Die Stimmung der Unternehmen im Gebäudereiniger-Handwerk hat sich im Vergleich zum Herbst 2022 leicht aufgehellt. Das zeigt die Frühjahrs-Konjunkturumfrage des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV).

Seit 2019 präsentiert der BIV zweimal im Jahr die Konjunkturdaten. An der aktuellen Umfrage haben sich knapp 400 Mitgliedsunternehmen beteiligt.
40,5 % dieser Unternehmen haben positive Geschäftserwartungen. Im Herbst 2022 waren es nur 31,3 % gewesen. 37,3 % (Herbst: 30,2 %) erwarten gleichbleibende Geschäfte. 22,2 % (Herbst: 38,5 %) blicken mit negativer Prognose auf das laufende Jahr.
Größte Herausforderung bleibt die Personalgewinnung. 21 % der Unternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, ist es seit Ausbruch des Krieges gelungen, Geflüchteten aus der Ukraine eine (vorübergehende) Beschäftigung zu geben. Fast dreimal so viele Unternehmen (61 %) haben dies hingegen nicht geschafft. Mehr als ein Viertel der Unternehmen (26,7 %) begründet die gescheiterten Bemühungen mit zu hohem Bürokratieaufwand.
Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich bewertet die Zahlen mit Licht und Schatten. Zum einen würden diese die Integrationsleistung, die Vielfalt und Toleranz der Branche deutlich unterstreichen. Rund 40 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Gebäudereinigung haben schon heute keinen deutschen Pass. Dass es fast zwei Drittel der Unternehmen allerdings nicht gelungen sei, Menschen aus der Ukraine einzustellen, sei mit Blick auf die ohnehin angespannte Personalsituation frustrierend. "Wenn Behördenwirrwarr, Dauer der Bearbeitung oder fehlende Arbeitserlaubnisse für unsere Betriebe die größten Hürden darstellen, sind das hausgemachte Probleme, die die Politik schnellstmöglich abräumen muss. Mehr Tempo, weniger Bürokratie - so muss das Motto beim Thema Einwanderung lauten!", sagt Thomas Dietrich.
Weitere Herausforderungen sind der Umfrage zufolge Sprachbarrieren, fehlende Unterkünfte sowie Betreuungsmöglichkeiten für Kinder.
Ob die häufig diskutierte Vier-Tage-Woche ein zentraler Baustein für die Beschäftigtengewinnung sein kann, ist in der Branche umstritten. In der Bewertungsskala (1 = nicht vorstellbar bis 10 = sehr gut vorstellbar) liegt der Durchschnitt der Meinungen mit 4,6 im Mittelfeld.
Einigkeit dagegen herrscht bei der Bewertung des neuen Bürgergelds. Auf der Skala (1 = positiv bis 10 = negativ) liegt das klare Negativurteil der Unternehmen bei durchschnittlich 8,3. Demnach bezweifelt ein Großteil, dass die Bürgergeld-Reform eine Anreizwirkung für den Arbeitsmarkt hat.
Deutlich gelitten hat zudem der Ruf der Bundespolitik in Sachen Lohnfindung beziehungsweise Tarifautonomie. Auf die Frage, ob die Unternehmen dem Wort der Bundespolitik noch trauen, sich bei der anstehenden gesetzlichen Mindestlohnrunde herauszuhalten, liegt der Durchschnitt auf der Bewertungsskala (1 = kein Vertrauen, 10 = großes Vertrauen) gerade einmal bei 2,7.
Das Gebäudereiniger-Handwerk hat aufgrund des politischen Eingriffs der Bundesregierung in den gesetzlichen Mindestlohn im Jahr 2022 in vorgezogenen Tarifverhandlungen mit der IG BAU die beiden allgemeinverbindlichen Branchenmindestlöhne auf 13 Euro beziehungsweise 16,20 Euro erhöht. Zum 1. Januar 2024 steigen die Tariflöhne auf 13,50 Euro beziehungsweise 16,70 Euro. Der Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn gehört zum Markenkern der Tarifpolitik der Unternehmen im Gebäudereiniger-Handwerk. /HH