Gemeinschaftsgastronomie: Wenn der Roboter den Kochlöffel schwingt

Um Lücken zu schließen, die sich durch den Fachkräftemangel auftun, geht ein in der Gemeinschaftsgastronomie tätiger Dienstleister neue Wege: Seit rund einem Jahr setzt er bei einem seiner Kunden ergänzend einen vollautomatischen Kochroboter ein und zeigt damit, wie eng Food Services und Facility Management heute miteinander verwoben sind.

Der Kochroboter steht im Speisesaal des Gesundheitszentrums Tübingen (GZT), einem Rehazentrum an der Uniklinik, das täglich etwa 120 ambulante Patientinnen und Patienten besuchen. - © Sodexo

In einer Großküche herrscht ein ganz eigener Rhythmus. Kellen schlagen gegen Edelstahl, Wasserdampf steigt auf, das Grollen der Kessel vermischt sich mit dem Klappern von Tabletts. Wer hier arbeitet, kennt die Abläufe im Schlaf. Routine, Verlässlichkeit und Tempo – all das prägt den Alltag. Innovationen dagegen tun sich vergleichsweise schwer in dieser Welt, in der jede Minute zählt. Und doch war es genau hier, am Universitätsklinikum Tübingen, wo vor mehr als einem Jahr ein kleines Stück Zukunft Einzug hielt: ­Sodexo Deutschland stellte in Kooperation mit dem Hamburger Start-up GoodBytz seinen ersten Kochroboter in den Dienst. Nicht in der Küche selbst, sondern in einem angrenzenden Aufenthaltsbereich, wo Patienten, Mitarbeitende und Besucher ihre Mahlzeiten selbst bestellen und frisch zubereiten lassen können – ­gewissermaßen ein digitaler Food-Counter der nächsten Generation.

Seitdem übernimmt dort eine Maschine die gleichförmige, monotone Arbeit: rühren, überwachen, Temperatur halten. Für ein Gericht braucht es nicht viel: Ein paar Klicks auf dem Touchscreen, schon greifen zwei Roboterarme nach Metallschüsseln, in denen klein geschnittene Möhrenstifte und Pak-Choi liegen. Dann platziert der Roboter die Schüsseln auf Induktions­kochfeldern, kocht Nudeln, brät Gemüse an und vereint schließlich alles in einer Mehrwegschale. Fertig ist das Erdnuss-Udon-Stir-Fry – dampfend, duftend, frisch gekocht und bereit zum Mitnehmen.

Gäste können zwischen fünf Gerichten wählen, die teils täglich, teils wöchentlich wechseln. Angeboten wird eine große Varianz an Speisen – vom indischen Tandoori Chicken über ein deutsches Hühnerfrikassee bis hin zu einem italienischen Nudelgericht. Auch Street-Food-Speisen wie Currywurst-Gerichte finden sich zur Auswahl. Mehr als 150 Speisen pro Stunde schafft der Roboter, der zudem die Töpfe komplett automatisiert durch ein integriertes Waschsystem reinigen kann.

Der Roboter hat die Klinik nicht in eine Science-Fiction-Kulisse verwandelt, aber er hat eine stille Revolution angestoßen. Er kocht zwar nicht kreativ – das bleibt weiterhin den Köchen beziehungsweise den Rezeptentwicklern vorbehalten; doch er schafft Sodexo zufolge Raum für Frische, für Feingefühl und für den direkten Kontakt zu den Gästen.

Der veränderten Arbeitswelt Rechnung tragen

Mit der Installation des Kochroboters in Kooperation mit GoodBytz verfolgt der Dienstleister nach eigener Aussage eine klare Strategie: Die Arbeitswelt der Zukunft zu gestalten und einen Beitrag zur Attraktivität der Arbeitsplätze zu leisten. Denn in Bürogebäuden arbeiten Menschen flexibler denn je – Vollzeit, Teilzeit, aus dem Home­office oder hybrid. Vor diesem Hintergrund möchte Sodexo alle Mitarbeitenden mit frischem ­Essen versorgen, egal wann sie im Büro sind. Die Roboterküche jedenfalls ist jederzeit verfügbar und sei damit eine passende Antwort auf die veränderten Anforderungen.

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    Die Roboterarme kochen mehrere Speisen parallel. Die Töpfe werden in der Anlage nach der Zubereitung automatisch gereinigt.
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    Serviert werden die Gerichte in einer Klappbox, die sich automatisch öffnet, sobald der Gast seinen QR-Code am Abholterminal scannt.
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    Es muss nicht immer warm sein – auch leckere Salate bekommt der Roboter hin.
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    Ob die Bestellung fertig ist, erfahren die Gäste an diesem Terminal.
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    Der Kochroboter steht im Speisesaal des Gesundheitszentrums Tübingen (GZT), einem Rehazentrum an der Uniklinik, das täglich etwa 120 ambulante Patientinnen und Patienten besuchen.

Zugleich zeige sich hier, wie eng Food Services und Facility Management heute miteinander verwoben sind. In modernen Gebäuden werde das gastronomische Angebot zunehmend als Teil des gesamten Serviceerlebnisses betrachtet – genauso wichtig wie Licht, Raumklima oder Reinigung. In einer Befragung hat Sodexo gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen YouGov im Juni 2025 herausgefunden, dass die Verpflegung am Arbeitsplatz ein relevanter Faktor ist für die Zufriedenheit und die Produktivität der Mitarbeitenden. Für viele, vor allem aber für die Generation Z, spiele ein gutes Verpflegungsangebot mittlerweile sogar eine wichtige Rolle bei der ­Jobsuche. Für den integrierten FM-Dienstleister ist die Roboterküche daher nicht nur ein Gastro­nomieprojekt, sondern ein Beitrag zu einer attraktiven Arbeitswelt.

Die Qualität ist gleichbleibend hoch

Heute, mehr als ein Jahr später, ist der Kochroboter in der Uniklinik Tübingen etabliert. Er hat seinen festen Platz zwischen arbeitenden Kolleginnen und Kollegen gefunden. Die Qualität ist gleichbleibend hoch und auch wenn die ­Nachfrage zur Mittagspause plötzlich steigt, dauern die Gerichte nicht wesentlich länger.

Die Mitarbeitenden von Sodexo werden zudem von körperlich anstrengenden Tätigkeiten entlastet. Gleichzeitig entstehe mehr Zeit für das, was in der Gastronomie zentral sei: die Kommunikation mit den Gästen. Darüber hinaus sind die Kochprozesse dokumentiert und nachvollziehbar, was einen Pluspunkt für die Planung darstellt. Ein Gericht wird oft bestellt? Dann landet es häufiger auf dem Speiseplan. Ein Gericht kann mehr Schärfe vertragen? Dann wird mit wenigen Klicks das Rezept angepasst.

Antworten auf viele Fragen gefunden

Wie bei jeder Einführung einer neuen Technologie gab es auch beim Start des Kochroboters Herausforderungen zu meistern. Eine der größten sei die Anpassung des Roboters an die Abläufe vor Ort gewesen. Wann ist der ideale Zeitpunkt für die tägliche Reinigung der Maschinenteile? Wann werden die Zutatenbehälter befüllt? Wie regelt man die ­Nachfrage zu Stoßzeiten? All das sind Fragen, für die Sodexo Antworten finden musste und schnell gefunden hat. Zudem haben diese Herausforderungen wertvolle Einblicke geliefert, die nun genutzt werden, um die Technologie und die Abläufe gemeinsam mit GoodBytz weiter zu optimieren.

Die Reaktionen der Gäste auf den Kochroboter sind Sodexo zufolge ebenfalls sehr positiv. Verständlicher­weise habe man vor allem zu Beginn viele Fragen beantworten müssen, etwa zum Bestellvorgang am Terminal oder zur Zubereitung der Speisen. Bis ­heute seien das Verständnis und die Akzeptanz für den Roboter aber deutlich gestiegen, weshalb – wenn überhaupt – nur noch Spezialfragen, etwa zur Technologie, gestellt würden. Besonders erfreulich seien auch die vielen Stimmen, die die Qualität der Speisen loben. Viele bestellen täglich am Kochroboter, einige ­sogar zwei Mal am Tag, um sich beispielsweise nach Feier­abend noch ­etwas für zu Hause mitzunehmen. Das beweise, dass der Roboter sowohl für die Patienten als auch für die Mitarbeiter der Klinik einen echten Mehrwert liefert.

Mehr als ein Pilotprojekt

Sodexo betrachtet den Einsatz des Kochroboters in Tübingen jedenfalls nicht als isolierten Versuch, sondern als Startpunkt für eine breitere Strategie. Die im dortigen Uniklinikum gemachten Erfahrungen seien dafür übertragbar: Robotik ersetzt keine Köche, sie ergänzt sie. Monotone, körperlich belastende Arbeiten wandern zur Maschine, während die Menschen sich stärker auf das konzentrieren, was Kreativität und Erfahrung erfordert. Gerade im Klinikalltag sei das von großer Bedeutung. Denn gleichbleibende Qualität der Ernährung steigere das Wohlbefinden der Patienten und trage damit indirekt zur Genesung bei.

Auch ökonomisch eröffne die Technologie Chancen. Durch besser planbare Produktionszeiten, geringere Fehlerquoten und effizientere Ressourcennutzung sinken Kosten und Aufwand. Gleichzeitig lassen sich Lebensmittelabfälle reduzieren, da standardisierte Prozesse eine präzisere Kalkulation ermöglichen.

Weiterer Vorteil: Wenn Küchenprozesse digital erfasst und gesteuert werden, entstehen Schnittstellen zu anderen FM-Bereichen – etwa zur Energieüberwachung, zur Flächenplanung oder zur Instandhaltung. Der Roboter wird so Teil eines größeren Ökosystems aus smarten, datenbasierten Services, die Gebäude effizienter und nachhaltiger machen.

Verlässlicher Helfer im Alltag

Mehr als ein Jahr nach der Einführung in Tübingen lasse sich sagen: Der Koch­roboter ist kein spektakuläres Showstück, sondern ein verlässlicher Helfer im ­Alltag. Er habe Erwartungen erfüllt, manche ­sogar übertroffen. Vor allem aber habe er bewiesen, dass Robotik in der Gemeinschaftsverpflegung keine ferne Zukunft, sondern gelebte Gegenwart ist. Die ­Erfahrungen aus Tübingen würden zeigen, dass Technologie und der Mensch sich in der Küche optimal ergänzen ­können.

Quelle: Sodexo| guenter.herkommer@holzmann-medien.de