Reinigungsrobotik: Dienstleister auf Innovationsreise in China

Zusammen mit einem Systemintegrator für Reinigungsrobotik begab sich eine Gruppe von FM- und Reinigungsunternehmen aus Deutschland unlängst auf Innovationsreise nach China. Welche Eindrücke sie von der Tour mitgebracht haben.

Der Besuch von vier chinesischen Robotik-Herstellern stand auf dem Programm einwöchigen Innovationstour – hier die Reisegruppe bei ihrem Stopp in Shanghai bei Gausium Robotics. - © Fenka

Organisiert von Fenka Robotics, startete am 21. März eine Mischung aus großen bundesweiten Dienstleistern und regionalen Mittelständlern von Frankfurt nach Shenzhen. Mit dabei waren Teilnehmer von Wisag, Geiger FM, KDS, Breer Heidelberg, Werner Companies, Weisbender, Tiptop und der Gewa-Gruppe sowie das Beratungsunternehmen Sarikohn. Ziel der Reise war es, aktuelle Entwicklungen im Bereich Robotik und Automatisierung direkt vor Ort zu erleben und ein realistisches Bild davon zu gewinnen, wie sich die professionelle Reinigung in den kommenden Jahren verändern könnte.

In Shenzhen angekommen, zeigte sich die Metropole im Südosten Chinas bei einer ersten Stadterkundung von ihrer futuristischen Seite: beleuchtete Hochhäuser, digitale Infrastruktur und eine Dynamik, die den Charakter der Reise bereits erahnen ließ. Der fachliche Auftakt erfolgte am nächsten Tag mit dem Besuch bei Pudu Robotics, einem der weltweit führenden Unternehmen für Service- und Reinigungsrobotik. Die deutsche Delegation gehörte zu den ersten Besuchergruppen im neuen Headquarter des Unternehmens. Neben aktuellen Serviceplattformen wurden Entwicklungen im Bereich humanoider Robotik und quadrupeder (vierbeiniger) Systeme vorgestellt.

KI konsequent integriert

Besondere Interesse weckte bei dem Firmenbesuch die neue Reinigungsroboter-Serie Pudu BG1. Die Maschinen decken Arbeitsbreiten von 55 bis 80 Zentimetern ab und kombinieren Walzen- und Tellersysteme für unterschiedliche Reinigungsanforderungen. Auffällig sei vor allem die konsequente Integration künstlicher Intelligenz gewesen. Bereits heute analysieren die Systeme Verschmutzungsmuster, erkennen Flecken und erhöhen dort automatisch die Reinigungsleistung. Gleichzeitig können kleine Gegenstände identifiziert werden, die nicht als Schmutz behandelt werden sollen. Die Roboter lernen dabei kontinuierlich aus realen Einsatzdaten chinesischer Kundenumgebungen. Diese Erkenntnisse würden zunehmend auch in europäische Anwendungen einfließen. Was ebenfalls deutlich geworden sei: Pudu denkt Robotik längst nicht mehr nur als Hardware, sondern als datengetriebenes Gesamtsystem. Für FM-Unternehmen werde damit die Frage wichtiger, wie sich künftig Reinigungsdaten nutzen lassen, um Prozesse effizienter zu steuern.

Der Dienstag stand zunächst im Zeichen des Start-ups Wisson. Das Unternehmen beschäftigt sich mit sogenannter Soft Robotics und entwickelte das bislang einzige von DJI zertifizierte Fassadenreinigungssystem auf Basis einer Matrice-400-Drohne. DJI ist ein chinesischer Technologiekonzern mit Sitz in Shenzhen, der als Weltmarktführer für zivile Drohnen gilt. Besonders interessant fanden die Teilnehmer die robotische Gelenktechnik, mit der sich der Sprühwinkel automatisch anpassen lässt. Dadurch wird die Bedienung der Drohne deutlich vereinfacht und gleichzeitig die Präzision der Strahlführung erhöht. Gerade angesichts des Fachkräftemangels und steigender Sicherheitsanforderungen könnten solche Systeme nach Einschätzung der versammelten Dienstleister künftig auch in Europa an Bedeutung gewinnen.

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    Erste Station der Reise war Pudu Robotics in Shenzhen. Im dortigen neuen Headquarter des Unternehmens führt Peter Pan, der Servicechef Deutschland von Pudu, unter anderem den neuen Saugroboter MT1 vac vor.
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    Unitree mit Sitz in Hangzhou brachte den Besuchern zum einen das Thema humanoide Robotik näher, zum anderen ...
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    ... führte das Unternehmen seine vierbeinigen Robotermodelle vor – hier gesteuert von Steven Mollenhauer, Wisag.
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    Live-Demo: der Reinigungsroboters Marvel von Gausium in Einsatz im Shanghaier Shopping Center.
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    Wisson demonstrierte der Delegation die Fähigkeiten seiner Reinigungsdrohne direkt an der eigenen Fassade.
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    Neben dem fachlichen Austausch kam auch die kulturelle Begegnung nicht zu kurz, etwa beim Besuch einer Teeplantage ...
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    ... mit anschließender Verkostung.

Von Shenzhen nach Hangzhou

Anschließend ging es mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Shenzhen nach Hangzhou. Dort ist das Unternehmen Unitree Robotics ansässig, das als einer der führenden Entwickler humanoider Robotik gilt. Internationale Aufmerksamkeit erhielt Unitree zuletzt durch spektakuläre Tanzvorführungen seiner Roboter bei den chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten. Vor Ort sei jedoch schnell deutlich geworden, "dass humanoide Systeme für den praktischen FM-Einsatz aktuell noch keine wirtschaftlich tragfähige Lösung darstellen", so Fenka-Geschäftsführer Moritz Fendt. Deutlich relevanter erscheinen seiner Einschätzung nach derzeit quadrupede Roboterplattformen, die perspektivisch für Kontroll- und Sicherheitsaufgaben eingesetzt werden könnten.

Am Abend erreichte die Gruppe schließlich Shanghai. Den fachlichen Abschluss der Reise bildete am nächsten Tag der Besuch bei Gausium Robotics. Dabei räumten Vertreter von Gausium ehrlich ein, dass frühere Robotergenerationen qualitativ noch nicht den heutigen Anforderungen entsprochen hätten. In den vergangenen zwei Jahren seien jedoch erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung erfolgt. Vor allem das neue Modell Mira sorgte innerhalb der Delegation für Diskussionen. Dieser Roboter wurde speziell für den Lebensmitteleinzelhandel entwickelt und kann zunächst grobe Verschmutzungen wie Salatblätter aufnehmen und anschließend autonom scheuern. Selbst die Tankreinigung erfolgt automatisiert. Wie weit die Systeme bereits im Alltag angekommen sind, zeigte der anschließende Besuch einer chinesischen Metro-Filiale sowie eines modernen Shoppingcenters in Shanghai, in denen die neuesten Robotermodelle bereits regulär im Einsatz sind.

Am 27. März traten die Teilnehmer schließlich die Heimreise an: mit vielen neuen Perspektiven und weniger mit der Frage, ob Robotik Teil der Branche wird; sondern vielmehr, wie schnell sich Unternehmen darauf einstellen müssen. /GH