Reinigung strukturierter Beläge: Erfolgreich auf schwierigem Terrain

Strukturierte Bodenbeläge wie Feinsteinzeugfliesen oder Gumminoppenböden gelten als rutschhemmend und sind vor allem dort anzutreffen, wo die Sturzgefahr vermindert werden soll. Die Reinigung dieser Beläge kann sich wegen der Struktur allerdings mitunter schwierig gestalten. Was im Fall der Fälle zu tun ist.

Feinsteinzeugfliesen sind die am häufigsten verbauten Fliesen. Sie lassen sich am besten maschinell reinigen. Hier zu sehen: gesandete, offenporige Feinsteinzeugfliesen mit starken Schmutzablagerungen durch manuelle Reinigung. - © Uwe Büttner

In vielen Bereichen sind rutsch­hemmende – also strukturierte – Bodenbeläge vorgeschrieben, umdie Rutsch- und Sturzgefahr zu minimieren. Sie sind überall dort anzutreffen, wodie Gefahr besteht, im Nassen oder Trockenen den Halt zu verlieren und auszu­gleiten. Dies gilt für Schwimmbäder, Wellnesseinrichtungen oder Sanitäranlagen und Umkleide­kabinen ebenso wie für Großküchen oder Schlachtereien und öffent­liche Gebäude, Eingangsbereiche, Schalter­hallen oder Ladengeschäfte.

Häufig nur maschinell zu reinigen

Strukturierte Stein- oder Keramikbodenbeläge ­verursachen bei der Reinigung oft erhebliche Prob­leme. Für Feinsteinzeugfliesen giltdas ebenso wie für gesandete Fliesen, Steinteppichböden, strukturierte Natur- und Kunststeinbeläge oder Epoxidharzböden mit Chipeinstreuung. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie können nur mit erhöhtem Aufwand und häufig nur mit maschineller Hilfe gereinigt ­werden. Dennoch gibt es große Unterschiede in ­Sachen Reinigungsfreundlichkeit und dabei gilt: Je höherdie Anforderungen andie Begehsicherheit,die Rutschklasse oderdie Flüssigkeitsverdrängungsklasse, umso zeitaufwändiger istdie Reinigung. Entscheidend für eine stressfreie und wirtschaft­liche Reinigung sinddas Equipement,die Maschinen, das Nasswischtextil und natürlichdie passende Reinigungschemie.

Allrounder Feinsteinzeugfliese

Die Feinsteinzeugfliese ist unter den strukturierten Hartbodenbelägen ein besonderer Allrounder. Sie ist abriebfest, frostbeständig, ihre Wasseraufnahme liegt bei unter 0,5 Prozent, sie ist durchgefärbt und besitzt durchdie spezielle Herstellungsart mindestensdie Rutschklasse R9 ab Werk. Diesem Umstand sowie dem günstigen Preis und ihrer Langlebigkeit verdanktdie Feinsteinzeugfliese ihren kometen­haften Aufstieg. Sie ist heutedie meistverbaute Fliese ­sowohl in ­privaten Innen- und Außenbereichen als auch im öffent­lichen Raum. Dies sicherlich auch deshalb, weil in allen ­öffentlich zugänglichen Bereichen rutsch­hemmende Bodenbeläge der Rutschklasse R9 vorgeschrieben sind.

Feinsteinzeugfliesen sind mittlerweile in nahezu ­allen Farben und Schattierungen erhältlich. Erkennen kann man sie an ihrer Reinigungsproblematik ­beziehungsweise dem d urch unsachgemäße Reinigung ent­stehenden Grauschleier. Feinsteinzeug­fliesen gibt es in allen Rutschklassen, mit und ohne Flüssigkeitsverdrängungsnoppen wie für Großküchen (Klassen V4 bis V10), gesandet für den Barfußbereich in Duschen (Klassen R9 bis R13) oder auch auf Hochglanz poliert fürdie edle Hotellobby.

Ein Igel-Mopp kann hilfreich sein

Sicherheitsfliesen der Klassen R11 bis R13 und V können in der Regel nur maschinell gereinigt ­werden. Die Klassen R9 und R10, unter Umständen auch R11, ­lassen sich grundsätzlich manuell reinigen – allerdings nur mit einem entsprechendem M ikrofaser-Nasswischbezug und einem alkalischen oder sauren Feinsteinzeugreiniger. Bei der manuellen ­Reinigung von Fliesen der Klasse R11 kann ein soge­nannter Igel-Mopp zum Vorschrubben sehr hilfreich sein.

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    Feinsteinzeugfliesen der Rutschklasse R9 lassen sich manuell reinigen, allerdings nur mit einem Mikrofasermopp und einem alkalischen oder sauren Feinsteinzeugreiniger. Andernfalls entstehen Rückstände oder Grauschleier.
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    Strukturierte elastische Beläge verursachen bei der Reinigung zwar weniger Probleme als strukturierte Hartböden. Sie sind aber auch nicht nicht ganz einfach zu reinigen. Hier zu sehen: ein Kautschukboden mit starken Ablagerungen.
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    Elastomerbeläge aus Kautschuk – hier in Hammerschlag­optik – neigen unter UV-Einstrahlung zur Auskreidung und Weichmacherwanderung – erkennbar an einem wolkigen Belag auf der Oberfläche.
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    Gumminoppenboden mit starker Beaufschlagung: Zwar ist diese Beaufschlagung rutschhemmend und schützt den Bodenbelag vor äußeren Beanspruchungen. Sie ist aber optisch nicht schön und vom Nutzer meist nicht toleriert. Kautschukbeläge müssen aus diesem Grund immer wieder zwischengereinigt werden.
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    Elastomerbelag versprödet (Makroaufnahme): UV-Strahlung oder ­Anwendungsfehler wie lösungsmittelhaltige oder alkalische Unterhalts­reiniger statt Neutralreiniger können dazu führen, dass der Belag aufbricht.

Viel Mechanik, am besten maschinell

Zu den strukturierten Hartbodenbelägen, die nicht ganz einfach zu reinigen sind, gehören auch Stein­teppiche, Epoxidharzböden mit Chipeinstreuung sowie gelaserte Granitfliesen und bruchraue ­Natursteinbeläge. Reinigungstechnisch gilt für diese ­Belägedie Vorgehensweise wie für Feinsteinzeugfliesen: Viel Mechanik, am besten maschinell ausgeführt mit Hilfe von Einscheiben- , Oszillations-, Dreischeiben- oder Walzenbürstenmaschinen. In Kombination mit Mikrofaser oder weichen Bürsten und eventuell Hoch-tief-Beborstung ist dies fast schon ein Garant für ein optisch ansprechendes Reinigungsergebnis. In manchen Nass- oder Groß­küchenbereichen, auch bei Steinteppichböden, kanndie Anwendung eines Hochdruckreinigers mit gekapselter Lanze sehr hilfreich sein. Bei poliertem Feinsteinzeug empfiehlt es sich, bei der maschinellen Reinigung Melaminharz-Pads zu verwenden. Solltedie Optik trotz Einsatz eines solchen Pads nicht ­zufriedenstellend sein, ist es einen Versuch wert, als mechanischen Reinigungsverstärker Scheuermilch in entsprechender Verdünnung anzuwenden. Dies gilt auch für gelaserte Granitfliesen.

Reinigungschemie genau abstimmen

Die Reinigungschemie muss im Unterschied zur ­Mechanik sehr genau aufdie zu reinigende Belagart beziehungsweise deren Eigenschaften abgestimmtwerden. Schiefer und Terrakotta vertragen keine ­alkalische Reinigungschemie, deren pH-Wert größer als 9 ist. Dem Schiefer werden dadurch Öle entzogen und der Bodenbelag nimmt eine gräulich-matte Optik an. Beläge aus Terrakotta werden hingegen fleckig, wirkten ausgelaugt und saugen sich mit dem Grund- beziehungsweise Intensivreiniger voll.

Auf den pH-Wert achten

Betonwerkstein, Terrazzo (rau oder geschliffen) und kalkhaltige Bodenbeläge aus Travertin, Soln­hofener oder Jura-Marmor (bruchrau oder geschliffen) reagieren auf Reinigungschemie mit einem pH-Wert kleiner als 6 mit Verätzungen, also Dekristallisierung des Calcits. Dies macht sich bei Anwendung von Reinigungschemie mit pH-Wert kleiner als 3 bis 4 durch ein Aufschäumen bemerkbar. Bei Reinigungschemie mit einem pH-Wert zwischen 4 und 6 istdie Reaktion bei der Reinigung optisch eher nicht festzustellen. Aberdie strukturierten kalkhaltigen Naturstein­beläge reagieren nach der Reinigung mit zu saurer Reinigungschemie immer mit einer matten, fleckigen, rauen, zerstörten Oberflächenoptik. Im entsprechenden Schadensfall müssen Schiefer oder Terrakottabeläge geölt oder gewachst werden. Kalkstein muss neu kristallisiert werden, soweit fachlich möglich. Für kalkhaltige Steinbeläge gilt zudem,dassdas Ausmaß des Schadens immer mit dem ­ pH-Wert korreliert: je niedriger der pH-Wert, umso größer der Schaden.

Elastische Beläge haben andere Probleme

Anders stellt sichdie Situation bei strukturierten elastischen Bodenbelägen dar. Sie verursachen bei der Reinigung zwar erheblich weniger Probleme, sind aber auch nicht ganz einfach zu reinigen. Strukturierte Elastomerbeläge gibt es neben der Ausführung als Gumminoppenbelag auch in Hammerschlagoptik, ­gesandet mit oder ohne Verdrängungsnoppen sowie mit Riffelblechmuster. Elastomerbeläge aus Kautschuk neigen unter UV-Einstrahlung zur Auskreidung und Weichmacherwanderung – und zwar aus dem Gefüge andie Oberfläche.

Wolkiger Belag: Cleanern kann helfen

Optisch istdie Diffusion leicht an einem weißen ­beziehungsweise gräulichen, wolkigen Belag auf der Oberfläche zu erkennen. Zwar ist diese Beaufschlagung rutschhemmend und schützt den Bodenbelag vor äußeren Beanspruchungen. Sie ist aber optisch nicht schön und vom Nutzer meist nicht gewollt und toleriert. Kautschukbeläge müssen aus diesem Grund immer wieder zwischengereinigt werden, umdie ­ Beaufschlagungen,die über einen Zeitraum von sechs bis 16 Wochen entstehen, zu entfernen. Dazu wird der Kautschukbelag – sofern es sich nicht um einen ­ Gumminoppenbelag mit Noppen höher als zwei bis drei Millimeter handelt – unter Zuhilfenahme einer Einscheibenmaschine mit roter Padscheibe und ­lösungsmittelhaltigem Allzweckreiniger mit pH-Wert zwischen 7 und 9 gecleanert. Bei Riffelblechmuster und Hammerschlagoptik hat sich aufgrund der Struktur ein Mikrofaserpad wiedas Bonnet-Pad bewährt. Sollte der Kautschukbelag nach dem Cleanern zu stumpf und optisch wenig ansprechend sein, kann er in einem zweiten Schritt mit einer 20-prozentigen Wischpflegelösung, am besten auf Basis von Poly­meren, natürlichen Wachsen oder Seifen einstufig ­gewischt werden. Nach Auftrocknung der Wischpflege wird der Bodenbelag nochmals mit einer Einscheibenmaschine und dieses Mal einem weißen Pad abgefahren und auspoliert. Und schon sieht der ­Boden optisch aus wie neu. Die Wolkenbildung ist verschwunden und der Kautschukbelag hat auch seine ursprünglich kräftige Farbe wieder.

Wenndie Gumminoppen zu hoch sind

Bei Gumminoppenbelägen mit Noppen höher als drei bis vier Millimeter helfen Padscheiben bei der Entfernung der Beaufschlagung nicht weiter. In solchen Fällen sollte der Anwender auf eine Walzenbürsten- oder Dreischeibenmaschine mit weicher Beborstung (eventuell hoch-tief oder extraweich) und/oderdas Bonnet-Pad-Verfahren setzen. Schwierig wird es ­allemal, dadie Gumminoppen theoretisch von 64 verschiedenen Winkeln, sodas Ergebnis einer externen Praxisstudie, angefahren werden müssten, um alle Seiten der Noppen zu reinigen.

UV-Strahlung begünstigt Auskreidung

Bei Gumminoppenbelägen, die verstärkt UV-Strahlung – zum Beispiel bei bodentiefen Fenstern an der Südseite von Gebäuden – ausgesetzt sind, genügt diese Art der Reinigung oft nicht. In solchen Fällen ist es oft zielführend, als mechanischen Reinigungs­verstärker bei der maschinellen Reinigung Scheuermilch in entsprechender Verdünnung als Schleifmittel anzuwenden. Vorsicht ist geboten, wenn sich auf dem Kautschukbelag Risse, kleine Krater oder milli­meterdicke weißliche Ablagerungen zeigen. Dann hat der Belag durchdie UV-Strahlung Schaden genommen. Die Weichmacher sind nahezu vollständig aus­diffundiert und der Bodenbelag ist irreparabel durch Versprödung zerstört.

Reinigungstechnisch weniger problematisch sind strukturierte Beläge aus Kork, Holz, Laminat, ­Linoleum, PVC oder Vinyl. Bis auf Holz ohne ­DD- oder PUR-Siegel und Laminat könnendie ­genannten Bodenbeläge unter Beachtung ihrer Grundeigenschaften sowie ihrer Verträglichkeit in Bezug auf pH-Wert und Mechanik klassisch gereinigt und grundgereinigtwerden.

Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de

Uwe Büttner - © privat

Uwe Büttner

ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter ­und vereidigter Sachverständiger und selbst­ständiger Berater mit dem Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen | www.reinigungsexperte.de