Vermop wird Teil von Freudenberg

Vermop gehört seit Juli zu Freudenberg. Über die anstehende Integration und die künftige strategische Ausrichtung sprach rationell reinigen mit Isabel Merkel, President Professional bei ­Freudenberg Home and Cleaning Solutions – dem Unternehmen hinter der Marke Vileda Professional.

Isabel Merkel leitet seit Mai 2021 den Bereich Vileda Professional, der weltweit in über 35 Ländern vertreten ist. - © Freudenberg

Frau Merkel, wie kam es konkret zum Kauf von Vermop?

Neben unserem organischen Wachstum sind wir bei Vileda Professional immer auf der ­Suche nach passenden Partnern, mit denen wir auch anorganisch wachsen können. Insofern stand Vermop aus vielen Gründen schon lange auf unserer Wunschliste. Als sich dann Dirk Salmon entschied, im Rahmen eines strategischen Bieterverfahrens sein Unternehmen zu veräußern, war für uns klar, dass wir uns daran beteiligen. Dass wir am Ende den Zuschlag erhalten haben, freut uns ungemein.

Vermop soll nun in Freudenberg integriert werden. Was bedeutet das im Detail?

Die Freudenberg-Gruppe hat insgesamt elf Tochtergesellschaften. Eine davon ist die Freudenberg Home and Cleaning Solutions mit ihren zwei strategischen Business Units – dem Consumer-Bereich und dem Professional-Bereich. Zu Letzterem gehört nun Vermop. Nachdem der Verkauf offiziell zum 10. Juli erfolgt ist, befinden wir uns aktuell mitten im Analyseprozess beziehungsweise stehen noch ganz am Anfang des Integrationsprozesses.
Einerseits gilt es, die Vermop-Werke in unser Produktionsnetzwerk einzubinden, andererseits aber auch die Vertriebsteams in unsere Organisation. Und natürlich müssen auch die einzelnen Produkte von Vermop mit unserem Portfolio in Einklang gebracht werden – hier gibt es unstrittig die eine oder andere Überschneidung mit Produkten der Marke Vileda.

Das Unternehmen Vermop wird also in Freudenberg Home and Cleaning Solutions aufgehen. Was passiert mit der Marke Vermop?

Um sowohl für die Kunden als auch die Mitarbeiter Klarheit zu schaffen, konzentrieren wir uns derzeit voll auf die Unternehmens- und Prozessintegration. Was die Markenstrategie betrifft, werden wir uns noch bis Ende des Jahres Zeit nehmen, um alles sauber zu analysieren und dann mit einem klaren Zielbild ins Jahr 2024 gehen zu können.

Gerade bei den Wischsystemen sind die Produktüberschneidungen nicht uner­heblich. Hier werden Sie um eine starke Konsolidierung wohl nicht herum­kommen?

Selbstverständlich sind wir als Unternehmen stets gefordert, Komplexität zu reduzieren, und können daher Produktlinien, die sich überschneiden, nicht parallel laufen lassen. Es gibt jedoch nicht nur Überschneidungen, sondern auch wunderbare Ergänzungen.
Klar ist aber auch: Ein wichtiger Grund für den Kauf von Vermop war neben dem bestehenden Produktportfolio insbesondere die Innovationskraft des Unternehmens. In einem gemeinsamen Workshop mit Teams aus beiden Unternehmen werden wir nun definieren, wie wir welche Produkte positionieren – insbesondere auch mit Blick auf die jeweilige Kundengruppe. Wenn wir das sauber hinbekommen, haben wir nach meiner Überzeugung am Ende ein unschlagbares Produktangebot.

Sie erwähnten die Innovationskraft von Vermop – dazu zählt unzweifelhaft die Software VermopOne, vormals Eggstacy. Mit IQonnect hat auch Vileda Professional bereits eine eigene Cleaning ­Management Software. Hier werden Sie sich ebenfalls für eine der beiden Plattformen entscheiden müssen.

Richtig. Grundsätzlich ist die Digitalisierung für uns auch ein enorm wichtiges Thema. Da uns der diesbezügliche Ansatz von Vermop sehr gut gefällt, werden wir künftig auf VermopOne setzen und stellen demzufolge die Entwicklungen für unsere bisherige Lösung IQonnect, die wir vor fünf Jahren gestartet haben und mit der wir bis heute viel im Bereich Software dazugelernt haben, ein.
Generell gehen wir bei Vileda Professional verstärkt in Richtung 'near product digitalization' – wie es neudeutsch heißt. Ein Beispiel hierfür ist unsere digitale Bodenreinigungslösung EviSense, die wir Ende des Jahres launchen. Als zentrale Komponente dient hier eine Sensoreinheit, die sich am Mopphalter befestigen lässt und per RFID-Technologie unter anderem mit Funketiketten im Wischbezug und in den Räumen kommuniziert. Darüber lässt sich zum Beispiel nachvollziehen, welche Räume gereinigt wurden, wann sie gereinigt wurden und welche Arbeiten noch anstehen. Im Zuge unserer ersten Analysen haben wir bereits gesehen, dass sich diese Lösung sehr gut mit dem digitalen Ansatz von Vermop und den entsprechenden Software-Tools ergänzt.
Es ist aber auch kein Geheimnis, dass sich der Markt im digitalen Bereich allgemein noch in einer Findungsphase befindet. Auch die Vermop-Plattform entwickelt sich stetig weiter und bietet enormes Potenzial für weitere spannende Entwicklungen.

Neben Reinigungschemie bekommen Sie mit Vermop jetzt auch Maschinen in Ihr Portfolio – zum einen Staubsauger, zum anderen Scheuersaugautomaten der ­Marke Hefter. Wie gehen Sie diesen für Vileda Professional doch sehr neuen Markt an?

Dieser Markt ist in der Tat neu für uns. Umso froher sind wir, dass wir mit dem Kauf von Vermop auch die Experten auf diesem Gebiet mit an Bord holen konnten. Von ihnen werden wir uns dieses Reinigungs­segment genau erklären lassen und verstehen lernen, wie das Businessmodell dahinter inklusive dem Service funktioniert. Und wie wir dies nutzen können, um das bisherige Vermop-­Geschäft auf Basis der Internationalität von Vileda Professional ins Ausland zu skalieren. Gerade hier bedeutet die Vermop-Integration mit all den neu dazu kommenden Lösungen einen massiven Produkt-Launch.

Beim Thema Reinigungsmaschinen kommt immer stärker ein weiteres Innovationsfeld ins Spiel – die Reinigungsrobotik. Vermop hatte diesbezüglich keine Produkte im Portfolio. Denken Sie dennoch bereits in diese Richtung?

Auf jeden Fall. Tatsächlich haben wir mit einem jungen Team bereits ein Zukunftsprojekt angestoßen, wo es genau um solche Themen geht und wir uns überlegen: Wie sieht die Reinigungswelt im Jahr 2050 aus? Hierbei spielt natürlich der Fachkräftemangel beziehungsweise die Frage, wie man darauf reagiert, eine große Rolle. In diesem Zusammenhang glauben wir stark an das Potenzial der Reinigungsrobotik. Die Beschäftigung mit dem Thema Maschinen – zunächst auf dem Gebiet der klassischen Scheuersaugautomaten von Hefter – ist ein erster Schritt, in diese Richtung zu denken. Speziell im Reinraumbereich, wo wir insbesondere außerhalb Europas sehr aktiv sind, gibt es zudem schon erste konkrete Ansätze in Richtung roboter­unterstütze Reinigung: So entwickeln wir aktuell zusammen mit einem Kunden ein speziell dafür geeignetes Reinigungsmodul.

Ziel von Vileda Professional ist offenbar, sich zum Komplettanbieter für die gewerbliche Reinigung zu entwickeln. Welche „weißen Flecken“ sehen Sie noch?

Wir sind traditionell sehr stark im Tücherbereich, die Stärke von Vermop ist insbesondere die Bodenreinigung. Ein Segment, wo wir beide noch nicht sehr etabliert sind, ist die Glas- beziehungsweise Fensterreinigung – dieser Bereich ließe sich sicher noch deutlich ausbauen.

Wie schätzen Sie allgemein die Lage in der Gebäudereinigung aktuell ein?

Momentan merkt man schon stark, dass die Wirtschaft unter Druck ist und das Wachstum sich abschwächt – speziell was den deutschen Markt angeht. Budgets werden hier in der Regel zwei- oder dreimal überdacht. Dies ist zwar verständlich, führt aber auch zu einem enormen Preisdruck. Daneben ­beobachten wir aber auch – und das sehe ich sehr gerne –, dass in der Branche ein immer stärkerer Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit gelegt wird.
Um noch einmal auf die Digitalisierung zurückzukommen: Diesbezüglich sind wir in der Branche meiner Meinung nach alle noch kollektiv daran, den richtigen Weg zu finden, und müssen sicher noch das eine oder andere Mal Lehrgeld bezahlen. Spannend wird sein, wann sich das Digitale nicht nur auf den Reinigungsprozess selbst, sondern auch auf den nach wie vor sehr traditionell agierenden Ein- und Verkauf erweitert. Das wird die Landschaft noch einmal deutlich verändern. /GH