Praxis -

Nachhaltig reinigen - nicht nur mit ozonisiertem Wasser

Es ist omnipräsent, das Thema Nachhaltigkeit. Aber nicht immer ist für Außenstehende ersichtlich, was genau dahintersteckt. Ein Blick auf die grünen Reinigungsaktivitäten in der Autostadt in Wolfsburg. Dazu gehört auch der Einsatz von ozonisiertem Wasser.

Die Autostadt in unmittelbarer Nähe des Volks­wagenwerks ist zugleich Auslieferungszentrum für Neuwagen, Themen- und Erlebnispark, Museum ­sowie außerschulischer Bildungsort – und damit das Aushängeschild des VW-Konzerns. Im Jahr 2000 eröffnet, hat man dort früh die Notwendigkeit eines zukunftsgerichteten Wirtschaftens erkannt und sich der Nachhaltigkeit verschrieben. Bereits seit 2009 können Besucher etwa in der mehrfach ausgezeichneten Ausstellung "Level Green" lernen, welche Ursachen und Folgen ein ungebremster Ressourcenverbrauch für die Menschen und ihre Umwelt hat.

Getreu dem Motto "Am besten fängt man bei sich ­selber an" wird die Autostadt seit 2013 mit Naturstrom beliefert. Mit ihrem Außenbereich hat sie ­außerdem eine Innovationsplattform geschaffen, die reich an nachhaltigen Projekten ist – von Bienen­stöcken und Nistkästen für Vögel bis zur Erhaltung naturbelassener Flächen als idealer Lebensraum für Insekten und Kleinsttiere.

Dass Nachhaltigkeit über die eigenen Leistungen und Angebote an die Kunden hinaus ganzheitlich mit Lieferanten und Dienstleistern stattfinden muss, ist für Ralf Kösters, Leiter Infrastrukturmanagement der Autostadt, schon lange klar: "Wir arbeiten mit vielen Dienstleistern zusammen, angefangen bei externen Caterern, über die Reinigung des ganzen Areals bis hin zur Bewirtschaftung unseres Außenbereichs. ­Dabei handelt es sich immerhin um eine Fläche in der Größe von über 28 Fußballfelder, die begrünt und gepflegt werden muss. Eine strukturierte Zusammenarbeit ist dabei entscheidend für das Erreichen eines gemeinsamen Ziels. Und das heißt für uns: Nachhaltig sein, wo wir können."

Genau dies ist auch der Anspruch von GRG. Der Berliner Reinigungsdienstleister arbeitet seit zehn Jahren in der Autostadt und hat sich selbst gesamtheitlich dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben. Zum einen über die bekannten Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Zum anderen aber auch mit der Betrachtung des Eco-Systems, bestehend aus Partnern und Lieferanten, und nicht zuletzt dem Maßstab zufrie­dene Mitarbeiter.

Testplattform für nachhaltige Innovationen

In der Autostadt sind rund 130 Reinigungs- und ­operative Führungskräfte von GRG tätig. "Nachhaltigkeit im täglichen Reinigungsalltag bedeutet vor allem Kommunikation, denn wir brauchen die Bereitschaft aller Kollegen, an dem Thema mitzuwirken. Dass wir nachhaltige Innovationen testen, dokumentieren und am Ende auch implementieren, bedeutet zusätzlichen Aufwand neben unserer tatsächlichen Reinigungsarbeit", erklärt Kathrin Schmadtke, Kundenbetreuerin der Autostadt. Damit das gut gelingt, werden Mitarbeiter frühzeitig abgeholt und geschult. „Am besten schafft man Begeisterung für Grün natürlich mit messbaren, positiven Ergebnissen“, weiß ­Karin Schmadtke und erläutert dies an einem Beispiel: "Wenn an 700 Arbeitsplätzen die Papiermülleimer nur für einen Monat nicht mehr mit Abfallsäcken bestückt werden, generiert das eine Zahl, die einfach ermittelt und dabei so deutlich ist, dass sich dem nicht einmal ein Umweltmuffel verschließen kann."

Von Reinigung mit ozonisiertem Wasser bis Einsatz von Handtuchpapier auf Rollen

Dass die Autostadt aufgrund ihrer Größe, komplexen Struktur, aber auch der Bereitschaft des Kunden, Neues auszuprobieren und eine gute Kommunikationskultur zu pflegen, eine hervorragende Testplattform für nachhaltige Innovationen ist, wissen alle Beteiligten zu schätzen. "Die Autostadt unterstützt nicht nur mit Raum und Ressourcen, sondern beteiligt sich auch wirtschaftlich. Das ist in unserer Branche eher selten", betont Detlef Ölkers. Als Regionalleiter verantwortet er die Standorte sowie Kunden Niedersachsens bei GRG und weiß, wovon er spricht: "In erster Linie müssen wir den Reinigungsauftrag erfüllen und wirtschaftlich profitabel sein. Deshalb muss das Thema Nachhaltigkeit im Gesamtzusammenhang gesehen werden und die Strategien in Bezug auf das nachhaltige Objekt müssen praktikabel sein sowie in das individuelle Reinigungskonzept des Kunden passen."

Nachfolgend ein Überblick über die nachhaltigen Projekte, die im Objekt Autostadt gemeinsam mit Volkswagen umgesetzt wurden:

Reinigen mit ozonisiertem Wasser

Ein sehr wichtiges Thema in der Autostadt ist die Reinigung mit ozonisiertem Wasser. "Wir sind vor einiger Zeit auf diese Verfahrenstechnologien zur chemiefreien Reinigung aufmerksam geworden", berichtet Oliver Kruppa, Geschäftsbereichsleiter Projekte & Innovation der GRG, und ergänzt: "Die Kollegen der Autostadt haben sich sofort für ein umfassendes ­Pilotprojekt entschieden." Wasser aus der Leitung wird dabei in einer Maschine durch Ozon angereichert und es werden keine weiteren Reinigungsmittel benötigt. Dies bedeutet keine Plastikflaschen und dadurch wesentlich weniger Transport, Logistik und Lagerfläche. Dazu keine Belastung durch Chemie im Abwasserbereich und auch keine Gesundheitsbelastung durch Reinigungschemie für die Mitarbeiter von GRG. Nicht zuletzt ist ozonisiertes Wasser unbedenklich für die zu säubernden Flächen und Materialien.

Zumindest anfangs war dabei durchaus eine ­gewisse Skepsis gegenüber der Reinigung mit ozonisiertem Wasser vorhanden, wie Kathrin Schmadtke rück­blickend eingesteht: "Wir müssen in der Autostadt aufgrund des stetigen Besucherstroms hohe Qualitätsstandards erfüllen. Hinzu kommen die verschiedensten Materialien und Inszenierungen. Dass dies ohne den Einsatz von Reinigungschemie funktionieren soll, hat zu Beginn niemand von uns geglaubt. Darum war es auch zunächst schwierig, unsere Reinigungskräfte von der Nutzung des Verfahrens zu überzeugen. Aber die wirklich einfache Handhabung und das klare Reinigungsergebnis sprachen dann letztendlich für sich."

Entkeimende Wirkung

Das aufbereitete Wasser, welches auch entkeimende Wirkung hat, wurde in Wolfsburg parallel zum ersten Lockdown im letzten Jahr eingeführt. Also in einer Zeit, in der Flächendesinfektionsmittel schwer zu beschaffen war. Insofern habe der neue Ansatz entscheidend dazu beigetragen, dass auch in diesen schwierigen Zeiten der Hygienestandard für die Autostadt optimiert werden konnte. Und wenn dort doch einmal Chemie eingesetzt werden muss, dann nur Eco-Label-Produkte.

Nicht nur den Kunden Volkswagen konnte GRG von ozonisiertem Wasser überzeugen. Laut Oliver Kruppa vergeben die Verantwortlichen aller involvierten Objekte, bei denen der deutschlandweit tätige Dienstleister das Verfahren getestet hat, für die Qualität der Reinigung mit diesem Verfahren Bestnoten: "Im Sanitärbereich lag der Anteil derer, die die Qualität als genauso gut wie herkömmliche Reinigungsverfahren und sogar besser eingeschätzt haben, bei 98 Prozent. Ähnlich sieht das bei der Gesamtbewertung für Oberflächen und für Böden aus: Hier erreichen wir sogar 100 Prozent.“"

Müllbeutel ­reduzieren, CO2 einsparen

Auch bei den Abfallsäcken ist GRG nachhaltiger geworden. "Wir haben unser Kernsortiment überarbeitet und uns überwiegend für Abfallsäcke entschieden, welche einen hohen Recyclatanteil aufweisen", berichtet Andrea Aurin, Teamleiterin des Einkaufs bei GRG. Ihr zufolge haben es auch Abfallsäcke in das neue Kernsortiment geschafft, bei denen die Wandstärke zwar reduziert ist, die aber dennoch eine hohe Reißfestigkeit bieten. Denn eine geringe Wandstärke bedeute eine Reduzierung des Materials. Oliver Kruppa hierzu: "Durch diese Maßnahme konnten im letzten Jahr bereits über sechs Tonnen CO2 allein in Wolfsburg einsparen. Das entspricht 21 Hin- und Rückflügen von Hamburg nach München." Detlef Ölkers ergänzt: "Davon profitieren wir in der Auto­stadt natürlich ­immens. In Kombination mit den Maßnahmen zur generellen Müllbeutelreduzierung zählt die Umstellung des Abfallsack-Kernsortiments zu den erfolgreichsten Maßnahmen."

Handtuchpapier: Umstellung von einzelnen Blättern auf Rollen

Das Abfallmanagement wird generell ein zentrales Thema in der Zukunft der Autostadt sein. Eine der angedachten und von GRG mit unterstützen Projekt­ideen ist "PaperCircle" von Tork. "Unser Leistungspartner hat hier bereits gute Konzepte, die wir nun auf die Autostadt zuschneiden müssen", sagt Detlef Ölkers und erklärt: "Grundsätzlich geht es darum, benutztes Handtuchpapier aus den WC-Anlagen nicht einfach so zu entsorgen, sondern vollumfänglich zu recyclen." Hier seien bereits ­erste Schritte erfolgt, wie Kathrin Schmadtke verdeutlicht: "2018 wurden im Verwaltungsgebäude der Auto­stadt in nur drei Monaten 2.445.690 Blatt Handtuchpapier verwendet. 2019 haben wir diese Menge durch eine Systemumstellung von einzelnen Blättern auf Rollen um 20 Prozent reduzieren können. Wenn man die verbleibenden Mengen weiter reduzieren und dann noch recyceln anstatt einfach entsorgen könnte, wären wir unserem gemeinsamen Ziel der Klimaneutralität einen großen Schritt näher."

Damit die Zukunftsmusik tatsächlich grün erklingt, sei aber noch ein langer Weg zu gehen. Dabei warten laut Ralf Kösters durchaus Herausforderungen, für die es aktuell keinen überzeugenden Ansatz gebe. Auch durch die zuletzt hinzugekommene Komplexität aufgrund der Corona-Pandemie müssen Konzepte neu gedacht und ein Lernprozess angestoßen werden, der es ermöglicht, nachhaltig mit den hygienischen Auflagen – auch und speziell in der Reinigung – umzugehen. Dass diese Ansätze gefunden werden, daran haben die Verantwortlichen für die Reinigung jedoch keinen Zweifel. Zu ihnen gehört auch Ellen Schulz, Dienstleister-Koordinatorin im Bereich Technisches Betriebsmanagement der Autostadt. Sie kennt noch weitere Möglichkeiten für eine emissionslose Zukunft: "Wir schauen uns die Prozesse in der Reinigung ganzheitlich an. Dazu gehören dann auch die Themen der Zusammenarbeit zwischen den Dienstleistern in der Ressourceneinsparung und -bündelung sowie beim Wege-Management.“"

Abschließend betont Ralf Kösters: "Als Kommunikationsplattform haben wir mit der Auto­stadt die Möglichkeit, als Sprachrohr für die Öffentlichkeit zu fungieren. Deshalb legen wir unseren ­Fokus auf die Umsetzung von guten Ideen. Dass wir dabei auf die Expertise unserer Dienstleister vertrauen, ist nicht nur sinnvoll, sondern für uns auch selbstverständlich." Damit ist er gut beraten, denn Klimaneutralität bis 2050 ist ein großes Ziel, das sich nur mit guter Zusammenarbeit und ausgeprägtem Expertentum erreichen lässt.

Quelle: GRG, Volkswagen | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

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