Im Sanitärraum gibt es unterschiedliche Arten von Verschmutzungen auf unterschiedlichen Oberflächen. Mit welchen Mitteln lassen sie sich beseitigen? Und was ist bei der Auswahl der Reinigungschemie zu bedenken? Ein Überblick.
Ob in Hotels, Krankenhäusern, Arbeitsstätten oder öffentlichen Anlagen: Sanitärräume sind die Visitenkarte von Objekten jeder Art. Sauberkeit und Hygiene geben den Menschen Sicherheit bei der Nutzung dieser Räume. Denn sanitäre Anlagen werden von vielen Personen aufgesucht. Sie alle bringen Staub, Schmutz und Mikroorganismen mit. Das Spülen mit Wasser und das Händewaschen hinterlassen auf den Einrichtungsgegenständen Kalk und andere mineralische Rückstände wie Rost, die sich nach einiger Zeit als hartnäckige Schmutzbeläge aufbauen.
Sauer und alkalisch im Wechsel?
Schmutzarten wie Hautfett oder Exkremente können mit tensidhaltigen, alkalischen Mitteln (pH-Wert 7 bis 14) entfernt werden. Mineralische Schmutzarten lassen sich hingegen in säurehaltigen Reinigungsmitteln (pH-Wert 0 bis 7) besser lösen. Saure und alkalische Wirkstoffe können aber nicht miteinander gemischt werden. Eine chemische Reaktion – die Neutralisation – würde ablaufen: Säure und Alkalien reagieren zusammen zu Wasser und Salz. Das heißt: Für die Reinigung würden beide Substanzen unwirksam. Bei hartnäckigem und reichhaltigem Schmutz war es in der Vergangenheit üblich, an einem Tag alkalisch und am anderen Tag sauer zu reinigen. Aus heutiger Sicht ist dies in den meisten Fällen nicht mehr notwendig. Denn mittlerweile gibt es tensidhaltige saure Sanitärunterhaltsreiniger, die bei regelmäßiger Anwendung in der Lage sind, den Fettschmutz zu emulgieren und abzutragen (Aufgabe der Tenside) und den Mineralschmutz zu lösen (Aufgabe der Säure).
Welche Säuren eingesetzt werden können
Unterschiedlich in ihrer Kalklösekraft sind die dabei eingesetzten Säuren. Auch die Materialzerstörung ist eine Frage der verwendeten Säure. Säuren wie Salzsäure lösen hervorragend Kalk, zerstören jedoch Zementfugen oder Chromarmaturen. Salzsäure reagiert sogar mit rostfreiem Edelstahl. Ihre Anwendung ist auch für Reinigungskräfte gefährlich. Deshalb sollte in der Unterhaltsreinigung darauf verzichtet werden. Salzsäure sollte nur als Problemlöser eingesetzt werden. Ein ebenfalls sehr hohes Kalklösevermögen, jedoch eine etwas bessere Materialverträglichkeit (besonders gegenüber Metallen), hat Phosphorsäure. Sie wird deshalb hauptsächlich als Sanitärgrundreiniger verwendet. In Sanitärunterhaltsreinigern haben sich anorganische Säuren wie Amidosulfonsäure oder organische Säuren wie Methansulfonsäure bewährt. Sie haben ein gutes Kalklösevermögen, können mit Tensiden kombiniert werden und sind weniger aggressiv gegenüber den zu reinigenden Materialien.
Organische und anorganische Säuren
Aus ökologischer Sicht sind die oben beschriebenen anorganischen Säuren allerdings problematisch, denn sie lassen sich nicht biologisch abbauen. Zurück bleiben immer Salze, die teilweise im Klärschlamm eliminiert, aber auch in Oberflächengewässer geleitet werden und diese versalzen. Organische Säuren werden hingegen vollständig zu Wasser und Kohlendioxid abgebaut. Neben der biologischen Abbaubarkeit weisen sie auch – wie Zitronensäure – ein gutes Kalklösevermögen auf und sind wenig materialschädigend. Das Kalziumzitrat, das sich nach Reaktion mit dem Kalkschmutz bildet, ist im kalten Wasser leicht löslich. Davon profitiert der Gebäudereiniger. In diesem Fall muss er nicht mechanisch nacharbeiten. Ameisensäure weist ein hohes Kalklösevermögen auf, reizt jedoch die Haut des Anwenders und ist materialschädigend. Sie sollte in Sanitärreinigern deshalb nur in geringer Konzentration vorhanden sein. Essigsäure ist ebenfalls gut kalklösend, hat jedoch einen strengen Geruch und reagiert mit kupferhaltigen Metallen (zum Beispiel Messing) zu giftigem Grünspan.
Säuren im Sanitärraum
Organische Säuren, auch Carbonsäuren genannt, stammen aus der belebten Natur. Beispiele für organische Säuren, die in Sanitärreinigern Verwendung finden, sind:
- Essigsäure,
- Ameisensäure,
- Zitronensäure,
- Milchsäure,
- Methansulfonsäure.
Anorganische Säuren, auch Mineralsäuren genannt, stammen aus der unbelebten Natur. Beispiele für anorganische Säuren, die in Sanitärreinigern Verwendung finden, sind:
- Salzsäure,
- Phosphorsäure,
- Amidosulfonsäure,
In Sanitärreinigern wird oft eine Mischung aus anorganischen und organischen Säuren verwendet, um die guten Eigenschaften der jeweiligen Säuren zu benutzen. Die Zusammensetzung der Säuren ist entscheidend, sowohl in Bezug auf die Wirksamkeit (Reinigungswirkung) als auch auf Materialzerstörung und Ökologie.
Was bei sauren Reinigern zu beachten ist
Egal ob bei schwachen oder bei starken Säuren gilt, dass die Materialverträglichkeit an einer unauffälligen Stelle geprüft werden muss. Ebenso sind Fugen und Armaturen grundsätzlich vor der Anwendung vorzuwässern. Alle mit säurehaltigen Produkten bearbeiteten Flächen sind gut mit Wasser nachzuspülen. Für Schwimmbäder gibt es eine "Liste geprüfter Reinigungsmittel für keramische Beläge in Schwimmbädern" (Liste RK; Deutsche Gesellschaft für das Badewesen) sowie für Beckenkörper aus Edelstahl (Liste RE). Die Listen liefern einen schnellen Überblick über die Eignung der darin aufgeführten Reinigungsmittel. Beispielsweise ist die Materialverträglichkeit gegenüber Fugen geprüft. Darüber hinaus geben sie Anwendungshinweise. Die Listen können zur Orientierung bei der Auswahl eines Sanitärreinigers hilfreich sein.
Umweltfreundlich – und auch wirksam?
Reinigungschemiehersteller machen sich zunehmend Gedanken über das Thema Nachhaltigkeit. Ein Beispiel dafür sind sogenannte Sticks - meist wasserlösliche Beutel mit den Inhaltsstoffen, die im Objekt durch Zugabe von Wasser zum Reinigungsmittel werden. Dadurch wird Verpackungsmüll und damit Transportvolumen in erheblicher Menge eingespart.
Besonders schonende Sanitärunterhaltsreiniger beispielsweise auf Basis der organischen Säuren Milch- und Zitronensäure oder Methansulfonsäure - sind zertifiziert mit dem EU-Ecolabel. Eingesetzt zur täglichen Unterhaltsreinigung oder in Objekten, die täglich mehrmals gereinigt werden, erfüllen sie ihre Aufgabe und sind gleichzeitig material- und umweltschonend.
Für Feinsteinzeugfliesen, die oft als Bodenfliesen im Sanitärbereich verlegt sind, gibt es spezielle tensidfreie saure Reiniger, die den Kalkschmutz entfernen und durch ihre Tensidfreiheit ein Nachgrauen der Fliesen verhindern sollen. Um eine optimale Reinigungswirkung zu erzielen, sollten tensidfreie Reiniger immer mit Reinigungstextilien aus Mikrofaser verarbeitet werden.
Gefährdungsanalyse ist Pflicht
Alle Säuren sind Gefahrstoffe. Vor der Benutzung von Gefahrstoffen verlangt der Gesetzgeber immer eine Gefährdungsanalyse, die dokumentiert werden muss. Eine Hilfe dabei ist WinGIS, das Gefahrstoffinformationssystem der Berufsgenossenschaft BG BAU (www.wingisonline.de). Die gängigsten Sanitärreinigungsmittel sind dort namentlich gelistet oder über den Produkt-Code (GIS-Code) abrufbar. Gefährdungsanalysen sowie Betriebsanweisungen werden auf einen Klick erstellt. Im Zusammenhang mit der Gefährdungsanalyse hat der Unternehmer ein gefährliches Reinigungsmittel oder -verfahren durch ein wenig gefährliches zu ersetzen (Substitutionsgebot) oder/und entsprechende Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz einzuleiten, die den Mitarbeiter vor Schaden bewahren.
Mit der Betriebsanweisung, die ebenfalls auf einen Klick, sogar in unterschiedlichen Sprachen, zu erhalten ist, können die Mitarbeiter unterwiesen werden. Dort sind die Schutzmaßnahmen und die persönliche Schutzausrüstung für den entsprechenden Sanitärreiniger aufgeführt. Bei Schutzhandschuhen ist darauf zu achten, dass es sich um Chemikalienschutzhandschuhe der Europäischen Norm DIN EN 374 handelt. Sie sind mit der Norm und einem Erlenmeyerkolbensymbol gekennzeichnet.
Nur durch sorgfältige Auswahl der Sanitärreinigungsmittel können Mitarbeiter vor Gesundheitsgefahren bewahrt und gute Reinigungsergebnisse schadenfrei erzielt werden.
Claudia Liersch | heike.holland@holzmann-medien.de

