Online-Sichtbarkeit: So rückt die Reinigung ins Rampenlicht

Ob Website, Social Media oder Bewertungsportale – für Unternehmen im Gebäudereiniger-Handwerk gibt es verschiedene Möglichkeiten, online sichtbar zu werden. Wer hier nicht zielgerichtet vorgeht, dem entgeht potenzielle Kundschaft. Welche Faktoren erfolgsentscheidend sind.

Für eine erfolgreiche Online-Präsenz müssen viele Zahnräder ineinandergreifen. - © Coloures-Pic – stock.adobe.com

95 % Prozent der Menschen in Deutschland nutzten 2022 das Internet. Von daher beantwortet sich die Frage, ob Online-Präsenz für ein Unternehmen – ob klein oder groß – sinnvoll ist, von selbst. Dreh- und Angelpunkt aller digitalen Aktivitäten ist die eigene Website. Dort gibt es genügend Platz und Gestaltungsfreiheit für den Gebäudereinigerbetrieb, sich selbst und seine Dienstleistungen attraktiv zu präsentieren – und so die Zielgruppen auszuweiten oder sogar neue Märkte zu erschließen.

Auf der Suche nach Informationen befragen die meisten Menschen zuerst Suchmaschinen. Daher ist es wichtig, die eigene Website im Hinblick darauf zu optimieren. Google ist dabei heute das Maß der Dinge: Rund 90 % aller Anfragen werden über diese Suchmaschine durchgeführt. Wer hier weit vorne steht, wird entsprechend oft gesehen. Gebäudereiniger, die ein paar wesentliche Faktoren berücksichtigen, haben gute Chancen, ihr Ranking zu verbessern.

Hochwertige Inhalte

Das Ziel von Google ist es, Suchenden das bestmög­liche Ergebnis auszuspielen. Deshalb landen nur Inhalte auf den vorderen Plätzen, die wirklich Mehrwert bieten. Lange und komplizierte Texte sind auf der Website tabu. Besser ist es, Informationen so bereitzustellen, dass sie leicht verständlich und schnell erfassbar sind. Überschriften, Zwischenüberschriften, Aufzählungen oder Zitate lockern lange Textblöcke auf und bewahren das Auge vor Ermüdung. Fotos, Grafiken oder Videos wecken Interesse und erhöhen die Verweildauer der Website-Besucher.

Insgesamt ist – wie so oft im Leben – ein guter erster Eindruck wichtig. Wie dieser erreicht wird, hängt auch von den Zielgruppen ab: Während sich die Kommunikation mit B2C (Business-to-Consumer) an Endkunden richtet, meint B2B (Business-to-Business) das Geschäft mit anderen Unternehmen. Anders als Endkunden fällen Unternehmer ihre Kaufentscheidungen weniger emotional und sind wirtschaftlicher orientiert. Diese unterschiedlichen Voraussetzungen gilt es im Hinterkopf zu behalten, wenn Gebäudereiniger mit ihrer Website überzeugen wollen.

Eine einprägsame Internetadresse rundet den Online-Auftritt ab. Sie entscheidet nicht selten darüber, ob potenzielle Kunden den Weg zur eigenen Website überhaupt finden. Ein verwirrender oder abschreckender Name wird gar nicht erst geklickt. Die optimale Domain ist kurz, eindeutig und leicht zu merken – wie zum Beispiel www.reinigungsdienst.berlin. Während der Hauptteil das Angebot verdeutlicht, macht die Endung den Standort sichtbar. Neben .berlin gibt es weitere lokale Domain-Endungen in Deutschland – darunter etwa .hamburg. Mit ihnen lassen sich Angebote leichter filtern.

Benutzerfreundlichkeit

Google erkennt, wie lange ein Nutzer auf einer Website bleibt – und lässt diesen Faktor ins Suchmaschinen-Ranking einfließen. Aber wie erreichen Gebäudereiniger, dass sich Interessierte gerne auf ihrer Seite aufhalten? Hier kommt die sogenannte Website-­Usability ins Spiel. Sie beschreibt, wie einfach es für Besucher ist, sich auf einer Website zurechtzufinden und ihre Funktionen zu nutzen. Wichtig für die Nutzerfreundlichkeit sind:

Ladezeit: Eine Website sollte sich schnell aufrufen lassen. Sonst kann es sein, dass Besucher die Seite verlassen, ehe sie komplett angezeigt wird. Die Geschwindigkeit der Website lässt sich zum Beispiel unter https://pagespeed.web.dev messen.

Struktur: Kein Besucher möchte Detektiv spielen müssen, um an gewünschte Informationen zu gelangen. Deshalb sollte auf eine intuitive Benutzerführung geachtet werden. Die Startseite dient als Orientierungspunkt und sollte von jeder Unterseite aus erreichbar sein.

Aufbau: Verschiedene Studien belegen, dass die Augenbewegung von Nutzern, die eine Website betrachten, einem Muster folgt, das dem Buchstaben F entspricht. Deshalb gehören wichtige Informationen auf die linke Seite des Bildschirms; Bilder, die nur der Illustration dienen, können rechts platziert werden.

Web-Konventionen: Darunter versteht man Standards in der Website-Gestaltung, die jeder Nutzer kennt und erwartet. Das Logo sollte sich beispielsweise oben auf der Seite befinden und anklickbar sein, um zurück zur Startseite zu gelangen. Die Navigation befindet sich üblicherweise oben oder am linken Rand. Hyperlinks sind farblich gekennzeichnet.

Mobilfähigkeit: Nicht nur auf dem Desktop, sondern auch auf Smartphones oder Tablets sollte die ­Website gut aussehen und dementsprechend nicht zu vollgepackt sein. Zu viele Informationen auf kleinem Bildschirm schrecken ab und überfordern.

Daniel Siebe: "Die Kanäle permanent mit Content füllen"

Daniel Siebe - © Siebe

Daniel Siebe, Geschäftsführer, Siebe Gebäudereinigung, Bottrop-Kirchhellen: "Dass Online-Sichtbarkeit für Unternehmen wichtig ist, steht außer Frage. Wer heutzutage mit entsprechender Reichweite werben möchte, kommt um das Thema nicht mehr herum. So präsentieren wir uns auf zahlreichen Social-Media-Plattformen, dazu zählt beispielsweise Facebook, Instagram und auch YouTube. Aber auch diverse andere Foren bieten eine gute Basis, um sich digital darzustellen.

Jedoch steht dem stets der Zeitaufwand gegenüber, den man bereit ist zu investieren. Es reicht nicht aus, nur ein Profil auf diversen Kanälen zu besitzen – man muss diese auch permanent mit Content füllen, um die eigene Abonnentenschaft und somit die Reichweite zu erhöhen. Schafft man, den Spagat freie Kapazitäten für die Online-Sichtbarkeit zu bilden, bietet das Internet weitreichende Synergieeffekte für das eigene Unternehmen, da man gezielt den Kundenstamm erreichen kann, den man als Zielgruppe fokussiert.

Auch Bewertungsplattformen haben ihre Daseinsberechtigung. Denn wer kennt das nicht: Bevor man ein neues Restaurant besucht oder ein noch unbekanntes Hotel bucht, liest man im Regelfall die Erfahrungsberichte anderer User, um sich im Zweifelsfall dafür oder dagegen zu entscheiden. Wir nutzen diese Art der Reputation ebenfalls und kennen die Vor- und Nachteile nur zu gut. Einerseits schafft man für potenzielle Kunden Transparenz, andererseits muss man sich auch immer wieder mal mit schlechten oder nicht wahrheitsgemäßen Bewertungen auseinandersetzen, da diese erfahrungsgemäß deutlich eher jemanden antreiben zu kommentieren, als ein positives Feedback zu hinterlassen. Hier gilt es dann Ruhe zu bewahren, den Sachverhalt ernst zu nehmen und deeskalierend zu reagieren.

Abgesehen vom gängigen Empfehlungsgeschäft gewinnen wir Neukunden nur noch über unsere Webseite, Social Media und Bewertungsplattformen. Unserer Einschätzung nach wird sich diese zukunftsweisende Methode gegenüber den altbekannten klassischen Formen durchsetzen."

Doch wie lässt sich die Usability der Website feststellen? Schließlich hinterlässt kaum ein Internetnutzer Feedback, wie gut er mit einer besuchten Website zurechtgekommen ist. Treten Probleme auf, verlässt er die Seite kommentarlos. Was zur Beantwortung der Frage hilft, ist ein regelmäßiger Blick in die Website-­Statistiken. Aufschluss darüber, an welchen Stellen Usability-Probleme bestehen, geben Absprungrate und Verweildauer. Die Absprungrate beschreibt, wie viele Nutzer eine Website betreten und sie wieder verlassen, ohne eine weitere Aktion durchzuführen. Die Verweildauer ist die durchschnittliche Zeitspanne, die ein Besucher auf der Website verbringt. Eine hohe Absprungrate beziehungsweise kurze Verweildauer weisen darauf hin, dass Handlungsbedarf besteht. Tools für die Analyse von Websites gibt es zahlreiche. Eine DSGVO-konforme Variante ist Matomo (www.matomo.org).

Außerdem gibt es Onlinetools, mit denen die Qualität von Websites überprüfbar ist. Eines davon ist Lighthouse von Google. Anhand verschiedener Faktoren – darunter zum Beispiel Ladegeschwindigkeit oder Barrierefreiheit – lässt sich ermitteln, wie gut die eigene Website abschneidet. Am Ende gibt es konkrete Handlungsempfehlungen für die Optimierung der Website. Um möglichst realitätsnahe Auswertungen zu erhalten, besteht außerdem die Möglichkeit, die Testbedingungen zu filtern und anzupassen.

Die aussagekräftigsten Ergebnisse liefern allerdings nicht Maschinen, sondern Menschen. Wer seine Website so richtig auf Herz und Nieren überprüfen ­möchte, braucht deshalb Testpersonen. Die gute Nachricht: Große Testmengen sind dafür nicht nötig – verschiedenen Studien zufolge decken schon fünf Probanden 80 % aller Usability-Probleme auf. Folgende Vorgehensweise ist dabei empfehlenswert:

1. Testpersonen finden: Hier gilt es, sich das Leben nicht unnötig schwer zu machen. Getestet werden soll eine ganz normale Website, also kommt auch fast jede Person infrage – auch Freunde oder Verwandte.

2. Aufgaben stellen: Ein konkretes Szenario hilft den Probanden, sich besser auf die Situation einzustellen. Beispiel: "Du willst für Deine Büroräume eine Fensterreinigung beauftragen. Finde ein Angebot, bei dem nur umweltfreundliche Reinigungsmittel verwendet werden." Wichtig: Die Testpersonen sollen sich ganz alleine zurechtfinden. Hinweise verfälschen das ­Ergebnis.

3. Ergebnisse auswerten: Hier gilt es, alles einzubeziehen, um ein möglichst vollständiges Bild zu erhalten – zum Beispiel auch negative Kommentare der Teilnehmer oder ungewöhnliches Verhalten während der Testung.

Christian Bein: "Über Social Media bereits Mitarbeiter gewonnen"

Christian Bein - © Alles klar!

Christian Bein, Geschäftsführer, Alles klar! Dienstleistungs GmbH, Erlenbach: "Als wir die Firma 'Alles klar!' im April 1998 gegründet hatten, gingen wir im Juni 1998 online und unser damaliger Internet­auftritt glich noch mehr einer Art elektronischen Visiten­karte. Sechs Wochen später erhielten wir ein Schreiben eines Patent­anwalts, der uns unseren Firmennamen verbieten ­wollte – damit wussten wir zumindest, dass man uns im Internet sehen kann.

Mit den gängigen Suchmaschinen wie zum Beispiel Google oder Bing ist es für interessierte Kunden möglich, durch ein­fache Suchanfragen einen in ihrer Nähe gelegenen Dienstleister zu finden. Aus diesem Grund nutzen wir das Internet intensiv, um unsere Dienstleistungen visuell anzubieten und potenziellen Neukunden einen ersten Einblick in unser Portfolio zu ermöglichen. Derzeit sind wir in der Planung, unseren Internetauftritt hinsichtlich einer nächsten Generation zu ­aktualisieren, welcher dann unter anderem mehr Informationen für Kunden hinsichtlich spezieller Tipps im Reinigungsbereich sowie möglicher Downloads enthalten soll. Um hier am Geschehen der Zeit zu bleiben, ist es aus meiner Sicht für jede Firma enorm wichtig, eine eigene Internetseite zu besitzen.

Neben dem Internet verwenden wir alle gängigen Social-­Media-Kanäle wie etwa Facebook oder Instagram und präsentieren unsere Firma dort mit kleinen Reels, um auch Kunden zu erreichen, die sich hauptsächlich auf diesen Plattformen umschauen. Diese Möglichkeit haben wir zudem bereits zur Mitarbeitergewinnung genutzt und waren damit sehr erfolgreich. Dazu muss aber auch erwähnt werden, dass der Einzug dieser neuen Medien durch die Einstellung jüngerer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorangeschritten ist.

Um den schnellen Kontakt zu den Mitarbeitenden herzustellen, verwenden wir schließlich unter anderem WhatsApp. ­Dadurch ist ein zügiger Informationsaustausch gegeben, welcher für alle Arbeitsbereiche sehr hilfreich ist.

Wie Sie sehen, durften wir zum Glück unseren Namen ­behalten – und haben mit unseren digitalen Präsenzen bisher viele positive Erfahrungen machen können."

Reputation

Über die Google-Rezensionen können Internetnutzer Angebote bewerten. Gebäudereiniger sollten diese Möglichkeit aktiv fördern. Denn wenn sie viele positive Bewertungen haben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass andere Nutzer ebenfalls auf der Website vorbeischauen. Dadurch erhöht sich das Besucheraufkommen – und das wiederum wirkt sich vorteilhaft auf die Suchmaschinenplatzierung aus.

Social Media

Mehr als 50 Mio. Menschen in Deutschland sind auf Social Media unterwegs. Mit dabei sind nicht nur junge Leute, sondern Menschen aller Alters- und Berufsgruppen. Für Gebäudereiniger bieten sich die ­sozialen Medien als nützliches Mittel an, um noch mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen – und ­Interessierte zur eigenen Website weiterzuleiten. Dafür infrage kommende Kanäle gibt es genug:

Facebook: In vielen Branchen spielt Facebook aufgrund seiner Größe eine Rolle. Unter den weltweit fast drei Milliarden Nutzern tummeln sich die unter­schiedlichsten Zielgruppen. Weil die Plattform in erster Linie den Austausch zwischen Familie und Freunden fördert, sind gewerbliche Nutzer besonders gefordert. Es gilt, die eigene Reichweite mit unterhaltsamen und informativen Posts zu steigern.

Twitter (seit kurzem X): Obwohl Twitter zuletzt immer wieder für Schlagzeilen sorgte, hat der Kanal, der von Elon Musk nun zu X umbenannt wurde, in Deutschland monatlich noch immer rund 14 Mio. Nutzer. Wer hier mitzwitschern möchte, sollte sich mindestens täglich in das Gedächtnis seiner Zielgruppen rufen.

Instagram: Dieser Kanal lebt von sensationellen Bildern aus den Bereichen Mode, Sport, Beauty und Food. Doch auch Gebäudereiniger können Instagram nutzen, um ihre Dienstleistungen wirkungsvoll in ­Szene zu setzen, spannende und informative ­Inhalte zu verbreiten oder Einblicke hinter die Kulissen zu bieten. Kreativität ist hier in jedem Fall erwünscht!

YouTube: Auf dieser Videoplattform ist viel los – 400 Stunden Bewegtbild werden jede Minute hochgeladen. Was den erfolgreichen Kanälen gemein ist: In ihren Produktionen steckt viel Aufwand. Wer erfolgreich mitmischen möchte, sollte auf Videos, die einfach kurz nebenher aufgenommen wurden, verzichten.

TikTok: Auch auf der vergleichsweise jungen Plattform TikTok werden Videoinhalte verbreitet. Leicht zu rezipierende Videos, bei denen die Masse gut einsteigen kann, haben hier häufig den meisten Erfolg. Aufwendige Konzepte sind also nicht nötig – Hauptsache es geht bunt, kreativ und am besten lustig zu.

LinkedIn und Xing: Als reine Business-Netzwerke sind diese Kanäle anders als die anderen. Unternehmen aus der Reinigungsbranche haben hier vor allem die Chance, sich als starke Arbeitgebermarke zu positionieren. Potenzielle neue Mitarbeiter können darüber einfach und direkt angesprochen werden.

Hélène Staiber: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit"

Hélène Staiber - © Hehl

Hélène Staiber, Prokuristin, Gebäudereinigung Hehl, Ludwigshafen: "Wer online nicht dabei ist, ist nicht existent. Dieser Satz klingt etwas dramatisch, ist aber die Realität. Ohne eine attraktive Präsenz im Netz sind Unternehmen weitgehend außerhalb der Wahrnehmungsschwelle – und das gleichermaßen für ­potenzielle Kunden und Mitarbeitende. Wer sich über ein ­Thema informieren will, greift im ersten Schritt so gut wie ­immer zum Tool Onlinesuchmaschine – dieser Fakt erfordert also ein aktives Herangehen an die Thematik. Wir machen das nun schon eine gewisse Zeit und fahren gut damit.

Neben dem obligatorischen Web-Auftritt bespielen wir auch die Social-Media-Kanäle Instagram und Facebook. Da das Ergebnis unserer eigentlichen Leistung – die Sauberkeit – natur­gemäß meist nur kurzfristig zu sehen ist, nutzen wir diese Kanäle, um unsere Sichtbarkeit zu verlängern. Wie sonst könnten wir auf uns, unsere Benefits, unseren Anspruch und natürlich auch auf unser Leistungsvermögen aufmerksam machen? Das alles bewirkt sicher keine Wunder, aber es hilft. Was man dazu braucht: einen langen Atem – und natürlich einen Plan. Neue Kunden lassen sich nicht ausschließlich mit einem Facebook-Account überzeugen, da braucht es schon mehr – etwa das überzeugende Erstgespräch, eine faire Preisgestaltung und ein seriöses Auftreten. Allerdings kann ein Social-Media-Auftritt zweifellos ein guter Türöffner sein und komplexe Dienstleistungen greifbar machen.

Ebenso wichtig wie das aktive Bespielen der virtuellen Kanäle, ist die Beobachtung der unterschiedlichen Bewertungsplattformen. Wie wird über uns bei Google oder auch Kununu gesprochen? Wie beurteilen Kunden oder Mitarbeitende uns? Das alles checken wir regelmäßig – zum einen, um darin möglicherweise Optimierungspotenziale zu finden; zum anderen, um vielleicht auch mal korrigierend einzugreifen, wenn etwa falsche Bewertungen auftauchen, die mitunter auch geschäftsschädigend sein könnten. Bisher war das allerdings in unserem Fall nicht notwendig.

Auch wenn wir schon einige Jahre mit den neuen Medien arbeiten, stehen wir meiner Meinung nach ganz am Anfang. Gerade in der Mitarbeitergewinnung sehe ich noch viel ­Potenzial nach oben."

Grundsätzlich ist auch die Frage, ob Gebäudereiniger in den sozialen Medien aktiv sein sollten, eindeutig mit Ja zu beantworten. Auf so vielen Hochzeiten wie möglich zu tanzen, ist allerdings nicht sinnvoll. Besser ist es, sich auf ein oder zwei Kanäle zu beschränken, auf denen die potenzielle Kundschaft tatsächlich ­unterwegs ist.

Bewertungsplattformen

Wer regelmäßig googelt, kennt das: Oft werden neben dem Suchergebnis Bewertungen angezeigt – und die können auch abgegeben werden, ohne dass der Bewertete davon weiß. Um die Suchererfahrung der Google-Nutzer so zufriedenstellend wie möglich zu gestalten, stellt die Suchmaschine sehr genaue Informationen bereit. Dazu gehören auch Bewertungen von Nutzern, die ihre Erfahrungen mit anderen teilen möchten. Das ist kein Nachteil: Nichts hat eine magischere Wirkung als die Weiterempfehlung eines zufriedenen Kunden. Umgekehrt kann eine negative Rezension allerdings auch abschrecken. Weil es nicht möglich ist, die Bewertungsfunktion bei Google zu deaktivieren – und weil es zahlreiche weitere solcher Plattformen gibt – sollten Gebäudereiniger sich aktiv damit auseinandersetzen.

Neben Google gibt es weitere Bewertungsplattformen wie zum Beispiel KennstDuEinen.de oder yelp. Unternehmen sollten den Überblick behalten und nachvollziehen, wer sie wie, wann und wo bewertet hat. Nur so lassen sich die Rezensionen nutzen, um die Wünsche der Zielgruppen besser zu verstehen. ­Jede Bewertung kann wertvolle Impulse liefern, um ihre Zufriedenheit zu erhöhen. Gerade sachlich geäußerte Kritik gibt oft den Anstoß, um Prozesse zu evaluieren und Abläufe zu verbessern.

Gerade in der Reinigungsbranche sind (falsche) nega­tive Bewertungen keine Seltenheit – beispielsweise in der Art: "Schlechte Qualität! Unter einem sauberen Büro stelle ich mir etwas anders vor. Unverschämt, ­dafür auch noch Geld zu verlangen". Hier heißt es zunächst: tief durchatmen! Auf schlechte Rezensionen sollte niemals in emotionaler Verfassung reagiert werden, sondern erst, wenn die Gemüter sich beruhigt haben. Es hilft, sich bewusst zu machen, dass Kunden oft einfach nur gehört und ernst genommen werden wollen. Unternehmer sollten deshalb auch schwierigen Kunden stets wertschätzend begegnen.

Ein Antwortkommentar auf obiges Beispiel könnte dementsprechend so formuliert sein: "Wir möchten uns bei Ihnen für die schlechte Erfahrung entschuldigen. Wir versichern, dass wir die Zufriedenheit unserer Kunden immer an die erste Stelle setzen. Bitte kontaktieren Sie uns, damit wir gemeinsam eine ­Lösung finden können". Wer es schafft, den kritischen Kunden doch noch zufriedenzustellen, kann ihn anschließend bitten, seine Bewertung zu aktualisieren. Im besten Fall geht er darauf ein – und das ist nicht nur gut für das Image des Unternehmens, sondern beeindruckt auch potenzielle Kunden. Kann es eine bessere Werbung geben als kritische Kunden, die letztendlich doch zufrieden sind?

Im Ernstfall wehren

Leider gibt es immer wieder auch Bewertungen, die schlicht falsch sind und auf eine Geschäftsschädigung abzielen. In solchen Fällen sollten sich Betroffene unbedingt wehren. Wenn eine Bewertung

  • äußerst emotional, eventuell sogar beleidigend ist,
  • inhaltlich nachweislich falsch ist,
  • deutlich die Konkurrenz bewirbt,
  • sich nicht auf eigene Erfahrungen bezieht
  • oder gesetzeswidrige Inhalte aufweist,

besteht die Möglichkeit, sie löschen zu lassen. Auch eine Löschung ist Teil eines aktiven Umgangs mit ­Bewertungen, der sich letztendlich auszahlt.

Ann-Kathrin Gräfe | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

Ann-Kathrin Gräfe - © dotBerlin

Ann-Kathrin Gräfe

arbeitet für das Unternehmen ­dotBerlin, welches seit 2014 die ­Internet-Endung .berlin betreibt.