Rost im Pool: Kein Grund zur Panik

Aktueller Schadensfall: Der Sachverständige wurde beauftragt, ­korrosive ­Verunreini­gungen in einem Schwimm­becken zu analysieren und zu prüfen, ob und mit ­welchem Aufwand sie entfernt werden können.

Rostbedingte Verfärbung auf einer strukturierten Pool-Oberfläche infolge metallischer Partikeleinwirkung. Deutlich erkennbar sind lose aufliegende Oxidationsrückstände und die beginnende Pigmentierung des Untergrunds. - © Sascha Hintze

In der professionellen Gebäudereinigung gewinnt auch die Pflege von Schwimmbecken zunehmend an Bedeutung. Besonders nach Arbeiten am oder im Umfeld des Schwimmbeckens sind Reinigungsarbeiten zu prüfen, um aufgetretene Verunreinigungen fachgerecht zu beurteilen und zu entfernen.

Im aktuellen Schadensfall sollte der Sachverständige in dem entleerten Becken (jedoch im Bodenbereich mit rund zwei Zentimeter hohem Restwasserstand) prüfen, ob die punktuellen, rostartigen Verfärbungen entfernt werden können, ohne die Pool-Folie zu beschädigen.

Die rostartigen Verfärbungen traten auf, kurz nachdem Dacharbeiten in unmittelbarer Nähe des Schwimmbeckens durchgeführt worden waren. Schutzmaßnahmen im Bereich des Pools wurden von dem ausführenden Dachdeckerbetrieb nicht ­ergriffen.

Im Zuge der Untersuchung des Schwimmbeckens wurden bräunlich-schwarze, punktuell auftretende Verfärbungen festgestellt, die vorwiegend in strömungsarmen Bereichen wie Treppenstufen, Ecken und Bodenvertiefungen zu finden waren. Ihre Beschaffenheit reichte von lose aufliegenden über oberflächlich haftenden bis hin zu in die Polymermatrix der Pool-Folie eingezogenen Partikeln.

Die charakteristische Verteilung und Färbung sprachen eindeutig für Eisenoxide als Resultat von Korrosionsprozessen. Die Partikel stammen sehr wahrscheinlich aus den externen Metallarbeiten im Dachbereich. Dies kann hervorgerufen werden durch Schweiß-, Schneid- oder Bohrarbeiten. Im schwach chloridisch belasteten Wasser des Pools reagierten diese Metallpartikel und führten zu Verfärbungen. Fachlich einzuordnen sind die Rückstände als exogene, metallische Korrosionsrückstände und nicht als Materialfehler der Pool-Folie.

Die Untersuchung ergab keine substanzielle Beeinträchtigung der Folie. Aufgrund der optischen Beeinträchtigung, die das ursprünglich homogene Bild der weißen Pool-Folie aufwies, waren dennoch Reinigungsarbeiten erforderlich. Es galt, ein Reinigungsverfahren zu wählen, das geeignet ist, den Rost effektiv zu entfernen, und dabei gleichzeitig den empfindlichen Kunststoff der Folie zu berücksichtigen, der geschützt werden muss.

Zur systematischen Bewertung der Reinigungsfähigkeit wurden mehrere standardisierte Testflächen angelegt. Dabei kamen zwei unterschiedliche Reinigungsmittel zum Einsatz: Ein Reinigungsprodukt auf Basis von Oxalsäure und ein weiteres auf Basis von Phosphorsäure. Beide Mittel wurden in Kombination mit mechanischen Verfahren getestet.

Die Oxalsäure zeigte sich besonders effektiv bei oberflächlichem Rost. Sie wurde als materialschonend auf der Pool-Folie bewertet und ermöglichte in vielen Fällen eine nahezu vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen Farbgebung.

Das Produkt auf Basis von ­Phosphorsäure wies eine stärkere Wirkung bei Mischverschmutzungen auf, erforderte jedoch sorgfältige Materialverträglichkeitstests. Bei einem Mischungsverhältnis von eins zu eins konnten ebenfalls gute Ergebnisse erzielt werden.

Ergänzt wurde der chemische Einsatz durch mechanische Hilfsmittel wie Kunststoffschaber, Bimsmehl, Schwämme und weiche Bürsten. Diese Kombination erwies sich besonders in Bereichen mit einer hartnäckigeren Verschmutzung als wirkungsvoll. Durch die Nutzung des Kunststoffschabers wurde zum einen verhindert, dass die Pool-Folie beschädigt wurde. Zum anderen ermöglichte diese Methode gleichzeitig das vorsichtige mechanische Ablösen der zwar haftenden, aber dennoch nur aufliegenden groben Partikel. Auch in Bereichen mit stehendem Restwasser (bis zwei Zentimeter) zeigten sich die Verunreinigungen gut lösbar.

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    Leicht haftende Rostverfärbung nach erster chemisch-mechanischer Behandlung. Die Restpigmentierung deutet auf beginnende Eisenoxid­bindung in der Oberfläche hin.
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    Punktuelle Rostpartikelanhäufungen in einer strömungsarmen Becken­stufe. Die ­Verteilung entlang der Kante deutet auf sedimentierende Fremdpartikel bei ­minimaler Wasserbewegung hin.
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    Im Bereich der Pfeilspitze wurde die Rostkontamination bereits chemisch-mechanisch entfernt. Zurück bleibt eine leicht aufgehellte Fläche mit schwacher Schattenbildung – Hinweis auf tiefere Pigmenteinlagerung in die Pool-Oberfläche. Die endgültige Beurteilung darf nur bei einem befüllten Pool erfolgen.
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    Rostbedingte Verfärbung auf einer strukturierten Pool-Oberfläche infolge metallischer Partikeleinwirkung. Deutlich erkennbar sind lose aufliegende Oxidationsrückstände und die beginnende Pigmentierung des Untergrunds.

Obwohl in diesen Bereichen keine Musterflächen angelegt wurden, konnten Partikel mit bloßen Fingern entfernt werden – ein Zeichen für geringe Haftung und gute Reinigungsfähigkeit unter geeigneten Bedingungen. Eine geeignete Bedingung wäre in diesem Fall, das Restwasser vollständig zu entfernen, damit die bei den Musterflächen ermittelte Reinigungsmittelkonzentration angewendet werden kann. In der Kalkulation für die durchzuführenden Reinigungsarbeiten ist daher das Entfernen des Restwassers mit aufzunehmen.

Optische Reinigungsergebnisse

Die optischen Reinigungsergebnisse vari­ierten je nach Tiefe und Verweildauer der Partikel. Bei lediglich oberflächlichem Flugrost konnte eine nahezu ­vollständige Wiederherstellung erreicht werden. In Bereichen mit längerer Verweildauer oder Wasserstau blieben teils pigmentierte Schatten oder Mattierungen sichtbar. ­Diese beeinträchtigen weder Funktion noch Hygiene, können unter bestimmten Lichtverhältnissen jedoch erkennbar bleiben. Bei der optischen Beurteilung ist die übliche Nutzung zu berücksichtigen. Sie bezieht sich hierbei auf einen gefüllten Pool mit üblicher Wasserbewegung.

Insgesamt konnte bei sachgerechter Anwendung der Reinigungsmittel auf der Pool-Folie eine Substanzverträglichkeit bestätigt werden. Die kombinierte chemisch-mechanische Vorgehensweise ­führte in allen Bereichen, in denen eine Musterfläche angelegt worden war, zu einer deutlichen optischen Verbesserung. Diese dient der langfristigen Instandhaltung. Kleine Restverfärbungen gelten als technisch akzeptabel und stellen keinen Mangel dar.

Hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit erwies sich das Verfahren als effizient. Der hier geschilderte Schaden kann durch qualifizierte, professionelle Reinigung innerhalb eines Arbeitstages beseitigt werden.

Empfehlungen für die Praxis

Für die Praxis ergeben sich folgende Empfehlungen:

  • Vor Beginn sollte das Becken geleert und die betroffenen Zonen kartiert beziehungsweise dokumentiert werden.
  • Eine vollständige Trocknung – insbesondere in Bodenzonen – ist zwingend erforderlich.
  • Die Reinigung erfolgt in mehreren Schritten: mechanische Vorbehandlung, chemischer Auftrag des Reinigungsproduktes mit entsprechender Einwirkzeit, mechanische Nachbearbeitung, Spülung und Trocknung.
  • Abschließend erfolgt eine Sichtprüfung auf verbliebene Schatten, eine eventuelle Wiederholung des Reinigungsvorgangs und eine Dokumentation der Reinigungsleistung.

Fazit: Die Musterflächen bestätigten, dass die exogenen Rostrückstände im Schwimmbecken mit einer gezielten chemisch-mechanischen Reinigung effektiv beseitigt werden können. Der Einsatz fachgerechter Materialien schützt die Sub­stanz, gewährleistet eine optische Erneuerung und führt zu einer wirtschaftlich sinnvollen Lösung. Resterscheinungen gelten als technisch unproblematisch und unterstreichen die Bedeutung regelmäßiger Pflege und präventiver Wartung.

Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de

Tipp vom Gutachter: Oxalsäure und Phosphorsäure

Sascha Hintze ist Gebäudereinigermeister sowie öffentlich ­bestellter und ­vereidigter Sachverständiger: - © privat

Wenn eisenhaltige Metallpartikel in ein chlorhaltiges Schwimmbecken gelangen, reagieren sie mit Wasser, Sauerstoff und den im Becken vorhandenen Chloridionen. Dabei oxidiert das Eisen zu Eisenoxiden, also Rost, der sich insbesondere in strömungsarmen Bereichen ablagert. Chlorid­ionen und Hypochlorit-Verbindungen beschleunigen diesen Korro­sionsprozess zusätzlich. Die entstehenden Rostpartikel können sich oberflächlich absetzen oder in poröse Materialien – wie eine Pool-Folie – eindringen und dort schwer entfernbare Verfärbungen verursachen.

Oxalsäure wirkt in diesem Zusammenhang als komplexbildendes Reduktionsmittel, das speziell auf Eisenoxide, also Rost, einwirkt. Wenn Rostpartikel auf der Oberfläche vorhanden sind, reagiert die Oxalsäure mit den Eisenionen und bildet gut wasserlösliche Eisenoxalat-Komplexe. Dieser chemische Prozess löst den Rost von der Oberfläche ab, ohne dabei das darunterliegende Material anzugreifen.

Dieser Komplex ist wasserlöslich und kann anschließend mit Wasser abgespült oder abgesaugt werden. Besonders bei empfindlichen Untergründen wie Pool-Folien ist diese Form der materialschonenden Rostentfernung vorteilhaft.

Phosphorsäure wirkt bei der Rostentfernung vor allem als ­umwandelnde Säure, die Eisenoxide chemisch in stabile, wasserunlösliche Eisenphos­phate überführt. Anders als Oxalsäure löst sie den Rost nicht vollständig auf, sondern wandelt ihn in eine kompaktere, dunkle Schutzschicht um, die weniger reaktiv ist und die Korrosion verlangsamt.

In der Reinigung von empfindlichen Oberflächen wie Pool-Folien ist der Einsatz jedoch mit Vorsicht zu bewerten, da Phosphorsäure nicht nur passiviert, sondern bei zu hoher Konzentration oder Einwirkzeit auch das Substrat angreifen kann.

Die wichtigsten Unterschiede: Phosphorsäure ist ein Rostumwandler (Rost – Eisenoxide – wird chemisch in Eisenphosphate umgewandelt), nicht primär ein Rostentferner. Sie eignet sich zur Umwandlung und Stabilisierung von Rostschichten, insbesondere auf Metall, weniger jedoch zur rückstandslosen Reinigung empfindlicher Oberflächen. Die Oxalsäure hingegen ist ein Rostentferner, weil sie Rost nicht nur chemisch verändert, sondern durch Komplexbildung vollständig löslich macht.