„Unser Urlaub beginnt bereits, wenn wir im Auto sitzen.“ Die Gebäudereinigermeister Marion Presek-Haster und ihr Mann Michael Haster erkunden die Welt mit ihrem Camper.
„Mit einem Wohnmobil kämen wir nicht überall hin, wo wir hinwollen“, sagt Michael Haster, der gemeinsam mit seinen zwei Brüdern die Haster Gebäudereinigungs GmbH in Hannover-
Langenhagen leitet. „Mit unserem Dodge Ram, einem Pick-up, und unserer Tischer-Absetzkabine sind wir viel flexibler und können die schönsten Orte der Welt entdecken.“ Marion Presek-Haster ergänzt: „Und wenn wir vorher wissen, dass wir wahrscheinlich auch offroad unterwegs sein werden und die Temperaturen es zulassen, nehmen wir statt der Kabine unser Dachzelt mit auf
Reisen. Das ist leichter als die Kabine, so dass die Gefahr geringer ist, beim Offroadfahren einzusinken und stecken zu bleiben.“
Viel Komfort auf kleinem Raum
Besonders praktisch an ihrem Camper finden die Lehrlingswartin der Landesinnung des Gebäudereiniger-Handwerks Niedersachsen und ihr Mann, dass Kabine oder Zelt nur bei Bedarf auf den Dodge gesetzt werden und dieser sonst als normaler Pkw im Arbeitsleben seinen Dienst tun kann. Das Aufsetzen der Kabine ist dank ausfahrbarer Stützen in wenigen Minuten erledigt. Auch mit Kabine ist der Dodge wendiger als jedes Wohnmobil, die Kabine bietet jedoch ähnlich viel Komfort. Sie verfügt über einen Alkoven mit Schlafplätzen, Dusche und Toilette, zwei Kochplatten, ein Waschbecken, eine Heizungsanlage sowie einen Wohnraum mit Tisch und Sitzgelegenheiten. Aufrecht stehen ist bei einer Höhe von ungefähr zwei Metern ebenfalls möglich – in die Kabine selbst gelangt man über eine Leiter. Sogar einen Fernseher gibt es. „Den haben wir aber noch nie benutzt“, sagt Marion Presek-Haster und lacht. „Wir ziehen Erlebnisse aus erster Hand vor – nicht nur auf Reisen.“
Das Dachzelt wiederum, das Marion Presek-Haster und Michael Haster alternativ zur Kabine mitführen, wenn das Reiseziel es erlaubt, wird beim Fahren platzsparend auf dem Dodge verstaut. Es kann innerhalb von zehn Minuten aufgeklappt und aufgebaut werden. Im Zelt ist eine bequeme, sieben Zentimeter dicke Matratze integriert, zum Schlafplatz klettert man über eine Leiter nach oben. Ihre persönlichen Gegenstände deponieren Marion Presek-Haster und Michael Haster in einer Kiste mit zwei Fächern. Dort bewahren sie auch ihren Kocher und ihre Kochutensilien auf. Eine tragbare Toilette führen sie ebenfalls mit sich. Im integrierten Vorzelt können sie sich auch bei weniger gutem Wetter aufhalten. „Egal, ob wir mit Kabine oder Zelt unterwegs sind, wir laufen oft Campingplätze an, schon um die sanitären Anlagen zu nutzen. Unsere Dusche und Toilette benutzen wir nur, wenn es nicht anders geht“, sagt Marion Presek-Haster. „Unser Frischwassertank fasst zwar 80 Liter, aber die sind schnell verbraucht.“ Die Betriebsleiterin der PGS Gebäudereinigungs- und Dienstleistungs GmbH in Ronnenberg findet es auch angenehmer, an den Waschgelegenheiten auf Camping- und Wohnmobilabstellplätzen ihr Geschirr zu spülen. „Dort ist mehr Platz. Zudem müssen wir den Schmutzwassertank nicht ständig leeren.“
Was schätzen Marion Presek-Haster und Michael Haster besonders am Urlaub im Camper? „Wir müssen unsere Reise nicht lange planen, wir können einfach losfahren. Mein Mann liebt es zu fahren und ich bin sehr gerne Beifahrerin. Wir müssen gar nicht viel reden, wenn wir unterwegs sind – wir genießen einfach. Die meisten Menschen würden vermutlich denken, wir hätten uns zerstritten, wenn sie uns sehen.“ Marion Presek-Haster lacht. „Doch für uns ist es die Freiheit.“ „Wir können stehen bleiben, wo wir es schön finden. Wir können essen, wann wir wollen, schlafen, so lange wir möchten, wir brauchen uns nach niemandem richten, sondern sind völlig flexibel. Außerdem gelangen wir an Orte, die wir auf einer Pauschalreise niemals zu Gesicht bekämen“, ergänzt Michael Haster.
Zur Hochzeit mit dem Camper
Wie sehr Marion Presek-Haster und Michael Haster das Leben im Camper lieben, zeigt, dass sie mit ihm im wahrsten Sinne des Wortes zur eigenen Hochzeit gefahren sind. Das Ehepaar, das sich über die Arbeit kennengelernt hat, hat 2009 in Finnland geheiratet. Ohne Familie, Freunde und Bekannte vorab darüber zu informieren. „Die haben von uns eine Karte bekommen, auf deren Vorderseite die Worte ‚Wir trennen uns‘ standen. Im Innenteil folgte dann ‚… von unserem Lotterleben‘. Spätestens da wussten alle Bescheid“, sagt Marion Presek-Haster. „Geheiratet haben wir dann mitten im Wald, die Trauung fand auf Englisch statt.“ Auch Michael Haster erinnert sich. „Wir mussten sogar noch Trauzeugen suchen. Hätten wir das nur vorher gewusst … Die meiste Zeit haben wir auf dieser Reise natürlich im Camper geschlafen, sogar in Lappland bei minus 25 Grad. Eine Nacht haben wir jedoch auch im Eishotel verbracht und eine in einer Art Tipi. Es war herrlich.“
Von Reisen und Traumzielen
Neben Finnland haben Marion Presek-Haster und Michael Haster mit ihrem Camper bereits Island, Dänemark und Norwegen besucht, waren auf Sardinien und Korsika. „Dieses Jahr wollen wir offroad durch die Alpen fahren, auf alten Militärstraßen. Im Anschluss machen wir noch eine Woche Strandurlaub“, sagt Marion Presek-Haster. „Und 2017 geht’s wieder nach Island. Der Norden hat es uns angetan. Dort begegnet man weniger Menschen und es gibt viel Natur.“ „Mein Traum wäre eine Südamerika-Tour mit eigenem Fahrzeug. Doch dafür braucht man jede Menge Zeit, die wir im Moment nicht haben“, erzählt Michael Haster. „Vielleicht später.“ Jetzt will das Ehepaar erst einmal weitere Ziele in Europa erkunden: Südspanien, Portugal und die französische Atlantikküste stehen noch auf dem Plan, eines davon vielleicht in zwei Jahren. Kürzere Reisen sind eher nicht geplant – aus verschiedenen Gründen. „Wir müssen uns immer mit anderen absprechen, wenn wir in den Urlaub fahren wollen. Michael mit seinen Brüdern, mit denen er das Unternehmen leitet, und ich mit meinem Onkel Wolfgang Deist, der die Vertretung für mich in der Firma übernimmt. Außerdem brauchen wir für die Zeit unseres Urlaubs einen Hundesitter. Denn unserem Hund wollen wir so eine Fahrt nicht zumuten. Der fühlt sich zu Hause wohler“, meint Marion Presek-Haster.
Eingeschneit in Island
Zu den Erlebnissen, die Marion Presek-Haster und Michael Haster sicher so schnell nicht vergessen werden, gehört die Fahrt in Island, auf der sie fast eingeschneit worden wären. Unterwegs auf einem einsamen Weg, der irgendwo im Nirgendwo mündete. Als sie nicht weiterkamen und das Wetter immer schlechter wurde, entschlossen sie sich umzukehren. Dabei mussten sie fast 200 Kilometer zurückfahren. Wegen des schlechten Wetters und der miserablen Sicht die meiste Zeit im Schritttempo. „Auf der ganzen Fahrt begegnete uns kein anderer Wagen und wir sahen kein Haus oder
wenigstens eine Hütte. Ich hatte große Angst, dass der Sprit nicht reichen könnte“, sagt Marion Presek-Haster. „Doch plötzlich tauchten am Himmel Polarlichter auf – so deutlich und klar wie nie zuvor. Das war vermutlich der Ausgleich für die Angst, die ich ausgestanden habe.“ Michael Haster ergänzt: „Im Nachhinein möchte ich diese Fahrt nicht missen, obwohl sie uns an unsere Grenzen gebracht hat.“ Solche Erlebnisse gehören zur großen Freiheit auf und abseits Europas Straßen einfach dazu.
Simone Harland | heike.holland@holzmann-medien.de