Eine Supermarktkette testet seit Kurzem Reinigungsroboter. Die smarten Helfer kommen sowohl während als auch außerhalb der Öffnungszeiten zum Einsatz und sollen das Reinigungspersonal entlasten. Ein erster Erfahrungsbericht.
Nürtingen, Hechingen, Heidelberg-Rohrbach, Eberbach und Köln-Merheim: In diesen fünf Filialen hat Kaufland Ende letzten Jahres damit begonnen, sich mit dem Einsatz von Reinigungsrobotern vertraut zu machen. Simon Küller, der zuständige Projektleiter Beschaffung bei Kaufland Deutschland, erläutert die Motivation dahinter: "Wir bei Kaufland sehen in der Digitalisierung eine große Chance, das Einkaufserlebnis für Kunden zu verbessern und Mitarbeiter im Arbeitsalltag zu unterstützen. Was speziell die Reinigungsrobotik betrifft, steht im Sinne der Cobotik die Entlastung des Reinigungspersonals im Vordergrund, das sich dann verstärkt anderen Tätigkeiten widmen kann."
Im Fokus: Reinigungsleistung und Kundenreaktion
Die genannten Filialen, in denen die Tests angesetzt waren, bilden unterschiedliche Szenarien ab, die Rückschlüsse auf das ganze Portfolio ermöglichen: von eher kleinen Filialen wie Eberbach über zweistöckige wie Nürtingen und Hechingen bis hin zu großen Center-Flächen wie Heidelberg. Bei durchschnittlich rund 4.400 Quadratmetern Verkaufsfläche pro Filiale sei gerade die Reinigung ein großer Zeitfaktor mit entsprechendem Entlastungspotenzial.
Die von Kaufland erprobten Roboter – der Gausium Omnie und der Pudu CC1 Pro – wurden sowohl in der Frühreinigung vor der Filialöffnung eingesetzt als auch bei laufendem Betrieb. Sie bewegten sich dabei selbstständig über die Verkaufsfläche, bei Hindernissen blieben sie stehen oder änderten ihre Route. Zwar waren im Rahmen der Tests keine konkreten Quadratmeterleistungen gefordert, dennoch erfolgte die Auswahl der Maschinen mit der Prämisse, dass sie ihre Arbeit auf der zu reinigenden Fläche pro Zyklus mindestens einmal erledigen – zum Beispiel 5.300 Quadratmeter in der Filiale in Nürtingen und 4.500 Quadratmeter in der Filiale in Hechingen, wo zwei Maschinen zum Einsatz kamen. Der Erfüllungsgrad der Maschinen lag Kaufland zufolge jeweils über 100 Prozent.
Ein direkter Vergleich der bisherigen manuellen Reinigung mit konventionellen Maschinen stand nicht im Fokus des Pilotprojektes, da sich die Reinigungskräfte neben der Flächenreinigung in den Filialen besonders mit spontan auftretenden Reinigungsszenarien beschäftigen, was Roboter nicht leisten können. Trotzdem habe die Reinigungsqualität der autonomen Maschinen überzeugt. Aufgrund des Mappings konnten sie die Fläche kontinuierlicher und exakter abfahren, merkt Simon Küller dazu an und ergänzt: Durch den häufigeren Turnus der Maschine konnten die täglich entstehenden Verschmutzungen früher beseitigt werden. Dies zeigte sich vor allem beim Schmutzeintrag durch das winterliche Wetter. Die Ecken- und Kantenreinigung hingegen können die Roboter nicht vollumfänglich durchführen. Hier kommen weiterhin die Reinigungskräfte zum Einsatz. Bisweilen blockierten kleine Folienreste die Sauglippe und verursachten eine Wasserspur. Auch hier konnten die Reinigungskräfte Abhilfe schaffen."
Die Reinigung während der Öffnungszeiten war darauf ausgelegt, Erfahrungen unter erschwerten Bedingungen zu sammeln. Denn der Kundenverkehr wirkt sich sowohl auf die Schmutzentwicklung in der Filiale als auch auf die Fahrwege und Akkulaufzeit aus. Gleichzeitig wollte Kaufland erfahren, wie Kunden auf die autonomen Helfer reagieren und ob sie einen Einfluss darauf haben, wie Kunden die Sauberkeit in der Filiale wahrnehmen. Bei den Tests kommunizierten die Roboter mittels Bewegungsmeldern oder Funkempfängern auch mit den Schnelllauftoren und den Eingangsschranken.
Ein weiterer Anwendungsfall wird aktuell noch in der Filiale in Heilbronn getestet: Hier sind die Roboter nur nachts in Betrieb. Ohne Kundenverkehr lässt sich die Fläche zwar schneller reinigen, allerdings benötigt es auch hier Anpassungen: Beispielsweise müssen die Roboter mit der Einbruchmeldeanlage kommunizieren können, damit der Bewegungsalarm nicht ausgelöst wird. Zudem erhält das Rolltor zum Lager einen Bewegungsmelder anstelle des Druckknopfes. So kann der Roboter auch ohne Einlass durch einen Mitarbeiter zur Dockingstation fahren.
"Das erste Fazit zum Einsatz der Reinigungsroboter in unseren ausgewählten Filialen ist durchweg positiv. Dies gilt sowohl in Bezug auf die Reinigungsergebnisse als auch auf das Feedback unserer Mitarbeiter und Kunden", sagt Simon Küller. Gerade in den zurückliegenden Wintermonaten hätten die Roboter insbesondere die Grundsauberkeit verbessern können. Und auch während der besonders betriebsamen Weihnachtszeit hätten die Geräte den Praxistest bestanden, wenngleich ihre Flächenleistung in dieser Zeit bei der erhöhten Kundenfrequenz erwartbar niedriger ausgefallen sei – und zwar im Durchschnitt um ein Drittel. Nicht zuletzt habe sich bei den Kundenbefragungen am Point of Sale herausgestellt, dass die Reinigungsroboter auch zu einem positiveren Einkaufserlebnis führten. Ein häufiger Kommentar sei etwa gewesen: "Darf ich den mit nach Hause nehmen?"
Sinnvolle Arbeitsteilung
Während die smarten Helfer bei Kaufland vor allem die Flächenreinigung übernahmen, führten die Reinigungskräfte weiterhin die Ecken- und Kantenreinigung unter den Regalen und die Beseitigung von Grobschmutz durch. "Im Sinne der Cobotik ergänzen sich also Mensch und Maschine in der Zusammenarbeit", merkt Simon Küller dazu an.
Die Planzeiten am Beispiel Eberbach – einem Markt mit einer Gesamtfläche von rund 1.740 Quadratmetern – waren folgendermaßen: Frühreinigung von 6 bis 9 Uhr, dann wieder von 11 bis 14 Uhr sowie von 17 bis 20 Uhr. Limitierender Faktor war hier die Akkulaufzeit, da der Wasseraustausch an der Dockingstation relativ zügig erfolgte und somit nicht ins Gewicht fiel. In Eberbach konnte die Maschine auch mit dem Schnelllauftor kommunizieren und so selbstständig laden und Wasser auffüllen. Nach Auswertung des Tests mit der Reinigungsrobotik ergaben sich folgende Leistungsdaten:
- durchschnittliche Tagesleistung: 1.879 Quadratmeter,
- durchschnittliche Marktabdeckung: 108 Prozent,
- durchschnittliche Laufzeit pro Tag: vier Stunden,
- durchschnittliche Leistung: 465 Quadratmeter pro Stunde.
Im Vergleich konventionellen manuellen Reinigung konnten mit der autonome Lösung pro Tag zwei Stunden Zeit eingespart werden. Als limitierende Faktoren bei den Robotern in puncto Flächenleistung hat sich dabei Folgendes herausgestellt:
- Kundenfrequenz,
- Warenverräumung,
- Maschine im Lager blockiert,
- zugestellte Gänge,
- enge Gänge,
- Grobschmutz auf dem Boden.
Besondere Herausforderungen
Herausforderungen ergaben sich Kaufland zufolge zumeist durch die bauliche Situation in den Filialen. Nicht jede Reinigungskammer war für das Abstellen der Geräte geeignet, was vor allem an manuellen Türen oder entsprechenden Anschlüssen lag. Hier sei aber stets eine Lösung gefunden worden. So konnte das technische Facility Management bei Kaufland durch die frühzeitige Begehung mit den Roboterintegratoren (Fenka Robotics aus Berlin und TCOrobotics aus Vaihingen an der Enz) kurzfristig zusätzliche Wasserhähne und Steckdosen installieren. "Des Weiteren konnten wir Platz im Lager freimachen und haben zum Beispiel in Hechingen mit einem Zusatzmodul zum Frischwassertanken und zum Abwasseraustausch des Pudu-Roboters gearbeitet", berichtet Simon Küller. Eine weitere Erkenntnis von ihm: "Bei ausbleibender Wartung und Pflege reagieren Roboter sensibler als herkömmliche Scheuersaugmaschinen."
Grundsätzlich hätten es die Reinigungsroboter in den größeren Filialen etwas leichter gehabt, da auf breiteren Gängen bessere Ausweichmöglichkeiten gegeben sind. In den zweistöckigen Filialen bestand die Besonderheit des Etagenwechsels: In Nürtingen wurde der Roboter manuell mit dem Lastenaufzug transportiert, in Hechingen kamen hingegen zwei Roboter – also einer je Stockwerk – zum Einsatz. Simon Küller hierzu: "Wir erwägen eine Aufzugssteuerung für die Roboter und werden diese Option in weiteren Tests erproben. In den bisherigen Testfilialen gab es die Möglichkeit allerdings nicht, da hier die mechanischen Aufzugtüren der Lastenaufzüge der limitierende Faktor waren."
Aufgrund des positiven Gesamtfazits des Pilotprojektes werde man bei Kaufland das Thema der Filialreinigung durch autonome Reinigungsroboter jedenfalls definitiv weiterverfolgen. "Wir sehen darin großes Potenzial, sowohl Routineprozesse zu automatisieren als auch die Filialqualität zu steigern. Im Sinne der Cobotik steht dabei die Unterstützung der Mitarbeiter durch die Roboter im Vordergrund", stellt der Projektleiter Beschaffung bei Kaufland Deutschland abschließend fest.
Start-up-Challenge auf dem Innovation Hub
Parallel zu den bisherigen Tests hat Kaufland eine Ausschreibung auf dem sogenannten Innovation Hub gestartet. Start-ups sollen auf dieser unternehmenseigenen Plattform die Möglichkeit erhalten, ihre Lösungen im Bereich Robotik zu präsentieren. Ziel ist es, die Potenziale der Technologie zu nutzen, um den Einzelhandel der Zukunft zu gestalten und operative Standardprozesse zuverlässig und effizient auszuführen.
Quelle: Kaufland Deutschland | guenter.herkommer@holzmann-medien.de
