Für mehr Sicherheit im Gebäudereiniger-Handwerk

Im vergangenen Jahr hat die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft 26 tödliche Ab- und Durchsturzunfälle gezählt. Die BG BAU will deshalb das Bewusstsein für Risiken bei der Arbeit und insbesondere in der Höhe schärfen – auch im Gebäudereiniger-Handwerk.

Die "Lebenswichtigen Regeln" für das Gebäudereiniger-Handwerk wurden laut BG BAU zum Teil geändert. Grund dafür waren schwere Unfälle in ähnlichen Situationen wie auf dem Bild zu sehen. Meyle+Müller/BG BAU - © Meyle+Müller/BG BAU

"In den vergangenen Jahren haben im Reinigungsgewerbe Durchsturzunfälle deutlich zugenommen. Hier müssen wir dringend gegensteuern", sagt Bernhard Arenz, Leiter der Hauptabteilung Prävention der BG BAU.

Mit den "Lebenswichtigen Regeln" will die Berufsgenossenschaft für Ab- und Durchsturzunfälle sensibilisieren und Hinweise für sicheres Arbeiten bei Reinigungsarbeiten auf Dächern und an hochgelegenen Arbeitsplätzen geben. Wichtig sei es, bei zu hohem Risiko "Stopp" zu sagen und die Arbeiten zu unterbrechen, bis sicher gearbeitet werden kann, um sich selbst und die Kollegen nicht in gefährliche Situationen zu bringen, erläutert Bernhard Arenz.

Um Durchstürze auf Dächern zu verhindern, müssen Beschäftigte bei Reinigungsarbeiten von Lichtbändern zum Beispiel eine sichere Standposition haben. Sind Teile nicht durchtrittssicher, muss ein Mindestabstand von zwei Metern, der abgesperrt und gekennzeichnet werden muss, eingehalten werden. Maschinen müssen vor Reinigungsarbeiten immer ausgeschaltet und gegen Wiedereinschalten gesichert werden. Teleskopstangensysteme sollten – soweit möglich – stets als Leiteralternative verwendet werden und Leitern nur dann zum Einsatz kommen, wenn es keine sichere Alternative gibt.

Die "Lebenswichtigen Regeln" sind Teil des Präventionsprogramms "Bau auf Sicherheit. Bau auf Dich." der BG BAU. Es gibt sie für das Gebäudereiniger-Handwerk und 13 weitere Gewerke. Unternehmen können die Regeln als Grundlage für Unterweisungen, als Aushänge und für ein gemeinsames betriebliches Bekenntnis von Belegschaft und Arbeitgebern für das Ziel, Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten vorzubeugen, nutzen.

Die "Lebenswichtigen Regeln" der BG BAU für die Gebäudereinigung lauten:

  • Wir führen Reinigungsarbeiten außerhalb des Gefahrenbereichs aus. Nicht durchtrittsichere Dachbauteile erfordern Schutzmaßnahmen.
  • Wir sichern Maschinen gegen Wiedereinschalten. Wir arbeiten mit sicheren Zugängen und Standplätzen.
  • Wir sichern uns an Absturzkanten.
  • Wir verwenden Leitern nur, wenn es keine sichere Alternative gibt. Wir sichern Leitern gegen Wegrutschen und Umkippen.
  • Wir sichern uns bei Lichtkuppeln, Öffnungen und nicht durchbruchsicheren Glasdächern gegen Absturz.
  • Wir sorgen für sichere Verkehrswege und kennzeichnen Bereiche, auf denen Stolper-, Rutsch- oder Sturzgefahr besteht.
  • Wir vermeiden direkten Kontakt mit Reinigungs- sowie Pflegemitteln und achten auf die richtige Dosierung.

Das Präventionsprogramm "Bau auf Sicherheit. Bau auf Dich." hat das Ziel, für Gefahren und Risiken am Arbeitsplatz zu sensibilisieren und zu sicherem und gesundem Arbeiten zu motivieren. Die Kernbotschaft lautet: Jeder hat das Recht, kein unnötiges Risiko eingehen zu müssen, so dass die Gesundheit der Beschäftigten und der Kolleginnen und Kollegen nicht beeinträchtigt wird. Sicherheitsmängel müssen beseitigt werden, und es wird erst weitergearbeitet, wenn die Mängel beseitigt sind. Weitere Informationen dazu gibt es auf www.bau-auf-sicherheit.de/gebaeudereinigung.

Laut BG BAU kommt es im Gebäudereiniger-Handwerk im Jahr zu mehr als 30 Unfällen pro 1.000 Personen. 11,5 Prozent davon sind schwere Unfälle. Die häufigsten Unfallauslöser sind eine unsichere Arbeitsumgebung (33 Prozent) zum Beispiel durch rutschige Böden und Stürze von Treppen oder Leitern (22 Prozent). Zudem passieren im Gebäudereiniger-Handwerk überdurchschnittlich viele Wegeunfälle und Unfälle auf Dienstwegen. /HH