Allmählichkeitsschaden ­durch Duftöl verursacht

Im vorliegenden Schadensfall stand der Vorwurf im Raum, dass Türen im ­WC-Bereich durch falsche Reinigung beschädigt worden seien. Dies stellte sich beim Vor-Ort-­Termin jedoch als nicht zutreffend heraus. Ursache war eine nicht ­funktionierende Raumbeduftung.

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    © Sascha Hintze
    Das Schadenbild an den mit Kunststoff überzogenen WC-Türen: kraterförmige Beschädigungen, die in der Mitte aufplatzen.
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    © Sascha Hintze
    Die Schadenursache: Das vom Duftspender abgegebene Duftöl traf in starker Konzentration immer wieder auf die gleiche Stelle.

Der Sachverständige wurde vom Objektbetreiber gerufen, um eine Vielzahl von WC-Türen zu begutachten, die Beschädigungen aufwiesen. Da es sich bei dem Objekt um einen Produktionsbetrieb handelt, war der erste Verdacht, der Dienstleister hätte eventuell ein Reinigungsmittel eingesetzt, das zwar die Verschmutzungen, bestehend aus Ölen und Fetten, entfernt, gleichzeitig aber die Kaschierung der Türen nachhaltig beschädigt.

Bei der genauen Begutachtung der Schäden stellte es sich jedoch heraus, dass die Türblätter jeweils nur von einer Seite und an einer Stelle beschädigt waren. Die Türen, versehen mit einem durchgehenden Kunststoff­überzug, wiesen kraterförmige Beschädigungen auf, die in der Mitte aufgeplatzt waren. Das Schadensbild setzte sich zwar durch mehrere Räume hindurch fort. Es fiel dabei jedoch auf, dass Türen, bei denen mit der stärksten Verschmutzung zu rechnen war, erstaunlicherweise keinerlei Beschädigungen aufwiesen. Eine Überprüfung zeigte zudem, dass die vom Dienstleister eingesetzten Reinigungsprodukte den Verschmutzungen angepasst sind und bei sachgemäßem Umgang keine derartigen Beschädigungen hervorrufen können.

Die eigentliche Ursache für die Beschädigungen ließ sich daraufhin relativ schnell ermitteln: Die WC-­Anlagen waren allesamt über einen längeren Zeitraum hinweg mit Duftspendern ausgestattet, die in regelmäßigen Abständen Duftöle in die Raumluft abgaben. Grundsätzlich stellt dies bei sachgerechter Anwendung kein Problem dar.

Verteilung des Duftöls nicht möglich

Im vorliegenden Fall jedoch wurden die Beschädigungen immer an denjenigen Türen festgestellt, welche durch verschiedene Mechanismen zwangsgeöffnet blieben. Dies hatte, so stellte es sich im Laufe der Gespräche heraus, für den Objektbetreiber den Vorteil, dass das Personal aus dem Produktionsbereich den Sanitärbereich sofort betreten konnte, ohne die Türen zusätzlich mit Ölen oder Fetten zu verschmutzen. Somit standen die Türen ständig offen und wurden maximal zur Reinigung für einen kurzen Augenblick geschlossen.

Wie auf dem zweiten Bild zu sehen, waren die betroffenen Türen sehr nah am Duftspender, wodurch ein und dieselbe Stelle dem immer wieder in die Raumluft abgegebenen Duftöl ausgesetzt war. Es handelte sich im vorliegenden Fall demnach um einen A llmählichkeitsschaden: Das Duftöl konnte sich nicht wie vom Hersteller vorgesehen im gesamten Raum gleichmäßig verteilen, sondern traf in starker Konzentration auf die Türen.

Sascha Hintze| markus.targiel@holzmann-medien.de

Tipp vom Gutachter: Achtung bei der ­Raumbeduftung

Sascha Hintze, Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger - © Sascha Hintze

Sascha Hintze, Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger:  "Wenn Duftspender aufgehängt sind, ist darauf zu achten, dass sich die Duftöle wie vom Hersteller vorgesehen frei im Raum verteilen können, um Allmählichkeitsschäden zu vermeiden. Besteht diese Möglichkeit nicht, dann sollte auf andere Möglichkeiten der Raumbeduftung zurückgegriffen werden."