Ergonomie bei der Reinigung: Energie nicht unnütz verschwenden

Wie muss ein Reinigungswagen unter ergonomischen Gesichtspunkten beschaffen und ausgestattet sein, damit die Energie der Reinigungskräfte nicht unnütz verschwendet wird? Die Wahl der geeigneten Presse spielt dabei ebenso eine Rolle wie die richtige Arbeits­höhe, das eingesetzte Verfahren und vor allem die Zahl der erforderlichen Arbeitsschritte.

Der Reinigungswagen spielt eine wichtige Rolle, wenn es um Ergonomie bei der Bodenreinigung geht.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Pressen. Bei Reinigungswagen mit Vertikalpresse müssen die Wischbezüge üblicherweise per Hand vom Halter gelöst beziehungsweise an ihm befestigt werden. Bei Flachpressen ist dies nicht erforderlich. Der Bezug wird mitsamt Halter in die Presse gelegt. Alternativ zu Vertikal- oder Flachpressen kann ein Dosiersieb eingesetzt werden. Zudem ist die Bodenreinigung auch mit vorgetränkten Wischbezügen möglich, die nicht ausgepresst werden müssen.

Einfacher Wagen mit Vertikalpresse

Der einfache Reinigungswagen besteht aus einem ­Eimer, alternativ aus zwei farbigen Eimern – blau für Frischwasser und Reinigungsmittel, rot für Schmutzwasser –, und einer Vertikalpresse. Die ­Presse ist immer über dem roten Eimer montiert. Der Bezug muss händisch vom Klapphalter gelöst, ausgepresst und ­gereinigt werden. Falls es auch einen blauen Eimer gibt, muss der Bezug benetzt, ausgepresst und anschließend am Halter befestigt werden. Nach diesen Arbeitsschritten erfolgt die Bodenreinigung.

Dabei fallen die meisten Arbeitsschritte an – insgesamt 16. Die Wirbelsäule wird extrem belastet, da sich der Anwender beim Lösen, Befestigen, Auspressen und Tränken der Wischbezüge nach vorne und unten beugen muss. Bei fast allen diesen Tätigkeiten werden die Hände eingesetzt. Unter ergonomischen Gesichtspunkten ist die Arbeit mit der Vertikalpresse die ­ungünstigste Variante.

Arbeitshöhe anpassen

Eine Alternative ist ein Reinigungswagen, bei dem der rote Eimer (mit der Presse) in der Höhe versetzt über dem blauen Eimer installiert ist oder besser noch beide Eimer höher – etwa auf Bauchhöhe – montiert sind, so dass der Anwender sich nicht bücken muss. Am beschriebenen Arbeitsablauf ändert sich nichts. Wegen der größeren Arbeitshöhe sind die Tätigkeiten aber nicht mehr so belastend für die Wirbelsäule, weil der Benutzer sich nicht so weit nach unten beugen muss.

Es gilt: Je größer der Neigungswinkel des Oberkörpers, desto anstrengender und belastender ist die Tätigkeit für die Wirbelsäule. Haltearbeit – das Halten des Oberkörpers in vorgebeugter Haltung – sollte vermieden werden. Besser als Haltearbeit ist Bewegungsarbeit. Dabei wird die Muskelarbeit durch Anspannung der Muskulatur ausgeübt. Die einzelnen Muskeln können sich so entspannen und wieder die benötigten Nährstoffe sowie Sauerstoff aufnehmen und die Abfallprodukte abgeben, die bei der Muskelarbeit entstehen.

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    Ein einfacher ­Reinigungswagen ­besteht im Wesentlichen aus einem Eimer, über dem eine Vertikal­presse montiert ist.
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    Alternativ zum Einfachfahreimer gibt es Doppel­fahreimer. Die Presse wird immer über dem roten Eimer für Schmutzwasser angebracht.
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    Ergonomisch sinnvoller sind Reinigungswagen, bei denen die Eimer für Frisch- beziehungsweise Schmutz­wasser etwas höher platziert sind.
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    Aus ergonomischer Sicht sollte mindestens der rote Eimer (mit der Presse) höher montiert sein, um die Wirbelsäule der Reinigungskraft zu entlasten.
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    Bei Einsatz einer Vertikalpresse ­müssen die Wisch­bezüge ­üblicherweise per Hand vom Halter gelöst werden, bevor sie aus­gepresst werden.
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    Eine Flachpresse ist hingegen so konstruiert, dass der Bezug am Halter eingeschoben und ausgedrückt wird. Dies spart ei­nige ­Arbeitsschritte.
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    Von Vorteil ist es, wenn der Bezug nicht händisch gewechselt und in die Vertikalpresse ­gelegt werden muss, sondern durch ein Fußpedal gelöst werden kann.
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    Die Arbeit mit einem Dosiersieb bringt nicht nur Vorteile in ergono­mischer Hinsicht. Die Zahl der ­Arbeitsschritte wird deutlich reduziert.
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    Vorteilhaft aus ergonomischer Sicht ist es, wenn der Deckel des Abwurfbehälters mit dem Stiel des Klapphalters geöffnet werden kann.
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    Dank einer speziellen Lösevorrichtung an dieser Reinigungswagenvariante müssen auch die Bezüge nicht per Hand abgeworfen werden.

Arbeitsschritte: Weniger ist mehr

Wenn denn unbedingt mit einer Vertikalpresse ­gearbeitet werden muss, lohnt es sich, auf körper­gerechte Details zu achten. Es empfiehlt sich in jedem Fall, einen Reinigungswagen auszuwählen, bei dem ­beide Eimer höher montiert sind. Die Reinigungs­kräfte ­müssen sich zwar weiterhin vorbeugen, um den Bezug im roten Eimer auszupressen oder im blauen Eimer in der Reinigungsflotte zu tränken. Insgesamt ist der Neigungswinkel jedoch nicht mehr so groß, so wird die Belastung der Wirbelsäule verringert.

Vertikalpresse: 16 Arbeitsschritte

  • Breitwischbezug per Hand mit Reinigungsflotte (blauer Eimer) befeuchten.
  • Breitwischbezug per Hand in Presse legen und aus­pressen.
  • Breitwischbezug auf den Bogen legen beziehungsweise werfen (aus ergonomischer Sicht besser).
  • Bezugshalter in Breitwischbezug spannen.
  • Zu reinigende Fläche nasswischen.
  • Breitwischbezug vom Bezugshalter per Fußbedienung lösen.
  • Per Hand Breitwischbezug aufnehmen.
  • Breitwischbezug per Hand im Schmutzwasser­eimer (roter Eimer) ausspülen.
  • Bei Doppelfahreimer um den Eimer herum gehen.
  • Breitwischbezug per Hand in Presse legen und aus­pressen.
  • Breitwischbezug per Hand aus der Presse nehmen.
  • Breitwischbezug per Hand im blauen Eimer befeuchten
  • Breitwischbezug per Hand in Presse legen und ­auspressen.
  • Breitwischbezug auf den Boden legen/werfen.
  • Bezugshalter in Breitwischbezug spannen.
  • Zu reinigende Fläche nasswischen.

Eine weitere mögliche Variante in diesem Zusammenhang ist es, wenn der Bezug nicht händisch gewechselt und in die Vertikalpresse gelegt beziehungsweise ausgespült werden muss, sondern durch ein Fußpedal am Klapphalter gelöst werden kann. Der Halter klappt auf, der hängende Bezug kann so in der Presse ausgedrückt werden. Die Zahl der Arbeitsschritte verringert sich und das häufige Beugen der Wirbelsäule entfällt beim Aufspannen des Bezuges, da der Bezug an einer Seite des Bezugshalters festklemmt.

Reinigungswagen mit Flachpresse

Eine Flachpresse ist so konstruiert, dass der ­kom­plette Halter mit Bezug in die ­Presse geschoben und dann ausgedrückt wird. Dabei entfallen wei­tere Arbeitsschritte im Vergleich zur Vertikalpresse. ­Dazu gehört zum Beispiel das Lösen des Bezuges, bevor er in der Vertikalpresse ausgedrückt werden kann. Ingesamt sind beim Einsatz einer Flachpresse nur noch neun Arbeitsschritte erforderlich.

Flachpresse: 9 Arbeitsschritte

  • Breitwischbezug auf den Bezugshalter spannen.
  • Bezugshalter mit Breitwischbezug in Reinigungsflotte (blauer Eimer) befeuchten.
  • Bezugshalter mit Breitwischbezug in Presse legen und auspressen.
  • Zu reinigende Fläche nasswischen.
  • Bezugshalter mit Breitwischbezug in Schmutzwasserflotte (roter Eimer) ausspülen.
  • Bezugshalter mit Breitwischbezug in Presse legen und auspressen.
  • Bezugshalter mit Breitwischbezug im blauen Eimer ­befeuchten.
  • Bezugshalter mit Breitwischbezug in Presse legen und auspressen.
  • Zu reinigende Fläche nasswischen.

Reinigungswagen mit Dosiersieb

Bei Reinigungswagen mit Dosiersieb gibt es keine Presse. Sie wird durch das Dosiersieb ersetzt, das sich über die Hälfte in der unteren Wanne zieht. Die Be­züge schwimmen sozusagen in der Reinigungsflotte und werden, nachdem sie händisch am Halter befestigt wurden, ausgedrückt. Die Reinigungskräfte lehnen sich mit ihrem Eigengewicht auf das Dosiersieb, die Kraft wird über den Stiel übertragen und so wird die überflüssige Flüssigkeit aus dem Bezug gepresst. Nach der Reinigung der Fläche wird der ­Bezug in einen Sack abgeworfen. Dieses System hat sich besonders in hygienesensiblen Bereichen wie Kranken­häusern etabliert, wo eine Keimver­schleppung vermieden werden soll. Denn ein ­Dosiersieb lässt sich nach dem täglichen Gebrauch wesentlich leichter ­reinigen beziehungsweise desinfizieren als eine­ ­Presse. Nach Benutzung des Bezuges erfolgt die ­Ablage und ein neuer Bezug wird für die Reinigung eingesetzt. Bei der Arbeit mit einem ­Dosiersieb fallen sieben ­Arbeitsschritte an.

Dosiersieb: 7 Arbeitsschritte

  • Breitwischbezug auf den Bezugshalter spannen.
  • Überflüssige Flüssigkeit ausdrücken.
  • Zu reinigende Fläche nasswischen.
  • Breitwischbezug per Hand lösen und ablegen.
  • Breitwischbezug auf den Bezugshalter spannen.
  • Überflüssige Flüssigkeit ausdrücken.
  • Zu reinigende Fläche nasswischen.

Arbeit mit vorgetränkten Bezügen

Wird mit vorgetränkten Reinigungstextilien gearbeitet, gibt es am Reinigungswagen weder Presse noch Dosiersieb. Aus diesem Grund setzt der Einsatz dieses Systems eine genaue Dosierung der Bezüge mit der Reinigungsflotte voraus. Die Aufnahme der Bezüge ­erfolgt in einer Box. Um die Bezüge berührungslos aufspannen zu können, wird eine gerundete Aufspannhilfe unter die Bezüge gelegt. Zum Teil sind die Behälter so geformt, dass keine Aufspannhilfe mehr notwendig ist. Bücken zum händischen Bespannen und das Auspressen entfallen auf diese Art. Mit ­einem solchen System ist der Arbeitsablauf am ergonomischsten. Die Zahl der Arbeitsschritte ist mit nur noch fünf Schritten am geringsten und die Hände berühren die Bezüge beim Einspannen nicht.

Vorgetränkte Mopps: 5 Arbeitsschritte

  • Breitwischbezug auf den Bezugshalter spannen (in Box).
  • Zu reinigende Fläche nasswischen.
  • Breitwischbezug per Hand lösen und ablegen.
  • Breitwischbezug auf den Bezugshalter spannen (in Box).
  • Zu reinigende Fläche nasswischen.

Bücken möglichst vermeiden

Aus ergonomischen Gründen sollte das Lösen des ­Bezuges vom Halter optimalerweise grundsätzlich nicht händisch erfolgen. Machbar ist dies ­unter ­anderem mit einem neuen Reinigungswagen, der über eine spezielle Lösevorrichtung über dem ­Abwurfsack verfügt. Wird der Stiel des Klapphalters dagegengedrückt, löst sich der Bezug und fällt in den ­Abwurfsack. So ist eine hygienische Reinigung möglich, ohne dass die Hände den Halter berühren. Die Belastung ist gering, das Bücken beschränkt sich auf ein Minimum.

Ergonomisch angepasste Arbeitsmittel sind eine ­präventive Maßnahme, um die körperlich anstrengende Arbeit zu erleichtern und unnötige Haltearbeit zu reduzieren. Gleichzeitig werden ­Arbeitsschritte reduziert, was nicht nur dem Rücken zugutekommt, sondern auch Zeit und damit Geld spart.

Weitere Tipps zum Thema enthält ein Leitfaden des Bundesverbands für Hygiene und Krankenhausreinigung e.V. (www.bhuk.de), der im Sommer erscheinen soll. Der Leitfaden ist als Hilfestellung und Ergänzung zur neuen DIN 13063 Krankenhausreinigung gedacht.

Peter Strauch | heike.holland@holzmann-medien.de

Peter Strauch - © PS Fachberatung

Peter Strauch ist Geschäftsführer der PS Fachberatung ­Gebäudereinigung in Hamburg. Der Arbeitssystemgestalter nach REFA optimiert Arbeitsabläufe in ergonomischer Hinsicht.