Grundreinigung: Typische Fehler und praktische Tipps

Nichttextile Bodenbeläge – eine Vielfalt, die zahlreiche Herausforderungen mit sich bringt. Doch mit der Wahl des richtigen Grundreinigers und der passenden Pflege­dispersion können auch Böden mit überdurchschnittlich starker Beanspruchung lange in gutem Zustand erhalten werden.

Beispiel für die Verseifung eines Linoleumbodens durch Verschleppung von stark alkalischem Reiniger aus angrenzenden Räumen. - © Tana-Chemie

Die Praxis hat in den letzten Jahren gezeigt, dass auch die besten vergüteten Beläge den außerordentlichen Belastungen zum Beispiel in Kindergärten und Grundschulen oftmals nicht gewachsen sind. Um einen vergüteten Belag dauerhaft mit einer Einpflege zu versehen, muss in den meisten Fällen die Vergütung zumindest angeraut (mechanisch beschädigt) beziehungsweise sogar abgetragen werden. Permanentbeschichtungen sind chemisch nicht wieder entfernbar und lassen sich nur mechanisch von der Oberfläche abtragen. Werden beim Aufbringen von Beschichtungen Fehler gemacht, entsteht keine homogene Schicht mit den erwartenden guten Eigenschaften. Daher spricht vieles für die erneuerbare und flexiblere Grundreinigung mit zugehöriger Einpflege. Allerdings ist auch hier größte Sorgfalt geboten.

Die richtige Vorarbeit

Die Vermeidung von Fehlern beginnt bereits bei Ankunft im Raum. Wird der Bodenbelag nicht korrekt bestimmt, sind Schadensfälle programmiert. Prinzipiell lassen sich mit dem richtigen Verfahren alle nicht-textilen und wasserbeständigen Bodenbeläge reinigen – zum Beispiel PVC, Linoleum, Kautschuk sowie Hartbeläge wie Holz oder Stein. Außerdem die Industrieestriche inklusive der typischen Industrie­beläge aus EP/PUR.

Gut verlegte PVC-Beläge mit hochgezogenen Randstreifen sind im Grunde genommen wasserdicht und die ­Menge an eingesetztem Wasser spielt keine Rolle. Im Vergleich dazu darf etwa ein geölter Holzbelag nur mit wenig Wasser behandelt werden. Auch die Beständigkeit gegenüber alkalischen Reinigern ist unterschiedlich. Hier sei der chemisch sehr beständige EP-Belag genannt, der in der Regel mit keinem alkalischen Reiniger beschädigt werden kann, und im Gegensatz dazu der doch recht empfindliche Linoleumbelag, welcher sowohl chemisch als auch mechanisch sehr schnell Schaden nimmt.

Spar-Grundreinigung führt zu Problemen

Die klassische chemische Nassgrundreinigung ist die aufwändigste aller Reinigungsarten im Gebäude. Mit einer Grundreinigung werden alle Schmutz- und Pflegefilmreste vom Bodenbelag entfernt. Je nach Zustand der Pflege kann dies sehr arbeitsintensiv sein. Leider hat es sich in der Praxis eingebürgert, nur noch eine Spar-Grundreinigung durchzuführen, bei der oft Reste der vorherigen Pflege auf dem Boden verbleiben. Dies führt dann unweigerlich zu Problemen mit der neu aufgebrachten Pflege, die sich in Ablöseerscheinungen oder ungleichmäßiger Oberflächenoptik darstellen. Unpräzise Arbeitsabläufe können ebenfalls zu Problemen führen – entweder bereits während der Grundreinigung oder später bei der Einpflege.

Bereits beim Ansetzen der Reinigungsflotte ist darauf zu achten, dass der eingesetzte Grundreiniger für den zu bearbeiteten Belag geeignet ist und dass richtig dosiert wird. Viele nutzen zum Verteilen der Reinigungsflotte ein Breitwischgerät und den Doppelfahr­eimer. Besser geht dies mit der Einscheibenmaschine mit Tank und Scheuerbürste.

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    Die Verwendung falscher Pads verursacht immer wieder irreversible Schäden. So begünstigen etwa harte Pads die Entfernung der Reifeschicht.
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    Ungleichmäßiges Erscheinungsbild: Reste vorheriger Pflegemaßnahmen oder verschlissener PUR-Vergütung.
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    Vielfältige Ursachen einer nicht korrekt durchgeführten Grundreinigung, wie zum Beispiel auf der Fläche verbliebene Reste der Reinigungsflotte oder unzureichende Trocknungszeiten, führen zu nicht langlebigen Pflegefilmschichten (abpudern).
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Mit der Einscheibenmaschine wird der Belag in Bahnen mit geöffnetem Ventil abgefahren. Der Einsatz der Bürste führt dazu, dass der vorhandene Pflegefilm leicht aufgeraut wird und der Grundreiniger durch die so vergrößerte Oberfläche besser wirken kann. Wird zu wenig aufgebracht, kann dies dazu führen, dass der vorhandene Pflegefilm unzureichend entfernt wird. Als Folge wird eine unwirtschaftliche Mehrfachbearbeitung der Fläche notwendig.

Als Grundregel gilt: Es sollten etwa 1–1,5 Liter Reinigungsflotte pro Quadratmeter aufgetragen werden – so viel, dass ein Streichholz schwimmt. Auch sollte man den Grundreiniger für etwa 10 bis 15 Minuten wirken lassen. Während der Einwirkzeit wechselt man die Bürste gegen geeignete Pads und bereitet den Doppelfahreimer sowie den Nasssauger beziehungsweise die Scheuersaugmaschine vor. Dabei ist darauf zu achten, dass die Reinigungsflotte nicht antrocknet. Die Bearbeitung der Ränder ist auf keinen Fall zu vernachlässigen.

Arbeitet man mit einem Tank, kann während des Abfahrens immer wieder Flotte zugegeben werden. Beim Arbeiten ohne Tank muss eventuell Flotte manuell nachgegeben werden. Das Zugeben lediglich von Wasser verdünnt den Grundreiniger und vermindert die Wirkung. Idealerweise sollte immer angesetzte Flotte zuge­geben werden, da die wirksamen Lösemittel verdunsten.

Zum Abschluss der Grundreinigung wird die Fläche mit klarem Wasser gespült, damit keine Reste der Reinigungsflotte zurückbleiben. Beim Einsatz von modernen Grundreinigern genügt ein nochmaliges zweistufiges Nachwischen mit klarem Wasser. Bei klassischen Grundreinigern ist mehrfach mit viel Wasser zu spülen, um alle Rückstände zu entfernen.

Grundregeln für ein optimales Ergebnis

  • Grundreinigungen richtig oder gar nicht durchführen: Sparversionen sind fehleranfällig, die Ausnahme bilden gut geplante Pflegefilm-Sanierungen mit passendem Verfahren.
  • Eine gute Vorbereitung ist wesentlich für das Ergebnis:
  • Bodenart korrekt bestimmen;
  • passende Reinigungschemie und Verfahren auswählen;passende Pads auswählen;
  • Umgebungsfaktoren wie Temperatur, Fußbodenheizung, Luftfeuchtigkeit beachten, um die richtigen Maßnahmen zu ergreifen (zum Beispiel Fußbodenheizung zeitgerecht ausschalten, Trocknungszeiten korrekt planen et cetera);
  • genau durchgeführte Vorbereitungsarbeiten schützen vor Fehlern, wie zum Beispiel Grobreinigung.
  • Einscheibenmaschinen führen zu einem besseren Ergebnis als Handwischgeräte.
  • Pflegedispersionen in mehreren dünnen Schichten auftragen.
  • Pflegedispersionen verdichten erhöht die Strapazierfähigkeit.

Nach dem Trocknen müssen schließlich unter Umständen sichtbare Glanzstellen separat behandelt werden. Bei modernen Bodenbelägen mit PUR-Vergütung können diese Glanzstellen auch von der Vergütung herrühren. Insbesondere bei Linoleumbelägen kommt dies häufig vor und wird oft mit unzureichend entfernten Pflegefilmen verwechselt.

Die so behandelte Fläche ist nun frei von allen Verschmutzungen und Pflegemittelresten – eine Notwendigkeit, um eine anschließende Einpflege fehlerfrei durchführen zu können.

Pflegedispersionen – weniger dauerhaft, dafür sanierbar

Weniger dauerhaft als Permanentbeschichtungen, dafür aber sanierbar und wieder entfernbar sind Pflege­dispersionen. Diese sind einfach in der Anwendung und bei richtiger Pflege über eine lange Zeit in einem guten Zustand zu halten. Unterschieden wird dabei grundsätzlich zwischen sogenannten weichen und harten (oft metallvernetzten) Pflegedispersionen. ­Eine Besonderheit stellen die modernen Selbstglanzdispersionen dar. Diese sind metallsalzfrei und besitzen trotzdem eine sehr hohe Haltbarkeit. Zudem sind diese Produkte besonders zäh, sodass die Pflegefilme solcher Polymerdispersionen besonders langlebig sind.

Bei der Einpflege mit Pflegedispersionen ist zu beachten, dass während der Trocknungszeit keine Zugluft entsteht. Außerdem sollte die Temperatur der Raumluft nicht unter 5 °C und nicht über 30 °C liegen, da es sonst zu Problemen mit der Filmbildung kommen kann. Hohe Luftfeuchtigkeit verzögert die Trocknung, sodass es vorkommt, dass der Pflegefilm mehrere Stunden Trocknungszeit benötigt. Zu lange Trocknungszeiten stören ebenfalls die Filmbildung, was die Haltbarkeit des Pflegefilms beeinträchtigt.

Üblicherweise werden zwei bis drei dünne Schichten Pflegedispersion aufgetragen. Bei Linoleum sollten immer mindestens drei Schichten aufgebracht werden. Grundsätzlich ist es besser, mehrere dünne Schichten aufzubringen als wenige dicke. Damit erhöht sich die Strapazierfähigkeit des Pflegefilms. Um die Strapazierfähigkeit noch weiter zu steigern und damit die Lebensdauer der Beschichtung zu verlängern, kann jede Schicht nach ausreichender Trocknungszeit mit einer Super-High-Speed-Maschine (>750 U/min) zusätzlich verdichtet werden.

Wischpflege: eine Alternative zur Pflege­dispersion?

Anstelle der Einpflege mittels einer Pflegedisper­sion nach der Grundreinigung kann ein weiteres Verfahren gewählt werden: Die Einpflege mit einer Wischpflege. Dies ist zwar einfacher in der Handhabung, zieht dafür aber einen höheren Aufwand während der Unterhaltsreinigung nach sich.

Für die Wischpflege stehen dem Gebäudereiniger mehrere mögliche Varianten zur Verfügung: Einsatz einer Wischpflege auf Basis wasserlöslicher Poly­mere, eines Seifenreinigers (richtiger wäre Seifenwischpflege), eines Wischwachses oder einer Wischpflege mit wasserunlöslichen Polymeren. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt in der Einsparung der aufwändigen Grundreinigung und ist vor allem dann interessant, wenn kein Fachpersonal zur Verfügung steht.

Bei den Wischpflegemitteln auf Basis wasserlöslicher Polymere sowie bei den Seifenreinigern handelt es sich um Produkte, die einfach in der Anwendung sind und ein gutes Reinigungs- und Pflegeergebnis erzielen. Die Polymere hinterlassen auf dem Belag eine dünne Pflegefilmschicht, die dem Belag ausreichend Schutz bietet, damit die Oberfläche keinen Schaden nimmt. Die optimale Vorgehensweise beim Einsatz dieser Produkte sieht folgendermaßen aus: Auf den gut gereinigten Belag werden die Produkte in erhöhter Konzentration im Nasswischverfahren ausgebracht. Nach der Trocknung wird die Fläche mit einer High-Speed-Maschine mit etwa 1.000 U/min auspoliert. Dadurch verdichtet sich der Pflegefilm und wird widerstandsfähiger gegen Nässe und Begehung. Seifenbasierte Pflegefilme sind etwas weniger empfindlich gegenüber Wasser als polymerbasierte Pflegefilme.

Neben der Wirtschaftlichkeit zählt auch der Nachhaltigkeitsaspekt

Der erzielte Werterhalt einer korrekt durchgeführten Grundreinigung und Einpflege sollte nicht verkannt werden. Regelmäßig gereinigt und geschützt, erhöht sich die Lebensdauer eines Bodens enorm. Die Intervalle für die Grundreinigung und erneute Einpflege hängen von der Bodenbeanspruchung ab und sind bei hoher Belastung, wie beispielsweise in Schulen, sicher häufiger als in einem Büro.

Neben dem für die Kunden positiven finanziellen Effekt, dass Erneuerungsmaßnahmen langfristig verzögert werden, hat dieser Werterhalt natürlich auch positive Auswirkungen für die Umwelt. ­Solange ­Bestandsböden nutzbar sind, werden weder Rohstoffe und Energie für die Produktion eines neuen Bodens benötigt, noch entsteht Müll. Nicht zuletzt ist die Wahl des Mittels maßgeblich für den ökologischen Fußabdruck. So sind etwa Mittel, die frei von Butyl­glycol sind, nicht nur für Anwender und Objektnutzer eine gesündere Alternative, sondern auch schonender für die Umwelt.

Jürgen Otterbein | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

Jürgen Otterbein - © Tana-Chemie

Jürgen Otterbein

ist öffentlich bestellter Sachverständiger und Leiter der Anwendungstechnik bei Tana-Chemie.