Zum Frühlingsanfang hatten es unbekannte Sprayer auf das 18-stöckige internationale Studentenwohnheim in Dresden abgesehen. Auf den höher gelegenen Außenverkleidungen der öffentlichen Gänge hatten sie mit pinkfarbiger Dispersionsfarbe ihre Botschaft aufgepinselt. In Zusammenarbeit mit Industriekletterern entfernte ein Dienstleister die Schmierereien innerhalb weniger Tage.

In Dresdens Gret-Palucca-Straße 11 steht das internationale Studentenwohnheim der Stadt. Das 1967/68 in der Nähe der Hochschule für Technik und Wirtschaft errichtete Gebäude wurde vor wenigen Jahren vollständig saniert. Im Frühjahr 2023 prangten auf den höher gelegenen Stockwerken auf einmal riesige pinkfarbige Lettern, die noch im knapp 300 m Luftlinie entfernten Rudolf-Harbig-Stadion, dem "Wohnzimmer" des Fußballklubs SG Dynamo Dresden, gut lesbar waren.
Für ihre Arbeit hatten die Sprayer den Bereich der öffentlichen Gänge im 11., 13., 15. und 17. Stockwerk des Hochhauses ausgewählt und ihre Botschaft mithilfe einer Farbrolle und einer Teleskopstange auf die dunkelgrauen Hartplastikplatten aufgebracht, mit denen die Bereiche verkleidet sind.
Der Betreiber des Wohnheims, das Studentenwerk Dresden, gab die Beseitigung der störenden Aufschriften bei Graffitti-ex aus Dresden in Auftrag. Zwar verfügt der Betrieb aufgrund seiner mehr als 25-jährigen Erfahrungen über eine große Expertise in der Reinigung unterschiedlichster Baustoffe; allerdings gibt es im Unternehmen keine ausgebildeten Höhenarbeiter, die für die Arbeiten an den schwer zugänglichen Schmierereien gebraucht wurden.
Die Lösung des Problems war für Torsten Höhne, Geschäftsführer von Graffitti-ex, naheliegend: Er bearbeitete das Objekt gemeinschaftlich mit Industriekletterern von "Die Bergsteiger am Bau". Der Dresdner Fachbetrieb hat sich auf Höhenarbeiten mit Seilsicherung an Gebäuden spezialisiert und seit der Gründung im Jahr 1983 bereits viele spektakuläre Projekte auf Dächern, Kirchtürmen, Schornsteinen und an Fassaden umgesetzt.
Abbeizverfahren mit Hochdruckkrake
Für die Beseitigung der mit Dispersionsfarben aufgebrachten Graffiti entschied sich Torsten Höhne für ein Abbeizverfahren mit Einsatz einer Hochdruckkrake. Ein solches System besteht aus mehreren Komponenten: einem Hochdruckreiniger, in dem auch heißes Wasser erzeugt werden kann, einem Tank zum Auffangen und Filtern von Schmutzwasser sowie einer Reinigungshaube. Diese ist in einer Standardausführung und einer kleineren Variante für die Bearbeitung besonders hartnäckiger Verunreinigungen erhältlich – beide kamen in dem Objekt zum Einsatz.
Die Reinigungshauben sind mit zwei rotierenden Hochdruckreinigungsdüsen versehen, die mit hohem Druck die an einer Oberfläche anhaftenden Verschmutzungen entfernen. Außerdem befindet sich an jeder Haube ein Schlauch, über den das anfallende Abwasser in den Schmutzwassertank gesaugt, direkt gefiltert und anschließend in einen separaten Behälter geleitet wird.
Spritzwasser- und auffangfreies Arbeiten in der Höhe
"Das Arbeiten mit einer Hochdruckkrake hat mehrere Vorteile. Weil das System spritzwasser- und auffangfrei ist, entfällt das Errichten von flüssigkeitsdichten, chemikalienresistenten Wannen unterhalb der zu behandelnden Flächen. Wir gewinnen also Zeit und sind hinsichtlich der Durchführung deutlich flexibler, denn wir können mit der Graffiti-Entfernung jederzeit beginnen und bei Schlechtwettereinbruch sofort aufhören", erklärt Torsten Höhne und ergänzt: "Eine Hochdruckkrake ist aufgrund der Schlauchlänge für die Ver- und Entsorgung mit Wasser außerdem das ideale Werkzeug für die Reinigungsarbeiten an hohen Gebäuden. Daher hatten wir keinerlei Schwierigkeiten, die Graffitis im 17. Stock zu entfernen".
Die Beseitigung der Graffitis verlief in mehreren Phasen. Die erste begann mit der Sicherung für die Höhenarbeiter. Die mit Level 3 für Industriekletterer ausgezeichnete Ute Hüller von "Die Bergsteiger am Bau" wählte für die Seilsicherung geeignete Anschlagpunkte, die zur Lastaufnahme der Arbeiter und des Materials geeignet sind. Dann bereitete sie sich in einer Nässeschutzkombi auf die Fassadenreinigung vor. Währenddessen brachte ein Mitarbeiter von Graffitti-ex über einen Bodenwischer mit Mopp ein biologisch leicht abbaubares Lösungsmittel auf die pinkfarbigen Botschaften auf und wiederholte den Vorgang nach kurzer Einwirkzeit.
Danach begannen die Reinigungsarbeiten. Ute Hüller führte dazu die Reinigungshaube über die besprühten Flächen, um die bereits angelöste Farbe vollständig zu entfernen. Das für diese Tätigkeit benötigte Heißwasser wurde im Hochdruckreiniger erzeugt, wobei das Frischwasser über einen Tank in einem Transporter bereitgestellt wurde. Mit derselben Methode verfuhr das Unternehmen mit dem Abwasser: Das vorgefilterte Schmutzwasser – insgesamt 2,5 m³ – wurde ebenfalls in einem Tank auf einem weiteren Transporter gesammelt und nach Abschluss der Fassadenreinigung bei einem Fachbetrieb ordnungsgemäß entsorgt.
Aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse konnte die Graffiti-Entfernung erst einen knappen Monat nach Auftragsvergabe beginnen. Die Verzögerung war für Ute Hüller kein Problem: "Wir führen unsere Seilsicherungstechnik jederzeit in unserem speziell ausgestatteten Sprinter mit. Jedes Material hat dort seinen festen Platz. Wir können daher sehr schnell und flexibel reagieren. Dank unserer langjährigen Erfahrungen waren die vorbereitenden Arbeiten für die Seilsicherung an dem 18-stöckigen Hochhaus kurz. Nachdem sich das Wetter gebessert hatte, konnten wir das Projekt daher innerhalb von vier Arbeitstagen abschließen."
Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach | guenter.herkommer@holzmann-medien.de