Auf die exakte Dosierung kommt es an: Nicht mehr und nicht weniger

Nach getaner Arbeit bleibt in vielen Objekten ein Stapel benutzter Reinigungstextilien übrig und mitunter auch die getragene Berufskleidung, die allesamt ­gewaschen ­werden müssen. Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Positionen erfolgt die ­Aufbereitung in speziell eingestellten Verfahren. Für die Zufuhr der richtigen Waschmittel und -mengen sorgen an die Maschinen angeschlossene Dosieranlagen: Sie machen die Aufbereitung der Textilien sicher, sauber und wirtschaftlich.

Dosieranlagen in der Waschküche sorgen dafür, dass die richtigen Waschmittel zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Menge zugegeben werden. - © rationell reinigen

Mikrofaserstaub- und -­poliertücher, Feucht­wischtücher sowie Wischbezüge aus Baumwolle, Polyester, Polyamid, Viskose oder aus Mischungen gehören zur Standardausrüstung eines Gebäudereinigers. Sie werden täglich gebraucht und müssen immer wieder gewaschen und – bei Bedarf – imprägniert werden. Hierfür hat jeder Betrieb seine eigenen Maschinen, Verfahren, Wasch- und Imprägniermittel. Diese sind idealerweise auf die jeweiligen Materia­lien, den Verschmutzungsgrad der Textilien, die Hygieneanforderungen, Zusatzausrüstungen und andere Parameter abgestimmt, damit ein optimales Reinigungsergebnis erzielt wird.

Soweit die Theorie. Das Waschresultat ist nämlich auch von der Qualifikation des Personals und dessen Kenntnissen über Textilien und Fleckenbehandlung abhängig. Denn wenn die zur Bedienung der Waschmaschinen abgestellten Mitarbeiter ein falsches Programm auswählen oder ungeeignete Chemikalien zugeben, ist der Waschposten schlimmstenfalls ruiniert. Damit ist insbesondere bei häufig wechselndem Personal zu rechnen.

Um einen solchen Worst Case zu vermeiden, empfehlen Hersteller von Waschmitteln und Waschmaschinen die Installation einer Dosieranlage in der Waschküche. Zwar kann sie die unkorrekte Wahl eines Pflegeprogramms nicht korrigieren. Sie sorgt aber für dessen genaue Einhaltung: Es werden die richtigen Waschmittel zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Menge zugegeben.

Rechnet sich und ist ­umweltfreundlich

Stimmen der textile Waschposten und das Waschverfahren überein, ist zum einen mit einem optimalen Pflegeergebnis zu rechnen. Weil Waschmittel nicht vertauscht oder unter- beziehungsweise überdosiert werden können, entsteht zum anderen erheblich weniger Nachwäsche und alle benötigten Reinigungstextilien stehen wieder pünktlich zur Verfügung. Die Einhaltung der richtigen Parameter führt dementsprechend zu Kosteneinsparungen. Diese ergeben sich aus einem minimalen personellen Aufwand, da der gesamte Wasch- und Imprägnierprozess (falls notwendig) voll automatisch und ohne weiteres Zutun von Mitarbeitern abläuft.

Ein wesentlicher Spareffekt tritt aber durch Vermeidung von Überdosierungen und einem damit einhergehenden niedrigeren Waschmittelverbrauch ein. Denn während bei einer händischen Dosierung häufig das Motto "Viel hilft viel" zu gelten scheint, dosieren automatische Sys­teme nur die vorgesehenen Volumina der Wasch- und Waschhilfsmittel zu. Dadurch entsteht ein weiterer, indirekter Kostenvorteil für die Betriebe: Dank der richtigen Pflege werden die Textilien geschont, die Lebensdauer verlängert und die Häufigkeit von Neuanschaffungen verringert.

Ein sparsamer Einsatz von Waschsub­stanzen führt aber nicht nur zu einem finanziellen, sondern auch zu einem ökologischen Schonprogramm. Betriebe, die sich nachhaltig positionieren und eine umweltbe­wusste Dienstleistung anbieten, können mithilfe von Dosieranlagen die Verbrauchsmengen der Chemikalien optimal steuern und dadurch die Abwasserbelastung vermindern.

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    © Miele
    Die Dosieranlagen von Miele sind mit zwei verschiedenen Pumpensystemen erhältlich, deren Wahl sich nach der Viskosität und der chemischen Eigenschaft der ­verwendeten Waschmittel richtet. An ­eine Maschine können bis zu sechs Zudosierungen ­angeschlossen werden.
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    © Buzil
    Buzil installiert Dosier­anlagen für die Kunden des Unternehmens. Diese rechnen sich ab einer Waschmaschinengröße von 10 kg oder einer jährlichen Durchflussmenge von 450 l Waschmittel.
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    © Seitz
    Die kompakten Zentraldosieranlagen VigaDos von Seitz können bis zu zehn Produkte in bis zu 16 Zielen wie Waschschleuder­maschinen dosieren.
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    © Christeyns
    Auch für kleine Wäschereien kann sich die Anschaffung einer kompakten Dosieranlage von Christeyns lohnen.
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    © Burnus Professional
    Die Anschaffung einer Dosieran­lage, im Bild die Compact Line WE, lohnt sich laut Burnus schon bei drei angeschlossenen Waschschleudermaschinen (ab 15 kg).
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    © Ecolab
    Die hoch konzentrierten Aquanomic-­Waschmittel in Blockform von Ecolab sorgen über die Dosierung in einem geschlossenen System für erhöhte ­Anwendersicherheit.
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    © Electrolux Professional
    Electrolux Professional bietet ein Plug-and-play-­Dosiersystem an, das mit der in der Waschma­schine verbauten Wägetechnik kommuniziert und eine auf das reale Wäschevolumen abgestimmte Chemika­lienmenge zudosiert.
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    © Kreussler/Frank Widmann
    Zum Service von Kreussler gehört beispielsweise die Überprüfung einer Easy-Dosieranlage beim Kunden.
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    © CHT
    Eine saubere Sache: CHT Washing Solutions bietet in Zusammen­arbeit mit verschiedenen Lieferanten Dosieranlagen auch für Waschstraßen an.
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Sichere Prozesse

Darüber hinaus ermöglichen moderne Dosieranlagen die Dokumentation der bearbeiteten Wäscheposten. Über Kommunikationsschnittstellen, die Seitz (Kriftel) in seinen professionellen Anlagen vorsieht, lassen sich automatische Dosierprotokolle erstellen. Diese sind vor allem in hygienerelevanten Bereichen wie dem Gesundheitswesen oder der ­Lebensmittelproduktion wichtig, denn sie bringen Transparenz in den gesamten Prozess.

Neuartige, datengestützte Analysen und Auswertungen machen außerdem Optimierungspotenziale sichtbar und Kosten transparent: Basierend auf den Erkenntnissen im laufenden Betrieb, wo die Verbrauchswerte kontinuierlich erfasst werden, kann eine Feinjustierung der einzelnen ­Dosierprogramme vorgenommen werden. Überdies schaffen sie die Grundlage für eine Fernwartung, die zu einer spürbaren Verringerung des Wartungsaufwands führt.

Saubere Handhabung

Eine automatische Zuführung von Wasch- und Waschhilfsmitteln bringt Sicherheit und Ordnung in jede Waschküche. Da professionelle Chemikalien hoch konzentriert und zum Teil als Gefahrstoff eingestuft sind, raten die Hersteller, solche Mittel zum Schutz der Benutzer über eine Dosier­anlage zuzuführen und von einer manuellen Dosierung abzusehen. Auch im Betrieb erweist sich die Handhabung einer Dosier­station als sicher: Leere Produktbehälter werden einfach gegen volle ausgetauscht und an die Pumpen angeschlossen. Der Kontakt der Mitarbeiter mit den Waschsubstanzen wird dadurch ebenfalls auf ein Minimum reduziert.

Bei der Wahl einer Dosieranlage sollte auch darauf geachtet werden, dass die Behälter vollkommen leer gepumpt werden können. Miele hat hierfür eine praktische Lösung geschaffen: Wird eine moderate Mobilität der Dosieranlage gefordert, werden auf einem verfahrbaren Gestell leicht nach vorne geneigte Abstellmöglichkeiten für die Chemikalienbehälter geschaffen, dank derer eine vollständige Entleerung der Gebinde möglich ist.

Platz sollte in der kleinsten ­Waschküche sein

Bei einem Kanistertausch ist darauf zu achten, dass den Beschäftigten genügend Platz zur Verfügung steht, damit sie sich frei bewegen können. Vorteilhaft ist, dass die Anlagen für kleinere Maschinen kompakt sind und üblicherweise an der Wand montiert werden. Für kleinere Wäschereien und Räumlichkeiten mit beengten Platzverhältnissen bieten einige Hersteller auch Dosieranlagen auf Rollen an, die es für einzelne Maschinen und auch für Mehrfachdosierungen gibt. Der Bewegungsradius solcher Systeme ist dennoch eingeschränkt, denn die Verbindung der Chemikalienschläuche zur Maschine bleiben permanent bestehen. Immerhin erlauben sie aber eine leichtere Zugänglichkeit zu Pumpen und Chemikalien­behältern.

Neben Platzmangel können auch Auffangwannen, die aufgrund regionaler Vorschriften, der eingesetzten Chemikalien und der Gebindegröße gefordert sein können, zum Hindernis werden. In diesem Fall sollten Austauschgebinde nicht zu schwer oder Hebehilfen vorhanden sein.

Bei der Anschaffung einer ­Dosieranlage ist darüber hinaus der Lagerplatz für Austauschgebinde zu berücksichtigen. Die Waschküche muss außerdem mit einem Wasser- und Stromanschluss, einem Ablauf sowie einem Waschbecken ausgestattet sein und entsprechend geltenden Vorschriften über eine bestimmte Bo­denbeschaffenheit, eine Be- und Entlüftung et cetera verfügen.

Dosieranlage auch für kleinere ­Maschinen

Auch wenn eine Dosieranlage durch vielfältige Vorteile überzeugt, stellt sich die Frage, wann sich deren Anschaffung lohnt. Die Anbieter machen dazu unterschiedliche Angaben. Buzil (Memmingen) hat berechnet, dass sich die Installation ab einer Waschmaschinengröße von 10 kg oder ab einer jährlichen ­Durchflussmenge von 450 l Waschmittel rechnet. Burnus Professional (Steinau an der Straße) weiß aus Erfahrung, dass die Anschaffung einer Dosieranlage schon bei drei angeschlossenen Waschschleudermaschinen mit einer Nennbeladung ab 15 kg lohnenswert sein kann. CHT (Tübingen) geht davon aus, dass eine Dosieranlage für jede auch noch so kleine Wäscherei eine gute Lösung ist. Diese Meinung teilt auch Christeyns (Offenburg), ergänzt aber, dass neben den Kosten für die Anlage auch ­betriebsinterne Parameter bei der Entscheidung pro oder contra Automatisierung berücksichtigt werden müssen.

Die wichtigste Voraussetzung für eine Dosieranlage ist allerdings die in der Waschmaschine verbaute Technik, fügt Büfa (Oldenburg) hinzu. So muss die Maschine über entsprechende Dosierplatinen und -anschlüsse verfügen, ohne die eine automatisierte Zufuhr der Chemikalien überhaupt nicht möglich ist.

In puncto Maschinengröße gibt ­Ecolab (Monheim) eine detailliertere Antwort: Die Entscheidung für oder gegen die Installa­tion einer Dosieranlage werde von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Bei der Analyse müssten neben dem Wäschevolu­men auch die Art der zu waschenden Texti­lien, die Prozesse vor Ort sowie lokale Wasser- und Energiekosten berücksichtigt werden. Daher sei eine individuelle, ganzheitliche Betrachtung der Wirtschaftlichkeit, bei deren Ermittlung ein Expertenteam des Unternehmens berät, unerlässlich.

Leihen oder kaufen?

Für die Anschaffung einer Dosieranlage sehen die Anbieter verschiedene Finanzierungsmodelle vor, die in der Regel mit der Verwendung der eigenen Wasch- und Waschhilfsmittel verbunden sind. Die für einen Gebäudereiniger praktischste Lösung dürfte ein Gesamtpaket sein, bei dem Beratung, Installation, Einweisung und Nutzung, Service, regelmäßige Wartung und Optimierung einer Dosieranlage im Rahmen eines Leihvertrags für eine kostenlose Nutzung bereitgestellt werden. Eine solche Vereinbarung ist aber immer an die ausschließliche Abnahme der Waschsubstanzen des Anbieters gebunden. Bei einem Wechsel des Waschmittelherstellers endet die Leihvereinbarung, die Dosieranlage wird abgebaut und der Kunde muss den Restwert des Systems bezahlen.

Wer lieber unabhängig bleiben möchte, sollte eine Dosieranlage kaufen. Das System muss jedoch auf die im Betrieb eingesetzten Waschmittel abgestimmt sein. Dabei ist zu bedenken, dass viele Anlagen auf die Dosierung von flüssigen Mitteln beschränkt sind. Hinzu kommt, dass Waschsubstanzen unterschiedliche Viskosität und chemische Eigenschaften haben. Die Dosierpumpen müssen darauf auslegt sein. Aber Achtung: Wer seinen Chemi­kalienlieferanten wechseln möchte, sollte vorab klären, ob die neuen Mittel und die in der Anlage verbauten Pumpen und Leitungen überhaupt zusammenpassen.

Um Reinigungsunternehmen eine größtmögliche Lieferantenwahl zu ermöglichen, hat Miele vorgesorgt. Das Unternehmen verbaut in seinen Dosieranlagen Schlauch-Quetsch-Pumpen oder alternativ Membran-­Pumpen, während Kreussler (Wiesbaden) auf Hochleistungspumpen setzt, die auch pastöse Substanzen zuverlässig an die Waschmaschinen fördern können.

Auch die Umstellung von einem Wasch­pulver auf ein anderes sollte vorher überprüft werden. Einige Hersteller stellen Versuchsanlagen für Dosiertests zur Verfügung, um das Zusammenspiel von ­Pumpe und Pulver auszuprobieren.

Ratenkauf oder Mieten?

Statt eines Kaufes kann häufig auch ein Ratenkauf vereinbart werden. Für einen festgelegten Zeitraum entrichtet ein Betrieb eine Rate an den Dosieranlagenhersteller und übernimmt das System endgültig durch Zahlung der festgelegten Restsumme. Der Vorteil eines solchen Vertrags ist eine höhere finanzielle Flexibilität der Gebäudereinigungsfirma, da der Preis nicht voll entrichtet wird. Die Einschränkung liegt bei den hier vorgestellten Anlagen jedoch in der Bindung an einen Waschmittelhersteller. Wer diesen bereits vor Ablauf des Vertrags wechseln möchte, muss die fällige Restsumme sofort begleichen.

Bei einem Mietvertrag ist ein Wechsel nach dem regulären Ende der Vertragslaufzeit möglich. Die Dosieranlagen gehen dann wieder an den Eigentümer zurück. Eine vorzeitige Beendigung eines Mietvertrags ist hingegen an die Zahlung einer Ablösesumme gebunden, die sich nach dem aktuellen Zeitwert richtet.

Eine Übersicht ausgewählter Anbieter von Dosieranlagen finden Sie hier.

Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach | markus.targiel@holzmann-medien.de