Ein Reisebericht über den Osten der USA Küste, Land und Lobster

Eigentlich kennen Marlies und Peter Reichel, Gesamtgeschäftsführer der Dorfner Gruppe, die USA recht gut, doch die Ostküste war Neuland. Da sie die Neuengland-Staaten am meisten interessierten, starteten sie diesmal in New York. In Staten Island begann die Fahrt mit dem Mietwagen.

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    01 Stationen und Impressionen einer Reise: New York bei Nacht.
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    Seafood XXL.
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    02 Old Orchard Beach, Maine.
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    04 Freedom Trail – eine über 4 km lange Besichtigungsroute in Boston, die 16 historische Sehenswürdigkeiten verbindet.
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    03 Portland, „Lobster Capital of the World“.
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    Peter Reichel in Chatham auf Cap Cod.

Küste, Land und Lobster

-Unser erstes Ziel war Boston, die Hauptstadt von Massachusetts. Eine für deutsche Verhältnisse recht große, für die amerikanische Einschätzung sehr gemütliche Stadt. Die Sehenswürdigkeiten in der „Altstadt“ kann man gut zu Fuß entlang dem 4,8 km langen Freedom Trail (erkennbar an einer auf den Gehwegen aufgemalten roten Linie) ablaufen. Besonders stolz sind die Amerikaner auf ihr ältestes Kriegsschiff, die USS Constitution, die gegen Piraten und Briten zum Einsatz kam. Als Tourist ist man begeistert von der Aussicht vom Prudential Tower – einfach ein traumhafter Rundblick über Boston. Nicht zu verhindern ist, dass man immer und überall den „Red Sox“, einem der führenden Baseballteams des Landes, begegnet.

Mit dem Cog Railway zum Gipfel

Von Boston aus fuhren wir nördlich in die White Mountains, ein Gebiet, das besonders berühmt für seinen Indian Summer ist. Seinen Höhepunkt hatte dieser leider erst vier Wochen, nachdem wir dort waren. Ein Erlebnis der besonderen Art ist es, mit dem Zug, dem Cog Railway, auf den Gipfel des Mount Washington in den Appalachen zu fahren. Auch eine Übernachtung im Mount Washington Hotel ist sehr reizvoll. Der Prachtbau steht majestätisch, alleine mitten in der Landschaft und gibt einem das Gefühl, als ob man fast 50 Jahre zurückversetzt wäre. Neben Riesenzimmern mit klassischer Möblierung gibt es zum Beispiel noch einen Fahrstuhlführer und beim Diner ein Salonorchester. (Dort gilt übrigens Jackettvorschrift!)

Von den White Mountains fuhren wir ostwärts an die Küste und erreichten zuerst Bar Harbor. Ein reizendes kleines Städtchen mit hervorragender Gastronomie und einer tollen Küste. Besonders schön war die Park Loop Road im Acadia National Park, die knapp 50 km lang einmalige Ausblicke bietet. Danach ging es die Küste südwärts über Camden nach Portland. Für beide Städtchen gelten die Prädikate: „Schooner Capital of the World“ sowie „Lobster Capital of the World“. Wir hatten die Reise so geplant, dass ab Bar Harbor der nächste Stopp zum Übernachten nur zwei bis drei Stunden Fahrtzeit entfernt lag. So blieb immer genügend Zeit, alle Sehenswürdigkeiten – auch die nicht vorher eingeplanten – zu besichtigen. Wir konnten also alles sehr entspannt und ohne Zeitdruck genießen.

Weiter ging es in die quicklebendige Hafenstadt Portland mit ihrer sehr schönen Altstadt. Dort gibt es Bars und Restaurants ohne Ende, sehr oft mit Livemusik und natürlich Lobster satt! Wie überhaupt an der gesamten Ostküste Hamburger und Steaks eindeutig weit hinter Seafood und Krustentieren kommen. Letztere erhält man in einer hervorragenden Qualität und vergleichsweise billig. Ein Hummer (ca. 1,5 Kilo) kostet beispielsweise nur etwa 20 US-Dollar.

Von Portland aus fuhren wir weiter nach Süden zum Cap Ann nach Gloucester und Rockport. Für Shoppingsüchtige ein wahres Paradies. Dort gibt es genügend Malls und Outlet Factories.

Die nächste Station für uns war auf Cap Cod das Städtchen Chatham. Wiederum eine traumhafte Gegend mit wunderschönen Küstenabschnitten. Unser Hotel, das Queen Ann, wird übrigens von einem Salzburger-Münchner (oder umgekehrt ?) geführt. So konnte man auch mal wieder einen Tag Deutsch sprechen. Außerdem gab er uns wertvolle Ausflugstipps. So fuhren wir auf sein Anraten nach Provincetown. Der Ort ist zwar sehr touristisch mit vielen Läden und Restaurants, aber man kann von dort aus Touren zur Walbeobachtung machen – vorausgesetzt das Wetter passt. Bei uns hat es zwar leider nicht mitgespielt, aber dafür gab es wieder zahlreiche Lobsterfischer zu sehen.

Dann besichtigten wir die beiden nächsten Städte: Newport und New Haven. Das Städtchen Newport ist sehr schön und bietet viele Möglichkeiten – der Höhepunkt ist der 4,5 km lange Cliff Walk, ein gut angelegter Spazierweg entlang der Küste. Die Küste allein ist schon sehenswert, wird aber noch übertroffen von den prachtvollen Residenzen wie Rosecliff, Marble House, The Elms und den Villen der Astor’s und Vanderbilt’s am Orchre Point. Die Immobilienkrise wird einem hier sehr präsent, stehen doch sehr viele Häuser zum Verkauf. Interessant in New Haven sind vor allem die Yale University und das JF Kennedy Museum.

Die Zeit verging wie im Flug und wir fuhren weiter zu unserem vorletzten Stopp: Long Island, wo wir eigentlich die Badestrände erwarteten. Vor den Toren New Yorks gelegen, war es letztlich aber ziemlich enttäuschend. Wie schon vorher festgestellt, ist es kaum möglich, an der Küste entlangzufahren, wie beispielsweise im Westen von Los Angeles nach San Francisco. Man kann eigentlich immer nur über Stichstraßen in die State Parks oder Erholungsgebiete gelangen. Die Orte liegen relativ weit auseinander und sind sehr klein. Dafür hatten wir aber sowieso nur eine Nacht eingeplant, denn die letzten drei Tage vor dem Rückflug wollten wir im Big Apple verbringen.

Die Stadt New York übt eine Faszination aus, der man sich nur schwerlich entziehen kann. Abseits vom Broadway und dem Theaterdistrikt kann man stundenlang umherspazieren und sich über die vielen grünen Lungen, die sehr gepflegt sind, nur wundern. Wenn man dann noch abends die perfekt inszenierten Shows und Musicals besucht – wir waren in Mermaid und Mary Poppins –, dann noch einen letzten Drink in einer der vielen Bars am Broadway genießt, geht man sehr zufrieden nach Hause.

Unser Spezialtipp: das Stardust Diner am Broadway, Höhe 56. Straße. Nicht wegen des Essens, sondern weil der Service aus Studentinnen und Studenten der Musical-Hochschule besteht, die singend und tanzend bedienen. Ein echtes Stimmungserlebnis.

Unser Resümee: Es war eine angenehme, interessante und schöne Rundfahrt mit vielen Eindrücken. Was man nicht erwarten darf, ist das typische „American Feeling“, da die Landschaften teilweise doch sehr europäisch sind, vielleicht ein bisschen vergleichbar mit Holland oder England. Was aber unvergleichlich ist, sind die Menschen, die offen und freundlich auf uns zugegangen sind. Wir hatten fast täglich spannende Begegnungen – und das quer über alle Generationen hinweg. Die Gespräche waren durchaus nicht nur oberflächlich, sondern drehten sich häufig um Themen wie die Präsidentschaftswahlen oder die Finanzkrise. Die Menschen waren auch interessiert, wie wir als Deutsche dazu stehen. Und natürlich hatte fast jeder eine Verbindung zu Deutschland: Entweder kam er selbst aus Deutschland, hatte Verwandte oder ist zumindest irgendwann einmal in Deutschland gewesen.

Wer weitere Informationen zu diesem Reiseziel sucht, findet übrigens gute Tipps im Baedeker Reiseführer USA Nordosten.


Marlies und Peter Reichel | Gesamtgeschäftsführer der Dorfner Gruppe