Herausforderung Sanitärraum: So finden Sie den passenden Reiniger

Im Sanitärraum gibt es unterschiedliche Arten von Verschmutzungen auf unter­schiedlichen Ober­flächen. Mit ­welchen ­Mitteln lassen sie sich beseitigen? Und was ­i­st bei der Auswahl der ­Reinigungschemie zu bedenken? Ein Überblick.

Sanitärräume sind die Visitenkarte von Objekten jeder Art. - © mariesacha – stock.adobe.com

Ob in Hotels, Krankenhäusern, Arbeitsstätten oder öffentlichen Anlagen: Sanitärräume sind die ­Visitenkarte von Objekten jeder Art. Sauberkeit und Hygiene geben den Menschen Sicherheit bei der Nutzung dieser Räume. Denn sanitäre Anlagen werden von ­vielen Personen aufgesucht. Sie alle bringen Staub, Schmutz und ­Mikroorganismen mit. Das Spülen mit Wasser und das Händewaschen hinterlassen auf den Einrichtungs­gegenständen Kalk und andere ­mineralische Rückstände wie Rost, die sich nach ­einiger Zeit als hart­näckige Schmutzbeläge auf­bauen.

Sauer und alkalisch im Wechsel?

Schmutzarten wie Hautfett oder Exkremente können mit tensidhaltigen, alkalischen Mitteln (pH-Wert 7 bis 14) entfernt werden. Mineralische Schmutzarten ­lassen sich hingegen in säurehaltigen Reinigungsmitteln (pH-Wert 0 bis 7) besser lösen. Saure und ­alkalische Wirkstoffe können aber nicht miteinander gemischt werden. Eine chemische Reaktion – die Neutralisation – würde ablaufen: Säure und Alkalien ­reagieren zusammen zu Wasser und Salz. Das heißt: Für die Reinigung würden beide Substanzen unwirksam. Bei hartnäckigem und reichhaltigem Schmutz war es in der Vergangenheit üblich, an ­einem Tag alkalisch und am anderen Tag sauer zu reinigen. Aus heutiger Sicht ist dies in den meisten Fällen nicht mehr notwendig. Denn mittlerweile gibt es tensid­haltige saure Sanitärunterhaltsreiniger, die bei ­regelmäßiger Anwendung in der Lage sind, den Fettschmutz zu emulgieren und abzutragen (Aufgabe der Tenside) und den ­Mineralschmutz zu lösen (Aufgabe der Säure).

Welche Säuren eingesetzt werden können

Unterschiedlich in ihrer Kalklösekraft sind die ­dabei eingesetzten Säuren. Auch die Materialzerstörung ist eine Frage der verwendeten Säure. Säuren wie Salzsäure lösen hervorragend Kalk, zerstören ­jedoch ­Zementfugen oder Chromarmaturen. Salzsäure ­reagiert sogar mit rostfreiem Edelstahl. Ihre Anwendung ist auch für Reinigungskräfte gefährlich. Deshalb sollte in der Unterhaltsreinigung darauf verzichtet werden. Salzsäure sollte nur als Problemlöser eingesetzt werden. Ein ebenfalls sehr hohes Kalk­lösevermögen, jedoch eine etwas bessere Materialverträglichkeit (besonders gegenüber Metallen), hat Phosphor­säure. Sie wird deshalb hauptsächlich als Sanitärgrund­reiniger verwendet. In Sanitärunterhaltsreinigern haben sich anorganische Säuren wie Amido­sulfonsäure oder organische Säuren wie Methansulfonsäure bewährt. Sie haben ein gutes Kalklösevermögen, können mit Tensiden kombiniert werden und sind weniger ­aggressiv gegenüber den zu reinigenden Materialien.

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    © rationell reinigen
    Falsch gereinigt: Essigsäure und Messing (unter der verkratzen Chromschicht der Armatur) haben zu Grünspan (Kupferacetat) reagiert.
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    © Patrick Richter
    Falsche Säure: Die Chromschicht der Armatur wurde durch ein salzsäurehaltiges Produkt verätzt.

Organische und anorganische Säuren

Aus ökologischer Sicht sind die oben beschriebenen anorganischen Säuren ­allerdings problematisch, denn sie lassen sich nicht biologisch abbauen. Zurück bleiben immer Salze, die teilweise im Klärschlamm eliminiert, aber auch in Oberflächengewässer geleitet werden und diese versalzen. Organische Säuren werden hingegen vollständig zu Wasser und Kohlendioxid abgebaut. Neben der biologischen Abbau­barkeit weisen sie auch – wie Zitronensäure – ein gutes Kalk­lösevermögen auf und sind wenig material­schädigend. Das Kalziumzitrat, das sich nach Reak­tion mit dem Kalkschmutz bildet, ist im kalten Wasser leicht löslich. Davon profitiert der Gebäudereiniger. In ­diesem Fall muss er nicht mechanisch nacharbeiten. Ameisensäure weist ein hohes Kalklösevermögen auf, reizt jedoch die Haut des Anwenders und ist materialschädigend. Sie sollte in Sanitärreinigern deshalb nur in geringer Konzentration vorhanden sein. Essigsäure ist ebenfalls gut kalklösend, hat jedoch einen strengen Geruch und reagiert mit kupferhaltigen Metallen (zum Beispiel Messing) zu giftigem Grünspan.

Säuren im ­Sanitärraum

Organische Säuren, auch Carbonsäuren genannt, stammen aus der belebten Natur. Beispiele für organische Säuren, die in Sanitärreinigern Verwendung finden, sind:

  • Essigsäure,
  • Ameisensäure,
  • Zitronensäure,
  • Milchsäure,
  • Methansulfonsäure.

Anorganische Säuren, auch Mineralsäuren genannt, stammen aus der unbelebten Natur. Beispiele für anorganische Säuren, die in Sanitärreinigern Verwendung finden, sind:

  • Salzsäure,
  • Phosphorsäure,
  • Amidosulfonsäure,

In Sanitärreinigern wird oft eine Mischung aus anorganischen und organischen Säuren verwendet, um die guten Eigenschaften der jeweiligen Säuren zu benutzen. Die Zusammensetzung der Säuren ist entscheidend, sowohl in Bezug auf die Wirksamkeit (Reinigungswirkung) als auch auf Materialzerstörung und Ökologie.

Was bei sauren Reinigern zu beachten ist

Egal ob bei schwachen oder bei starken Säuren gilt, dass die Materialverträglichkeit an einer unauf­fälligen Stelle geprüft werden muss. Ebenso sind ­Fugen und Armaturen grundsätzlich vor der Anwendung vorzuwässern. Alle mit säurehaltigen Produkten bearbeiteten Flächen sind gut mit Wasser nachzuspülen. Für Schwimmbäder gibt es eine "Liste geprüfter Reinigungsmittel für keramische Beläge in Schwimmbädern" (Liste RK; Deutsche Gesellschaft für das Bade­wesen) sowie für Beckenkörper aus Edelstahl (Liste RE). Die Listen liefern einen schnellen Überblick über die Eignung der darin aufgeführten Reinigungsmittel. Beispielsweise ist die Materialverträglichkeit gegenüber Fugen geprüft. Darüber hinaus geben sie Anwendungshinweise. Die Listen können zur Orientierung bei der Auswahl eines Sanitärreinigers hilfreich sein.

Umweltfreundlich – und auch wirksam?

Reinigungschemiehersteller machen sich zunehmend Gedanken über das Thema Nachhaltigkeit. Ein ­Beispiel dafür sind sogenannte Sticks - meist wasserlös­liche Beutel mit den Inhaltsstoffen, die im Objekt durch Zugabe von Wasser zum Reinigungsmittel werden. Dadurch wird Verpackungsmüll und damit Transportvolumen in erheblicher Menge eingespart.

Besonders schonende Sanitärunterhaltsreiniger beispielsweise auf Basis der organischen Säuren Milch- und Zitronensäure oder Methansulfonsäure - sind zertifiziert mit dem EU-Eco­label. Eingesetzt zur täglichen Unterhaltsreinigung oder in Objekten, die täglich mehrmals gereinigt werden, erfüllen sie ihre Aufgabe und sind gleichzeitig material- und umweltschonend.

Für Feinsteinzeugfliesen, die oft als Bodenfliesen im Sanitärbereich verlegt sind, gibt es spezielle tensidfreie saure Reiniger, die den Kalkschmutz entfernen und durch ihre Tensidfreiheit ein Nachgrauen der Fliesen verhindern sollen. Um eine optimale Reinigungswirkung zu erzielen, sollten tensidfreie Reiniger immer mit Reinigungstextilien aus Mikrofaser verarbeitet werden.

Gefährdungsanalyse ist Pflicht

Alle Säuren sind Gefahrstoffe. Vor der Benutzung von Gefahrstoffen verlangt der Gesetzgeber immer eine Gefährdungsanalyse, die dokumentiert werden muss. Eine Hilfe dabei ist WinGIS, das Gefahrstoff­informationssystem der Berufsgenossenschaft ­BG BAU (www.wingisonline.de). Die gängigsten ­Sanitärreinigungsmittel sind dort namentlich gelistet oder über den Produkt-Code (GIS-Code) abrufbar. Gefährdungsanalysen sowie Betriebsanweisungen werden auf einen Klick erstellt. Im Zusammenhang mit der Gefährdungsanalyse hat der Unternehmer ein ­gefährliches Reinigungsmittel oder -verfahren durch ein wenig gefährliches zu ersetzen (Substitutionsgebot) oder/und entsprechende Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz einzuleiten, die den Mitarbeiter vor Schaden bewahren.

Mit der Betriebsanweisung, die ebenfalls auf einen Klick, sogar in unterschiedlichen Sprachen, zu erhalten ist, können die Mitarbeiter unterwiesen werden. Dort sind die Schutzmaßnahmen und die persönliche Schutzausrüstung für den entsprechenden Sanitär­reiniger aufgeführt. Bei Schutzhandschuhen ist darauf zu achten, dass es sich um Chemikalienschutzhandschuhe der Europäischen Norm DIN EN 374 handelt. Sie sind mit der Norm und einem Erlenmeyerkolbensymbol gekennzeichnet.

Nur durch sorgfältige Auswahl der Sanitärreinigungsmittel können Mitarbeiter vor Gesundheitsgefahren bewahrt und gute Reinigungsergebnisse schadenfrei erzielt werden.

Claudia Liersch | heike.holland@holzmann-medien.de

Claudia Liersch - © privat

Claudia Liersch ist Lehrerin an der Gewerblichen Schule ­Metzingen. Sie unterrichtet seit vielen Jahren Gebäude­reiniger-Auszubildende und -Meisterschüler.