Nachhaltig gegen Glätte: Gurkenwasser statt Streusalz

Der Einsatz von herkömmlichem Streusalz im Winterdienst ist unter anderem aus ökologischen Aspekten nicht unproblematisch. Auf den Verkehrsflächen des BMW-Werkes Dingolfing erprobte der beauftragte Dienstleister in den zurückliegenden Monaten, inwieweit Sole, die bei der Produktion von Essiggurken anfällt, eine nachhaltige Alternative gegen Glätte sein kann.

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    Über je zwei Düsen auf beiden Seiten des zum Winterdienstfahrzeug umfunktionierten Kleintraktors werden die Verkehrsflächen vollflächig benetzt.
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    Um die Gärlake im Winterdienst einsetzen zu können, muss diese zuvor unter anderem filtriert werden, um gröberes organisches Material zu entfernen.
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    Verkehrsfläche des BMW-Werks Dingolfing vor und nach der Benetzung mit der aufbereiteten Gurkensole.
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    Zu den rund 1.200 Quadrat­kilometern Verkehrsfläche des BMW-Werks Dingolfing zählen auch die Parkbereiche für die Mitarbeiter. Sie müssen in den Wintermonaten stets verkehrstauglich gehalten werden.
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    Ursula Siegert (links), Bereichsleitung von Werner Companies, mit den Verantwortlichen des Winterdienstes (rechts) und Mitarbeitern von BMW vor dem Gärlaketank, der von Develey auf dem Werksgelände des Automobilbauers installiert wurde.

In der heutigen Zeit hat das Thema Nachhaltigkeit einen Stellenwert wie nie zuvor. In allen Bereichen des Lebens geht es ­darum, nach neuen Ansätzen zu suchen und in der Folge entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um letztlich eine umweltschonendere Existenz zu gewährleisten. Dies zeigt sich sowohl auf politischer Ebene in Form von umfassenden Klimapaketen als auch im Leben eines jeden Einzelnen. Weniger Verpackungsmüll, die Vermeidung von Plastik sowie die Verwendung von Mehrwegprodukten sind nur einige Beispiele, wie mit vergleichsweise geringem Aufwand langfristig eine ­große Wirkung im positiven Sinn auf unser Ökosystem erzielt werden kann.

Auch in der Branche des infrastrukturellen sowie technischen Gebäudemanagements gewinnen die verschiedenen ­Aspekte der Nachhaltigkeit mehr und mehr an Bedeutung. Beispiel Winterdienst: Der Einsatz von herkömmlichem Streusalz gegen ­Glätte stellt besonders in Jahren mit erhöhtem Schneefall sowohl eine enorme finanzielle als auch ökologische Belastung dar. Die im Salz enthaltene Konzentration von mindestens 94 Prozent Natriumchlorid führt nicht nur zu einer erhöhten Korro­sion einzelner Fahrzeugbestandteile, sondern schädigt langfristig sowohl Flora als auch Fauna.

Winterdienst: Streusalz verursacht Probleme in ökologischer Hinsicht

Da das Salz meist nicht als Trockenprodukt, sondern gemischt mit Wasser auf den Straßen verteilt wird, gelangt es somit deutlich einfacher in den Untergrund oder in die Gewässer. Durch verspritzten Schnee oder Wasser landet es zudem ­ direkt auf Pflanzen am Straßenrand, wodurch es laut Umweltbundesamt unter anderem zu äußerlich direkt erkennbaren Verätzungen von Pflanzen kommt. Noch gravierender ist jedoch, dass das ­versickerte Streusalz über viele Jahre hinweg in den Böden verbleibt und sich dort langfristig negativ auf den Nährstoffhaushalt der lokalen Vegetation auswirkt. Bleibt dieser Zustand für längere Zeit bestehen, werden Pflanzen und Bäume anfälliger für Krankheiten.

Die Suche nach einer umsetzbaren nachhaltigeren Alternative gestaltete sich in der Vergangenheit schwierig. Der Einsatz von Natriumacetat sowie Calcium-­Chlorid-Flakes konnte im Test kaum überzeugen und stellt aufgrund eines erhöhten Kostenfaktors, einem verzögerten Wirkeintritt nach der Anwendung sowie aufgrund der wenig umweltfreundlichen Zusammensetzung keine adäquate Option zur Entfernung von Straßenglätte dar. Pünktlich zum Wintereinbruch startete daher im vergangenen November die Testphase einer nachhaltigen Methode zur Bekämpfung von Winterglätte: Anstelle von herkömmlichem Streusalz werden die Straßen und Verkehrsflächen des BMW-Werkes ­Dingolfing künftig mit Gurkensole von Eis befreit.

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    Um die Gärlake im Winterdienst einsetzen zu können, muss diese zuvor unter anderem filtriert werden, um gröberes organisches Material zu entfernen.
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    Verkehrsfläche des BMW-Werks Dingolfing vor und nach der Benetzung mit der aufbereiteten Gurkensole.
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    Zu den rund 1.200 Quadrat­kilometern Verkehrsfläche des BMW-Werks Dingolfing zählen auch die Parkbereiche für die Mitarbeiter. Sie müssen in den Wintermonaten stets verkehrstauglich gehalten werden.
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    Ursula Siegert (links), Bereichsleitung von Werner Companies, mit den Verantwortlichen des Winterdienstes (rechts) und Mitarbeitern von BMW vor dem Gärlaketank, der von Develey auf dem Werksgelände des Automobilbauers installiert wurde.

Das Pilotprojekt ist ein weiterer Baustein des langjährigen Nachhaltigkeitsengagements der BMW Group. Denn die Nutzung von zuvor aufbereitetem Gurkenwasser bedeutet eine erhebliche Einsparung an Streusalz und hilft somit auf ökologische Art und Weise gegen Straßenglätte vorzugehen. Angeliefert wird die Sole vom nahegelegenen Develey-Standort.

Gurkenwasser: Verkehrsministerium bestätigt bedenkenlosen Einsatz

Bei dem Gurkenwasser handelt es sich allerdings nicht um die Flüssigkeit aus Essiggurkengläsern, die im Einzelhandel verkauft werden, sondern um Salzwasser, das bei der Produktion entsteht und bislang aufwendig über die ­hauseigene Kläranlage entsorgt werden musste.

Durch die neugewonnene Nutzungsmöglichkeit wird die Gärlake nun zunächst in einer speziellen, eigens zu diesem Zweck installierten Anlage am Develey-Standort in Dingolfing filtriert, um gröberes organisches Material zu entfernen. Anschließend folgt ein längerer Sedimentationsschritt, bei dem feine Trübstoffe abgeschieden werden.

Um beim Streuen eine optimale Tauwirkung zu erzielen, wird zuletzt der Salzgehalt der Lake von 7 auf 21 Prozent erhöht und der pH-Wert im neutralen Bereich eingestellt. Es besteht jedoch keine ­Gefahr mikrobieller Aktivität, da der Natriumchloridgehalt hierfür deutlich zu hoch ist. Ein Gutachten des Bayerischen Verkehrsministeriums sowie vorab durchgeführte Tests belegen, dass die Sole bedenkenlos auf vereisten Flächen einsetzbar ist.

Develey kooperiert im Rahmen dieses Projektes bereits seit Ende 2019 mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Straßenmeistereien rund um das Gebiet Dingolfing nutzen die besondere Enteisungsmethode mittler­weile seit über einem Jahr – und das mit positiver Bilanz: Pro Jahr konnten bisher etwa tausend Tonnen Streusalz sowie über 4,9 Millionen Liter Wasser eingespartwerden.

Da sich der Einsatz von aufbereiteter Gurkensole auf den Straßen in und um Dingolfing bereits bewährt hat, bot es sich an, die nachhaltige Alternative aus der Nachbarschaft auch auf den Verkehrsflächen im Werk der BMW Group anzuwenden.

Winterdienstfahrzeug zum ­Icefighter umgerüstet

Am 10. November des vergangenen Jahres wurden der von Develey bereitgestellte Tank auf dem Werksgelände zum ersten Mal mit der Gärlake befüllt und letztere auf dem Areal verteilt. Das vom Dienstleister Werner Companies eingesetzte Winterdienstfahrzeug ­wurde für diesen Zweck entsprechend umgerüstet, um die opti­male Handhabung zu ermöglichen. Konkret wurde der bis ­dato mit einem Tellerstreuer ausgestattete Kleintraktor zum sogenannten Icefighter mit 400 Liter Tankvolumen umgerüstet. Dieser ermöglicht es, die Gurkensole einerseits gleichmäßig auf der Bodenfläche zu verteilen. Andererseits werden dadurch die Gebäudefassaden nicht mit der Gärlake benetzt, was den Eintrag in die Gewerke und damit die Gefahr von Schäden verringert.

Die bisherigen Einsätze des Streuers verliefen weitestgehend zur Zufriedenheit aller Beteiligten und es wurden bereits erste Optimierungsansätze vorgenommen. Da der Solestreuer bei Eisregen an seine Grenzen stößt, wurde darauf geachtet, die Wettervorhersage genau zu verfolgen und im Fall der Fälle sowohl mit Gurkenwasser präventiv zu streuen als auch in Kombination mit Salz nach einem Eisregenschauer.

In Summe lassen die bereits erzielten ­Erfolge durch die neuartige Aufbereitung sowie stetige Weiterentwicklung von weiterverwertetem Gurkenwasser nach Aussage des Dienstleisters eine vielversprechende Zukunft erahnen, in der sich die nachhaltigere Alternative zu klassischem Streusalz nicht nur in vereinzelten Gebieten, sondern großflächig bei Winter­diensteinsätzen verwenden lasse.

Quelle: Werner Companies | guenter.herkommer@holzmann-medien.de

Werner Companies

Die Werner Companies Unternehmensgruppe ist ein inhabergeführtes mittelständisches Dienstleistungsunternehmen mit Hauptsitz in Ergolding bei Landshut, dessen Kernkompetenzen im Bereich Gebäudereinigung und ­-management liegen.

Das Unternehmen mit seinen bundesweit neun Standorten und rund 2.500 Mitarbeitern wurde 1984 von Anton Werner, Gebäudereinigermeister und Sachverständiger im Gebäudereiniger-Handwerk, gegründet und erwirtschaftet heute einen Jahresumsatz von über 20 Millionen Euro. Die Schwerpunkte der Tätigkeiten liegen vorwiegend im südbayerischen Raum (München, Landshut, Deggendorf, Regensburg, Passau). Seit 1. Januar 2022 gehören zudem die Dienstleister Siebert & Merkle und BIS-Baumsachverständige mit Sitz in Waiblingen (Baden-Württemberg) zur Unternehmensgruppe.