Verschmutzungen falsch klassifiziert: Wischen ohne Ergebnis

In einem Besprechungsraum mit Relaxzone und Küchenzeile wurde ohne Erfolg mit Sanitärreiniger gereinigt. Eine Musterfläche mit geeignetem Reinigungsmittel zeigte auf, wie zukünftig zu reinigen ist.

Einheitlich vergrauter Boden aufgrund einer falschen ­Reinigungsmittelwahl. - © Sascha Hintze

Im Rahmen einer Begehung zur Feststellung der Reinigungsqualität wurde bemängelt, dass ein extrem hoher Schmutzeintrag in einem Gebäudekomplex für eine schlechte Optik und für eine klebrige Haptik sorgte.

Dem Auftraggeber war der schlechte Zustand des Bodens (Feinsteinzeugfliese) nicht bewusst, denn die Fliesen waren einheitlich grau (Bild rechts). Der Sachverständige erklärte, dass es sich hierbei nicht um den Farbton der Feinsteinzeugfliesen handelt, sondern dass vielmehr die im Raum anfallenden Verschmutzungen gleichmäßig einmassiert beziehungsweise verteilt worden sind. Dies zeigte zumindest, dass die Flächen einer regelmäßigen – wenn auch falschen – Reinigung unterzogen wurden.

Um einen schlechten Zustand zu erklären, gilt es zu berücksichtigen, um welche Art von Schmutz es sich handelt und wie ein Raum genutzt wird. Nur dann lässt sich ermitteln, welches Reinigungsmittel auszuwählen ist. Im vorliegenden Fall wird der Raum multifunktional genutzt, sowohl als Sozialraum als auch für Schulungen und Besprechungen. Aus diesem Grund wurde im Raum auch eine Teeküche integriert.

Anscheinend mit Sanitärreiniger ­gereinigt

Es konnte also davon ausgegangen werden, dass die hier üblicherweise anfallenden Verschmutzungen organischen Ursprungs sind. Anscheinend setzte der Dienstleister für die Reinigung allerdings einen ­Sanitärreiniger ein.

Um dies zu überprüfen, legte der Sachverständige daher eine Referenzfläche an, indem er eine Fliese mittels eines tensidfreien Neutralreinigers und einer Mikrofaser im zweistufigen Nasswischverfahren reinigte. Der deutlich festzustellende Reinigungseffekt zeigte auf, dass es sich demnach um einen Anwendungsfehler handelte, der durch Schulung der Reinigungskräfte einfach korrigiert werden kann.

An dieser Stelle sei noch mal an die Dienstleister appelliert, nicht nur Führungskräfte, sondern auch die Reinigungskräfte schulen zu lassen. Denn bereits eine geprüfte Vorarbeiterin kann im Objekt dafür sorgen, Unstimmigkeiten beim Kunden, aber auch Schäden im Objekt zu vermeiden, wodurch in der Regel geringere Kosten anfallen.

Die Problematik im vorliegenden Fall war also, dass die Verschmutzungsarten falsch klassifiziert wurden. Es hätte ausgereicht, den Unterschied zwischen mineralischen oder organischen Verschmutzungen zu erkennen.

Mineralisch oder organisch

Vielfach gilt es allerdings den Reinigenden zu erläutern, was tatsächlich in den Bereich der mineralischen beziehungsweise der organischen Verschmutzungen hineinfällt. Damit die Erklärungen im Objekt etwas leichter fallen, versuche ich hierbei immer folgende Eselsbrücken zu bauen:

  • Organische Verschmutzungen sind all jene Verschmutzungen, die entstehen, wenn ich mich selber als Menschen betrachte, nämlich: Fett, Haare, Make-­up, Hautschuppen, Blut, Exkremente, Sputum et cetera.
  • Mineralische Verschmutzungen sind all jene Verschmutzungen, die entstehen, wenn Mineralwasser auftrocknet beziehungsweise wenn Wasser durch Mineralien gelaufen ist, nämlich: Kalk, Rost et ­cetera.
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    © Sascha Hintze
    Deutlicher Reinigungseffekt dank eines tensidfreien Neutralreinigers und Mikrofaser auf einer Referenzfläche.
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    © Sascha Hintze
    Zur Verdeutlichung wurden zwei Tests mit einem Mikrofasermopp und einem Neutral- beziehungsweise Sanitärreiniger durchgeführt. Mit dem tensidfreien Neutralreiniger (rechts im Bild) werden die Verschmutzungen wesentlich besser entfernt als mit dem Sanitärreiniger.
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    © Sascha Hintze
    Einheitlich vergrauter Boden aufgrund einer falschen ­Reinigungsmittelwahl.

Wenn man sich darüber hinaus Gedanken macht, wie man welche Verschmutzung entfernt, bleibe ich gern bei Mineralwasser, um eine weitere Eselsbrücke zu bauen: Zumeist enthält das Wasser Kohlensäure und somit baue ich die Eselsbrücke, dass mineralische Verschmutzungen mit Säure (säurehaltigen Reinigungsmitteln) zu entfernen sind. Für die Entfernung der organischen Verschmutzungen verbleiben dann alkalische Reinigungsmittel.

Probe aufs Exempel zur Verdeutlichung

Um das Ganze im vorliegenden Fall zu verdeutlichen, wurden zwei Testflächen angelegt, und zwar dergestalt, dass jeweils ein Mikrofasermopp mit in der vom Hersteller vorgegebenen Konzentration längsseitig über eine Fläche von circa einem Meter ohne zusätzlichen Druck geschoben wurde. Der Anpressdruck resultierte lediglich aus dem Gewicht des mit Reinigungsflotte getränkten Reinigungstextils und dem Gewicht der Aufnahmeplatte des Breitwischgerätes.

Es kamen dabei zwei Standardprodukte zur Anwendung: zum einen ein tensidfreier Neutralreiniger und zum anderen der im Objekt vorgefundene Sanitärreiniger. Im Ergebnis war deutlich zu erkennen, dass die vorhandenen organischen Verschmutzungen in Verbindung mit dem tensidfreien Neutralreiniger wesentlich besser entfernt werden konnten als mit dem Sanitärreiniger.

Das heißt, dass mit der richtigen Klassifizierung der vorhandenen Verschmutzungen und der darauf aufbauenden Auswahl des Reinigungsmittels sowohl das optische als auch das hygienische Reinigungsergebnis wesentlich besser gewesen ­wären. Darüber hinaus sorgt die richtige Auswahl des Reinigungsmittels auch für die Umsetzung eines nachhaltigen Konzeptes in einem Reinigungsobjekt.

Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de

Tipp vom Gutachter: Kombination aus Werkstoff und Verschmutzung

Sascha Hintze - © Hintze

Sascha Hintze, Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger: "Die richtige Auswahl des Reinigungsmittels wird bestimmt durch den verbauten Werkstoff (Beschädigungen sind in jedem Fall zu vermeiden) und die tatsächlich vorhandenen Verschmutzungen. Das so gewählte Reinigungsmittel soll die anfallenden Verschmutzungen nach Möglichkeit vollumfänglich lösen und aufnehmen.

Um das richtige Reinigungsmittel auswählen zu können, sind Ausbildung und Schulung unumgänglich. Ergänzt wird dieses Wissen durch gut ausgebildete Fachberater der Reinigungsmittelhersteller, die meiner Erfahrung nach mit ihren Fachkenntnissen über die von ihnen vertriebenen Reinigungsprodukte in den Objekten zur Verfügung stehen."