Für viele Arbeiten in der Gebäudereinigung eignen sich fahrbare Hubarbeitsbühnen. Wo sie eingesetzt werden können, warum sie sicherer sind als Leitern und worauf bei einem notwendigen Einsatz von Leitern zu achten ist.

Es war einmal ein Vorgesetzter, der in den Ruhestand ging. Um sein Büro für die Nachfolge vorzubereiten, sollte auch der Inhalt der Schränke aussortiert werden. Dabei kam neben unzähligen Akten, Zeitschriften und Briefen auch eine Sammlung alter Schallplatten zu verschiedenen Themen rund um den Arbeits- und Gesundheitsschutz zum Vorschein. Darunter befand sich auch eine etwa 100 Jahre alte Aufnahme zum Thema Leitern.
Hierauf ist nach 45 Sekunden Marschmusik folgender Text zu hören: "Achtung Arbeitskameraden, benutzt nur unfallsichere Leitern. In einem Jahr ereigneten sich in den deutschen gewerblichen Betrieben über 10.000 Leiterunfälle, von denen über 1.000 so schwer waren, dass sie dauernde Folgen nach sich zogen. Bevor ihr eine Leiter besteigt, seht nach, ob sie einwandfrei ist. Beschädigte Leitern lasst sachgemäß ausbessern. Aufgenagelte Sprossen, notdürftig geflickte Holme sind verboten. Und dann sorgt für richtiges Aufstellen. Achtet darauf, dass die Leiter nicht abgleiten, umkanten oder ausrutschen kann und dass sie gegen hartes Wanken und Durchbiegen gesichert ist."
Seit vielen Generationen ist das Risiko beim Umgang mit Leitern also bekannt und doch gibt es keine Veränderung bei den Unfallzahlen. So verzeichnet die Unfallstatistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) auch heute pro Jahr circa 10.000 Leiterunfälle sowie rund 1.000 Neurenten im Bereich der baulichen Anlagen. Miterfasst sind hier auch die Unfälle auf Baustellen oder in der Gebäudereinigung. Das müsste so nicht sein, denn es gibt für viele Tätigkeiten bessere und sicherere Arbeitsmittel zum Arbeiten in der Höhe als eine Leiter.
Einsatz sicherer Arbeitsmittel prüfen
In der Gefährdungsbeurteilung ist zu prüfen, ob für die vorgesehenen Tätigkeiten ein Arbeitsmittel verwendet werden kann, das sicherer ist als eine Leiter. Hierzu gehören Teleskopstangensysteme zum Reinigen von Photovoltaikanlagen, Fenstern, Fassaden oder Dachrinnen, Hubarbeitsbühnen, fahrbare Arbeitsbühnen auch als Ein-Person-Gerüst, Automatikhaken und vieles mehr.
Mobile Hubarbeitsbühnen sind sicherer als Leitern und haben viele Vorteile. Zum einen stehen Beschäftigte auf einer geräumigeren geraden Fläche mit Bewegungsfreiheit, gesichert durch einen Seitenschutz, und können auf vorgesehenen Flächen erforderliche Werkzeuge ablegen und benötigte Materialien wie Reinigungsmittel in die Höhe mitnehmen. Zum anderen müssen sie für den Wechsel von Arbeitsplätzen nicht auf die Leiter auf- und von dieser wieder absteigen.
Mobile Hubarbeitsbühnen eignen sich zudem für vielfältige Aufgaben, auch an besonders schwer zugänglichen Stellen. Mittlerweile stellt das Durchfahren von Standardtüren, beispielsweise für das Erreichen von Hinterhöfen oder Innenräumen, kein Problem mehr dar, ebenso wie das Passieren von Treppen oder schrägen Geländeflächen. Hierbei verteilen Raupenfahrwerke die Flächenlast. Die zulässige Verkehrslast des Untergrunds oder der Decken muss trotzdem vorab geprüft werden.
Um für seinen Betrieb herauszufinden, welche mobile Hubarbeitsbühne am besten zur auszuführenden Tätigkeit passt, fördert die BG BAU neben der Anschaffung auch anteilig Mietkosten.
Mobile Ein-Personen-Gerüste bieten für hochgelegene Arbeiten bis circa sechs Meter einen sicheren Arbeitsplatz und können von einer Person aufgebaut werden. Für den Aufbau von mehreren Lagen können Bauteile unten seitlich am Gerüst an dafür vorgesehenen Konstruktionen angehängt werden. Somit werden die benötigten Bauteile mitgenommen, und es ist kein zusätzliches Auf- und Absteigen oder eine zweite Person notwendig, um das Gerüst aufzubauen. Durch ihre kompakten Abmaße (im Durchschnitt 1,2 × 0,7 Meter) können mobile Ein-Personen-Gerüste auch in sehr engen Bereichen oder in Treppenhäusern ohne Schwierigkeiten eingesetzt werden.
Besonders sicher sind Systeme mit einem vorlaufenden integrierten Seitenschutz, die die BG BAU fördert. Bei vorlaufendem integrierten Seitenschutz montiert oder demontiert die Person aufgrund der vorgegebenen Montagereihenfolge den Seitenschutz immer aus der darunterliegenden Ebene im gesicherten Bereich. Wie bei den Hubarbeitsbühnen können Werkzeuge und Materialien auf dafür vorgesehenen Flächen gelagert werden.
Mit Teleskopstangensystemen – im Gegensatz zu Arbeiten in der Höhe auf Leitern mit Absturzgefährdung – gibt es auch die Möglichkeit, diese sicher vom Boden aus auszuführen. Diese können beispielsweise für die Reinigung von Glas- und Fassadenflächen, Photovoltaikanlagen auf schrägen Dächern, von Rohrleitungen und Installationen in Hallen an Wänden oder Decken sowie an der Unterseite von Dachvorsprüngen genutzt werden. Für die Reinigung von Dachrinnen haben sich Rinnensauger mit Teleskopstangen oder Stecksystemen etabliert und können über Kamerasysteme oder Winkelspiegelbrillen sicher und effizient verwendet werden. Beide Systeme benötigen wenig Platz und können in normalen Fahrzeugen ladungsgesichert zum nächsten Einsatzort transportiert werden.
Geeignete Leiter auswählen
Rüdiger Nehberg, Survivalspezialist, hat in einer Vortragsreihe auf die Frage nach dem schlimmsten Satz, den es in fast jeder Sprache gibt, einmal gesagt: "Das haben wir schon immer so gemacht."
Die Leiter hat zwar in verschiedenen Einsatzbereichen ihre Berechtigung, das Problem ist aber: In vielen Betrieben wird noch nicht genügend über alternative Arbeitsmittel, die sicherer sind, nachgedacht und nach Möglichkeiten gesucht, wie diese sichereren Arbeitsmittel umgesetzt werden können. Häufig ist bei "Nur mal kurz, geringe Höhe, mal eben, nur ein Leuchtmittel tauschen" der erste Gedanke die Leiter.
Wenn die Gefährdungsbeurteilung ergibt, für eine bestimmte Tätigkeit eine Leiter einzusetzen, dann sollten Unternehmen genau an dieser Stelle weiterdenken. Sie sollten sich fragen: Wer soll was in welcher Umgebung, in welcher Höhe, mit welchem Material und mit welchem Werkzeug machen?
Erst wenn die Antworten gefunden sind, kann entschieden werden, welche Leiter geeignet ist und eingesetzt werden soll. Wichtig ist in jedem Fall, dass das ausgewählte Arbeitsmittel zum Einsatzort passt und für den gewerblichen Gebrauch gekennzeichnet ist.
Zu beachten ist: Leiter ist nicht gleich Leiter. Es gibt Leitern mit einer festen Plattform und Seitenschutz, Leitern mit Stufen oder Leitern mit Sprossen und Einhängeplattformen. Bei letzterer zeigt sich in der Praxis leider häufig, dass die Einhängeplattform von den Beschäftigen nicht oder in der falschen Höhe in einer Sprosse positioniert wird.
Leiterzubehör verwenden
Das Leiterzubehör erhöht in Abhängigkeit von der Arbeitsumgebung die Standfestigkeit der Leiter deutlich. Dies gilt sowohl für die Sicherung des Leiterkopfes als auch des Leiterfußes. Auch Leiterholmverlängerungen, die den Ausgleich von Niveauunterschieden ermöglichen, dienen der Verbesserung der Standfestigkeit.
Das Zubehör muss auf die nachzurüstende Leiter abgestimmt sein. Hersteller bieten unter anderem zur Verbesserung der Standsicherheit von Leitern diverse Zubehörteile an. Dazu gehören zum Beispiel Fußplatten, Wandabstützungen, Fußverbreiterungen, Fixierung von Kopf- und Fußpunkten, Holmverlängerungen, Erdspitzen, Schwenkfüße mit Gummiauflage, Fußtraversen, Handläufe und Ausstiegsholme.
Im Rahmen der Arbeitsschutzprämien fördert die BG BAU Leiterzubehör zur Verbesserung der Standsicherheit von Leitern.
Beschäftigte unterweisen
Die sichere und bestimmungsgemäße Nutzung von Leitern am Arbeitsplatz ist von entscheidender Bedeutung, um Unfälle und Verletzungen zu vermeiden. Eine gründliche Unterweisung der Mitarbeiter im Umgang mit Leitern trägt dazu bei, das Bewusstsein für potenzielle Gefahren zu schärfen und sicherheitsrelevante Verhaltensweisen zu vermitteln.
Die korrekte Nutzung von Leitern erfordert spezifische Kenntnisse und Fertigkeiten, um Unfälle zu verhindern. Eine fundierte Unterweisung hilft den Beschäftigten dabei, die Risiken zu erkennen, sicherheitsrelevante Verfahren zu verstehen und geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dadurch wird nicht nur die Sicherheit der Mitarbeiter verbessert, sondern auch das Risiko von Arbeitsunfällen und Haftungsansprüchen verringert.
Die Arbeitsschutzprämien der BG BAU
Die BG BAU fördert Investitionen in sichere Arbeitsmittel. Das Prämienverfahren umfasst eine beitragsabhängige und beitragsunabhängige finanzielle Unterstützung. Die beitragsabhängigen Arbeitsschutzprämien können Mitgliedsunternehmen der BG BAU mit mindestens einer oder einem Beschäftigten und einem jährlichen Mitgliedsbeitrag zur Berufsgenossenschaft von mindestens 100 Euro beantragen. Auch Unternehmen ohne Beschäftigte sind antragsberechtigt, sofern sie freiwillig bei der BG BAU versichert sind. Zusätzlich können Mitgliedsunternehmen der BG BAU eine Förderung unabhängig von der Höhe ihres Mitgliedsbeitrags erhalten, zum Beispiel für Maßnahmen zur Prävention von Absturzunfällen.
Bei der Unterweisung der Mitarbeiter im Umgang mit Leitern sollten folgende Themen behandelt werden:
- Sicherheitsrichtlinien und Vorschriften. Vermittlung von relevanten gesetzlichen Bestimmungen und betrieblichen Sicherheitsrichtlinien im Umgang mit Leitern.
- Gefahrenbewusstsein. Sensibilisierung für potenzielle Gefahren und Risiken beim Einsatz von Leitern, einschließlich Sturzgefahren und Verletzungsrisiken.
- Richtige Auswahl der Leiter. Anleitung zur Auswahl der geeigneten Leiter für den jeweiligen Einsatzzweck unter Berücksichtigung von Höhe, Belastbarkeit und Standort.
- Inspektion und Wartung. Schulung zur regelmäßigen Überprüfung, Wartung und Instandhaltung von Leitern, um deren Sicherheit und Funktionalität zu gewährleisten.
- Sicherheitsverhalten. Vermittlung sicherheitsrelevanter Verhaltensweisen beim Auf- und Absteigen von Leitern einschließlich korrekter Körperhaltung und Handhabung von Werkzeugen.
Eine fundierte Unterweisung der Beschäftigten im Umgang mit Leitern ist entscheidend, um die Sicherheit am Arbeitsplatz zu fördern und Unfälle zu vermeiden.
Leiter kontrollieren und prüfen
Die regelmäßige Überprüfung von Leitern dient dazu, potenzielle Sicherheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Durch Verschleiß, unsachgemäße Nutzung oder Beschädigung können Leitern instabil werden und somit das Risiko von Stürzen und Verletzungen erhöhen. Eine gründliche Prüfung hilft dabei, solche Probleme zu identifizieren und zu korrigieren, bevor es zu Unfällen kommt.
Die Verantwortung für die Prüfung von Leitern liegt beim Arbeitgeber. Dieser kann die Prüfung selbst vornehmen, in seinem Unternehmen eine zur Prüfung befähigte Person für Leitern benennen oder einen externen Dienstleister beauftragen. In der Regel sollten Leitern mindestens einmal jährlich geprüft werden, hierbei sind auch die Angaben des jeweiligen Herstellers zu beachten.
Bei der Leiterprüfung werden verschiedene Aspekte untersucht, darunter:
- Allgemeiner Zustand der Leiter (zum Beispiel Risse, Verformungen),
- Stabilität und Standfestigkeit,
- Funktionstüchtigkeit von Verschlüssen und Sicherheitsvorrichtungen,
- Zustand der Sprossen oder Stufen,
- Kennzeichnung und Beschriftung (zum Beispiel Tragfähigkeit, Herstellerinformationen).
Über die Leiterprüfung hinaus muss jede Leiter vor dem Gebrauch durch den Nutzer kontrolliert werden. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf augenscheinlichen Mängeln. Sollten Mängel festgestellt werden, darf die Leiter nicht benutzt werden.
Zu guter Letzt: Neue Wege beschreiten
Weil Fortschritt immer auch mehr Sicherheit bringt, sollte es uns gemeinsam gelingen, den Satz "Das haben wir schon immer so gemacht" zu überwinden und neue Wege zu beschreiten. Wir haben fast 8.000 Jahre gebraucht, um bei den Leitern von einem Rundholm, über eckige Sprossen zu den Stufen zu kommen. Bei den nächsten Entwicklungsschritten müssen wir schneller sein, um die Gefahrenbereiche auf ein Minimum zu reduzieren und die entsprechenden Arbeitsmittel da einzusetzen, wo es sinnvoll ist. Diese sind nicht nur sicherer, da der Mensch und die Absturzgefahr voneinander getrennt sind, in vielen Bereichen kann damit auch schneller, effizienter und ergonomischer gearbeitet werden, was wiederum auch die Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebs stärkt.
Man muss sich bei jedem Leitereinsatz immer vor Augen führen: Es ist ein Arbeitsplatz beziehungsweise Verkehrsweg ohne Absturzsicherung.
Achim Fachbach und Wilhelm Stange, Referat Hochbau der BG BAU | markus.targiel@holzmann-medien.de