BIV-Herbstumfrage 2026: Mehrheit gegen Minijob-Abschaffung

Die aktuelle Herbst-Konjunkturumfrage 2026 des BIV zeigt: Die schlechte Stimmung im Gebäudereiniger-Handwerk hält an. Gleichzeitig hat sich eine klare Mehrheit der befragten Unternehmen gegen eine Abschaffung der Minijobs ausgesprochen.

Fast die Hälfte der Beschäftigten in der Gebäudereinigung arbeitet als Minijobber; für 77 Prozent davon ist es laut BIV eine Nebentätigkeit. - © Andrey Popov – stock.adobe.com

19 Prozent (Frühjahr: 16 Prozent) der 350 Mitgliedsunternehmen des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV), die sich an der Umfrage beteiligt haben, blicken mit positiver Prognose auf die Geschäftsentwicklung im Jahr 2026. 51 Prozent (Frühjahr: 50 Prozent) erwarten gleichbleibende Geschäfte, 30 Prozent (Frühjahr: 34 Prozent) rechnen mit einer negativen Entwicklung.

Dem kommenden Jahr sehen nur 17 Prozent (Frühjahr: 20 Prozent) der Unternehmen positiv gestimmt entgegen. 36 Prozent (Frühjahr: 47 Prozent) gehen von gleichbleibenden Geschäften aus, 47 Prozent befürchten eine negative Entwicklung. In der Frühjahrs-Konjunkturumfrage 2026 waren es erst 33 Prozent.

Schwache Dynamik bei Aufträgen und Beschäftigung

70 Prozent (Frühjahr: 65 Prozent) der Unternehmen berichten von einer deutlichen Leistungsreduktion auf Kundenseite. 57 Prozent (Frühjahr: 49 Prozent) verzeichnen einen spürbaren Rückgang bei Kunden beziehungsweise Aufträgen. 30 Prozent (Frühjahr: 29 Prozent) der Unternehmen mussten im Jahr 2026 Mitarbeitende betriebsbedingt entlassen. Für 2027 rechnen 40 Prozent (Frühjahr: 41 Prozent) mit einem solchen Schritt. Gleichzeitig suchen immer weniger Unternehmen Personal: 28 Prozent (Frühjahr 2026: 26 Prozent, Frühjahr 2024: 11,9 Prozent) sind aktuell nicht auf der Suche nach Beschäftigten – ein für die Branche ungewöhnlich hoher Wert.

Nie zuvor ist in einer BIV-Konjunkturumfrage eine Bundesregierung so schlecht bewertet worden. Die "Große Koalition" von Bundeskanzler Friedrich Merz erreicht auf der Zufriedenheitsskala von 1 bis 10 lediglich 2,7 Punkte - ein deutliches Minus gegenüber dem Frühjahr (3,7 Punkte). Einen Grund dafür sieht der BIV im widersprüchlichen Kurs der Bundesregierung bei den Minijobs. Fast die Hälfte der Beschäftigten in der Gebäudereinigung arbeitet in einem solchen Beschäftigungsverhältnis; für 77 Prozent davon ist es laut BIV eine Nebentätigkeit.

76 Prozent der Betriebe lehnen Minijob-Abschaffung ab

76 Prozent der Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, lehnen die Abschaffung von Minijobs ab. 92 Prozent davon erwarten, dass die Schwarzarbeit im Falle einer Abschaffung zunehmen würde. 84 Prozent rechnen mit einer deutlichen Verschärfung der Personalknappheit. 68 Prozent gehen davon aus, dass sich Minijobber aus dem Arbeitsmarkt zurückziehen werden; fast drei Viertel der Betriebe glauben, dass sich Minijobs gar nicht oder nur in sehr bescheidenem Umfang in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umwandeln lassen. Und für 40 Prozent wäre die Abschaffung dieser Beschäftigungsart ein derart schwerwiegender Eingriff, dass sie sogar die Weiterführung ihres Betriebs gefährdet sehen.

Während einerseits die Abschaffung der Minijobs im Raum steht, will die Bundesregierung gleichzeitig die Kosten für die Unternehmen erhöhen. Nach bisherigem Kenntnis- und Entwurfsstand sollen die Sozialversicherungsbeiträge laut BIV allein für Arbeitgeber im Minijobbereich ab 2027 um 8,1 Prozentpunkte steigen (Krankenversicherung: 4,5 Prozent ab 2027, Pflege: 3,6 Prozent ab 2028). Hinzu kommen Pläne für eine kapitalgeckte Zusatzrente (1 Prozent jeweils für Unternehmen sowie Beschäftigte, schrittweise Einführung ab 2028). "Mitten in der Krise ein bewährtes Modell für Unternehmen drastisch zu verteuern und für Millionen Menschen aufs Spiel zu setzen, ist wirtschaftspolitischer Irrsinn. Diese zusätzlichen Belastungen für die Betriebe müssen vom Tisch – ohne Wenn und Aber", sagt Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich. Die Wirtschaft brauche "Entlastung und Planungssicherheit, keine existenzgefährdenden Gedankenspiele".

Trend: Technik statt Menschen

Ein weiterer Trend aus der aktuellen BIV-Konjunkturumfrage: Steigende Lohnnebenkosten und die anhaltende Personalknappheit verstärken bei vielen Unternehmen die Bereitschaft, mehr auf Maschinen, Technik und Robotik zu setzen. 58 Prozent der Befragten geben an, in den kommenden fünf bis zehn Jahren verstärkt den technischen Ersatz von Menschen anzustreben. Gleichzeitig gehen 57 Prozent der Unternehmen davon aus, dass Maschinen, Technik und Robotik in den kommenden Jahren bis zu zehn Prozent der Belegschaft ersetzen könnten. 28 Prozent rechnen mit einem Ersatz von bis zu 20 Prozent, 10 Prozent sogar mit bis zu 30 Prozent. /HH