Meilensteine aus 75 Jahren: Reinigungstechnik ­im Wandel der Zeit

Wie haben sich die Arbeitsmittel der professionellen Gebäudereinigung in ­den vergangenen ­75 Jahren verändert? Zum Jubiläum des Fachmagazins rationell reinigen eine Zeitreise – von Schmierseife, ­Schrubber und Scheuertuch über Meilensteine wie Reinigungstextilien aus Mikrofasern oder tensidfreie Reinigungschemie bis hin zu Reinigungsmaschinen und -robotik.

Vor 75 Jahren erfolgte die Entfernung von losem Schmutz auf nichttextilen Böden hauptsächlich durch Kehren, später auch durch Trockenmoppen mit breiten Baumwollwischbezügen. - © Niederberger

Schmutz gab es schon immer und es wird ihn immer geben – das macht das Gebäude­reiniger-Handwerk zu einer zukunftssicheren Branche, da es die meisten Menschen nach wie vor als lästig empfinden, Schmutz zu beseitigen. Auch das Ziel der Reinigung ist das Gleiche geblieben – nämlich eine rationelle und vollständige Schmutzbeseitigung beziehungsweise Keiminaktivierung ohne Schäden für Gesundheit, Umwelt und Oberflächen. Die Umsetzung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten jedoch grundlegend weiterentwickelt. Treiber waren steigende Qualitätsansprüche hinsichtlich Reinigungsqualität und Hygiene, aber auch Aspekte wie Ergonomie/Gesundheitsschutz, Umweltschutz, Werterhalt und Effizienz gewannen immer mehr an Bedeutung. Darüber hinaus erforderte die immer größer werdende Vielfalt an zu reinigenden Oberflächenmaterialien eine stetige Optimierung der Reinigungsprozesse.

Kehren, Trockenmoppen, Feuchtwischen

Vor 75 Jahren waren die Verfahren und Methoden der Gebäudereinigung im Wesentlichen manuell und meist körperlich sehr viel anstrengender, zeitaufwendiger und weniger effektiv als heute. Die Entfernung von losem Schmutz auf nichttextilen Fußböden er­folgte anfangs hauptsächlich durch Kehren, später auch durch Trockenmoppen mit breiten Baumwollwischbezügen. Diese Verfahren ermöglichten allerdings keine effektive Entfernung des losen Feinschmutzes. Man stellte dann fest, dass die Staubbindung verbessert wird, wenn die Baumwollwischbezüge an der vorderen ­Kante mit wenigen Sprühhüben Wasser oder Moppöl als Staubbindemittel besprüht werden – geboren war das sogenannte Feuchtwischen. Dieser Begriff führt bis heute zu Missverständnissen in der Reinigungsbranche und auch aufseiten der Auftraggeber, da hierbei eben keine nassen beziehungsweise ausgepressten Reinigungstextilien eingesetzt und somit auch keine haftenden Verschmutzungen entfernt werden.

Wischbezüge aus Baumwolle

Die damals auf einen Halter mit Drahtgestell aufgeknüpften Fransen- und Schlingenbezüge aus Baumwolle waren jedoch rasch verschmutzt und aufwändig zu wechseln sowie wieder aufzubereiten beziehungsweise zu waschen. Als rationellere Methode erwies sich die Verwendung von Gazetüchern, die sich mit einem Loch in der Mitte über den Stiel ziehen ließen und unter den Wischbezügen schleuderfeucht oder besprüht zum Einsatz kamen. Parallel dazu wurden ab etwa den 1980er-Jahren Fransen-Breitwisch­bezüge aus synthetischen Fasern eingesetzt, die den losen Schmutz durch elektrostatische Aufladung binden sollten. Später kamen Trapez- beziehungsweise Lamellenwischer auf den Markt, die zunächst mit öl­imprägnierten Staubbindetüchern zum Feucht­wischen eingesetzt wurden. Diese Ge­räte sind immer noch zeitgemäß und werden heut­zutage zum effektiven staubbindenden Wischen von glatten, nichttextilen Belägen mit klebstoffimprägnierten Einweg-Vliestüchern eingesetzt. Alternativ lässt sich loser Feinschmutz von glatten, nichttextilen Bodenbelägen mittlerweile durch Kehrwischer mit einer Gummilippe beseitigen. Für oberflächenstruktu­rierte Bodenbeläge hingegen werden zum rationellen und ­effektiven staubbindenden Wischen heutzutage waschbare Mikrofaser­textilien trocken eingesetzt.

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    Die Fransen- und Schlingenbezüge wurden an einem Halter mit Drahtgestell befestigt.
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    In den 1960erJahren war es keine Seltenheit, dass der Fußboden dreimal jährlich nasschemisch grundgereinigt wurde – mithilfe einer Einscheibenmaschine.
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    Ab den 1950er- und auch in den 1960er-Jahren wurden immer mehr Teppichböden verlegt. Zeitgleich verbreiteten sich elektrische Staubsauger, gefolgt von Bürstsaugern.
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    Ebenfalls in den 1950er-Jahren kamen die ersten Scheuersaugmaschinen auf den Markt. Bis in die 1980er-Jahre arbeiteten die Maschinen mit Tellerbürsten, danach auch mit Walzenbürsten.
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    Vor 75 Jahren erfolgte die Entfernung von losem Schmutz auf nichttextilen Böden hauptsächlich durch Kehren, später auch durch Trockenmoppen mit breiten Baumwollwischbezügen.

Der Aufstieg des Staubsaugers

Der elektrische Staubsauger blieb als Luxusartikel zunächst reichen Leuten vorbehalten. Ab den 1950erJahren zogen Teppichböden immer mehr in private und gewerbliche Gebäude ein. Praktisch zeitgleich verbreiteten sich tragbare elektrische Staubsauger. Danach folgten Bürstsauger, und es gab immer mehr Optimierungen in Sachen Effektivität und Effizienz. Vor rund 20 Jahren kamen die ersten akkubetriebenen Staubsauger als Serienproduktion auf den Markt, die sich dank preisgünstigerer Akkus und Schnell­ladegeräte erst heute zunehmend etablieren. Während sich Staubsaugerroboter in Privathaushalten in den vergangenen 15 Jahren stark durchgesetzt haben und heute in vielen Haushalten nicht mehr wegzudenken sind, stehen wir in der professionellen Gebäudereinigung diesbezüglich an einem Wendepunkt. Erst jetzt werden allmählich immer mehr Staubsaugerroboter für den professionellen Einsatz angeboten und es wird noch ein wenig dauern, bis alle Hürden, die sich diesbezüglich im Objektbereich stellen, überwunden sein werden. Ein Grund mehr, warum man Reinigungsrobotik optimalerweise bereits in der Planungsphase eines Gebäudes berücksichtigen sollte, damit es später auch funktioniert.

Vom Einfach- zum Doppelfahreimer

Die manuelle Entfernung von haftendem Schmutz durch Nasswischen erfolgte vor 75 Jahren meist mittels Schrubber und Scheuertuch (auch als Aufnehmer oder Feudel bezeichnet). Wenngleich der Nasswischmopp (Spaghetti-Mopp, Kentucky-Mopp, Fransen-Mopp) bereits erfunden war, wurde er in den meisten Reinigungsfirmen erst später eingeführt und kam bis in die 1980er-Jahre meist mit einem Einfachfahreimer und einer Korbpresse zum Einsatz. Später erfolgte allmählich eine Umstellung auf einen Doppelfahreimer mit Korbpresse, der hierzulande in vielen Gebäudereinigungen nach wie vor zum Standardequipment zählt.

Vom Spaghetti-Mopp zum Breitwischgerät

Ende der 1980er-Jahre wurde der Spaghetti-Mopp zunehmend durch Breitwischgeräte ersetzt. ­Diese­­ ­hatten einen Klapphalter mit 50 Zentimetern Arbeitsbreite und wurden mit Baumwoll-Polyester-Breitwischbezügen eingesetzt. Tatsächlich sind viele in der Branche leider bei diesem Entwicklungsstand stehen geblieben. In den 1990er-Jahren hat man festgestellt, dass Breitwischgeräte mit 40 Zentimetern Arbeits­breite und höhenverstellbarem Stiel ein ergonomischeres Arbeiten ermöglichen, ohne Einbußen hinsichtlich der Effizienz. Außerdem kamen Doppelbreitwischgeräte auf den Markt und Doppelfahreimer mit Flachpressen, die eine deutliche Steigerung der Ergonomie und Effizienz erlaubten.

Von den Skandinaviern wurde die Idee übernommen, statt mit Eimer und Presse mit präparierten beziehungsweise vorgetränkten Wischbezügen zu arbeiten – ein System, das sich im Gesundheitswesen inzwischen längst etabliert hat und auch in anderen Bereichen immer häufiger zum Nasswischen angewandt wird. Ein Highlight war die Einführung von Reinigungstextilien aus Mikrofaser Mitte der 1990er-Jahre, die heute in der Gebäudereinigung nicht mehr wegzudenken sind. In den vergangenen 20 Jahren folgten zahlreiche innovative Patente, die das Nasswischen noch ergonomischer und effizienter machen; sie haben sich am Markt jedoch nur wenig durchgesetzt.

Maschinelles Scheuersaugen

In den 1950er-Jahren kamen die ersten Scheuersaugmaschinen zur maschinellen Entfernung haftender Verschmutzungen auf den Markt. Bis in die 1980er-Jahre arbeiteten die ausschließlich handgeführten, netzbetriebenen Scheuersaugmaschinen mit Tellerbürsten. Dann wurden die ersten akkubetriebenen Scheuersaugmaschinen und Maschinen mit Bürstenwalzen eingeführt. Es folgten größere Fahrersitz- und Fahrerstand-Scheuersaugmaschinen. Außerdem wurde der Einsatz von unterschiedlich abrasiven Reinigungspads immer populärer. Erst vor rund 20 Jahren wurde dem Bedarf an kleinen, wendigen Kompakt-Scheuersaugmaschinen Rechnung getragen, die heute größtenteils akkubetrieben sind. Vor allem bei größeren Maschinen wurden Dosier­anlagen für Reinigungschemie integriert und immer mehr Parameter, die das Reinigungsergebnis beeinflussen, einstellbar. Mittlerweile gibt es Scheuersaugmaschinen auf dem Markt, bei welchen diese Einstellungen per Smartphone-App vorgenommen werden können. Darüber hinaus ermöglicht die Digitalisierung im Bereich der Reinigungsmaschinen heutzutage, Flottenmanagementsysteme zu nutzen, bis hin zur Fernwartung.

Robotik und Reporting

Parallel dazu wurde die autonome Reinigung durch die Entwicklung von Scheuersaugrobotern vorangetrieben. Die modernen Maschinen fahren selbstständig an eine Docking-Station, wo automatisch der Schmutzwassertank entleert, der Frischwassertank aufgefüllt und der Akku aufgeladen werden kann. Neben zahlreichen anderen Features liefern sie ein Reporting, wo überall gereinigt wurde, und nutzen zum Teil bereits Künstliche Intelligenz (KI) zur Schmutz­erkennung. Neuerdings werden auch immer mehr multifunktionale Reinigungsroboter angeboten, die neben der Scheuersaugfunktion optional auch zum Staubsaugen, Kehrsaugen oder staubbindenden ­Wischen eingesetzt werden können.

Bodenreinigung mit Schmierseife

In Sachen Reinigungschemie hat sich ebenfalls viel getan. Vor 75 Jahren wurden Fußböden hauptsächlich mit Schmierseife, später auch mit Seifenreiniger gereinigt. Allzweckreiniger, wie wir sie heute kennen, gewannen erst in den 1960er-Jahren immer mehr an Bedeutung. Die Pflege von Fußböden erfolgte meist durch Wachs­emulsionen, die dem Wischwasser zugegeben wurden. In der Folge kam es zu Pflegefilmaufbauten mit Schmutz­einlagerungen. Bis in die 1980er-Jahre war es daher auch keine Seltenheit, dass der Fußboden dreimal jährlich nasschemisch grundgereinigt wurde.

Mehr und mehr setzten sich dann Polymerbeschichtungen durch, die strapazierfähige Pflegefilme gebildet haben und nicht mehr aufwendig mit einem Blocker gebohnert beziehungsweise poliert werden mussten, um eine glänzende Optik zu erhalten, wie dies bei den wachshaltigen Produkten der Fall war. Dank der strapazierfähigeren Beschichtungen wurden Grundreinigungen fortan meist im jährlichen Intervall durchgeführt.

Ende der 1980er-Jahre kamen Linoleum- beziehungsweise Universalgrundreiniger mit wasserlöslichen organischen Lösemitteln auf den Markt, die auch eine Entfernung von Hartbeschichtungen auf alkali­empfindlichen Linoleumbelägen ermöglichten. Derartige Grundreiniger und Hartbeschichtungen werden bis heute weiter optimiert. Seit 2005 gibt es diffusions­offene, sehr strapazierfähige Hartbeschichtungen auf dem Markt, die auch auf restfeuchte Linoleumbeläge aufgetragen werden können, ohne dass ein späteres Abpudern befürchtet werden muss.

Weg von der Grundreinigung mit Chemie

In den letzten Jahren zeichnet sich ein deutlich wahrnehmbarer Trend ab, der weg von der nass­chemischen Grundreinigung und hin zu einer umweltschonenden, chemiefreien (mechanischen) Nassgrundreinigung unter Verwendung moderner Diamantpads geht. Diamantpads ermöglichen unter anderem auch die Sanierung von strapazierfähigeren Polyurethanversiegelungen, welche die Beschichtungen auf Acrylatbasis immer mehr verdrängen. Auch die wahrscheinlich bislang wichtigste Maschine in der Gebäudereinigung – die Einscheibenmaschine – wird dabei immer mehr durch effizientere Maschinen mit oszillierendem oder orbitalem Scheueraggregat ersetzt.

Sanitärreiniger auf Amidosulfonsäurebasis

Im Sanitärbereich wurden Kalkablagerungen bis in die 1980er-Jahre häufig mechanisch unter Verwendung von Scheuerpulver oder Scheuermilch entfernt, was zum Zerkratzen verchromter Armaturen führte. Zum anderen kamen oft saure Kalklöser beziehungsweise Sanitärreiniger zum Einsatz, die sehr korrosiv wir­kende Säuren wie Essigsäure oder Salzsäure enthielten und einen raschen Angriff von Armaturen sowie anderen Metallteilen bewirkten. Ende der 1970er-Jahre wurde schließlich ein Sanitärreiniger auf Amidosulfonsäurebasis auf den Markt gebracht, der von seiner Grundrezeptur auch heute noch aktuell ist. In ähnlicher Zusammensetzung wurden fortan saure Sanitärreiniger von nahezu allen Herstellern angeboten. Sanitärreiniger auf Amidosulfonsäure­basis ermöglichen eine deutlich materialschonendere Reinigung von Sanitärarmaturen und die entstehenden Kalzium-Salze haben eine gute Umweltverträglichkeit. Moderne Sanitärunterhaltsreiniger enthalten immer häufiger auch die wenig korrosive, sehr umweltverträgliche Methansulfonsäure, die im Vergleich zur Amidosulfonsäure ein besseres Kalklösevermögen zeigt.

Reinigung ohne Tenside

Bis im Jahr 1994 in Deutschland der erste tensidfreie Reiniger auf Komplexbildnerbasis auf den Markt kam, war eine Reinigung ohne die Verwendung von Tensiden kaum vorstellbar. Tensidfreie Reiniger revolu­tionierten zunächst die Reinigung textiler Beläge und Polster indem sie alles, was zuvor geschäumt hat (zum Beispiel Teppichshampoo, konventionelle Sprühex­traktionsreiniger, Fleckenschaum) abgelöst haben. Etwas später erwiesen sich tensidfreie Reiniger in Verbindung mit Reinigungstextilien aus Mikrofaser auch als hervorragend geeignet für Edelstahloberflächen oder Feinsteinzeugfliesen mit mikroporöser Oberfläche.

Gänzlich ohne Reinigungschemie wird es wohl nie gehen, dennoch wird in letzter Zeit eine chemiefreie Reinigung unter Verwendung von entmineralisiertem Wasser immer beliebter. Sie eignet sich hervorragend in Bereichen, wo ausschließlich wasserlösliche Verschmutzungen zu entfernen sind. Seit etwas über 25 Jahren sind auch Produkte auf Basis von Mikroorganismen (Bakterien beziehungsweise Bakteriensporen) auf dem Markt. Anfangs wurden sie ausschließlich als Problemlöser – insbesondere zur Geruchszerstörung – eingesetzt. In jüngster Zeit werden derartige Produkte aber auch zur Entfernung organischer Verschmutzungen in der Unterhaltsreinigung immer populärer.

In Kautschuk getränkter Vliesstoff

Bis vor 75 Jahren wurden Oberflächen oberhalb des Fußbodens hauptsächlich mit Lappen und Baumwolltüchern gereinigt. Für Glasflächen gab es bereits Fensterwischer, allerdings erfolgte ein Großteil der Glasreinigung mit Fensterleder und Poliertuch aus Leinen. Als im Jahr 1947 bei einem namhaften Hersteller von Vliesstoffen beobachtet wurde, dass dort die Reinigungskräfte mit Vliesresten erfolgreich Fenster reinigten, war die Idee zur Entwicklung des ersten Reinigungstuchs aus Synthetikleder geboren. Das in Kautschuk getränkte Vlies fühlte sich ähnlich "wie Leder" an, was dann auch zur Namensgebung einer noch heute führenden Marke inspirierte. Anfangs wurden diese Tücher hauptsächlich als Lederersatz zur Fensterreinigung verwendet. Im Laufe der Zeit wurden die Tücher dann auch bei der Unterhaltsreinigung von Inventar und Ausstattungsgegenständen eingesetzt. Nicht selten stand der Reinigungskraft damals nur ein Reinigungstuch zur Verfügung, welches immer wieder im Eimer ausgewaschen wurde. Das brachte Walter Lutz (1942 bis 2001), Gründer des FIGR Forschungs- und Prüfinstituts für Facility Management in Metzingen, zu der Einschätzung: "Wenn das Reinigungstuch erzählen könnte, wo es bereits überall gewesen ist, würden manche einen Meter Abstand von ihrem Schreibtisch halten",

Farbcodierung nach Reinigungsbereichen

Die Einführung der Farbcodierung von Reinigungstextilen und -utensilien nach Reinigungsbereichen Ende der 1980erJahre war der Beginn einer hygienischeren Reinigung. Leider sind viele Akteure auf diesem Entwicklungsstand stehen geblieben. Allerdings ist es nicht möglich, zum Beispiel eine Vielzahl von Toiletten und Urinalen mit nur einem (roten) Reinigungstuch hygienisch einwandfrei zu reinigen. Deshalb propagiert das FIGR seit rund 30 Jahren die 16-Seiten-Tuchfalttechnik in Verbindung mit einer Tuchwechselmethode zur Reinigung von Ausstattung und Inventar.

Reinigungstextilien aus Mikrofaser

Einer der bedeutendsten Meilensteine in der Gebäude­reinigung war sicherlich die Einführung von Reinigungstextilien (Tücher, Wischbezüge und Pads) aus Mikrofasern. Im Jahr 1992 wurde der Prototyp des ersten Mikrofasertuchs im FIGR getestet. Es dauerte nicht lange, bis die deutlichen Vorteile von Mikro­fasertextilien gegenüber den zuvor verwendeten Reinigungstextilien bekannt wurden. Während sie anfangs eher als Problemlöser für anspruchsvolle Oberflächen eingesetzt wurden, kommen sie heute standardmäßig in nahezu allen Bereichen der Gebäudereinigung zum Einsatz. Neben einer deutlich verbesserten Reinigungsleistung ermöglichen Mikrofasertücher auch ein streifenfreies Reinigungsergebnis und sogar eine chemiefreie Entfernung leichter öl- beziehungsweise fettverwandter Verschmutzungen.

Selbstverständlich konnte auf dieser kurzen Zeitreise durch die letzten 75 Jahre nicht allen Entwicklungen in der Branche Rechnung getragen werden. Leider sind auch viele innovative Produkte und Verfahren wie beispielsweise der Saugmopp, sogenannte Einfach-Mikro­faserwischbezüge mit doppelter Wischfläche oder auch Spezialmaschinen zur trockenen Pflegefilmsanierung wieder vom Markt verschwunden, weil sie sich nicht schnell genug in der Gebäudereinigung etabliert haben. Um das Ziel der Reinigung wettbewerbsfähig zu erreichen, ist es unerlässlich, an allen Rädchen zur Optimierung zu drehen und innovative Lösungen zu nutzen. Die Branche muss also am Ball bleiben, denn wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Martin Lutz | heike.holland@holzmann-medien.de

Martin Lutz - © FIGR

Martin Lutz

ist Gebäudereinigermeister, staatlich geprüfter Reinigungs- und Hygienetechniker sowie öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Gebäudereiniger-Handwerk. Seit 2001 leitet er als Geschäftsführer das FIGR Forschungs- und Prüf­institut für Facility Management (Metzingen).