Sicherheitsfliesen: So gelingt die Reinigung

Im Einzelhandel gibt es Bereiche, in denen zur Sicherheit rutschhemmende Fliesen aus Feinsteinzeug verlegt sind. Damit diese den Hygieneanforderungen genügen, benötigen sie eine besondere Reinigung. Doch wie bekommt man stark strukturierte Bodenbeläge wirklich sauber? Das Geheimnis liegt in der richtigen Kombination von Maschine, Reinigungsmittel und Pad.

Mit einer hand­geführ­ten rechteckigen Exzentermaschine in Kombination mit Pads und dem richtigen Feinsteinzeugreiniger werden vergraute ­Sicherheitsfliesen wieder sauber. - © Haid-tec

Wer im Supermarkt einkaufen geht, schenkt dem Bo den wahrscheinlich nur wenig Aufmerksamkeit – ­außer er wirkt unansehnlich und da mit wenig einla dend. In den meisten Lebens mittelmärkten wer den Feinsteinzeugfliesen verlegt – sie sind robust, extrem wi derstandsfähig und da mit langlebig. In die Bereiche, in denen der Backshop bestückt o der die Fleischwurst geschnitten wird, hat der Kun de normalerweise keinen Zutritt. Um die Rutschgefahr für die Mitarbeiter zu verringern, wer den in der Metzgerei beziehungsweise Lebens mittelvorbereitung sogenannte Sicherheitsfliesen verlegt. Offizieller Begriff: Feinsteinzeugfliese mit Verdrängungsraum.

Die Sache mit den R und V

Die Anfor derungen an die Rutschhemmung wer den mit den Bewertungsgruppen R9 bis R13 kenntlich gemacht. Daneben gibt es noch den V-Wert, der den Verdrängungsraum angibt. Schmutz wie Fette, Blut und eiweißhaltige Abfälle wie sie bei der Fleisch- und Wurstverarbeitung anfallen, verlangen einen höheren Grad an Rutschhemmung. In der Wurstküche, in der mit Fleisch hantiert wird, wird von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung de r höchste Grad an Rutschhemmung gefor dert – R13 und V8.

Schmutz verfängt sich zwischen den "Berggipfelchen"

Auch wenn die rutschhemmen de Feinsteinzeugfliese sehr robust und wi derstandsfähig gegen Abrieb und Chemikalien ist, ist sie aufgrund der stark strukturierten Oberfläche schwer zu reinigen. Nach dem ­Wischen bleibt immer Wasser in den Vertiefungen hängen. Trocknet das Wasser ab, bleiben Kalk, Schmutz und Tensi de zurück – der Bo den wird bei unsachgemäßer Reinigung zunehmend grauer.

Sylke Thomas, Objektleiterin bei Gebäu deservice Elster, kennt dieses Problem nur allzu gut. "Es liegt in der Natur der Sache, dass die Fliesen immer dunkler wer den. Auf den Fliesen steht man quasi auf 'Berggipfelchen' und in den Tälern dazwischen sammelt sich der Dreck. Wenn wir gerufen wer den, sind die Fliesen oft schon ganz schwarz", erzählt Thomas.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet Johannes Breinlinger, Geschäftsführer der Toma Gebäu dereinigungsgesellschaft mit Sitz in Stockach am Bo densee. Gera de wenn in diesen Bereichen etwas steht, um das man bei der täglichen Reinigung immer einen Bogen macht, erlebe man bei der Grundreinigung eine Überraschung. Ist der Bo den dann frei zugänglich, sieht man die unterschiedlich hellen beziehungsweise dunklen Fliesen, berichtet er. Sylke Thomas beschreibt die ­Herausfor derung so: "Man bekommt so eine Verschmutzung nicht auf herkömmliche Weise weg. Es ist sehr schwierig, etwas zu fin den, das mit wenig Aufwand und wenig Chemieeinsatz gut funktioniert."

Und dann wird’s auch noch eng

Hinzu kommt: Die Bereiche mit den Sicherheits­fliesen sind oft beengt – der Gang hinter der Theke, die Schnippelküche. Während sich der Verkaufsraum im Supermarkt meist bequem mit dem Scheuersaugauto­maten reinigen lässt, gibt es in den Räumlichkeiten mit den rutschhemmen den Fliesen kaum Platz für größere Maschinen. In solchen Fällen eignen sich beson ders gut oszillieren de Maschinen. Wird es noch enger, muss die Maschine draußen bleiben. Dann empfiehlt Breinlinger seinen Mitarbeitern, mit einem Handpadhalter zu arbeiten. "Dort wo der Metzger arbeitet, nehme ich einen Fettlöser und ein Handpad mit Stiel."

No-Go Nr. 1: die Chemiekeule

"Viele machen den Fehler, dass sie gleich mit der Chemiekeule kommen", weiß der Toma-Geschäftsführer. Die 580 Reinigungskräfte der Firma sind hauptsächlich im südlichen Ba den-Württemberg im Einsatz – und hier vor allem in Lebens mittelmärkten, Kin dergärten, Schulen und öffentlichen WC-Anlagen. Ist kein Platz für eine große Maschine, erzielen seine Mitarbeiter die besten Reinigungsergebnisse mit der Kombination aus handgeführten Einscheibenmaschinen sowie MelaminPlusPads und Wasser. "Für die Sicherheitsfliesen mit ihrer zackigen Oberfläche ist diese Kombi i deal", bekräftigt Breinlinger. Durch die vibrieren den Bewegungen der Maschine in Verbindung mit den Pads aus Melaminschaumharz komme man tief in die Poren der Sicherheitsfliesen, der Einsatz einer Chemiekeule sei überhaupt nicht nötig.

Sylke Thomas, die seit acht Jahren beim Hamburger Gebäu deservice Elster tätig ist, macht bei neuen Kun den vor Ort erst einmal eine Wischprobe – mit klarem Wasser. "Man nimmt ein Handpad und klares Wasser und wischt über eine kleine Fläche am Bo den. Man sieht sofort einen Unterschied", erzählt die Objektleiterin. Zusammen mit einem Kollegen ist sie für 76 Mitarbeiter verantwortlich, die im Raum Nie dersachsen hauptsächlich in Supermärkten, aber auch in Schwimmbä dern, Saunen, Arztpraxen und Büros, Unterhalts- und Son derreinigungen durchführen. Bei 95 Prozent aller Objekte mit Feinsteinzeugfliesen setzen ihre Teams Produkte von Haid-tec ein. Wenn ein Kollege es mit einem beson ders verschmutzten Bo den zu tun hat, empfiehlt sie den Einsatz der Melamin­PlusPads. Die Pads haben grundsätzlich ­eine kür­zere Standzeit als Mikrofaserpads, "aber die Pads von Haid-tec sind sehr langlebig und stabil und holen ­allein aufgrund ihrer Beschaffenheit richtig gut den tiefsitzen den Schmutz raus", sagt Thomas. Vom privaten Haushalt kenne man vielleicht die Zauberschwämmchen o der auch Schmutzradierer, die ebenfalls aus Melaminharzschaum sind und allerlei hartnäckige Flecken verschwin den zu lassen.

Für die Elster-Objektleiterin ist es wichtig, dass ihre Teams mit wenig o der gar keinem Reinigungs mittel gute Ergebnisse erzielen: "Wir sind in sensiblen Bereichen unterwegs – in Bä dern und in der Sauna sind die Menschen barfuß unterwegs, da möchte ich keine scharfen Reinigungs mittel haben, und bei der Lebens mittelherstellung bin ich auch beschränkt, was die Chemie angeht.“"

No-Go Nr. 2: Pflegen de Mittel

Einen schönen Glanz erzeugen, da mit sich die Waren im Bo den spiegeln können – so lautet der Wunsch vieler Marktleiter von Drogerie- und Supermärkten. Es ist jedoch ein Irrtum, zu glauben, diesen Glanz erreiche man durch pflegen de Mittel. Sylke Thomas: "Der Bo den braucht keine pflegen de Komponente. Da mit ­wür de man nur einen Film auf die Feinsteinzeugfliese auftragen." Durch Rückstän de des Reinigungs mittels, die auf dem Bo den zurückbleiben, wird der Untergrund schmierig, unansehnlich, glatt und da mit auch gefährlich. Normale Feinsteinzeugfliesen, die ab Werk eine glänzen de Oberfläche aufweisen, wer den dann wie der schön, wenn sie sauber sind und mit Hilfe der Maschine und dem passen den Pad gereinigt wer den.

No-Go Nr. 3: Wischmopp aus Baumwolle o der Bürste

Thomas Haid-Thoma entwickelt seit über 20 Jahren Reinigungskonzepte für den Lebens mitteleinzelhan del. Wenn die Bö den täglich nass gewischt wer den, sollte man zumin dest Mopps aus Mikrofaser verwen den, rät der Geschäftsführer von Haid-tec Oberflächentechnik. "Mopps aus Baumwolle verteilen den Schmutz nur von links nach rechts. Dagegen nehmen Mopps aus Mikrofaser den Schmutz gut auf, so lange bis die Faser mit Schmutz zugesetzt ist; daher müssen diese dann relativ schnell erneuert beziehungsweise in der Waschmaschine gewaschen wer den. Das ist aufwändig", sagt Haid-Thoma. Für die Bereiche mit den Sicherheitsfliesen ist der Wischmopp kontraproduktiv, betont Sylke Thomas: "Der wirkt wie ein Anker und bremst auf dem rutschhemmen den Bo den. Hingegen kommen Mikrofaserpads sehr gut in die mikroskopisch kleine Berg-und-Tal-Landschaft.“

Für die Unterhaltsreinigung in den Märkten wer den in der Regel Scheuersaugmaschinen verwen det. Diese wer den vom Hersteller ab Werk mit Bürsten geliefert, können aber auch mit einem Treibteller ausgestattet wer den, mit dem sich Pads auf der Maschine betreiben lassen. Die Reinigungsteams der Toma Gebäu de­reinigungsgesellschaft verwen den die Bürste eher selten. "Die ist halt dabei, wenn man sie kauft", meint der Geschäftsführer ganz salopp. Ihr Einsatz ist nur dann sinnvoll, wenn die Fugen zwischen den Fliesen sehr tief sind und sich dort Schmutz angesammelt hat – "da kommt die Bürste besser hinein", weiß Breinlinger. Für die Fliesen selbst und ihre poröse Oberfläche eignen sich die Pads besser, da sie bis in die feinen Vertiefungen der Feinsteinzeugfliese kommen. In Kombination mit den kreisen den und vibrieren den Bewegungen einer Exzentermaschine wer den die Bö den wirklich sauber, bestätigt Breinlinger.

No-Go Nr. 4: Nicht wissen, wie der Bo den beschaffen ist

Der Toma-Geschäftsführer sieht die Ursache dafür, dass viele Bö den sich dunkel verfärben, in der Tatsache, dass Mitarbeiter oft einfach nicht wissen, welcher Bo denbelag sich in den Räumlichkeiten befin det und welche Reinigungs mittel und Geräte dafür geeignet sind. Ist es Vinyl, Linoleum, Marmorbo den o der Feinsteinzeug? Wur de der Bo den beschichtet o der nur geölt? "Ein Bo den ist durchaus nachtragend. Wenn der Reiniger den falschen pH-Wert hat, können sich zum Beispiel Natursteinfliesen verfärben o der verätzen.“

Da mit der Lebens mittelkontrolleur nicht zweimal klingelt ...

Thomas Haid-Thoma fasst zusammen, wo die häufigsten Fehlerquellen bei der Reinigung liegen: "Falsche Chemie, falsche Dosierung, unzureichen de Mechanik." Er empfiehlt, vor und nach der Verwendung einer Reinigungsmaschine deren Funktionsweise zu prüfen, zum Beispiel ob die Absaugeinheit so eingestellt ist, dass die Schmutzflotte möglichst vollständig in den Abwassertank aufgenommen wird. Nach Gebrauch sollte der Abwassertank der Maschine immer entleert und belüftet wer den. Der Reinigungsexperte betont: "Reinigungs mittel, die Wachse, Seifen, Rückfetter o der schichtbil den de Substanzen beinhalten, sind tabu. Sie führen nur zu einer erhöhten Schmutz­anlagerung und zur Verglättung des Bo denbelags. Nicht zuletzt sind die Pads regelmäßig zu kontrollieren und bei Verschleiß auszutauschen.“"

Wer sich an diese Regeln hält, dem wird es mit relativ wenig Aufwand gelingen, auch stark strukturierte Feinsteinzeugfliesen nach den Vorgaben der DGUV und den gelten den Hygieneverordnungen sauber zu halten. Die Mitarbeiter in Lebens mittelmärkten können auf rutschsicherem Untergrund ihrer Arbeit nachgehen und Marktleiter wie Nie derlassungsleiter können sich sicher sein, dass der Lebens mittelkontrolleur o der die Frau vom Gesundheitsamt nicht zweimal klingeln.

Susanne Frank, Fachjournalistin | markus.targiel@holzmann-medien. de

Dos and Don’ts auf ­Feinsteinzeugfliesen

Fünf Tipps, da mit die Reinigungsleistung auf Feinsteinzeugfliesen maximiert wird:

1. Ersetzen Sie die Bürste der Reinigungsmaschine durch Pads. MelaminPlusPads gewährleisten eine maximale Reinigungsleistung. PolyPlusPads sind langlebiger und polieren gleichzeitig den Bo den.

2. Für beson ders schwierige Reinigungsaufgaben eignen sich Orbital- beziehungsweise Exzentermaschinen. Für diese gibt es spezielle Pads mit Klettrücken.

3. Verwen den Sie für die manuelle Reinigung von Rand- und Eckbereichen Mikrofasermopps, keine Mopps aus Baumwolle. Auf beengtem Raum eignen sich Padhalter mit Stiel.

4. Verwen den Sie einen speziellen Reiniger für Feinsteinzeug. Die Dosierung richtet sich nach der Wasserhärte. Bei hoher Wasserhärte gegebenenfalls eine Wasserenthärtungsanlage nutzen.

5. Verwen den Sie auf keinen Fall Reiniger mit pflegen den Substanzen. Der entstehen de Film verursacht Schlieren und macht den Bo den schmierig und ungleichmäßig. Das fällt beson ders auf, wenn Sonnenstrahlen drauftreffen.