Beschichten mineralischer Bodenbeläge: Nicht unmöglich, aber sehr aufwändig

Dass man Estriche mit Beschichtungen versieht, ist ein alter Hut. Aber wie sieht es bei Bodenbelägen mit Fugen wie Betonwerkstein, Marmor, Granit, Keramik oder ­Agglomeraten aus? Eine Bestandsaufnahme.

Ein Boden aus Betonwerkstein, der beschichtet wurde. Deutlich ist im Fugenbereich zu sehen, dass die Beschichtung abplatzt. - © Sascha Hintze/Archiv

Eine Beschichtung ist nasschemisch entfernbar, eine Versiegelung nicht. Natürlich kann man jede Oberfläche beschichten, allerdings ist die Haltbarkeit zweifelhaft, da sie von vielen Dingen abhängt, die ein Dienstleister meiner Meinung nach kaum abschätzen kann.

Physikalische Einflussgröẞen

Fugen: Mineralische Bodenbeläge haben Fugen, die meist tiefer liegen und aus einem anderen Material (­Fugmasse) bestehen. Teilweise sind zudem auch Dehnfugen vorhanden, die mit Silikon gefüllt sind. Die Fugen dienen unter anderem dazu, thermische Ausdehnungen der Materialien aufzufangen. Die Fugen­kanten sind ebenfalls potenzielle Angriffs­flächen, an denen eine Beschichtung durch abrasiven Schmutz angerissen wird.

Ebenfalls zu beachten: Bei vielen Materialien sind auch die Kanten des Belags mit einer Fase versehen, die eine unterschiedliche Anhaftung durch die Oberflächenrauigkeit aufweisen.

Ebenheit der Gesamtfläche: Überzähne nennt man in der Fachsprache die Tatsache, dass die Kanten zwischen zwei Platten nicht auf einer Ebene liegen. Das sind die Bereiche, wo dann das Mikrofaserpad fliegen geht.

Eine mögliche Abhilfe wäre, den kompletten Belag vorher plan zu schleifen und auch die Fugen zu sanieren, sodass eine homogene Fläche wie bei einem elastischen Belag entsteht.

Das Belagsmaterial an sich: Was passiert, wenn ein Sandkorn zwischen Schuh und beschichtetem Boden kommt? Bei einem elastischen Belag werden die Beschichtung und der Belag eingedrückt und es passiert recht wenig. Bei einem mineralischem Belag sieht das anders aus. Dort gibt der Boden nicht nach. Die Beschichtung allein trägt die Punktbelastung. Kommt dann Bewegung hinzu, reißt das Sandkorn die Beschichtung ganz oder teilweise auf.

Chemische Einflussgröẞen

Die Anhaftung an die unterschiedlichen ­Materialien ist genauso differenziert zu sehen. Hartgesteine haben eindeutig ­eine schlechtere Anhaftung und Benetzung als ein geschliffener Betonwerkstein. Entscheidend ist vor allen Dingen, was man mit dem Belag vorher gemacht hat. Mit einer Grundreinigung allein ist es oft nicht getan, trotz Planschliff.

Bei Betonwerkstein wird nach der Verlegung oft ein Wachsfluat aufgetragen, das dann auch in den Poren sitzt und eine Beschichtung beziehungsweise Benetzung stark hemmt. Auch aufgetragene Imprägnierungen, Farbtonvertiefer und ­andere Oberflächenbehandlungen können einen Dienstleister bei dem Versuch eines gleichmäßigen Auftrags zum Verzweifeln bringen.

Und Agglomerate sind so unwillig, eine Beschichtung anzunehmen, wie ein Poly­olefin ohne PU-Haftbrücke.

Haltbarkeit einer Beschichtung: Selbst wenn man es geschafft hat, den Boden zu beschichten, bedeutet es nicht, die Haltbarkeit wie auf einem elastischen Material zu erreichen. Der Kunde denkt meist, dass eine einmalige Beschichtung 20 Jahre hält, was allerdings eine reine Wunschvorstellung ist. Hierzu einige Beispiele aus der Praxis:

  • Ein Discounter hatte seinen Boden beschichten lassen. Bereits nach wenigen Tagen waren jedoch Laufstraßen sichtbar. Was keiner bedacht hatte, ist die Art, wie sich Kunden bewegen. Beim Shopping mit dem Einkaufswagen schlurfen die Schuhe eher über den Boden und schleifen die Beschichtung schnell wieder ab.
  • In einem Schulungszentrum des Finanzsektors (wo Geld oft keine Rolle spielt) wurde der verlegte Kalksteinboden plangeschliffen, da er durch heruntergefallenes Essen und Getränke bereits nach einem Jahr schäbig aussah. Das wollte man in den Griff bekommen – mit einer Beschichtung. Die Vorgabe war aber: matt. Nach dem Schliff wurden ­also drei Lagen einer Mattbeschichtung aufgetragen, zusätzlich noch zwei Opfer­schichten. Jeden Freitag ab 14 Uhr kommt nunmehr eine Kolonne des zuständigen Reinigungsdienstleisters und führt Top-Stripping durch, um die Opferschichten bis Montag um 6 Uhr zu erneuern. Das funktioniert seit mehreren Jahren optimal. Alle sind mit dem Ergebnis zufrieden. Dass dies schlicht irre Kosten bedeutet, interessiert den Auftraggeber nicht.
  • Dass auch PU-Versiegelungen nicht unbedingt funktionieren müssen, zeigt folgendes Beispiel: Ein Bodenbelag aus Betonwerkstein mehlte aufgrund eines kombinierten Material- und Verlegefehlers. Daraufhin wurde fachgerecht eine PU-Versiegelung aufgetragen, die auch einige Monate gut funktionierte. Allerdings hatte man nicht bedacht, dass Abmehlvorgänge durch schwache Bindemittel in Verbindung mit Punktlast (Rollen der Wagen und Stöckelschuhe) dazu führen, dass man die ­PU-Schicht wie bei einem Abziehbild entfernen konnte.

Risiken: Zu Bedenken sind in diesem Zusammenhang auch zwei weitere Aspekte. Zum einen wird bei einer Beschichtung der Bodenhersteller weitgehend aus seiner Haftung entlassen. Zum anderen wird auch die ehemals vorhandene Trittsicherheit überdeckt.

Es gibt bessere Lösungen

Fazit: Eine Beschichtung auf einem mineralischen Bodenbelag ist nicht unmöglich, wenn man einen entsprechenden Aufwand betreibt, der natürlich auch bezahlt werden muss. Die Haltbarkeit hängt nicht nur von der Art der Beschichtung ab, sondern von vielen kleinen Details.

Im Normalfall sollte man so einen Boden aber nicht beschichten, außer der Kunde greift sehr tief in seine Tasche. Eine vernünftige Polymerwischpflege oder sogar der klassische Seifenreiniger sind fast immer die bessere Lösung.

Herbert Fahrenkrog | markus.targiel@holzmann-medien.de

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Herbert Fahrenkrog

ist Leiter Beratungsservice bei Magna Naturstein in Loitsche, ­Sac­hsen-Anhalt.