Große Freiheit auf vier Rädern Urlaub ab der ersten Minute

Reisemobile | Urlaubsbeginn vor der Haustür, das bietet nur das Reisemobil. Die rollenden Ferienwohnungen werden immer individueller und komfortabler.

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    © Bürstner
    Schlankes Fahrzeug auf Fiat- Ducato-Basis, auf der 70 Prozent aller Reisemobile daherkommen.
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    © Eura-Mobil
    Preiswertes Alkovenfahrzeug, ideal für den Familienurlaub.

Urlaub ab der ersten Minute

-Urlaub ab der ersten Minute, die Reiseroute nach Lust und Laune ohne Vorbuchung und Terminzwänge täglich neu festlegen, wenn man will sogar der Sonne und dem guten Wetter zu folgen, ständig den Vorteil des kompletten Haushalts mit Sitzgruppe, Küche, Waschraum, Toilette und Betten zu genießen, auf Wunsch jederzeit eine Pause einzulegen, das bietet nur ein Reisemobil.

Viel haben die Reisemobil-Hersteller in den letzten Jahren getan, um jedem Interessenten das für ihn ideale Reisemobil anbieten zu können. Auf den Branchenmessen im Herbst letzten Jahres haben sie eine fast unüberschaubare Modellvielfalt mit immer komfortableren und schickeren Fahrzeugen präsentiert.

Breite Basis

Als Untersatz dienen Reisemobilen die üblichen Transporter. Bis drei Tonnen zulässigem Gesamtgewicht dominiert der VW-Transporter. Einige Modelle rollen aber auch auf dem Renault Trafic oder dem baugleichen Opel Vivaro. Die Masse aller Reisemobile ist in der 3,5-Tonnen-Klasse angesiedelt, die unangefochten der frontgetriebene Fiat Ducato beherrscht, auf dem rund 70 Prozent aller Reisemobile aufgebaut sind. Stark im Kommen ist in dieser Klasse der Ford Transit, gefolgt vom Mercedes Sprinter. Ergänzt wird die Palette durch die baugleichen Brüder des Fiat Ducato, den Peugeot Boxer und den Citroën Jumper, die hinterradgetriebenen Iveco Daily und VW-Crafter sowie die frontgetriebenen Brüder Opel Movano und Renault Master. Aufgrund der verkehrsrechtlichen Bedingungen gewinnt diese Klasse immer stärkere Bedeutung, weil sie im Straßenverkehr mehr oder weniger den Personenwagen gleichgestellt ist. Die Reisemobile bis 3,5 Tonnen unterliegen keinem Tempolimit und generellem Überholverbot. Sie dürfen Österreich und die Schweiz mit der Vignette beziehungsweise dem Pickerl durchfahren. In die Lastwagen-Fraktion steigen die Reisemobile mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen auf. Ab diesem Gewicht unterliegen auch Reisemobile dem Lkw-Überholverbot, den Tempolimits von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Bundesstraßen, zum Einfahren nach Österreich wird die so genannte G-Box und in die Schweiz eine Schwerverkehrsabgabe anstelle der Vignetten fällig. Führerscheinneulinge müssen für diese Reisemobile darüber hinaus die Lkw-Fahrerlaubnis der Klasse C oder C1 erwerben.

So unüberschaubar die Modellvielfalt beim Durchblättern der Kataloge auch sein mag, im Laufe der Jahre haben sich neben Nischenangeboten wie Pickups mit aufgesetzter Wohnkabine oder Expeditionsmobilen vier große Gruppen von Reisemobilen herauskristallisiert: ausgebaute Kastenwagen, Alkovenmobile, Teil- und Vollintegrierte.

Mit den ausgebauten Kastenwagen hat der Reisemobiltourismus vor rund 50 Jahren seinen Anfang genommen. Wie der Begriff schon sagt, handelt es sich bei ihnen um Serien-Transporter, die durch den Einbau von Fenstern, eventuell Hoch- oder Aufstelldächern sowie in die robuste Blechstruktur eingepassten Möbeln wohnlich ausgestattet wurden. Bis vor kurzem war diese Gattung noch eine Domäne der Individualausbauer. Heute hat jeder Massenhersteller mindestens ein solches Modell in seinem Programm.

Die zweite Gruppe, die Alkovenmobile, gelten als die idealen Familienfahrzeuge. Sie haben einen Buckel über dem Fahrerhaus, in dem sich ein weiteres Doppelbett verbirgt. Das spart rund 1,50 Meter Fahrzeuglänge. Alkovenmobile werden auf Fahrgestellen mit Fahrerhaus aufgebaut. Die zwischen 25 und 50 Millimeter dicken Böden, Wände und Dächer werden je nach Modell mit Styropor- oder PU-Schaum-Einlage verpresst. Als Außenhaut wird Aluminium oder – schwerer, aber weniger empfindlich gegen Hagel – GfK verwendet. Das gleiche technische Grundkonzept gilt auch für die überwiegend als Zweipersonen-Fahrzeuge genutzten Teil- und Vollintegrierten, die als typische Reisemobile der Best-ager-Generation gelten. Durch Umbau der Sitzgruppe oder Hubbetten im vorderen Bereich bieten sie auf Wunsch aber dennoch vier Betten. Teilintegrierte unterscheiden sich von den Alkovenmobilen durch eine flache „Mütze“ über dem Fahrerhaus, die nicht als Bett, sondern lediglich als Stauraum genutzt werden kann. Ansonsten sitzt man auch bei ihnen im Original-Fahrerhaus des Basisfahrzeugs. Ganz anders die Vollintegrierten, denen Fahrgestelle ohne Fahrerhaus als Basis dienen. Bei ihnen geht das Fahrerabteil nahtlos in die Wohnraumstruktur über. Weswegen ihre Formgebung stark an Reisebusse erinnert.

In den beiden letzten Jahren hat sich eine weitere Reisemobilgattung herausgebildet, die Vans. Fast alle großen Hersteller bieten aktuell solche Vans an, bei denen es sich sowohl in der äußeren Formgebung als auch in der Grundrissgestaltung um Teilintegrierte handelt. Einziger Unterschied: Den Forderungen nach kompakten und leichten Modellen folgend sind sie deutlich schmaler.

Reisen und Wohnen

Zum Reisemobil werden Basisfahrzeug samt Aufbau aber erst durch den Innenausbau. An die meist vorn platzierten Sitzgruppen schließen sich in den meisten Mobilen die Funktionsbereiche an: Küche, Waschraum mit Toilette, Dusche sowie der deckenhohe Kleiderschrank. Das Heck belegen in aller Regel die Betten, die sich immer häufiger über geräumigen Heckgaragen ausbreiten. In diesen Stauabteilen können nicht nur die Fahrräder und die Campingmöbel vor Diebstahl und Wetter geschützt zum Urlaubsort bugsiert werden. Sie fassen auch die sonstigen sperrigen Gerätschaften wie Kinderwagen, Schlauchboote, Taucherausrüstungen, Angelruten oder Golfbags.

Die Grundrisse und die Möbel sind die eine Voraussetzung für das Wohlfühlen im Reisemobil. Die zweite schaffen die in sie eingebauten Geräte. Letztlich bestimmen sie über Komfort und Wohnqualität. Auch in diesem Punkt hat sich in den letzten Jahren viel getan. Nicht nur, dass die aktuellen Basisfahrzeuge nahezu alles an Sicherheit bieten, was man vom Pkw her gewohnt ist. Auch im Wohnbereich bleiben kaum Wünsche offen. Standard sind heute kombinierte Boiler-Heizsysteme als Luft- oder Wasserheizungen, mit Diesel oder Gas betrieben. Die Kühlschrankvolumen liegen zwischen 100 und 150 Litern, die Wasservorräte bei 80 bis 150 Liter. Dazu kommen Waschräume mit Duschmöglichkeit und Toiletten, deren Fäkaltanks sich sauber und bequem durch eine Außenklappe herausziehen und an einer Entsorgungsstation entleeren lassen.

Darüber hinaus lässt sich abhängig von Modell, persönlichen Vorstellungen und Geldbeutel jeder nur erdenkliche Luxus ordern: Vom Bad in Granit über Polstergarnituren in Leder bis zu Fußbodenheizungen und Solaranlagen.

Frank Böttger