Reinigungstextilien waschen: Gefragt sind ­kluge Konzepte ­­­

Die Wäsche von Reinigungstextilien ist eine zen­trale und sehr wichtige Nebentätigkeit bei der Erbringung professioneller Reinigungsleistungen – mit enormen Aus­wirkungen nicht nur auf die Reinigungsqualität, sondern auch auf die Wirtschaftlichkeit. Sinnvoll sind deshalb durchdachte Konzepte, die nicht zuletzt die Umwelt im Blick behalten.

Wer auf das "Mopptaxi" ­verzichtet und Reinigungs­textilien im Objekt wäscht, handelt wirtschaftlicher und umweltbewusster. Wisch­bezüge und Reinigungstücher müssen ja nicht unbedingt ­kilometerweit durch die ­Gegend gefahren werden. - © Andreas Carl

Nicht nur das Waschen an sich kostet viel Geld. Auch die Haltbarkeit der Reinigungstextilien spielt bei dem Thema eine wichtige Rolle. Denn sie entscheidet über die Höhe und Häufigkeit der ­Anschaffungs- und Wieder­beschaffungskosten. Die Wäsche von Mopps und Tüchern ist nach den Personalkosten häufig der zweitgrößte Kostenblock. Sicher ist: Im Gesundheitswesen und überall dort, wo täglich viele Mopps und Tücher zum Waschen anfallen, ist die Wäsche ein Kosten­faktor. Mit einem durchdachten Konzept lässt sich leicht Geld sparen – oder andernfalls eben ausgeben. Wer beim Waschen auf die Wirtschaftlichkeit schaut, tut zudem meist auch noch etwas Gutes für die ­Umwelt beziehungsweise handelt weniger umweltschädlich. In der Regel lässt sich sagen: Je wirtschaftlicher das Waschen und der Transport sind, desto weniger ist dieser Prozess umweltbelastend.

Vorspülen mit klarem Wasser

Der wichtigste Waschgang ist immer der erste und zweite Vorspülgang (Vorwäsche) mit klarem Wasser. Im Gesundheitswesen sind die Reinigungs­textilien zwar kaum schmutzig. In der Regel ist nur der Schmutz von ausschließlich einem Raum im Wischbezug oder Tuch. Da kann man doch leicht auf das Vorspülen verzichten? Bloß nicht! Desinfektionsmittel reagieren auf Waschmittel sehr gerne mit Inkrustationen. Auf Mopps und Tüchern bildet sich durch verschiedene Tenside des Desinfektionsmittels mit dem Wasch­mittel eine Kruste auf der Faser. Als Folge kann diese Faser keinen gelösten Schmutz mehr aufnehmen. Deshalb sollte das Mopp- und Tuchgewebe vor dem Kontakt mit Waschmittel gründlich gespült werden, nicht nur im Gesundheitswesen. Wird das nicht ­gemacht, ist in der Regel ein Waschkraftverstärker erforderlich. Im Verwaltungsbereich oder in Schulen sind die Mopps in der Regel schmutziger. Es handelt sich meist nur um ­Alltagsschmutz durch hochfrequentierte Raum­nutzung. Aber auch in diesen Fällen ist der erste und gegebenenfalls auch der zweite Vorspülgang sinnvoll.

Den Schmutz aus der Faser lösen

Das Vorspülen hilft auch bei der Schonung der ­Umwelt. Die Mopps und Tücher sind vor dem Waschen mit losem und gelöstem Schmutz behaftet. ­Zusätzlich tragen die Fasern Reinigungschemie und Desinfektionsmittel in sich, die bereits beim Vorspülen ohne zusätzliches Waschmittel dabei helfen, den Schmutz aus der Faser zu lösen und wegzuspülen. Sind erst einmal der grobe Schmutz und die Reinigungschemie aus der Faser entfernt, ist der eigentliche Aufwand des Waschens wesentlich kleiner. Es kann mit niedrigeren Temperaturen gewaschen und im Gesundheitswesen auch mit höheren Temperaturen thermisch desin­fiziert werden.

Waschkraftverstärker überflüssig

Die Umweltbilanz des Vorspülens ist beachtlich. ­Dadurch kann beim eigentlichen Waschen in der ­Regel auf einen Waschkraftverstärker verzichtet werden. Auch die Temperatur beim Waschen kann ­reduziert werden. Der Wasserverbrauch steigt zwar, aber nur am Ort des Waschens. Die Wassermenge und ­Chemie, die es braucht, um das mit Waschkraftverstärker verschmutzte Wasser in der Kläranlage zu reinigen, ist ungleich höher.

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    © rationell reinigen
    Der wichtigste Teil beim Waschen von Mopps und Tüchern ist der erste und zweite Vorspülgang mit klarem Wasser, um Schmutz und/oder Desinfektionsmittel sowie Reinigungs­chemie aus den Fasern zu lösen. Trotz höheren Wasserverbrauchs ist das Waschen mit Vorspülen wirtschaftlich. Der Verzicht auf Waschkraftverstärker und die Reduzierung der Waschtem­peraturen lassen die Kosten sinken.
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    © Andreas Carl
    Qualitätsprobleme beim Reinigen können ihre Ursachen auch beim ­Waschen der Reinigungstextilien haben. Wird der Boden zum Beispiel ­­immer ­schmutziger und trocknet nach dem Wischen nicht mehr gut ab, können Inkrustationen – Verkrustungen auf den Fasern des Mopps – die Ursache sein.

Reduzierte Waschtemperaturen

Trotz des höheren Wasserverbrauchs ist das ­Waschen mit Vorspülen wirtschaftlich und der Verzicht auf Waschkraftverstärker und die Reduzierung der Waschtemperaturen lassen die Kosten sinken. Beim nicht desinfizierenden Waschen fällt die Umwelt­bilanz also doppelt besser aus. Transport und Ver­packung von Waschkraftverstärkern kosten nicht nur sehr viel Geld, sondern belasten die Umwelt in erheb­lichem Maße. Zudem werden Unmengen an ­Ressourcen und Energie bei der Herstellung verbraucht.

Im Gesundheitsbereich können die Flächendesinfek­tionsmittel beim Waschen oft zu Ärger führen. Um das zu vermeiden, werden sehr gerne Waschkraft­verstärker – ein Verbund aus drei Komponenten – verwendet. Das funktioniert bei einem gut eingestellten Waschprozess auch wunderbar. Nur die Umwelt und die Wirtschaftlichkeit leiden sehr darunter. ­Gerade die Hygienesicherheit wird beim Waschen mit Flüssig­waschmitteln in den Vordergrund gestellt. Bei einer thermischen Desinfektion ist die Sicherheit ­immer zu 100 % gewährleistet, egal welche An­wenderfehler (zum Beispiel Überladung) und technischen Fehler (zum Beispiel Knick im Schlauch oder Luft im Schlauch) passieren. Auch ohne Waschmittel sind die Mopps zwar nicht sauber, aber thermisch desinfiziert.

Waschfehler mit Folgen

Qualitätsprobleme beim Reinigen können ihre Ur­sachen auch beim Waschen haben. Bei verschmierten Böden sollte nach dem Ausschlussprinzip zunächst der gewaschene Mopp geprüft werden. Es kann sein, dass das Waschergebnis seinen Teil zu den verschmierten Böden beiträgt. Um das zu prüfen und auch ausschließen zu können, gibt es eine einfache und sehr hilfreiche Methode. Es werden ein bis zwei gewaschene Mopps in einem sauberen (!) Eimer mit lauwarmem Wasser – ein bis zwei Liter genügen – gut gewalkt und ausgespült. Das Spülwasser wird in ein Glas geschüttet und begutachtet. Ist das Wasser klar, kann der Mopp als Ursache für den verschmierten Boden ausgeschlossen werden. Ist das Wasser milchig, kann das der Anfang der Fehlerkette sein.

Mögliche Ursachen sind:

  • Überladung der Waschmaschine,
  • fehlendes Vorspülen,
  • Überdosierung beim Reinigen,
  • Überdosierung beim Waschen,
  • falsches Waschmittel.

Oft gibt es nicht nur eine Ursache, sondern eine ganze Kette aus Ursachen. Man hat dann sprichwörtlich Läuse und Flöhe!

Inkrustationen einfach erkennen

Wird der Boden immer schmutziger und trocknet nach dem Wischen nicht mehr gut ab, können Inkrusta­tionen die Ursache sein. Auch das ist leicht zu prüfen: Es wird ein gewaschener und getrockneter Mopp ­gewogen und das Gewicht mit dem Gewicht eines neuen Wischbezugs verglichen. Ist der gewaschene Mopp schwerer als die neue Variante, dann haben sich mit großer Sicherheit Mineralien auf die Fasern ­gelegt und eine Inkrustation gebildet. Die Inkrusta­tion tritt in der Regel bei der Kombination von Flächen­desinfektionsmitteln und Waschmitteln auf. Mögliche Ursachen sind:

  • Überladung der Waschmaschine, das Desinfek­tionsmittel wird nicht vollständig ausgespült und reagiert mit dem Waschmittel.
  • Fehlendes Vorspülen oder fehlende Waschkomponente zum Entfernen des Desinfektionsmittels.

Vor Ort waschen ist wirtschaftlicher

Im Klinikbereich wird überwiegend vor Ort gewaschen, was nicht nur die Qualität erhöht, sondern in der Regel auch wirtschaftlicher ist. Mopps müssen ja nicht unbedingt kilometerweit durch die ­Gegend gefahren werden. Bei Servicegesellschaften mit ­Eigenreinigung kann bei der hauseigenen Mopp­wäsche auch die Mehrwertsteuer eingespart werden. Auch im Fall von größeren Industrie- und Verwaltungsgebäuden sowie Schulen ist klar, dass sich die Investition in eine Waschmaschine vor Ort schnell bezahlt macht – auch vor dem Hintergrund steigender Spritpreise. Nur die Kunden ziehen nicht immer mit und ver­wehren oftmals die Aufstellung einer Waschmaschine. Es ist an der Zeit, das Thema mit neuem Schwung anzugehen, da unsere Ressourcen nicht unendlich sind und die fossilen Rohstoffe politisch genutzt werden. Desto klarer ist, dass wir Energie und vor allem auch Sprit einsparen müssen. Das versteht jeder Kunde – und möchte oft auch zu einer Verbesserung beitragen. Selbst wenn er die Wasser- und Energiekosten weiterreicht, ist die Wäsche vor Ort immer noch billiger, als Mopps und Tücher hin- und herzufahren. Das gilt auch für kleine Reinigungsobjekte.

Ohne "Mopptaxi" Fahrtkosten sparen

Wenn tatsächlich mehr zentral gewaschen würde, würde das nicht nur erhebliche Fahrtkosten einsparen. Die Objektleitungen müssten nicht mehr als "Mopptaxi" dreimal in der Woche zum Reinigungsobjekt fahren. Es würde gegebenenfalls einmal reichen – dafür mit mehr Zeit für den Kunden und die Reinigungskräfte. Das wäre letztendlich ein großer Gewinn für die Umwelt und die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern.

Andreas Carl | heike.holland@holzmann-medien.de

Andreas Carl

Andreas Carl

Andreas Carl ist Gebäudereinigermeister und selbststän­diger ­Berater in Nürnberg – rund um die Themen Reinigung und Hauswirtschaft. Ein Schwerpunkt dabei ist die Reinigung in Krankenhäusern und Senioren­einrichtungen.