Jedes Jahr in den Sommerferien steht in Schulen die Grundreinigung von Böden mit anschließender Neubeschichtung an. Üblicherweise wird das althergebrachte Verfahren der Nassgrundreinigung gewählt, was allerdings immer wieder zu Problemen führt. Es geht auch innovativer – mithilfe der trockenen Pflegefilmsanierung.

Regelmäßig wird in den Sommerferien eine unüberschaubare Fläche Linoleumboden in Schulen nassgrundgereinigt und neu beschichtet. Eine nicht unerhebliche Menge an Quadratmetern übersteht diese Prozedur nicht oder trägt Schäden davon. Für Gebäudereinigungsunternehmen und deren Mitarbeitende stellt sich aber nicht nur die Frage, ob ein Schadensfall eintritt, sondern auch, wie organisatorisch sichergestellt werden kann, dass innerhalb des begrenzten Ferienzeitraums alle Schulen auf dem Plan grundgereinigt werden können.
Die meisten Gebäudereinigungsunternehmen sind sich der Problematik mittlerweile bewusst – und suchen nach Alternativen zur klassischen Nassgrundreinigung. Häufig herrscht auch Unklarheit darüber, warum immer wieder Linoleumbeläge bei der Nassgrundreinigung beschädigt oder zerstört werden. Der Grund ist meist nicht in der aktuellen Ausführung der Arbeiten zu suchen, sondern in der Vielzahl der bis dato durchgeführten Nassgrundreinigungen sowie der Machart und Zusammensetzung der Linoleumbeläge.
Trägergewebe und Linoleumzement
Ein Linoleumboden besteht aus Trägermaterial, dem Jutegewebe (billige Varianten sparen sich dies), und Linoleumzement. Dieser besteht aus Kork- oder Holzmehl, Farbpigmenten und Kalksteinpulver als Füllstoff. Leinöl (Leinölfirnis) und Naturharze dienen als Klebstoff, der den Linoleumzement zusammenhält.
Dieser Linoleumzement wird auf das Trägergewebe, sofern vorhanden, oder direkt auf die beheizten Kalanderwalzen aufgetragen, gebacken und in der Reifekammer vier bis sechs Wochen getrocknet. Das Reifen und Trocknen führt dazu, dass der Linoleumzement durch Verharzen des Leinölfirnis und der Naturharze aushärtet. Das Trocknen bei der Reifung verleiht dem Linoleumzement zudem die nötige Festigkeit und seine homogene Oberflächenoptik. Wegen dieser Machart und der Inhaltsstoffe ist Linoleum bei der Nassgrundreinigung ein Problemfall.
Linoleum mag es nicht zu alkalisch
Die Inhaltsstoffe und das lose Gefüge des Belags machen Linoleum anfällig für Schäden bei der Nassgrundreinigung. Leinöl emulgiert – wie alle ölhaltigen Substanzen – beim Kontakt mit alkalischen Reinigungsmitteln (pH-Wert > 9,5). Das Alkali greift die Verharzung an und wird bei einer mangelhaften oder auch zu oft durchgeführten Nassgrundreinigung chemisch und/oder mechanisch durch Einsatz von zu abrasiv wirkenden Padscheiben in Mitleidenschaft gezogen oder gar zerstört. Das Leinöl im Linoleumzement emulgiert oder wird aufgerissen, der Linoleumzement büßt sein festes Gefüge ein und die Bestandteile verlieren ihre relative feste Verbindung zueinander.
Gelbstich und Pickel
Gut zu erkennen ist das daran, dass sich der Linoleumboden rau und pickelig anfasst. Meist weisen die geschädigten Beläge nach der Grundreinigung kleine helle, gelbliche Punkte auf. Das sind Kork- oder Holzpartikel, je nach Inhaltsstoffen, die nach der chemischen und/oder mechanischen Zerstörung des Gefüges quasi aus der Belagsoberfläche ragen. Wurde der Linoleumboden durch den Einsatz von zu alkalischem Grundreiniger (pH-Wert > 10,5) geschädigt, kommt es häufig zu einem Farbumschlag. Der Bodenbelag erhält einen Gelbstich und beim Befühlen der Oberfläche spürt man die sandpapierartige Struktur, verursacht durch die freiliegenden Kork- oder Holzpartikel.
Den Farbumschlag umkehren
Zumindest der Farbumschlag kann durch sofortiges großflächiges Aufbringen eines amidosulfonsäurehaltigen Sanitärreinigers wieder umgekehrt werden. Der Trick funktioniert aber nur, solange der Linoleumbelag noch nass ist – das heißt: nur in den ersten 10 bis 20 Minuten nach dem Farbumschlag. Nach dem Antrocknen ist die Verfärbung irreversibel. In vielen Fällen kann man bei einem so massiv geschädigten Belag den Linoleumzement mit dem Fingernagel bis zur Trägerschicht beziehungsweise zum Estrich abkratzen.
Risiken minimieren
Da man einem Linoleumboden nicht ansieht, ob beziehungsweise wie stark er durch oft zahlreiche vorangegangene Nassgrundreinigungen vorgeschädigt ist, sind clevere Alternativen gefragt, die die Risiken einer Nassgrundreinigung minimieren. Eine gute Alternative stellt die trockene Pflegefilmsanierung dar. Damit umgeht der Gebäudereiniger zudem weitere Stolpersteine bei der Nassgrundreinigung in Schulen: die sogenannte Verglasung von Altbeschichtungen. Bei in die Jahre gekommenen Linoleumböden sind in den Randbereichen oft solche Verglasungen zu finden. Es handelt sich um bis zu einige 100 µm dicke Beschichtungsfilme, die sich über die Jahre aufgebaut haben. Diese Verglasungen – auch Glanznester genannt – lassen sich durch eine chemische Nassgrundreinigung kaum mehr anlösen und entfernen.
Wie Verglasungen entstehen
Ursächlich für die Entstehung der Verglasungen ist, dass die Randbereiche eines Raumes nicht begangen werden und die Beschichtung sich dort nicht abnutzt. Die intakten Beschichtungsreste werden bei den jährlichen Grundreinigungen meist nicht oder nur unzureichend entfernt. Mit den Jahren – und wiederkehrenden Nassgrundreinigungen – werden die Beschichtungsreste in den Randbereichen nur zum Teil angelöst und lediglich die relativ leicht lösbaren Bestandteile der Beschichtung entfernt. Zurück bleiben Polymerreste, die mit einer neuen Schicht Kunststoffdispersion versehen werden. Mit der Zeit entsteht dann eine sehr harte, dicke und chemisch nahezu unlösbare Verbindung. Mithilfe der trockenen Pflegefilmsanierung können die verglasten Beschichtungsreste jedoch relativ einfach entfernt werden – durch Abschleifen.
Lange Trocknungszeiten sind lästig
Ein weiteres Problem bei der Nassgrundreinigung sind die langen Trocknungszeiten zwischen Grundreinigung und Neubeschichtung, die 24 bis 72 Stunden dauern können. Das stellt den Gebäudereiniger oft vor logistische Probleme. Das Inventar der Räume muss während der gesamten Dauer der Arbeiten auf den angrenzenden Fluren zwischengelagert werden. Da dazu aber oft die nötige Fläche fehlt, müssen Grundreinigung und Beschichtung in Etappen durchgeführt werden. Bei der trockenen Pflegefilmsanierung entfallen die Trocknungszeiten hingegen weitestgehend, das Inventar kann etwa eine Stunde nach der Neubeschichtung wieder eingeräumt werden. Unproduktive Wartezeiten für die Beschäftigten fallen somit weg, das spart Nerven, Zeit und Geld.
Pflegefilmsanierung in vier Schritten
Einen kleinen Haken hat die trockene Pflegefilmsanierung aber doch: Vor der Umstellung müssen die Linoleumbeläge einmalig in mehreren Schritten auf das neue Verfahren vorbereitet werden.
Schritt eins: Der Boden wird zuerst klassisch – mit Linoleumgrundreiniger, schwerer Einscheibenmaschine und roter Padscheibe – nassgrundgereinigt. Dabei wird der Boden mit der Einscheibenmaschine in 50 % überlappenden Bahnen horizontal und vertikal langsam abgefahren. Im Anschluss an die Nassgrundreinigung – der Belag muss frei von Beschichtungsresten sein – wird er mindestens drei Mal mit viel Wasser gespült und dann mit einem leistungsstarken Wassersauger abgesaugt. Im Anschluss muss der pH-Wert des Bodens gemessen werden. Liegt er zwischen 6,5 und 7,8, kann nach einer Trocknungszeit von mindestens 24 Stunden und bis zu 72 Stunden der nächste Schritt erfolgen. Zu empfehlen ist, vor dem nächsten Schritt eine Feuchtigkeitsmessung durchzuführen und diese auch zu protokollieren.
Mit grauem Pad trocken schleifen
Schritt zwei: Der trockene, grundgereinigte Linoleumboden wird in einem zweiten Schritt dann mit einer besonders schweren Einscheibenmaschine mit Absaugung und 400 U/min – zum Beispiel Nilfisk BRM 545 oder ähnlich – mit einem grauen Schleifpad trocken abgeschliffen. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass eventuell noch vorhandene Verglasungen oder Glanznester vorsichtig von Hand oder elektrisch mit Schleifpapier (Körnung 240 bis 800) weitestgehend restlos abgeschliffen werden. Der Bodenbelag hat im Anschluss ein gleichmäßiges mattes und homogenes Oberflächenbild. Sollte dies nicht der Fall sein, muss der Boden nochmals mit Einscheibenmaschine und grauem Pad überschliffen werden. Im Anschluss wird der Boden durch Absaugen restlos entstaubt.
Schritt drei: Der so vorbehandelte Belag wird, je nach Saugfähigkeit, mit einem Porenfüller oder einer Polymerdispersion satt, aber nicht zu dick, grundiert. Die Schicht muss mindestens zwölf Stunden trocknen. Die Kombination aus Schritt zwei und Schritt drei – abschleifen und grundieren – muss eventuell zwei bis drei Mal wiederholt werden, bis der Bodenbelag sich an der Oberfläche homogen und geschlossen zeigt. Verglasungen, Glanznester oder Schichtaufbauten dürfen nicht mehr vorhanden sein. Durch das Abschleifen kann es punktuell dazu kommen, dass der Boden in seiner Farbgebung etwas heller wird und kleine gelbe Punkte sichtbar werden – das ist das Kork- oder Holzmehl. Ursache dafür ist, dass die Bodenbeläge nicht immer plan verlegt sind.
Dünn beschichten
Schritt vier: Der nun optimal vorbereitete Boden wird im nächsten Arbeitsschritt mit mindestens fünf dünnen Opferschichten einer Polymerdispersion, am besten metallvernetzt, beschichtet. Je dünner die aufgebrachten Schichten sind, umso strapazierfähiger und ansprechender wird die Optik des Bodenbelags. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass nach jeder Beschichtung eine Trocknungszeit von mindestens ein bis zwei Stunden, je nach Witterungsverhältnissen, vor dem nächsten Auftrag eingehalten werden. Sind die Schichten nicht vollständig durchgetrocknet, gehen sie bei einem erneuten Auftrag mit Beschichtungsmittel wieder in Lösung und die Beschichtung wird heterogen und wenig belastbar. Statt einer Polymerdispersion kann auch eine Polyurethanversiegelung (1- oder 2-Komponenten) verwendet werden.
Regelmäẞige Wartung
Nun ist der Linoleumboden fachlich perfekt für eine künftige chemiefreie und wasserlose Grundreinigung vorbereitet. Damit gemeint ist die regelmäßige Wartung, um den Bodenbelag auf Dauer zu erhalten. Bei den ersten Anzeichen einer Abnutzung der oberen Beschichtung, Kratzern, Laufstraßen oder partiellen Beschädigungen muss umgehend gehandelt werden. Bei der Wartung wird der abgenutzte Bodenbelag erneut mit dem grauen Schleifpad überschliffen, bis die abgenutzten Flächen ein gleichmäßiges mattes Oberflächenbild zeigen (vgl. Schritt zwei). Im Anschluss wird der mattierte und entstaubte Bodenbelag mit einer neuen Schicht – Polymer oder Polyurethan – beschichtet (vgl. Schritt vier). Das Intervall der Wartungsmaßnahmen hängt von der Intensität der Nutzung ab und kann zwei bis sechs Monate betragen.
Auch mittags nach Schulschluss
Ein weiterer Vorteil der trockenen Pflegefilmsanierung: Es müssen nur die abgenutzten Teilbereiche und nicht die ganze Fläche bearbeitet werden. Die Wartung kann zudem unterjährig durchgeführt und individuell auf jeden Raum abgestimmt werden. Somit löst die trockene Pflegefilmsanierung noch ein weiteres Problem für Gebäudereinigungsunternehmen: das organisatorische. Es müssen in den Ferienzeiten nicht viele Schulen gleichzeitig nassgrundgereinigt werden, da sich die trockene Pflegefilmsanierung problemlos mittags nach Schulschluss oder an den Wochenenden erledigen lässt. Nebenbei spart das Unternehmen viele, viele Liter Grundreiniger, verbraucht keine Unmengen Frischwasser und produziert keine Schmutzflotte.
Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de
