Akkubetriebene Reinigungsmaschinen: Kabellos in die Zukunft

Kein Kabelsalat, kein Umstecken, weniger Energieverbrauch: Akkubetrie­bene ­Geräte und Maschinen haben in der Gebäudereinigung ­mittlerweile ihren ­festen Platz ­gefunden. Dabei geht es nicht nur um mehr Komfort bei ­­der ­klassischen Büro­reinigung. Die moderne Akkutechnik hat auch der Entwicklung autonomer ­Reinigungsroboter einen enormen Schub verschafft.

Der Lithium-Ionen-Akku ist wohl der bekannteste und leistungs­fähigste Akkutyp – aber auch der teuerste. In Sachen Energie, ­Lebensdauer, Sicherheit und Leistung ist ­diese Technik nach derzeitigem Stand unübertroffen. - © Hako

Beim Einsatz akkubetriebener Geräte und Maschinen ist allerdings Umdenken ­gefragt – und vor allem eine Neuausrichtung der ­Arbeitsorganisation. ­Arbeitsabläufe müssen neu gedacht und den jeweiligen Ladezeiten beziehungs­weise Akkustandzeiten angepasst werden. Das heißt für Gebäudedienstleister zwangsläufig, Geld in neue Technik zu investieren, um dauer­haft in den Genuss der wirtschaftlichen Vorteile von akkubetriebenen ­Geräten und Maschinen zu kommen.

Erst investieren, ­­dann profitieren

Der Nutzen liegt auf der Hand: Kein Kabel­salat, keine Stolperfallen, keine herausgerissenen Steck­dosen und kein lästiges und zeitraubendes Umstecken ­sowie keine gebrochenen Kabel mehr. Der Wegfall von Wegezeiten spart Kosten und lässt sich betriebswirtschaftlich exakt ­beziffern. ­Akkubetriebene Reinigungsgeräte sparen nicht nur Geld, sondern auch jede Menge Nerven derer, die sich reinigungstäglich mit kabelgebundenen ­Arbeitsmitteln herumschlagen ­müssen. Auch die gesundheit­liche ­Belastung von ­Reinigungskräften, die zum Beispiel mit Akkusaugern arbeiten, ist durch die geringere Geräuschbelastung deutlich niedriger. Hinzu kommt: ­Leise, akku­betriebene Geräte und ­Maschinen eröffnen in vielen Bereichen die Möglichkeit, den Kunden Tagesreinigung anzu­bieten, da die Gefahr, dass Nutzer über Kabel ­stolpern, nicht mehr besteht.

­Geringerer Stromverbrauch

Nebenbei lässt sich das Thema auch noch gut im Marketing unterbringen, da akkubetriebene Geräte und Maschinen deutlich weniger Strom benötigen und die ­Bodenreinigung damit ökologischer, sprich ­grüner, wird. In Zeiten der allgemein vorherrschenden Energieknappheit ist das ein gewichtiges Argument.

Gegenwärtig zeichnen sich zwei Haupt­einsatz­bereiche beziehungsweise Typen für akkubetriebene Geräte und Maschinen in der Gebäudereinigung ab: klassisch mit kleineren oder größeren Geräten oder ­Maschinen und innovativ mit Reinigungsrobotern. Im ersten Fall unterstützt die Maschine den Menschen, im zweiten Fall arbeitet die Maschine autonom und wird nur bei Bedarf vom Menschen unterstützt.

Laufwege und ­damit Kosten sparen

Beim klassischen Einsatzbereich verhindern akku­betriebene Geräte und ­Maschinen Kabelsalat, ­machen unabhängiger, Lärm wird deutlich reduziert. Die Reinigungskräfte vermeiden jede Menge Laufwege und die Gebäudereinigungsunternehmen ­sparen ­Arbeitszeit, was mit einer Kostensenkung gleichzusetzen ist.

Von Sauger bis ­Scheuersaugmaschine

Die häufigste anzutreffende "Akkufizierung" von Kleingeräten findet in der Bodenreinigung in Form von akkubetriebenen Staubsaugern statt. Vereinzelt finden sich auch Kleinmaschinen wie Elektro-Mopps oder ­Einscheiben- und Poliermaschinen. Auch akkubetriebene Druckluftsprüher für die Spotreinigung von Bodenflächen und Handsprühflaschen für die Oberflächenreinigung sind auf dem Markt.

Bewährte Standardtechnik: Blei-Akku mit Nass- oder Gelfüllung. Er benötigt keine seltenen Erden oder Lithium, sondern nur einfaches Blei. Das macht ihn auf den ersten Blick weniger umweltbelastend. - © Hako

Akkubetriebene Scheuersaugautomaten sind zwar längst Standard. Neu ist aber die mittlerweile verbaute Akkutechnik. Die Laufzeiten haben sich durch neue Batterietypen zum Teil deutlich verlängert, und seit einigen Jahren gibt es auch Schnellladebatterien – Ladezeit ­­20 Minuten plus – oder, noch innova­tiver, Schnellwechsel-Stationen. Dabei werden die Akkus nicht unmittelbar ­geladen, sondern ­minutenschnell gegen geladene Varianten getauscht. Somit ist die Laufzeit der Scheuersaugautomaten mit ­B­atterieschnellwechseltechnik theoretisch unbegrenzt. Einziger Nachteil ist der ­Umstand, dass dafür zwei Batteriesätze angeschafft werden müssen, was schon einmal einige tausend Euro pro Satz sein können. Doch keine Investition rechnet sich mehr als der Austausch nicht mehr zeitgemäßer Technik.

Die Laufzeit der ­Akkus ­muss stimmen

Die Schattenseiten der "Akkufizierung" sind sicherlich sowohl die Kosten als auch der Umstand, dass manche Geräte und Maschinen aufgrund ihrer geringen ­Akkulaufzeit nicht wirtschaftlich und sinn­voll eingesetzt werden können. Erst eine Reinigungs­maschine oder ein Gerät mit leistungsstarkem Akku mit Schnell­lade- oder Akkuwechseltechnik verschafft Gebäude­reinigungsunternehmern die nö­tige Wirtschaftlichkeit und den Reinigungskräften ein hohes Maß an Flexi­bilität, was die tägliche Arbeit bei der maschinellen Bodenreinigung enorm ­erleichtert.

Festzuhalten bleibt: Ganz so neu sind die vielgepriesenen akkubetriebenen ­Ge­räte und Maschinen nicht. Interessant ist aber die aktuelle Akkutechnik. ­Früher kamen vor allem blei-akkubetriebene Scheuersaugauto­maten mit 12-, 24- oder 36-V-Technik zum Einsatz. Heute sind es eher Kleinmaschinen und Geräte wie Staubsauger und Einscheibenma­schine oder auch kleine autonome Scheuersaugautomaten mit Lithium-Ionen-Akku.

Wichtig ist, was ­­­in den Akkus steckt

Egal ist dabei, ob 12-, 24- oder 36- V-Technik zum Einsatz kommt. Wichtig ist, was in den Akkus steckt. Denn der Inhalt, sprich die Batterietechnik, ist haupt­entscheidend bei der Frage der Lauf- und Ladezeiten, der zu erwartenden Lade­zyklen sowie der Umweltbelastung durch den Akku. Neben der Akkutechnik ist dabei sehr wichtig, welche Rohstoffe für die Akku­produktion benötigt werden und wie ­umweltschädlich diese sind. Umwelt­verträgliche ­Akkutechnik ist bis jetzt ­leider noch nicht serienreif.

Der Leistungsfähige: ­Lithium-Ionen-Akku

Momentan stehen für akkubetriebene Geräte und Maschinen in der Gebäudereinigung unterschiedliche Akkutypen zur Verfügung. Der Lithium-Ionen-Akku ist wohl der bekannteste, kleinste und leistungs­fähigste Typ – aber auch der ­teuerste. In Sachen Energie, ­Lebensdauer, Sicherheit und Leistung ist ­diese Technik nach derzeitigem Stand unübertroffen. Der Lithium-Ionen-­Akku gibt über die gesamte Entladungsdauer seinen gespeicherten Strom gleichmäßig ab und hält locker mehr als 1.000 Ladezyklen. Die für die Produktion der Lithium-Ionen-Akkus benötigten Rohstoffe werden allerdings oft unter Missachtung aller Arbeitsschutz- und Umweltschutzauflagen überwiegend in Schwellen­ländern mit zum Teil hoch­giftigen Chemikalien abgebaut.

Bewährte Standardtechnik: Blei-Akku

Die bewährte Standardtechnik Blei-­Akku mit Nass- oder Gelfüllung hingegen ­benötigt keine seltenen Erden oder ­Lithium, sondern nur einfaches Blei. Das macht Blei-Akkus auf den ersten Blick ­weniger umweltbelastend. Man muss allerdings festhalten, dass nur deutlich weniger als 1.000 Lade­zyklen möglich sind. Auch lässt die Leistung ab einem Füllstand von ­unter 50 % erheblich nach und Blei-Akkus sind zudem deutlich schwerer als Lithium-Ionen-Akkus. Durch das hohe Eigengewicht leidet auch die ­Effizienz: mehr Gewicht, mehr Bewegungsenergie. Bei Lithium-­Ionen-Akkus wird nur die halbe Kapazität von Blei-­Akkus benötigt, da 100 % der Kapazität ­eines ­Lithium-Ionen-Akkus genutzt werden kann. Das wiederum bedeutet, dass ­Lithium-Ionen-Akkus nur 50 % der Kapazität eines Blei-Akkus benötigen.

Zukunftsmusik:­ Organischer Akku

Völlig neue Wege geht der organische Akku. Er kann zum Beispiel aus einem festen Polymer als Elektrolyt bestehen und dadurch in eine beliebige Form ­gebracht werden. Solche Feststoff-Akkus sind frei von Schwermetallen und – anders als ­Lithium-Ionen-Varianten – nicht selbstentzündlich und auch noch deutlich leichter. Allerdings befindet sich die Entwicklung noch in der Forschungsphase, es handelt sich also um Zukunftsmusik.

Paradigmenwechsel ­in ­der Arbeitsorganisation

Die innovativen Einsatzbereiche von ­akkubetriebenen Maschinen zielen ähnlich wie die klassischen darauf ab, die ­Arbeit der Reinigungskräfte zu reduzieren und Arbeitszeit und damit Kosten zu sparen. Im ­innovativen Einsatzbereich geht es aber deutlich über Zeiteinsparungen hinaus, die Reinigungskräfte ­können ­unter Umständen nahezu vollständig ­ersetzt werden. Dass dies gelingen kann (sofern es das Ziel ist) setzt voraus, dass die akku­betriebenen Geräte und Maschinen weitestgehend autonom ­reinigen und ­somit zwingend über Künst­liche ­Intelligenz verfügen. Dies bedeutet, dass die Reinigungskräfte dem Roboter nur in Ausnahme­situation beistehen ­müssen und die Maschine ansonsten völlig autark ­arbeitet. Es handelt sich quasi um ein ­Maschine-Mensch-Verhältnis – die ­Maschine arbeitet autonom und ­fordert den Menschen nur dann auf, ihr zu ­helfen, wenn Programmroutinen ins Leere ­laufen. Das ist ein echter Paradigmenwechsel in der Arbeitsorganisation, denn die ­Ma­schine bestimmt, wann sich eine Reinigungskraft um sie kümmern muss.

Reinigungsroboter ­können noch nicht alles

Der innovative Einsatz von akkubetriebenen Geräten und Maschinen mit Künst­licher Intelligenz setzt allerdings voraus, dass die zu reinigenden Bodenflächen groß genug und gut zugänglich beziehungsweise wenig überstellt sind sowie keine Höhenunterschiede oder Schwellen aufweisen. Diese momentane Limitierung schränkt den Einsatz von Reinigungs­robotern stark ein. Noch sind sie nicht in der Lage, in wirtschaftlich sinnvoller Weise weitere Reinigungsarbeiten wie die klassische Bürounterhalts- oder Sanitär­reinigung zu übernehmen. Vielversprechende Versuche gibt es zwar schon. Die Einschränkungen tragen jedoch noch dazu bei, dass bei der (Unterhalts-)Reinigung kein Weg an der Gebäudereinigungs­branche vorbei geht. Die Frage ist nur, wie lange es noch dauern wird, bis neue Konzepte bei akkubetriebenen und mit Künstlicher Intelligenz bestückten Geräten und Maschinen die aktuellen Einsatzbeschränkungen aushebeln.

"Akkufizierung" ­im ­Betrieb ­umsetzen

Wenn ein Gebäudereinigungsunter­neh­mer also auf akkubetriebene Geräte und Maschinen – gleich welcher Art – ­setzen möchte, sollte er sich einige­ ­wenige, aber entscheidende Fragen stellen und Antworten darauf finden. Wie ­viele ­akkubetriebene Geräte und Maschinen verträgt mein Unternehmen? Wie viel Innovation kann ich mir ­monetär leisten? Laufe ich Gefahr, dass ich meine Reinigungs­kräfte überfordere? Wann, wo und in welchem Umfang ist es sinnvoll, Maschinen und Geräte durch akkubetriebene Varianten, mit und ohne Künstliche Intelligenz, zu ersetzen? Muss ich die ­Arbeitspläne meiner Reinigungskräfte den Akkulauf­zeiten der ­Geräte und Maschinen anpassen? Und: Welchen Einfluss hat die ­"Akkufizierung" auf das Kundenverhältnis? Pauschale Antworten auf diese Fragen gibt es allerdings nicht.

Uwe Büttner| heike.holland@holzmann-medien.de

Uwe Büttner

Uwe Büttner - © privat

ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter ­und vereidigter Sachverständiger und selbst­ständiger Berater mit dem ­Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen.