Manchmal wird es kniffelig bei der Reinigung und Desinfektion – vor allem, wenn es um Ecken und Ritzen, schwer zugängliche Flächen oder filigrane Reinigungsgegenstände geht. Wo Standardverfahren nicht helfen, sind Problemlöser gefragt: Welche Möglichkeiten bieten UV-C-Licht, Ozon, Ultraschall oder Trockendampf in der Gebäudereinigung? Und wie funktioniert das? Ein Überblick.

Sowohl UV-C-Licht als auch Ozon, Ultraschall und Trockendampf haben eines gemeinsam: Sie eignen sich hervorragend zur Abtötung von Keimen, Bakterien, Pilzen, Viren und sonstigen biologischen Organismen oder Verunreinigungen. Alle vier Verfahren zielen darauf ab, durch die Hülle der Mikroorganismen zu dringen und wichtige Verbindungen in deren DNA zu zerstören.
Aus diesem Grund werden UV-C-Licht und Ozon bereits seit den 1990er-Jahren zur desinfizierenden Aufbereitung von Trinkwasser eingesetzt. Trockendampf findet überwiegend Anwendung bei der Industriereinigung, Ultraschall bei der Brandschadensanierung und Ozon auch zur Geruchsneutralisation. Auch wenn alle vier Verfahren ähnliche Ergebnisse bringen – Ziel ist die Zerstörung von organischen Verschmutzungen –, hat doch jedes Verfahren eine anwendungstechnische Eigenschaft, die es für einen speziellen Einsatzzweck prädestiniert.
Desinfektion mit UV-C-Licht und Ozon
UV-C-Licht und Ozon haben aufgrund der Corona-Pandemie in den vergangenen drei Jahren einen regelrechten Hype erfahren. Die Hersteller entsprechender Anwendungs- und Einsatzmöglichkeiten haben sich mit neuen Produkten geradezu überboten. UV-C-Licht, das in der Gebäudereinigung Verwendung findet, wird allerdings weniger zur Reinigung, sondern vielmehr zur Desinfektion von Oberflächen eingesetzt. UV-C-Licht weist die Eigenschaft auf, biologische Verunreinigungen zu beseitigen beziehungsweise zu eliminieren, indem es die DNA-Strukturen zerstört. In Form von UV-C-Licht wirkt UV-Licht – ebenso wie Ozon – desinfizierend, beugt Verkeimungen vor und beseitigt unter anderem auch unangenehme Gerüche.
UV-Licht: Die richtige Wellenlänge zählt
Elementar für die desinfizierende Wirkungsweise ist es, UV-Strahlen mit der richtigen Wellenläge zu verwenden. UV-Licht gibt es in drei Varianten: als UV-A-Licht mit einer Wellenlänge von 315 - 380 Nm, als UV-B-Licht mit einer Wellenlänge von 280 - 315 Nm und als UV-C-Licht mit einer Wellenlänge von 100 - 280 Nm. UV-A-Licht wird in Bräunungslampen in Solarien oder Schwarzlichtlampen in Diskotheken eingesetzt. UV-B-Licht regt die Bildung von Vitamin D3 im menschlichen Körper an, sorgt für eine gebräunte Haut nach dem Sonnenbad, kann bei längerer Bestrahlung leider aber auch zu Hautkrebs führen. UV-C-Licht weist aufgrund der hohen Energiedichte hervorragende Desinfektionseigenschaften auf und wird mittlerweile erfolgreich in Kliniken zur Desinfektion von OP-Bereichen, Krankenzimmern, Laboren oder auch Rolltreppenhandläufen eingesetzt. Vor allem bei schwer zugänglichen, wässerigen, porösen Werkstoffen und Oberflächen spielen die UV-C-Strahlen ihre Trumpfkarte aus. Das Licht dringt in nahezu alle Ecken, Ritzen und unebenen/löchrigen Oberflächen – auch Loch- oder Gipskartondecken – vor und zerstört die Hülle der Mikroorganismen.
Die Einsatzfelder im Überblick
UV-C-Licht: Eignet sich hervorragend zur Desinfektion von Oberflächen in geschlossenen Räumen und zur Wasseraufbereitung.
Ozon: Ist für Menschen in höherer Konzentration schädlich, aber unschlagbar bei der Eliminierung von Gerüchen und bei der Desinfektion von schwer zugänglichen Ecken, Kanten, Nischen und Ritzen.
Ultraschall: Ist ein echter Problemlöser bei der Reinigung von wasserbeständigen und gegen Mechanik empfindlichen Oberflächen und Materialien.
Trockendampf: Ist deutlich mobiler einsetzbar als Ultraschall und eignet sich auch für Materialien und Oberflächen, die empfindlich auf Flüssigkeiten reagieren.
Ozon: Meist kombiniert mit UV-C-Licht
Auch Ozon wird in der Gebäudereinigung hauptsächlich zur Desinfektion von Oberflächen eingesetzt. Meist wird die desinfizierende Eigenschaft von Ozon mit der von UV-C-Licht kombiniert. Das gilt zum Beispiel für Desinfektionsroboter – mobile Standgeräte, die etwa in einen OP-Saal gestellt werden und ihn durch UV-C-Licht desinfizieren. UV-C-Licht kann aber nur Flächen desinfizieren, die von dem Licht erreicht werden. Vorhandene Wandvor- und Rücksprünge, Vertiefungen oder kleinere Ritzen und Spalten werden vom UV-C-Licht nicht erreicht und somit auch nicht desinfiziert. Deshalb werden UV-C-Licht-Desinfektionsroboter mit einem Ozongenerator kombiniert. Das gasförmige Ozon durchdringt nicht nur textile Werkstoffe, sondern erreicht auch ansonsten unzugängliche Stellen. Es deckt somit genau die Bereiche ab, die das UV-C-Licht nicht erreicht. Damit ist garantiert, dass alle Mikroorganismen inaktiviert, also abgetötet, werden.
Geeignet zur Geruchsbeseitigung
Eine weitere Eigenschaft von Ozon: Es ist hervorragend dazu geeignet, Geruchsmoleküle in ihre Bestandteile zu zerlegen. Anders als UV-C-Licht wirkt Ozon hoch oxidativ und löst durch seine chemische Eigenschaft – Ozon besteht aus drei Sauerstoffmolekülen – die Geruchsmoleküle auf. Daher ist Ozon bei der Brandschadensanierung ein adäquates Mittel, um den Brandgeruch zu beseitigen. Durch die oxidierende Wirkung des Ozons werden Geruchsstoffe in geruchsneutrale Stoffe umgewandelt. Ebenso werden Keime und geruchsverursachende Bakterien abgetötet. Im Ergebnis sind die mit Ozon begasten Räume und Gegenstände nach der Behandlung in der Regel geruchsfrei und desinfiziert.
Vorsicht bei Elastomer und Kautschuk
Wichtig: Bei der Anwendung von UV-C-Licht und/oder Ozon müssen unbedingt die geltenden Sicherheitsvorschriften beachtet werden. Beide Verfahren sind für den Menschen in hohem Maße schädigend. Bei der Anwendung muss zum Beispiel sichergestellt werden, dass der Raum während der Behandlung mit UV-C-Licht und/oder Ozon gegen unbefugtes Betreten gesichert ist. Darüber hinaus ist Vorsicht bei Elastomer- und Kautschukoberflächen geboten. Bei regelmäßigem Einsatz eines Ozon-Desinfektionsroboters kann das Ozon auf Dauer bei den Oberflächen zu einer sogenannten Ozonrissbildung führen und diese dadurch zerstören.
Reinigung mit Ultraschall
Ultraschall hat eine ähnliche Wirkungsweise wie UV-C-Licht und Ozon, aber mit einem gänzlich anderen Ansatz. Ultraschall wird in der Gebäudereinigung seit den 1990er-Jahren vor allem zur zerstörungsfreien Reinigung von chrombedampften Rastereinbauleuchten und zur Reinigung von textilen Lamellenvorhängen eingesetzt, aber auch bei der Brandschadensanierung zur Reinigung von filigranen Gegenständen mit unzähligen kleinen Ecken und Vorsprüngen. Zur Desinfektion wird Ultraschall in der Gebäudereinigung gar nicht verwendet – anders als zum Beispiel bei der Desinfektion von Instrumenten im Gesundheitswesen. Optiker und Juweliere setzen Ultraschall auch zur Reinigung von Brillen und Schmuckstücken ein. Professionelle Ultraschallreinigungsgeräte in der Gebäudereinigung sind allerdings deutlich größer – meist 2 m lang und 0,5 m tief und breit.
UV-Licht: Die Varianten
UV-A-Licht (Wellenlänge von 315 - 380 Nm): Wird in Bräunungslampen in Solarien oder Schwarzlichtlampen in Diskotheken eingesetzt.
UV-B-Licht (Wellenlänge von 280 - 315 Nm): Regt die Bildung von Vitamin D3 im menschlichen Körper an, bräunt die Haut, kann leider aber auch zu Hautkrebs führen.
UV-C-Licht (Wellenlänge von 100 - 280 Nm): Weist aufgrund der hohen Energiedichte hervorragende Desinfektionseigenschaften auf und kann zur Desinfektion von OP-Bereichen, Krankenzimmern, Laboren, Rolltreppenhandläufen oder ähnlichen Bereichen eingesetzt werden.
Viele Millionen kleine Bläschen
Ultraschall bei der Reinigung wird immer in einem wässrigen entmineralisierten Medium – destilliertem Wasser – angewendet. Ein Ultraschallwandler beziehungsweise Ultraschallschwinger und ein Generator erzeugen in einem Wasserbad hochfrequente elektrische Energie – Ultraschallwellen, die von Wänden und/oder Boden des Ultraschallreinigungsbeckens an die Oberfläche steigen. Die Ultraschallwellen erzeugen dabei viele kleine Bläschen – kleiner als 1 µm – und versetzen die Schmutzpartikel in Schwingungen und/oder unterwandern sie. Dadurch verlieren die Schmutzpartikel ihre Haftung am Reinigungsgegenstand. Durch die hohe Frequenz und Dichte der Ultraschallwellen im Ultraschallbad ist das Reinigungsgut innerhalb kürzester Zeit sauber und sogar noch keimfrei. Dabei dringen die Bläschen in alle Ritzen und Vertiefungen des Reinigungsgegenstandes.
Diese etwas exotisch anmutende Reinigungsart birgt aber auch die Gefahr der Oberflächenzerstörung des zu reinigenden Gegenstandes. Bleibt das Reinigungsgut, zum Beispiel eine Vertikallamelle, zu lange im Ultraschallbad, löst sich diese in ihre einzelnen Fasern auf oder franst an den Rändern stark aus. Bei Rastereinbauleuchten wird die Chromschicht, die nur wenige µm stark ist, komplett entfernt. Dennoch: Alles, was für die konventionelle Reinigung zu filigran ist oder zu viele schwer zu erreichende Flächen aufweist und Wasser verträgt, ist für die Ultraschalltauchbadreinigung wie geschaffen. Aber Achtung: Ein Kontakt mit der Haut bei der Arbeit mit einem aktiven Ultraschallbad führt zu einem Angriff der Zellstruktur und sollte daher vermieden werden beziehungsweise es müssen dicke Gummihandschuhe getragen werden.
Trockendampf: Der Schmutz platzt ab
Bei schwer zu reinigenden Gegenständen, die kein Wasser vertragen, bleibt bei der Wahl der Reinigungsmethode nur die Schmutzentfernung mit Trockendampf. Damit der Dampf nicht an der wasserempfindlichen Oberfläche kondensiert und seine Reinigungswirkung entfalten kann, wird das Wasser auf mehr als 150 °C erhitzt – was den Dampf sehr trocken macht. Das System ähnelt in seiner Funktionsweise der von Dampfbügeleisen – jedoch in deutlich größerem und professionellem Ausmaß.
Trockendampfgeräte gibt es als Dampfsaugsysteme oder Dampfsysteme. Sie verfügen über einen geschlossenen Heizkreislauf, der auch während der Nutzung nachgefüllt werden kann. So ist gewährleitet, dass wirtschaftlich – soll heißen: unterbrechungsfrei – über einen längeren Zeitraum gereinigt werden kann. Das Funktionsprinzip ist ähnlich wie bei Ultraschall: Der auf die Oberfläche auftreffende Trockendampf erhitzt schlagartig die auf der Oberfläche haftenden Verschmutzungen und lässt sie abplatzen. Diese Eigenschaften machen das Trockendampfverfahren zu einem echten Problemlöser vor allem bei der Reinigung von lebensmittelproduzierenden Betrieben wie Bäckereien oder Hersteller von schokoladehaltigen Waren. Bei der Reinigung der Produktionsbänder und Formen wird der Trockendampf mit einer geeigneten Lanze oder Düse auf die zu reinigende Fläche aufgebracht. Die Verunreinigungen platzen von der Oberfläche, bevor diese sich erwärmen. Eine weitere Eigenschaft, die das Trockendampfverfahren für die Reinigung in der Lebensmittelindustrie interessant macht: Bei der Reinigung mit Trockendampf werden 99,9 % aller auf der Oberfläche vorhandenen Keime abgetötet, die Reinigung mit Trockendampf entspricht den Anforderungen nach HACCP.
Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de
