Sanitärreinigung: Ist das noch Kalk oder schon die Oberfläche?

Sieht super aus, macht einen erstklassigen Eindruck – und lässt den Gebäude­reiniger oftmals verzweifeln: Marmor, Travertin, Muschelkalk, geschliffener Terrazzo oder Sichtbeton im Sanitärraum. Was tun, wenn Materialien verbaut sind, die aus Sicht der Reinigung in Nass- und Sanitärbereichen nichts zu suchen haben?

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    Säureempfindliche Materialien wie Marmor sind aus Sicht der Gebäudereinigung im ­Sanitärbereich keine gute Idee.
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    Auch Sichtbeton gehört zu den problematischen Materialien im Sanitärbereich.

Problematische Materialien im Sanitärraum, die zwar gut aussehen, aber schwer bis unmöglich zu reinigen sind, finden sich vornehmlich in gehobenen Hotels, großen Unternehmen, Wellness- und Spa-Einrichtungen oder Freizeit- und Thermalbädern. Welche Materialien sinnvollerweise verwendet werden sollten, gibt der Zweck der Nutzung im Grunde relativ genau vor. Eigentlich sollte klar sein, dass in Nass- und Sanitärbereichen keine säure- und kratzempfindlichen Materialien verbaut werden. Das ist zumindest die Theorie.

Optik steht häufig ­vor ­Funktionalität

In der Praxis stellt sich dies leider oft als unrealistische Annahme heraus. Immer öfter legen Planer und Bauherren mehr Wert auf die Optik als auf Funktionalität und Reinigungsfähigkeit der verwendeten Materialien. Aus diesem Umstand ergibt sich die Frage: Wie soll der Sanitärreiniger erkennen, ob es sich noch um Verschmutzungen und Kalkablagerungen handelt oder schon um die Oberfläche der Sanitäreinrichtung? Dieser Gordische Knoten lässt sich weder fachlich noch wirtschaftlich befriedigend lösen. Vergleichen könnte man die Situation mit der Formel: Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass.

Mit stumpfen ­Waffen im Einsatz

Reinige mich, aber nicht mit Chemie. Entferne den Kalk, aber nicht mit einem sauren Sanitärreiniger, denn der verätzt den Marmorwaschtisch. Wisch mich, aber nicht mit kratzender Mikrofaser, denn die macht die hochglänzende Oberfläche matt. Desinfiziere täglich die Toilettenbrille, aber nicht mit Desinfektionsmittel, das kann zu Verfärbungen führen. So oder ähnlich geht es Reinigungskräften, die in Nass- und Sanitärbereichen mit stumpfen Waffen wie pH-neutralem oder alka­lischem Sanitärreiniger und/oder Spülmittel und Scheuermilch im Einsatz sind. Der Auftraggeber hat im Allgemeinen ­leider wenig Verständnis dafür, wenn trotz täglicher Reinigung die charakteristische Oberflächenstruktur der Marmorwasch­tische unter den Kalk­ablagerungen kaum noch zu erahnen ist oder der Muschelkalkboden und die Wände rund um das Pissoir durch Urin verätzt sind und optisch eher an einen Streuselkuchen als an eine ­luxuriöse Ausstattung erinnern. Doch ­Jammern hilft nicht. Der Kalk und die Verunreinigungen müssen entfernt werden.

Wenig praxistaugliche ­Herstellerempfehlungen

Reinigungsprofis wissen, dass es auch für solche schwierigen Reinigungsaufgaben von den Herstellern immer eine Reinigungs- und Pflegeanleitung geben muss. Selten enthalten diese Anleitungen allerdings praxistaugliche Hinweise, die die tägliche Reinigung erleichtern oder zu einem für alle befriedigenden optischen und wirtschaftlichen Ergebnis führen. Beim Thema Reinigung schreiben alle Hersteller sinngemäß:

"Verwenden Sie keine sauren oder alka­lischen Reinigungsmittel ... Verwenden Sie nur kratzfreie Reinigungs­utensilien und entfernen Sie Verunreinigungen sofort, da ansonsten optische Beeinträchtigungen entstehen können ... Verwenden Sie als Reinigungsmittel Glasreiniger oder ein mildes pH-neutrales Spülmittel ... Hartnäckige ­Flecken werden mit einer Paste aus Maisstärke behandelt, die aufgebracht und nach 20 Minuten abgespült wird. Wiederholen Sie den Vorgang so oft, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist ... Als Imprägnierung wird Bienenwachs empfohlen, das dünn aufgetragen und anschließend auspoliert werden soll. Die Imprägnierung muss regelmäßig in Abhängigkeit der Nutzungsintensität wiederholt werden ... Kalk­ablagerungen können mit einer pH-neutralen kratzfreien Scheuermilch oder mit einem Holzspatel entfernt werden ... Vermeiden Sie unbedingt, dass Seifenreste eintrocknen, diese führen zu nachhaltig dunklen Einfärbungen und optischen Veränderungen. In der Praxis helfen solche Empfehlungen dem Gebäudereiniger nicht weiter.

Den Auftraggeber ­mit ins Boot holen

Was also tun bei der Reinigung nicht geeigneter Materialien in Nass- und Sanitärbereichen? Zuallererst ist es empfehlenswert, den Auftraggeber über die Reinigungs­problematik zu unterrichten und ihn so mit in die Problemlösung einzubeziehen. Denn egal, wie das Gebäudereinigungs­unternehmen das Problem angeht: Für den Auftraggeber wird es sicherlich teurer als erwartet und unter Umständen muss er Konzessionen bei der Optik machen. Denn dauerhaft lässt sich die bestechende Optik zum Beispiel von Waschtisch oder Bodenbelag aus Carrara-Marmor nur erhalten, wenn die Oberfläche entweder regel­mäßig saniert oder vor der Inbetriebnahme ­beziehungsweise nach der Sanierung zum Beispiel mit Epoxidharz veredelt und ­geschützt wurde. Da es wohl in den seltensten Fällen vorkommen wird, dass ein Auftraggeber die Oberflächen nachveredeln lässt, muss die Reinigung wohl oder übel damit leben und sich darauf einstellen.

Was tun bei säureunbeständigen Flächen?

  • Auftraggeber von Anfang an mit in das Problem einbeziehen.
  • Mit dem Auftraggeber gemeinsam Arbeitsproben durchführen und ein Reinigungsverfahren festlegen.
  • Geschädigte Oberflächen sanieren und vergüten. Epoxidharz schützt und verändert die Oberflächenoptik in der Regel nur geringfügig.
  • Für die tägliche Unterhaltsreinigung sollte ein pH-neutraler Sanitär­reiniger mit Komplexbildnern verwendet werden. Nicht abspülen!
  • Leichte Kalkablagerungen lassen sich mit pH-neutraler kratzfreier Scheuermilch und abrasivem kratzfreien Schwamm entfernen.
  • Merkliche Kalkrückstände können mit Sauerstoffabspaltern wie ­Natriumhyperchlorit entfernt werden (Vorsicht: Es kann ätzendes Chlorgas entstehen!) Alternativ ist die Verwendung von Natrium­hydrogencarbonat (Backpulver) möglich.
  • Grundsätzlich: Verstärkt Bauplanungsberatungen für Architekten und Bauherren anbieten.

Schutzfilm gegen ­Kalk und Schmutz

Wenn bei der täglichen Reinigung ­ei­nige Grundsätze beachtet werden und der Auftraggeber bereit ist, die zusätzlichen ­Bemühungen (die nichts mit der allgemeinen Definition der Reinigung in Nass- und Sanitärbereichen zu tun haben) zu ­honorieren, kann es klappen. Für die täg­liche Unterhaltsreinigung sollte ein pH-neutraler Sanitärreiniger (eine Divergenz in sich) mit Komplexbildnern verwendet werden. Sie hinterlassen auf der Oberfläche einen Schutzfilm light, der sich aber abnutzt und täglich erneuert werden muss.

Wichtig ist, dass nach der Reinigung mit dem pH-neutralen Sanitärreiniger nicht mit Wasser nachgespült wird, damit der Reiniger auftrocknen und so den Schutzfilm bilden kann. Auf diesem Schutzfilm bauen sich während der Nutzung Kalk und Verunreinigungen auf. Bei der nächsten Reinigung löst der pH-neutrale Sanitärreiniger den Schutzfilm samt Ablagerungen auf und die Oberfläche zeigt sich rückstandlos. Das funktioniert aber nur, wenn bei der ­ersten Anwendung keine Kalk­ablagerungen ­vorhanden sind. Allerdings muss bei ­dieser Vorgehensweise eine leichte ­optische Beeinträchtigung in Form von Schlieren beziehungsweise einer etwas speckig wirkenden Oberfläche in Kauf ­genommen werden.

Mit Sauerstoffabspaltern ­gegen Kalkrückstände

Sind leichte Kalkablagerungen vorhanden, lassen diese sich gut mit einer pH-neutralen kratzfreien Scheuermilch und einem abrasiven kratzfreien Schwamm entfernen. Ist es schon zu einem Kalkaufbau auf säureempfindlichen Flächen gekommen, kann der mit diesem Verfahren nur sehr schwer bis gar nicht entfernt werden. Bei merk­lichen Kalk­rückständen auf der Oberfläche kann unter Umständen ein Sauerstoffabspalter wie Natrium­hyperchlorit funktionieren. Aber Vorsicht: Wird Na­trium­hyperchlorit in Zusammenhang mit sauren Reinigern angewendet – unter Umständen reichen schon Rück­stände von saurem Reinigungsmittel auf der Oberfläche –, entsteht giftiges Chlorgas, was in geschlossenen Räumen tödlich sein kann. Ein weiteres Problem bei Natrium­hyperchlorit ist, dass der pH-Wert über 10 liegt und somit die Gefahr einer Verätzung der kalkhaltigen Oberfläche besteht.

Hoher Aufwand, ­­mäẞige Wirkung

Alternativ zu Natriumhyperchlorit kann auch Natriumhydrogencarbonat (Backpulver) eingesetzt werden. Bei Natrium­hydrogencarbonat besteht die Gefahr der Chlorgasbildung nicht, aber die Wirkungsweise ist leider auch schwächer als bei Natriumhyperchlorit. Natriumhydrogencarbonat ist ein Bestandteil der Mais­stärke, daher auch die Empfehlung in den ­Reinigungsanleitungen der Hersteller, eine Paste aus Maisstärke zur Kalkent­fernung einzusetzen.

Alle beschriebenen Möglichkeiten der Entfernung von Kalkrückständen auf säure­unbeständigen Flächen habe eines gemeinsam: Sie funktionieren nur mittelmäßig mit einem hohen Zeitaufwand in Kombination mit kratzfreier Mechanik – und nur dann, wenn die Kalk- oder sons­tigen Ablagerungen relativ dünn und nicht versintert sind. Versinterungen entstehen mit der Zeit durch das Auftrocknen der in Leitungswasser gelösten Mineralien. Es bildet sich ein krustenförmiger Überzug – die Kalkablagerungen.

Effektiv: eine ­Entkalkungsanlage

Das wohl effektivste Mittel gegen diese Kalkablagerungen ist der Einbau einer Entkalkungsanlage. Dabei filtern spe­zielle Harze den Kalk aus dem Wasser und zur Regeneration der Harze muss ein ­spe­zielles Reinigungssalz, meist in Tabletten­form, hinzugegeben werden. ­Jedoch hilft die Entkalkungsanlage nicht gegen saure Verunreinigungen wie ­Urin. Um dem zu begegnen, müsste die säureempfindliche Oberfläche beziehungsweise der Bodenbelag durch das Aufbringen eines Schutzfilms – zum Beispiel mit Epoxidharz oder einer Wachs- beziehungsweise Polymer­dispersion, Steinseife oder Hartbeschichtung – vor den säurehaltigen Verschmutzungen geschützt werden.

In Thermalbädern geht­ es nicht ohne sauren Reiniger

Dies gilt jedoch nicht für Thermalbäder.Dort wird in der Regel durch die enormen Mengen an Wasser, die täglich ge- und verbraucht werden, aus wirtschaftlichen Gründen eher selten eine Entkalkungsanlage eingebaut. Zudem enthalten Thermalquellen sehr viele mineralische und organische Komponenten wie zum Beispiel Mangan, die ja gerade die heilende Wirkung des Thermalwassers ausmachen und bei der Entkalkung entfernt werden würden. Mangan und die organischen ­Mikroorganismen im Wasser versintern eher schnell, und daher lassen sich diese Verunreinigungen in Thermalbädern auch mit viel Fleiß und Schweiß ohne ­saure ­Reiniger nicht entfernen.

Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de

Uwe Büttner

Uwe Büttner - © privat

ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter ­und vereidigter Sachverständiger und selbst­ständiger Berater mit dem ­Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen.