Sanitärreinigung: Von Vierfarbsystem bis Scheuersaugen

Vor allem in viel frequentierten Sanitäranlagen ist eine hohe Reinigungsfrequenz ­erforderlich, um die Übertragung von Mikroorganismen durch Hautkontakt zu ­vermeiden. Hartnäckige Verschmutzungen wie Kalkablagerungen, Urinstein oder Rost müssen zudem materialschonend entfernt werden. Hierfür braucht man das ­passende Rüstzeug.

Mit dem Vierfarbsystem wird die Verschleppung von Schmutz und Krankheitserregern verhindert. Für Armaturen, Spiegel oder Waschbecken werden meist gelbe Reinigungstücher verwendet. - © Kärcher

Dank Feuchtigkeit und Wärme fühlen sich Mikroorganismen im Sanitärbereich sehr wohl, zumal Hautschuppen und andere organische Verunreinigungen einen sehr guten Nährboden bieten.

Reinigungsmittel und ihre Handhabung

Bei der Verwendung von säurehaltigen Reinigungsmitteln im Sanitärbereich muss sowohl auf die unterschiedlichen Materialien als auch auf die Zusammensetzung der Reinigungschemie geachtet werden. So sind Reinigungsmittel zum Beispiel auf Phosphorsäurebasis für die Unterhaltsreinigung oft zu aggressiv. Um empfindliche Armaturen wie Duschköpfe, Mischventile oder Wasserhähne nicht zu schädigen, werden daher in der Unterhaltsreinigung meist Reinigungsmittel auf Basis von Amidosulfonsäure, ­Methansulfonsäure und/oder Zitronensäure ein­gesetzt.

Generell sollte man säurehaltige Reinigungsmittel auf Schwamm oder Tuch geben und nicht direkt auf die Oberflächen sprühen, damit die Säure nicht an Stellen gelangt, von denen sie nicht mehr abgespült werden kann. Um eine Schädigung der Armaturen zu vermeiden, ist auf das sehr gründliche Abspülen des säurehaltigen Reinigungsmittels zu achten. Zementhaltige Fugen sind vorzuwässern, bevor saure Reiniger bei der Bearbeitung von Oberflächen eingesetzt werden, damit die Säure nicht eindringt.

Alkalische Reiniger eignen sich für die Entfernung organischer Verschmutzungen wie Fett, Blut oder Eiweiß. Für eine besonders effiziente Reinigung zum Beispiel im Nassbereich können säurehaltige und alkalische Reiniger im Wechsel eingesetzt werden, da somit Bakterien, Schimmelpilzen & Co. die Lebensgrundlage entzogen wird. Für Toilettendeckel und -brillen, Türen, Türrahmen oder Trennwände kommen nur Allzweck- oder Alkoholreiniger infrage, da Säuren farbtonverändernd sein können. Flugrost auf Edelstahloberflächen kann mit einem Sanitärreiniger auf Phosphorsäurebasis entfernt werden.

Schwarzen Schimmelpilz in Zementfugen beseitigt man am besten mit Sauerstoffabspaltern. Bei befallenen Silikonfugen bleibt meist nur der Austausch. Um den Befall hinauszuzögern, empfiehlt es sich, ein Silikon mit Fungizidzusätzen zu verwenden. Da Feuchtigkeit die Bildung von Schimmelpilz begünstigt, ist es zudem sehr wichtig, regelmäßig zu lüften.

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    Im Urinal und WC kommen Sanitärreiniger zum Einsatz.
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    Die Bodenreinigung kann je nach Gegebenheiten durch Nasswischen mit einem Mikrofasertextil ...
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    ... oder mithilfe von Scheuersaugmaschinen erfolgen.
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    In beengten Verhältnissen kann auch eine Einscheibenmaschine zum Einsatz kommen.
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    Um Kalkflecken und Streifen zu vermeiden und die Trocknung zu beschleunigen, kann man abschließend zum Abziehen einen Gummiabstreifer beziehungsweise einen Fenster- oder Oberflächensauger verwenden.
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    Dampfreiniger bieten eine gute Möglichkeit, um hygienisch zu reinigen – sowohl am Boden ...
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    ... als auch auf Oberflächen wie Waschbecken, Armaturen & Co.

Methodik gegen Kreuzkontamination

Nicht nur Reinigungsmittel, sondern auch Zubehör und Reinigungs­methoden müssen auf die jeweilige Oberfläche abgestimmt werden. Für empfindliche Materialien wie Armaturen sollten nur kratzfreie Padschwämme (weiße Padauflage) oder Reinigungstücher zum Einsatz kommen. Generell wird von sauber nach schmutzig und von oben nach unten gereinigt.

Um Kreuzkontaminationen zu vermeiden, haben sich das Vierfarbsystem und die Tuchfaltmethode bewährt. Für Reinigungsutensilien werden die vier Farben Rot, Grün, Blau und Gelb verwendet. In Bädern und Toiletten setzen Reinigungskräfte die Farben Rot und Gelb ein. Rote Reinigungstücher oder Eimer werden meist für das WC, das Urinal und den Spritzbereich verwendet. Für sonstige Fliesenbereiche, Wasch­becken, Ablagen, Armaturen, Spiegel, Duschkabinen und Wannen kommen Reinigungsutensilien in der Farbe Gelb zum Einsatz. Bei der Tuchfaltmethode wird zudem mit vorpräparierten Reinigungstüchern gearbeitet, wobei das Tuch dreimal jeweils zur Hälfte gefaltet ist. So kann jede Oberfläche mit einer frischen Seite abgewischt werden – wurde jede Seite benutzt, wirft man das Tuch ab und verwendet ein neues.

Boden: Unterhalts- und Grundreinigung

Die Unterhaltsreinigung von Böden, die im Sanitärbereich meist aus Feinsteinzeugfliesen bestehen, wird trocken und nass durchgeführt. Lose Verschmutzungen lassen sich mühelos durch staubbindendes Wischen mit einem Mikrofasertextil oder mit einem Staubsauger beseitigen. Die Nassreinigung erfolgt im Anschluss daran mit Breitwischgerät, Mikrofaserwischbezug und einem passenden, vorzugsfrei tensidfreien Reinigungsmittel. In Kombination mit einem teleskopierbaren Stiel ist das Breitwischgerät auch für große Wandflächen eine gute Wahl, schnell und effizient ans Ziel zu gelangen.

Arbeitsschutz ­beachten

In der Handhabung von Reinigungsmitteln sind erforderliche Schutzmaßnahmen für Anwender in jedem Fall einzuhalten und Dosierungsanleitungen genau zu befolgen. Es müssen Schutzhandschuhe und ein Augenschutz getragen werden. Außerdem dürfen verschiedene Reiniger nicht gemischt werden und man sollte ausschließlich kaltes Wasser zum Verdünnen verwenden. In Verbindung mit heißem Wasser kann Reinigungschemie aggressiver reagieren und zur verstärkten Bildung von Aerosolen führen.

Bei großen Flächen in Sanitäranlagen, beispielsweise von Schwimmbädern, kommen für die Unterhaltsreinigung Scheuersaugmaschinen zum Einsatz. Bei Unterhalts- und Grundreinigung müssen zur Art der Verschmutzung und zum Bodenbelag die passende Mechanik und das passende Reinigungsmittel gewählt werden. Bei Feinsteinzeug haben sich Melaminharz-Pads oder Mikrofasertextilien bewährt. Der Grad der Verschmutzung bestimmt die Konzentration des Reinigungsmittels.

Grundreinigung von Kabinen und Wänden

Um geflieste Duschkabinen von Hautfett, Cremerückständen, Kalk- oder Kalkseifenrückständen zu befreien, werden die Flächen nach dem Vorwässern abschnittsweise mit einem sauren Grundreiniger behandelt. Während der Einwirkzeit des Reinigers kann das Anlösen der Verschmutzung am besten durch Schrubben mit einem Handpad oder einer Bürste unterstützt werden. Nach der Reinigung müssen die säurehaltige Reinigungsmittel gründlich mit klarem Wasser abgespült werden. Um Kalkflecken und Streifen zu vermeiden und die Trocknung zu beschleunigen, verwendet man abschließend zum Abziehen einen Gummiabstreifer beziehungsweise einen Fenster- oder Oberflächensauger.

Hat man es mit großen Flächen in ­Sanitäranlagen zu tun, so ist ein Hochdruckreiniger mit Becher-Schaumlanze zu empfehlen. Diese erzeugt mit Hilfe von Schaumreinigungsmittel und Luft, die an der Düse beigemischt wird, über den Hochdruckstrahl Schaum. So wird beim Arbeiten direkt sichtbar, wo das Mittel bereits aufgetragen ist, und der Schaum haftet besser als eine normale Reinigungsflotte, was die Einwirkzeit erhöht.

Bei Wänden, Böden und anderen Oberflächen kann alternativ, je nach Platzverhältnissen, ein Dampfreiniger für Sauberkeit sorgen. Dampfreiniger beziehungs­weise Dampfsauger bieten bei der Grundreinigung entscheidende Vorteile: Durch die hohe Reinigungs­temperatur werden Keime oder Viren gezielt abgetötet. Je nach Gerätetyp treten feinste Tropfen mit einer Temperatur von rund 100 °C und einem Druck von bis zu 8 bar aus der Düse aus. Der Dampf gelangt auch an schwer zugängliche Stellen. Die wirkungsvolle, zeitsparende und zugleich materialschonende Lösung kann sogar auf empfindlichen Oberflächen wie Holz eingesetzt werden. Fusselfreie Frotteetücher in Kombination mit einer großen Bodendüse erzielen eine gute Wirkung auf größeren Flächen.

Alexandra Lachner, freie Autorin; Sebastian Nann, Kärcher | markus.targiel@holzmann-medien.de