DIN 13063: Was bei Reinigungstextilien zu beachten ist

Die lange angekündigte und nun endlich veröffentlichte DIN 13063 zur Krankenhaus­reinigung beschreibt nicht nur Vorgaben für die Struktur-, Prozess- und Ergebnis­qualität bei der (desinfizierenden) Reinigung, sondern stellt auch detaillierte ­Anforderungen an die Aufbereitung von Reinigungstextilien.

Die DIN 13063 beschreibt eine ganze Reihe von neuen Sachverhalten, auch bei der Aufbereitung von Reinigungstextilien. - © karrastock – stock.adobe com

Da Reinigungstextilien die Arbeitswerkzeuge für die Krankenhausreinigung darstellen und es mittlerweile hinlänglich bekannt ist, dass falsch ­aufbereitete Reinigungstextilien die nachfolgende Reinigung beziehungsweise Desinfektion beeinflussen können, werden in der DIN 13063 die baulichen und organisatorischen Voraussetzungen für die Aufbereitung als auch die mikrobiologische Endproduktqualität beschrieben.

Die DIN 13063 stellt eine Präzisierung und Ergänzungder RKI/KRINKO-Empfehlung "Anforderung an die Hygiene beider Reinigung und Desinfektion von Flächen" dar, da sich seitder Publikationder RKI/KRINKO-Empfehlung im Jahr 2004 insbesondere im Bereichder Vortränkung Alternativen zu dem RKI/KRINKO-Standard etabliert haben.

Neu definierte Anforderungen

Das Kapitel 4.2.2.3.3der DIN 13063 beschreibt die ­Anforderungen an die Reinigungstextilien und verweist auf den normativen Anhang E "Aufbereitung von Reinigungstextilien". Grundsätzlich werden neben Mehrwegtextilien auch Einwegtextilien erlaubt, jedoch gelten für beide Textilien dieselben Anforderungen. Neben den bereits bestehenden Anforderungen an die Aufbereitung von Reinigungstextilien werden inder DIN 13063 folgende Anforderungen definiert.

Wäschereiräume: Die Wäschereiräume sind baulich zu trennen. Wenn keine bauliche Trennung möglich ist, müssen eine organisatorische Trennung und eine Risi­koanalyse inklusive Lenkungs- und Kontrollmaßnahmen nach DIN EN 14065 (RABC) realisiert werden. Entsprechende Desinfektionsmaßnahmen müssen in Hygieneplänen festgehalten werden.

Desinfektionswirkung: Zur Sicherstellungder Desinfektionswirkung ist eine Validierungder desinfizierenden Waschverfahren notwendig. ­Validierungsmodelle, ­-methoden und -verfahren können DIN EN 14065 und dem Handbuch zur Validierung von desinfizierenden Waschverfahren entnommen werden.

Waschverfahren: Die Einhaltungder Waschverfahrensparameter ist in regelmäßigen Abständen zu ­prüfen.

Risikobewertung: Zur mikrobiologischen Bewertungder aufbereiteten Reinigungstextilien ist eine Risikobewertung nach DIN EN 14065 erforderlich.

Trocknen: Grundsätzlich muss nicht direkt nach dem Waschvorgang getrocknet werden. Eine Feuchtlagerung oder maschinelle Vortränkung der Reinigungstextilien ist möglich, erfordert aber eine besondere Risikoanalyse und Kontrolleder Ergebnisqualität (das heißt Messung des mikrobiologischen Keim­gehalts). Zusätzlich muss die maximale Standzeit für die jeweilige Einrichtung festgelegt werden (vonder meist aus rein praktischen Gründen maximalen Standzeit von 72 Stunden darf abgewichen werden).

Mikroorganismen: Zur Vermeidungder Vermehrung von Mikroorganismen aufgrund von Feuchte in den Textilien ist auf eine ausreichende Trocknung zu achten. Insbesondere bei mehrlagigen Textilien, beispielsweise Wischbezügen, sind geeignete Trocknungsverfahren zu wählen. Die Prüfungder ausreichenden Trocknung erfolgt durch Bestimmungder relativen Feuchte und damitder Wasser­aktivität (aw-Wert). Die Messungwird durch Sondenmessung im Wäscheposten durchgeführt und darf einen Wert von 80 Prozent relativer Feuchte nicht überschreiten. Wenn dieser Wert eingehalten wird, können die Reinigungstextilien innerhalb einer Woche eingesetzt werden.

Vortränken: Bei der manuellen Vortränkung von feuchten Reinigungstextilien mussder Wasseranteil in den Textilien durch Wiegen bestimmt werden, um die Konzentration des Flächendesinfektionsmittels entsprechend anzupassen.

Herstellerangaben: Die Herstellerangaben zu den Reinigungstextilien sowie Reinigungs- und Flächendesinfektionsmittel sind beider manuellen und maschinellen Vortränkung zu beachten. Bei fehlenden Herstellerangaben mussder Anwender das einge­setzte Verfahren in regelmäßigen Abständen über eine Wirksamkeitsprüfungder mit Flächendesinfektionsmittel getränkten Reinigungstextilien hinsichtlichder Desinfektionsleistung überprüfen. Die Prüfabstände müssen im Rahmen einer Risikoanalyse ermittelt werden.

Prüfungder Keimbelastung: Nebender üblichen mikrobiologischen Prüfungder Aufbereitung (Bio­indikatoren, Wasseranalysen und gegebenenfalls Abklatschproben von Oberflächen) erfolgt die Prüfungder Keimbelastung von trockenen und feuchten beziehungsweise vorgetränkten Reinigungstextilien durch Eluierender Textilien. Dabei werden die Reinigungstextilien mit 200 beziehungsweise 500 Millilitern Flüssigkeit in Beuteln geschüttelt und eine Teilmengeder Flüssigkeit wird auf die Anwesenheit von Mikro­organismen untersucht. Der maximale Keimgehalt für Reinigungstextilien darf 100 KBE/ml (= 20.000 beziehungsweise 50.000 KBE/Reinigungstextil) nicht überschreiten. Für mit Desinfektionsmittel getränkte Reinigungstextilien liegtder Grenzwert niedriger. Für alle Reinigungstextilienwird zusätzlich die Abwesenheit von P. aeruginosa gefordert.

Risikobetrachtungen entscheidend

Die Aufbereitungder Reinigungstextilien ist ein sensibler Schritt inder Krankenhausreinigung und Fehler beider Aufbereitung können die Krankenhausreinigung stark beeinflussen. Dieses Wissen und die Erfahrung mit Umsetzungsstandards wurde durch viele Experten des Normungskomitees in die DIN 13063 eingebracht.

Von den aufgeführten Neuerungen ist die Etablierung von Risikobetrachtungen aufder Basisder DIN EN 14065 und den daraus resultierenden Konsequenzen entscheidend, um das Sicherheitsniveauder Aufbereitung zu kontrollieren und zu lenken. So können auch die Risiken von unterschiedlichen baulichen und technischen Gegebenheiten, zum Beispiel die An- beziehungsweise Abwesenheit einer baulichen Trennung mit Waschmaschinen in Trennwandausführung, betrachtet und zu einem sicheren Hygiene­niveau gesteuert werden.

Die Validierungder desinfizierenden Waschverfahren berücksichtigt, dass die Desinfektionswirkungder Waschverfahren der entscheidende Prozessschritt inder Aufbereitung ist. Beider labortechnischen Prüfung von desinfizierenden Waschverfahren werden keine mehrlagigen Textilien wie zum Beispiel Wischbezüge geprüft und diese stellen damit für die Praxis eine besondere Herausforderung dar.

Grundsätzlichbeschreibt die DIN 13063 eine ganze Reihe von neuen Sachverhalten, auch beider Aufbereitung von Reinigungstextilien. Diese werden inder Gebäudereinigungsbranche zu einem höheren Hygiene­standard auch beider internen Aufbereitung von Reinigungstextilien führen und einen wesentlichen Beitrag für mehr Sicherheit inder Krankenhaushygiene leisten.

Dr. Manuel Heintz | markus.targiel@holzmann-medien.de

Dr. Manuel Heintz - © privat

Dr. Manuel Heintz

ist Leiter Technisches Hygienemanagement, Hygiene-Institut Schubert, Mitglied des ­Normungskomitees zur Erarbeitungder DIN 13063.