Reinigung im Wellness-Umfeld: Hygiene hat Priorität

Dem kalten, grauen Winterblues entfliehen und Zeit in angenehm wohliger Wärme verbringen. Für viele Menschen ist ein Aufenthalt in Bädern wie der Taunus Therme in Bad Homburg oder der Kurhessen Therme in Kassel zu dieser Zeit genau das Richtige. Einblicke in den anspruchsvollen Arbeitsalltag der dort tätigen Reinigungsteams.

Hygiene steht ganz oben auf der Liste der Besucher von Thermen und Erlebnisbädern. - © Dorfner

Insbesondere, aber nicht nur in den Wintermonaten sind die Taunus Therme und die Kurhessen Therme ein begehrtes Ziel: Während des gesamten Jahres strömen rund 600.000 Gäste in die beiden Wellness-­Tempel, die zur 1965 gegründeten Wicker-Unternehmensgruppe mit Hauptsitz im hessischen Bad Wildungen gehören. Diese betreibt mit ihren rund 3.600 Beschäftigten neun Rehakliniken, drei Akutkliniken, ein Kurhotel sowie die beiden genannten Thermen.

Ein wesentlicher Baustein der erfolgreichen Geschäftsentwicklung des renommierten Gesundheitsdienstleisters ist das Qualitätsverständnis, das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tagtäglich in ihrem Arbeitsalltag leben. "Entsprechend hoch ist natürlich auch die Erwartungshaltung an unsere Dienstleister. Ganz besonders, wenn es um Sauberkeit und Hygiene geht", betont Marcus A. Jungermann, der als Betriebsleiter für die Kurhessen Therme in Kassel verantwortlich ist.

Seit dem vergangenen Jahr ist die Dorfner-Gruppe für die Unterhaltsreinigung beider Thermen zuständig. Thomas Hilger, der als Geschäftsleiter die Bereiche Vertrieb und Marketing im Nürnberger Familienunternehmen verantwortet, weiß sehr genau um die hohe Sensibilität, die die ­Arbeit in diesen Einrichtungen erfordert: "Hygiene steht ganz oben auf der Liste der Erwartungen, wenn Gäste Thermen und Bäder besuchen. Passt hier etwas nicht, ist das Erlebnis ganz schnell getrübt." Prävention sei in diesem Fall das oberste Gebot. "Deshalb", sagt Thomas Hilger, "haben wir als Dienstleister eine extrem hohe Verantwortung. Um dieser gerecht zu werden, absolvieren unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßige Schulungen. Zudem sind wir als förderndes Mitglied der European Waterpark Association ganz nah an den aktuellen Entwicklungen der Branche."

Viele Materialien schwer zu reinigen

Zurück zu den beiden Wellness-Oasen in Kassel und Bad Homburg und der Frage, wie der hohe Anspruch an Hygiene hier in der Praxis umgesetzt wird beziehungsweise welche besonderen Anforderungen an die Reinigung damit verbunden sind. Antworten liefert der Blick auf die Arbeiten der in den beiden baugleichen Thermen tätigen Reinigungsteams.

Die Dimensionen der Wellness-Tempel sind riesig. Mehr als 20.000 m2 umfasst die Fläche in Kassel, in Bad Homburg sind es rund 13.000 m2. Alleine die Wasserfläche erstreckt sich in der Kurhessen Therme auf 1.400 m2. Beide Bäder bieten ein Erlebnis aus Themen-Saunen,Gastronomie und vielfältige weitere Wellness-Angebote – darunter unter anderem eine "orientalische Traumwelt". Alles auf einem Top-Niveau, denn die Wicker-Gruppe hat in den vergangenen Jahren aufwändige Sanierungsarbeiten durchführen lassen.

Was für die Besucher der Thermen wie ein Paradies erscheinen soll, gestaltet sich für die Reinigungsteams teilweise als große Herausforderung. Sonja Kortz, Betriebsleiterin in Bad Homburg, wird konkret: "Wir haben eine große Anzahl an schwer zu reinigenden Materialien. Vom bruchrauen, edlen Waliser Quarzit über offenporige Bodenfliesen, Granitfliesen und Mosaike bis hin zu mit Blattgold verzierten Figuren, Brunnen und Verblendungen ist alles dabei – sogar Kunststoffteppiche in den Ruhezonen." All das erfordere eine detaillierte Materialexpertise vom Dienstleister, denn: "Eine falsche Technik oder ein ungeeignetes Reinigungsmittel können schnell zu irreparablen Schäden führen."

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    © Wicker-Gruppe
    Aufwendig gestaltete ­Themen-Saunen schaffen in den Thermen in Kassel und Bad Homburg jeweils ein besonderes Ambiente, damit sich die Besucher wie im Paradies fühlen.
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    © Dorfner
    Während draußen nur bei Nacht die Sterne am Himmel prangen, findet der Besucher sich in den Thermalsolebecken den ganzen Tag in einem Meer aus Lichtern wieder.
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    Buntsandstein, Waliser Quarz und weißer Quarzit: Die Vielfalt der verbauten Materialien erfordert eine hohe Materialexpertise bei der Reinigung.
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    Der Waliser Quarz in der Schwimmhalle muss besonders schonend gereinigt werden.
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    © Dorfner
    In den Duschen wird mit Drucksprühern ­zunächst Schaum zum Lösen der Verunreinigungen auf die Oberflächen aufgebracht.
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    Die mit Blattgold überzogenen Brunnen sind mit großer Vorsicht zu säubern.
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    © Dorfner
    Neben einem entspannenden ­Erlebnis für Erwachsene ist im Außenbereich mit Rutsche und Wasserfall auch für Kinder gesorgt.
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    © Dorfner
    Raue Oberflächen mit unterschied­lichen Vertief­ungen sind auch für die Scheuersaug­maschine stets eine Herausforderung.

Für Clemens Grasser, der als Regionalleiter der Dorfner-Gruppe für die Taunus Therme in Bad Homburg verantwortlich ist, haben die Schulung der Teams und die regelmäßige Kontrolle der Reinigungsergebnisse daher oberste Priorität: "Unser Objektleiter ist nahezu täglich vor Ort und kontrolliert morgens gemeinsam mit dem Kunden alle relevanten Hygienebereiche in der Therme. So stellen wir sicher, dass alles in Ordnung ist und wir – sollte es Mängel geben – umgehend reagieren können."

Alkalisch und sauer reinigen

Etwas mehr als ein Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in jeder der beiden Thermen im Einsatz – und das während des gesamten Jahres.

In Bad Homburg startet die Frühschicht jeden Morgen um fünf Uhr. Mit Sprühkanonen oder speziellen Hochdruckreinigern und in leichter Arbeitskleidung ­beginnen die Reinigungskräfte ihren Arbeitstag. "Eines der größten Probleme, die wir in der Taunus Therme haben, ist Kalk, da das Wasser hier generell sehr kalkhaltig ist", erläutert Clemens Grasser und ergänzt: "Wir setzen deswegen eine Technik ein, die sich sehr von einer gewöhnlichen Unterhaltsreinigung unterscheidet." So wird in beiden Thermen stark darauf geachtet, sowohl alkalisch als auch sauer zu reinigen. Das bedeutet, dass für das Lösen der Kalkrückstände ein säurehaltiges Mittel verwendet wird.

In den Wellnessbereichen, wo oft ätherische Massageöle oder balsamierende Fette verwendet werden, kommen alkalische Reiniger zum Einsatz. Einer der Mitarbeiter benutzt mit Tellern versehene Hochdruckreiniger, um punktuell und schonend einzelne Kalkstellen durch Druckbehandlung ordentlich zu beseitigen. Ein anderer Mitarbeiter führt währenddessen im Saunabereich eine alkalische Säuberung durch. Kein einfacher Prozess, wie Clemens Grasser weiß: "Um in alle Ecken zu gelangen, etwa unter die Sitzbänke, müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon eine gewisse Wendigkeit zeigen."

In den Duschräumen und Toiletten werden vorwiegend Drucksprüher eingesetzt, die mit einem Sanitärreiniger auf Säurebasis befüllt sind. Diese hinterlassen einen feinen Schaum auf der Oberfläche, der dort eine längere Zeit verbleibt und dabei anorganische und mineralische Stoffe löst. Nach der notwendigen Einwirkzeit des Reinigungsmittels wird im nächsten Schritt mit Wasser großzügig nachgespült und zum Abschluss noch einmal alles desinfiziert.

Nichts bleibt ungereinigt

Ortswechsel: In der Kurhessen Therme in Kassel ist die Nachtschicht seit 22 Uhr in Aktion. Sie reinigt alles von den Duschanlagen über die Gastronomie bis zu den Ruhezonen. Neben diesen Routineaufgaben sind die Teams jedoch auch mit besonderen Aufgaben betraut. Denn die Therme ist mit vielen verschiedenen und hochwertigen Materialien, Brunnen und Mosaiken ausgestattet, die dem Haus seinen einzigartigen Reiz geben. Ein Highlight ist die "Traumwelt 1001 Nacht". Hier können die Besucher tagsüber in magischer Atmosphäre ein orientalisches Badeerlebnis mit besinnlichen Düften, Dampfbädern und vielem mehr erleben. Nachts jedoch dominiert der Duft von Desinfektions- und Reinigungs­mitteln die Räume. Handläufe, Schwallduschen, Geländer, Sitzflächen, Treppeneinstiege – nichts bleibt ungereinigt. Selbst die Fassaden und Dächer der Traumwelt werden regelmäßig auf Vordermann gebracht.

"Auf die mit Blattgold überzogenen, extra für die beiden Thermen hergestellten Brunnen, die etlichen Mosaike in Böden und Wänden und den großzügig verbauten Quarzit muss bei der Reinigung besonders Acht gegeben werden", sagt Claudia Brede, Geschäftsleiterin bei Dorfner Nord. Speziell das Waliser Gestein verlange eine besonders sorgfältige Behandlung – noch dazu, wenn es wie in den beiden Thermen eine bruchraue Oberfläche aufweist. Der Naturstein hat die Eigenschaft, Gerüche aus der Umgebung aufzunehmen und zu speichern. Zudem können sich bei einer unsachgemäßen Behandlung schnell Flecken bilden. Selbst für die Scheuersaugmaschinen sei die Reinigung durch die unterschiedlichen Vertiefungen auf der rauen Oberfläche eine Herausforderung.

Auch in Kassel setzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Reinigung abwechselnd stark saure und alkalische Reiniger sowie Desinfektionsmittel ein. So können sie sicherstellen, dass alle Gerüche und Kalkreste entfernt werden. Bei Tätigkeiten in unmittelbarer Nähe zu den Becken ist allerdings erhöhte Aufmerksamkeit gefragt, denn hier müssen die Reinigungsteams akribisch darauf achten, dass kein Tropfen der Reinigungsmittel in das Wasser gelangt. In der Kurhessen Therme sind die Wasserbecken mit Solewasser befüllt. Der Salzgehalt entspricht in etwa dem der Nordsee. "Hier ist es besonders wichtig", betont Claudia Brede, "dass das Salz, das sich auf den vielen unterschiedlichen Materialien während des Tages ablagert, gründlich abgewaschen wird, da ansonsten Schäden entstehen."

Ein paar Stunden später in Bad Homburg arbeitet ein Mitarbeiter während der Frühschicht an den Abfluss­rinnen der Schwimmbereiche. In diesen sammeln sich im Laufe des Tagesbetriebs Haare und anderer Schmutz – eine Arbeit, die regelmäßig erledigt werden muss, damit keine größeren Verunreinigungen entstehen. "Der Mitarbeiter nimmt die Abdeckung der Rinne aus dem Beckenrand, um die Ablagerungen zu beseitigen und zu desinfizieren. Danach wird sie sauber wieder eingesetzt", kommentiert Boris Braune, Objektleiter in Bad Homburg. Die Tätigkeit erfordere eine besondere Sorgfalt, da auch hier penibel darauf geachtet werden müsse, dass kein Tropfen Reinigungschemie in die Becken gelangt.

Den Abflussglocken in den Duschräumen – hier sammeln sich Haare und andere Rückstände – widmen die Reinigungsteams ebenfalls große Aufmerksamkeit und kümmern sich darum, dass alles doppelt gesäubert und desinfiziert wird. "Es ist wichtig, dass diese Bereiche wirklich täglich zuverlässig gereinigt und kontrolliert werden, da es schon bei einer einmaligen Vernachlässigung zu großer Verschmutzung in den Abflussrohren kommen kann", merkt die Technische Abteilungsleiterin Monika Wohlfarth hierzu an.

Tägliches Durchchecken ist Pflicht

Zurück nach Kassel: Der Mond steht mittlerweile hoch über der Außenanlage und wirft ein schummriges Licht auf die ruhenden Liegebänke, Schwimmbecken und Sonnenschirme – lange nicht genug Licht, um eine optimale Reinigungsleistung garantieren zu können. Das Team ist daher mit speziellen Lichtstrahlern ausgestattet, die sie neben dem Reinigungswagen Schritt für Schritt mit sich führen. "Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben im Außenbereich eine breite Palette an Aufgaben: Sie fegen, entfernen Spinnweben, führen maschinelle Reinigungen durch, spülen die Treppen der Wasserrutsche bis zum höchsten Punkt, entfernen Moos und Algen auf Treppen, Terrassen, Natursteinen, entfernen Laub und vieles andere mehr", erläutert Claudia Brede, während einer der Mitarbeiter gerade mit Reinigungstüchern die Liegen wieder zum Glänzen bringt.

In Bad Homburg wird der Außenbereich hingegen nicht nachts, sondern erst morgens gründlich durchgekehrt und die Glasfassade des Thermeneingangs von außen und innen auf Vordermann gebracht. "Normalerweise kümmern wir uns nur um den gesamten Außensektor und die Glasfassaden. Auf Wunsch des Kunden reinigen wir allerdings ab und an auch die Außenwände der Gebäude und das Gelände“, erklärt der zuständige Abschnittsleiter Lukas Schmidt.

Die Uhr in Bad Homburg schlägt acht Uhr morgens. Für Boris Braune ist es an der Zeit, seinen fast täg­lichen Rundgang in der Therme anzugehen. Nun wird die ganze Anlage noch einmal inspiziert. Monika Wohlfarth betont: "Es ist wichtig, dass Boris Braune vor Ort ist. Das stärkt einerseits das Verhältnis zum Kunden, andererseits die Beziehung zum Reinigungsteam. Klar, das tägliche Durchchecken erfordert ­Disziplin, allerdings kann nur so die Hygiene sichergestellt werden, die unser Kunde und auch wir erwarten."

Mit den ersten Sonnenstrahlen und den Qualitätsrundgängen neigt sich die Schicht der beiden Reinigungsteams dem Ende entgegen. Wie jeden Morgen ist der Außenbereich gefegt, die Saunen sind desinfiziert und die Brunnen und Mosaike auf Hochglanz poliert. Doch damit hört die Arbeit laut Lukas Schmidt noch lange nicht auf. "Wir haben zusätzlich eine Tageskraft, die regelmäßig die Duschen, Umkleiden, Toiletten oder Saunen kontrolliert, so dass auch den Tag über die hohe Sauberkeit und Hygiene erhalten bleibt."

Boris Braune hat seinen Durchgang mittlerweile beendet und stellt abschließend fest: "Uns begegnen immer wieder Stammkunden, die bereits zur Öffnung um neun Uhr vor Ort sind und daher live die Arbeit mitbekommen, die hinter einer solchen Reinigung steckt. Häufig erhalten wir positives Feedback zur ­Reinigungsqualität in den Hygienebereichen. Sollten wir doch einmal kritische Kundenstimmen oder negatives Feedback erhalten, reagieren wir darauf natürlich sofort, damit am Ende alles passt."

Niklas Neuwelt, Kontext Kommunikation | guenter.herkommer@holzmann-medien.de