch und wird im Messgerät digital angezeigt.

Neben einem nicht ausreichenden Gleitreibungskoeffizienten war bei dem zu beurteilenden Schadensfall viel interessanter, dass die Gleiter einen deutlichen Abrieb des Pflegefilms aufwiesen. Dabei hätte die Beschichtung nach sach- und fachgerecht durchgeführter Grundreinigung ausreichend haften müssen. Die nicht haftende Beschichtung – auch Abpudern genannt – führte letztlich zu dem zuvor bereits erwähnten Kugellagereffekt mit der Folge, dass die Nutzung der Bodenflächen nur noch eingeschränkt möglich war. Mit anderen Worten: Der Boden war tatsächlich zu glatt.

Mögliche Ursachen für ein ­Abpudern der Beschichtung

Drei Punkte sind immer wieder die Ursache dafür, dass Beschichtungen abpudern:

  • falsch gewählte Mechanik bei der Grund­reinigung von Linoleum,
  • keine ausreichende Trocknungszeit nach der Grundreinigung und vor Auftrag der Beschichtung,
  • mangelndes Klarspülen.

Beim Einsatz einer für die Grundreinigung von Linoleum ungeeigneten Mechanik kann es dazu kommen, dass Kork- und Holzmehl freigelegt werden und als Trennschicht zwischen Bodenbelag und Beschichtung fungieren. Vereinfacht gesprochen reißt die Oberfläche des Polymers. Dies kann bereits durch einen üblichen Richtungswechsel während des Gehens passieren. Welche Mechanik jeweils die Richtige ist, bestimmen üblicherweise der Bodenbelagshersteller und die zuständigen Meister seitens der ausführenden Dienstleister.

Neben der Mechanik bestimmt die Trocknungszeit (bei Linoleum etwa 12 bis 24 h gemäß FRT-Information "elastische Bodenbeläge") wesentlich das Ergebnis einer Beschichtung. Wird diese nicht eingehalten, führt der aufsteigende Wasserdampf dazu, dass sich die Beschichtung ablöst. Hier gilt der alte Spruch: Wasser sucht sich immer seinen Weg! Entsprechend zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Trocknungszeit je nach Jahreszeit und Witterungseinflüssen variiert. Moderne Beschichtungssysteme beeinflussen durch ihre Strukturbeschaffenheit die Trocknungszeit positiv.

Das Klarspülen – gemeint ist hier nicht das Neutralisieren! – erfolgt nach der klassischen Nassgrundreinigung durch erneutes Aufbringen von Wasser auf den grundgereinigten Flächen und anschließende Aufnahme der Flotte. Verbliebene Reinigungsmittelreste als eine mögliche Ursache für eine schlechte Haftung werden somit entfernt. Bewährt hat sich das Klarspülen unter Zuhilfenahme eines Reinigungsautomaten, da hiermit bei gleichzeitigem Einsatz einer geeigneten Mechanik am Schrubbdeck hohe Flächenleistungen möglich sind. Allerdings dürfen dabei die Randbereiche nicht vergessen werden, die der Reinigungsautomat nicht erreicht. Diese Bereiche sind entsprechend manuell zu bearbeiten.

Im geschilderten Fall musste die Grundreinigung mit anschließender Beschichtung vollständig wiederholt werden, um am Ende eine intakte Oberfläche herzustellen.

Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de

Tipp vom Gutachter: Richtig grundreinigen

Sascha Hintze - © privat

Sascha Hintze, Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger: Die Ausführung von Grundreinigungsarbeiten und eine anschließende Beschichtung sind nicht schwer, wenn man sich an einige Vorgaben hält. Die Hersteller geben den Dienstleistern neben guten Produkten auch die entsprechenden Hilfen an die Hand. Kombiniert man diese mit folgenden Tipps, sollte einem positiven Ergebnis nichts im Wege stehen:

  • Ansetzen der Grundreinigerflotte in der vom Hersteller angegebenen Konzentration.
  • Vermeiden, dass die Grundreinigerflotte antrocknet; dabei eventuell mit Wasser unterstützen.
  • Die vom Hersteller angegebene Einwirkzeit beachten.
  • Nach der Grundreinigung unbedingt ausreichend klar­spülen.
  • Flächen auf Glanznester und alte Beschichtungsrück­stände hin überprüfen. Falls vorhanden, sind diese partiell zu entfernen.
  • Beschichtung pur in zwei bis drei Aufträgen dünn und gleichmäßig aufbringen und nach Möglichkeit nass in nass arbeiten.
  • Ausreichende Trocknungszeit zwischen den einzelnen Aufträgen beachten und dabei auch die Witterung berücksichtigen.