Côte Vermeille Wo sich Gegensätze anziehen

Wer nicht weiß, ob er lieber einen Bade- oder doch mehr Kultururlaub genießen möchte, der ist im südwestlichen Zipfel Frankreichs genau richtig. Hier findet er beides.

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    Die katalanischen Boote gehören in jeden Hafen an der Côte Vermeille wie hier in Collioure oder Argéles-sur-mer.
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    Vereinzelt säumen Jugendstilvillen die Strandpromende von Argéles-sur-mer.
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    Das Wahrzeichen von Collioure: der Turm der Wehrkirche dominiert das Hafenbild und den Stadtstrand.
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    Faszinierende Details: Die Hauseingänge sind oft mit Motiv fliesen von Handwerksberufen dekoriert.
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Wo sich Gegensätze anziehen

-Es sind die kleinen exotischen Dinge, die den Reiz am Reisen ausmachen. An der Côte Vermeille im äußersten Südwesten Frankreichs lassen sich viele davon finden. Sei es ein Essigproduzent mitten in den Weinbergen, historische Schlösser und Burgen, die über die Küste wachen, oder ein kleines, aber feines Naturschutzgebiet in der Nähe des FKK-Strandes.

Erstes kann der Besucher am Rande des Örtchens Hameau de Cosprons kurz hinter der Côte Vermeille kennen lernen. Hier steht eine kleine Essigfabrik mitten in den Weinbergen. Der Weg dorthin ist schmal und geschottert, doch es lohnt sich die Strapazen in Kauf zu nehmen. Nathalie Herre hat sich ganz auf die Produktion von Essig spezialisiert und die Delikatesse mit Kräutern und Gewürzen verfeinert. Sie lässt damit eine schon fast verloren geglaubte Tradition in Frankreich wieder auferstehen. Denn im ganzen Land gibt es nur noch wenige, die sich der französischen Essigkultur annehmen. „Meine Kollegen kann man an einer Hand abzählen“, sagt Herre. Und auch sie ist nicht ganz freiwillig zu ihrem Produkt gekommen. „Eigentlich wollte ich nur für Touristen ein wenig Essig produzieren und sonst weiterhin Wein herstellen.“ Doch der Weinbau ging nach und nach zurück, bis sie sich ganz auf den Essig konzentrierte. Der Anfang war schwer: „Im ersten Jahr habe ich gerade mal 400 Flaschen verkauft.“ Nach achtjähriger Erfahrung hat sie es geschafft. Ihr Essig gehört zu den beliebtesten Zutaten der „Haute Cuisine“ in Frankreich und jährlich verkauft sie mittlerweile über 14.000 Flaschen.

Monumentale Burgen und Festungen bekommt der Reisende in und um die kleinen pittoresken Ortschaften am Meer zu sehen. Dafür muss er zuerst zurück auf die Küstenstraße. Von hier erreicht er Orte wie Collioure, Port Vendres, Banyuls-sur-mer und Cerbère. Sehr kurvenreich geht es nach Collioure, dem bekanntesten Ort der Region. Mit seinen imposanten Bauwerken aus dem Mittelalter ist er ein wahrer Magnet für Besucher. Über der Stadt thront das königliche Schloss. Es wurde im 13. Jahrhundert unter anderem von König Aragon errichtet und gehörte mit zum Verteidigungswall der Küste. Dieser wurde im 15. Jahrhundert vom spanischen Machthaber Charles Quint um das Fort Saint Elme erweitert. Es steht auf einem Hügel über der Stadt und überwacht sowohl Collioure als auch die Hafenstadt Port Vendres.

Wer sich am Stadtstrand eine kleine Pause gönnt oder einfach mal in die Fluten springt, dem bleibt nichts anderes übrig als die Fassade der Kirche Notre Dame des Anges in sich aufzunehmen. Die alte Wehrkirche dominiert den Hafen von Collioure. Nach einer Tour durch die Kirche, die im gotischen Stil eingerichtet ist, lohnt sich ein Bummel durch die kleinen Gassen der Innenstadt. Wer sich bisher noch nicht bewusst gemacht hat, dass er sich im französischen Teil Kataloniens aufhält, der wird jetzt darauf gestoßen. In den Schuhgeschäften stehen in der Auslage katalanische Espandrilles und in den Boutiquen hängen jede Menge traditionelle Kostüme.

Doch eigentliche bestimmen Künstler die Innenstadt. In den Galerien stellen sie ihre Bilder aus und warten auf potenzielle Kundschaft. Es bietet sich ein malerisches Bild für den Besucher, von dem schon Maler wie Matisse beeindruckt waren. Wer aufmerksam durch die Stadt wandert, wird an vielen Häusern kleine Kacheln entdecken, auf denen verschiedene Handwerksberufe abgebildet sind. Collioure ist eine nicht enden wollende Entdeckungsreise.

Begibt man sich ein wenig weiter nördlich an der Küste entlang, trifft man auf den Ort Argèles. Hier endet die Steilküste der Côte Vermeille und geht in einen langen Sandstrand über. An den Mündungsarmen des Tech im Norden des Ortes gibt es ein kleines Naturschutzgebiet. Auf 145 ha betritt der Besucher im Mas Larrieu mehrere Vegetationszonen von der kleinen Wanderdüne über feste Dünen bis hin zu einer Prärielandschaft, die in einen Wald übergeht.

Besonders beeindruckend ist der hohe Schilfwald. Bis zu 3 m hoch wachsen die Pflanzen hier. Ein gutes Versteck für brütende Vögel wie dem Wasserhuhn. Zugleich dient der Tech als Nahrungsquelle. Seiden- oder Graureiher haben hier ihr Jagdgebiet. Und auch Libellenfans kommen auf ihre Kosten. Allein 28 Arten sind hier gezählt worden. Wer alle eindrucksvollen Punkte im Gebiet entdecken möchte, der sollte sich einer geführten Tour mit einem der örtlichen Angestellten anschließen.

Das Tourismusbüro in Argèles-sur-mer bietet sie einmal in der Woche an. Nach der gut zweistündigen Tour ist ein Sonnenbad bestimmt willkommen und auch das kühle Meer ruft förmlich nach einem. Da ist es schwer zu widerstehen. Wer sich abkühlen möchte und sich an einem FKK-Strand wohlfühlt, der kann am Strand des Schutzgebiets baden gehen. Für die anderen könnte der Gang zum Strand etwas schwerer werden, denn die Strandpromenade lädt im Schatten alter Palmen zum Verweilen ein. Zudem kann der Besucher die alten Strandvillen aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts bewundern. Er hat dabei weit und breit keine riesigen Betonklötze im Weg.

Nur wenige Kilometer im Landesinneren unter der Obhut der mächtigen Albères liegt das Schloss von Valmy. Leider ist es in Privatbesitz und nicht zu besichtigen. Dafür kann der Besucher durch den angrenzenden Park flanieren und den grandiosen Blick auf Argéles und das Meer genießen. Hier findet man einen sechs Hektar großen botanischen Lehrpfad über die mediterrane Flora.

Ralf Johanning