Vorgetränkte Textilien: In jeder Hinsicht ein Gewinn

Die Unterhaltsreinigung im Sanitärbereich ist immer eine besondere Herausforderung, nicht nur während der aktuellen pandemischen Lage. Vorgetränkte Reinigungstextilien können die Arbeit erleichtern und das Ergebnis optimieren. Was dabei zu beachten ist.

Reinigungstextilien können maschinell oder manuell vorgetränkt werden. - © rationell reinigen

Sanitärbereiche sind aufgrund von Wärme, Feuchtigkeit und Schmutzeintrag ein ideales Biotop für Mikro­organismen. Sie werden von sehr vielen Menschen mit unterschiedlichen Hygienevorstellungen genutzt, die alle die verschiedensten Mikroorganismen mitbringen können. Zudem haben die zu reinigenden ­Gegenstände direkten Körper- und Hautkontakt mit den Nutzern. Eine Übertragung von Mikroorganismen über Gegenstände beziehungsweise über Aerosole ist somit jederzeit möglich. Um die Sicherheit der Nutzer zu gewähren, ist der Gebäudereiniger gefordert, im Sanitärbereich besonders sorgfältig zu arbeiten. Deshalb entsteht – wie so oft in der Unterhaltsreinigung – ein Konflikt zwischen Hygiene, Reinigungsergebnis und Wirtschaftlichkeit. Eine mögliche Lösung des Dilemmas kann die Reinigung mit vorgetränkten Reinigungstüchern und Wischbezügen sein. Dies spart in der Regel Zeit bei der Durchführung und damit Geld. Außerdem werden bei richtiger Anwendung nicht nur Hygiene und Anwenderfreundlichkeit, sondern auch Arbeits- und Gesundheitsschutz erheblich verbessert.

Bequem: die maschinelle Aufbereitung

Die bequemste Methode, Reinigungstextilien auf­zubereiten, ist das Vortränken in der Waschmaschine. Wenn eine Maschine im Objekt vorhanden ist, kann sie möglicherweise so ausgestattet werden, dass nach dem Waschprozess automatisch das entsprechende Desinfektions- oder Reinigungsmittel zudosiert wird. Die so ausgerüsteten Reinigungstextilien können ­direkt aus der Maschine entnommen und in speziellen Boxen mit verschlossenem Deckel gelagert werden. Es gibt Boxen für Wischbezüge und für Tücher.

Manuell: die Schüttmethode

Wenn es sich nicht lohnt, eine Waschmaschine im Objekt aufzustellen, können – falls logistisch ­sinn­­­voll – die vorgetränkten Reinigungstextilien direkt vom Sitz der Firma ausgeliefert werden. Günstiger und in der Praxis vermutlich hauptsächlich favorisiert ist die manuelle Präparation im Objekt. Dazu werden die benötigten Tücher gefaltet und in einen Eimer gelegt. Die Reinigungsflotte wird nach Hersteller­angaben ­dosiert. Die Menge an Lösung ist abhängig von der Zahl der Tücher. Es sollten 30 bis 50 Milliliter pro Tuch gerechnet werden, bei Bezügen sind es 300 bis 500 Milliliter. Die Lösung wird über die Tücher ­geschüttet. Für eine gleichmäßige Durchnässung kann ein Aufsatzsieb verwendet werden.

Mikrofaser und tensidfreier Reiniger

Für die vorpräparierten Reinigungstextilien eignen sich am besten Mikrofasertücher. Die Reinigungs­effizienz der Mikrofaser ist besonders hoch, wenn sie tensidfrei benutzt wird. Tenside blockieren Mikro­fasern, dadurch wird die Schmutzaufnahme stark verringert. Die Wirkstoffe in tensidfreien Reinigern unterstützen die Mikrofaser in ihrer Reinigungskraft. Ein weiterer Vorteil der tensidfreien Reinigung in Kombination mit Mikrofaser ist das streifenfreie Auftrocknen. Gerade bei Glasflächen (zum Beispiel ­Spiegel) und Kunststoff­flächen (zum Beispiel Trennwände im Sanitärbereich) erübrigt sich ein Nachtrocknen, was zu Zeitersparnis führt. Außerdem können diese ­Flächen bei geringer Verschmutzung nur mit Wasser und Mikrofasertüchern gereinigt werden.Der Einsatz von Reinigungschemikalien kann so ­reduziert werden. Dementsprechend ist das Verfahren umweltfreundlicher und belastet weniger die Gesundheit der Reinigungskräfte. Für Sanitärbereiche, in denen häufig Mineralschmutz anfällt, gibt es zu dessen ­Entfernung sauer eingestellte tensidfreie Reiniger.

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    © Claudia Liersch
    Bei Sanitärräumen mit mehreren Toilettenkabinen wird zu Beginn der Arbeiten ein vorgetränktes Reinigungstuch an jede Türklinke gehängt. Dann werden die Toiletten und Urinale gespült und WC-Reiniger unter den Spülrand zum Einwirken gesprüht.
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    Während der WC-Reiniger einwirkt, werden Waschbecken und ihr Umfeld gereinigt – ebenfalls mit vorgetränkten Mikrofasertüchern, und zwar vom Reinen zum Unreinen und von oben nach unten.
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    Anschließend werden die Toiletten gereinigt und die Trenn­wände abgewischt. Die benutzten Tücher werden für die Wiederaufbereitung ­gesammelt, die Abfälle entsorgt. Am Ende wird der Boden gewischt. Ein vorgetränkter Wischbezug reicht für rund 25 Quadratmeter.
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    © rationell reinigen
    Mit korrekter Faltung holt man aus einem einzigen Reinigungstuch 16 saubere Seiten heraus.

Tücher richtig falten

Um ein Reinigungstuch sinnvoll einzusetzen, sollte es nach einer bestimmten Technik gefaltet werden: ­Zuerst wird es von oben nach unten zu einem Rechteck gelegt. Dieses wird dann zum Quadrat gefaltet und anschließend seitlich übereinander geklappt. Dadurch ergeben sich acht Felder, die auch gegenüberliegend genutzt werden können – insgesamt ­16 Reinigungsflächen. Sobald eine Seite schmutzig ist, wird das Tuch so umgeschlagen, dass eine ­saubere Seite zur Reinigung nach unten zeigt. Durch das ­ systematische Arbeiten kann das Tuch optimal genutzt werden. Daraus ergeben sich verringerte Lauf­wege und eingesparte Arbeitszeit. Außerdem liegt das ­gefaltete Tuch wie ein Polster in der Hand und kann so den Druck, die Mechanik, besser weitergeben. Die Schmutzentfernung wird dadurch vereinfacht.

Von sauber nach schmutzig

Besonders im Sanitärbereich kann ein korrekt gefal­tetes Tuch effizient eingesetzt werden. Die Arbeit ­erfolgt vom sauberen zum schmutzigen Bereich. In einer WC-Kabine werden zum Beispiel mit der ersten Tuchseite die Türklinke innen und außen beziehungsweise der Bereich drumherum gereinigt, mit der zweiten Tuchseite der Drücker der Spülgarnitur und seine Umgebung, mit der dritten und vierten Tuchseite der Toilettendeckel und die Brille, mit der fünften und sechsten Seite der Spritzbereich um die Toilette, mit der siebten die Unterseite des WC-Beckens und mit der achten sauberen Seite der Griff der Toilettenbürste und der Bürstenbehälter. Durch dieses systematische Vorgehen von rein nach unrein kann mit einem einzigen Tuch hygienisch und effizient gearbeitet werden. Die schmutzigsten beziehungsweise am meisten keimbelasteten Oberflächen werden zuletzt gereinigt. Dadurch wird eine Keimverschleppung verhindert. Zeiten zum Eintauchen und Auswringen der Tücher entfallen und somit wird auch der Kontakt der Reinigungskräfte mit der Reinigungslösung verringert. Laufwege zum Unterhaltswagen werden minimiert und dadurch wird wiederum Arbeitszeit gewonnen.

Unnötige Arbeitswege vermeiden

Sicherlich gibt es für den Arbeitsablauf etliche Varia­tionen. Um rationell und systematisch zu arbeiten, sollte aber immer besonderes Augenmerk auf Vermeidung von unnötigen Arbeitswegen zwischen dem ­Reinigungswagen und den zu reinigenden ­Gegenständen gelegt werden. In Sanitäranlagen sind hauptsächlich WC-Kabinen, Urinale, Trennwände und Waschbecken sowie ihre Umgebung zu reinigen, Hygieneartikel nachzufüllen und Abfälle sachgerecht zu entsorgen. Deshalb ist bei der Ausstattung des Reinigungs­wagens vor der Benutzung zu prüfen, ob alle benötigten Materialien und Geräte vorrätig sind. Eine Checkliste kann hilfreich sein. Vor Arbeits­beginn ist das Warnschild "Vorsicht Rutschgefahr" aufzustellen. Damit wird einerseits darauf aufmerksam gemacht, dass die Sanitäranlage für Benutzer gesperrt ist und andererseits auf die Gefahr von nassen Bodenbelägen hingewiesen.

Arbeitsabläufe effizient gestalten

Sinnvoll ist es, die Reinigungsarbeiten bei den Toiletten­kabinen zu beginnen, um dem WC-Reiniger Zeit zum Einwirken zu geben. An jede Türklinke wird ein ­präpariertes Tuch (tensidfreies Reinigungs­mittel oder Desinfektionsreiniger, falls vom Kunden gewünscht) gehängt, dann werden die Toiletten und Urinale gespült und WC-Reiniger unter den Spülrand jeder ­Toilette gesprüht. Danach geht es zurück zum Wagen, um die Nachfüllartikel im Waschbereich zu ergänzen und die Waschbecken beziehungsweise ihr Umfeld mit vorgetränkten Tüchern zu reinigen. Dabei wird ebenfalls mit Hilfe eines korrekt gefalteten Reinigungstuchs vom Reinen zum Unreinen gearbeitet sowie von oben nach unten. Folglich beginnt die Reinigung beim ­Spiegel. Dabei kann auf Reinigungschemie verzichtet und nur mit Wasser gearbeitet werden. Ablagen, Wasch­becken und Siphon werden mit einem in Sanitärreiniger (möglichst tensidfrei) vorgetränkten Tuch gereinigt, sofern die Materialien säurebeständig sind. Das Tuch muss gewechselt werden, wenn es keine Feuchtigkeit mehr abgibt oder alle 16 Reinigungsseiten verwendet ­wurden. Anschließend werden die Toiletten gereinigt. Um ­Verwechselungen zu vermeiden, hat es sich in der ­Praxis bewährt, verschiedenfarbige Reinigungs­tücher zu verwenden: rote Tücher für die WC-Bereiche, gelbe für Waschbecken und Umgebung sowie grüne oder blaue für sonstige Flächen wie zum Beispiel die ­Spiegel. Die benutzten Tücher werden zur Wiederauf­bereitung in einen Behälter für schmutzige Wäsche ­gegeben, die ­Abfälle entsorgt. Die entsprechenden Behälter oder ­Säcke sind am Reinigungswagen angebracht.

Der Boden kommt zum Schluss

Sind alle Oberflächen abgearbeitet, kann der Boden gewischt werden. Ein präparierter Bezug (tensid­freier Sanitärreiniger) reicht für rund 25 Quadratmeter. ­Danach gibt er nicht mehr genügend Feuchtigkeit ab. Bei großflächigen Sanitäranlagen werden ­deshalb mehrere Bezüge benötigt. Man beginnt an der von der Eingangstür am weitesten entfernten Raum­seite und arbeitet systematisch rückwärts zur Tür hin. So werden einerseits Laufwege vermieden und andererseits läuft man nicht über die feuchte, sauber ­gewischte Fläche. Lüftungsauslässe, sonstige Flächen wie Fensterbänke oder Heizkörper werden gemäß Leistungsverzeichnis regelmäßig feucht abgewischt. Empfehlenswert ist es, Beschriftungen oder Graffiti auf Trennwänden baldmöglichst zum Beispiel mit einem Schreibtisch­reiniger zu entfernen. Dies kann weiteren Schmierereien Einhalt gebieten.

Die Arbeit mit vorgetränkten Tüchern und Bezügen ist zwar schulungsintensiv, bringt jedoch bei konsequenter Umsetzung Optimierungen auch in puncto Arbeits- und Gesundheitsschutz: Der Hautkontakt mit der Reinigungsflotte wird minimiert und das Auswringen von Wischbezügen und Tüchern entfällt. Insgesamt verbessert sich dadurch die Ergonomie im Arbeitsprozess. Daraus resultiert neben hygienischen Reinigungsergebnissen auch eine Zeitersparnis.

Claudia Liersch | heike.holland@holzmann-medien.de

Claudia Liersch

Claudia Liersch ist Lehrerin an der Gewerblichen Schule Metzingen. Sie unterrichtet seit yyy Gebäudereiniger-Auszubildende und Meisterschüler. - © privat

ist Lehrerin an der Gewerblichen Schule ­Metzingen. Sie unterrichtet seit vielen Jahren Gebäude­reiniger-Auszubildende und -Meisterschüler.