WPC-Terrassen wiesen aufgrund von falschen Mischungen nicht die geforderte Widerstandsfähigkeit auf. Da die Kosten für einen Tausch sehr hoch waren, wurde der Sachverständige mit der Suche nach einer Alternativlösung beauftragt. Dieser setzte einen Holzverfestiger ein, der üblicherweise verwendet wird, wenn Holz von Würmern befallen ist. Dies führte zum gewünschten Ergebnis.
Der aufmerksame Leser wird sich erinnern können, dass der Sachverständige bereits vor einigen Jahren über schadhafte Terrassendielen aus Wood-Plastic-Composite (WPC) berichtet hat, die aufgrund einer mangelhaften Mischung nicht die Widerstandsfähigkeit aufwiesen, die seinerzeit vom Hersteller ausgelobt worden war. Dies äußerte sich vor allem darin, dass die Nutzer bereits durch das Laufen im trockenen Zustand dafür sorgten, dass die Oberfläche abgenutzt wurde.
Dieser Schadensfall greift die Problematik wieder auf. Im Zuge üblicher Instandhaltungsmaßnahmen wurden vom Eigentümer immer wieder schadhafte Dielen ausgetauscht, es handelte sich dabei um einige Tausend Quadratmeter von Balkonen und Terrassen. Der Eigentümer stellte dem Sachverständigen erneut die Frage, ob es mittlerweile nicht doch Möglichkeiten gebe, durch Reinigungsmaßnahmen die Mieter wieder zufriedenzustellen. Ausschlaggebend hierfür waren zwei Punkte:
- Zum einen hat sich die aktuelle Rohstofflage derart verändert, dass die Kosten für die Entsorgung der alten WPC-Dielen und die Beschaffung von neuen Holzdielen regelrecht explodiert sind.
- Zum anderen sollten die Umwelt und das Thema Nachhaltigkeit in allen Facetten berücksichtigt werden.
Daher wurde vom Sachverständigen noch einmal eine Musterfläche angelegt, diesmal in der Form einer gesamten Terrasse von rund 20 m² Größe, die auch als Anschauungsobjekt dienen sollte. Zu berücksichtigen galt, dass die verlegten WPC-Dielen nicht in einem notwendigen Mischungsverhältnis vorlagen, um einer üblichen mechanischen Beanspruchung standhalten zu können.
Daher war schnell die Idee der Opferschicht geboren. Oberflächenvergütungen, gerade im Bereich der elastischen Bodenbeläge, werden gerne in der Gebäudereinigung als Opferschicht – Schicht, die man opfern möchte zugunsten des Werterhaltes des Werkstoffes – bezeichnet.
Klassische Beschichtungen schieden jedoch von vornherein aus, da im Außenbereich von stehender Nässe unter unterschiedlichsten Witterungsbedingungen ausgegangen werden muss. Zudem würde sich das Rutschverhalten aller Wahrscheinlichkeit dahingehend verändern, dass mit einem erhöhten Unfallpotenzial zu rechnen wäre. Um die Oberfläche zu verfestigen, musste daher ein Produkt gefunden werden, das folgende Eigenschaften aufweist:
- offen für Wasserdampfdiffusion,
- verfestigt Holzwerkstoffe,
- stabilisiert die Oberfläche,
- ist für den Außenbereich geeignet,
- weist hohe Stabilität gegenüber Reinigungsmitteln auf.
Das Produkt sollte offen für Wasserdampfdiffusion sein, damit Feuchtigkeit, die in den Verbundwerkstoff eindringt, auch abgeleitet werden kann, ohne ein klassisches Abpudern oder eine Tiefenschädigung zu verursachen.
Die poröse Oberfläche, die bereits durch leichte mechanische Beanspruchung weiter geschädigt wird, musste verfestigt werden, damit eine übliche Nutzung wieder gewährleistet werden kann. Hier galt es zu berücksichtigen, dass Terrassen nicht nur begangen werden, sondern auch die Belastung von Möbeln, aber auch eventuell verschütteten Getränken und Speisepartikeln aushalten müssen.
Musterfläche überzeugt
Bei der Prüfung, welche Lösung dem Kunden für den vorhandenen Schaden angeboten werden kann, wurde überlegt, wo es üblicherweise notwendig ist, Holzoberflächen wieder zu verfestigen. Die Lösung war dann schnell gefunden, denn häufig werden Holzoberflächen durch Pilze oder Insekten geschädigt, wobei bei frühzeitiger Feststellung eine Sanierung möglich ist. Das entsprechende Produkt wurde beschafft, um die Musterfläche anlegen zu können.
Es wurde zunächst eine Vorreinigung mittels eines unterdosierten Allzweckreinigers und einer Bürste – Bürstrichtung entlang der Profilierung – durchgeführt. Die Schmutzflotte konnte durch Spülen und Aufnahme mittels eines Wassersaugers entsorgt werden. Erst nach vollständiger Trocknung der Oberfläche wurden weitere Maßnahmen getroffen.
Die Oberfläche wurde noch einmal auf Verunreinigungen oder optische Auffälligkeiten überprüft und stellenweise noch einmal mechanisch bearbeitet, um letzte Partikel zu entfernen, welche die Homogenität der Oberfläche beeinträchtigen könnten. Hierbei konnte noch einmal deutlich festgestellt werden, in welch schlechtem Zustand sich die Oberfläche befand: Bereits durch den Einsatz einer weichen Bürste konnten weitere Partikel gelöst werden.
Hiernach wurde ein Holzverfestiger auf PU-Basis bis zur vollständigen Sättigung aufgetragen. Dabei wurde darauf geachtet, dass nach der Sättigung des Materials an der Oberfläche keine Pfützenbildung mehr vorhanden war.
Nach einigen Monaten Nutzung konnte der Eigentümer das positive Ergebnis dieser Maßnahme bestätigen und sich nicht nur über wesentlich geringere Kosten für die Sanierung freuen, sondern auch darüber, einen kleinen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit geliefert zu haben.
Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de
Tipp vom Gutachter: Farbvertiefung durch Holzverfestiger
Sascha Hintze, Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger: "Auch WPC sollte regelmäßig gereinigt und gepflegt werden, um den verbauten Werkstoff lange und nachhaltig zu erhalten. Sollte die Oberfläche jedoch wie im vorliegenden Schadensfall derart in Mitleidenschaft gezogen worden sein, dass eine übliche Nutzung nicht mehr möglich ist, so gibt es die Möglichkeit, die Oberfläche durch Holzverfestiger wieder zu sanieren.
Hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass die Produktanforderungen erfüllt werden und eine entsprechende Musterfläche angelegt wird. Achtung: Es wird zu einer Farbvertiefung kommen, die entsprechend mit dem Kunden abzustimmen ist."

