Aktueller Schadensfall: Bei vergrauten Feinsteinzeugfliesen liegt die Vermutung nahe, dass eine Schlechtleistung in der Unterhaltsreinigung und falscher Textileinsatz vorliegen. In diesem Fall stellte sich jedoch heraus, dass sich in erheblichem Umfang Epoxidharz auf der Oberfläche befand.

Der Sachverständige wurde beauftragt, in einem fünf Jahre alten Objekt Feinsteinzeugfliesen zu begutachten. Auffällig war dabei, dass sich auf diesen ein unruhiges, fleckiges und stark verschmutzt wirkendes Oberflächenbild zeigte. Besonders kritisch: Die Oberfläche ließ sich mit gängigen Reinigungsmitteln und -verfahren nicht zufriedenstellend reinigen. Trotz mehrfacher Reinigungsversuche blieben optisch auffällige Rückstände bestehen, die das Gesamtbild des Bodens erheblich beeinträchtigten.
Im Zuge mehrerer Ortstermine und Prüfung möglicher Ursachen wurde festgestellt, dass es sich bei den Rückständen um nicht vollständig entfernte Epoxidharzreste handelte, die während der Verfugung in der Bauphase auf die Oberfläche der Fliesen gelangt waren. Die ursprünglich transparenten Rückstände des Epoxidharzes hatten sich im Laufe der Zeit dunkel verfärbt. Dies führte nicht nur zu einem optischen Mangel, sondern auch zu einer Herausforderung im Reinigungs- und Unterhaltsprozess.
Reinigung mit Epoxidharzentferner: Vorgehensweise und Methodik
Zwecks Sanierung wurde eine Musterfläche angelegt. Hierbei wurde die Reinigung unter Einsatz eines Spezialprodukts zur Epoxidharzentfernung in leicht flüssiger bis gering pastöser Form durchgeführt. Dieses Produkt wurde speziell für das Lösen und Entfernen von Epoxidharzrückständen auf Oberflächen entwickelt. Die Anwendung erfolgte gemäß Herstellervorgabe unter Berücksichtigung der von diesem vorgegebenen Einwirkzeit. Anschließend wurde die Fläche mechanisch mit einem Pad bearbeitet und mit Wasser in Trinkwasserqualität gründlich gespült.
Das Ergebnis zeigte eine deutlich sichtbare Verbesserung der Oberflächenoptik; im zentralen Bereich der Musterfläche waren die Epoxidharzrückstände vollständig entfernt. Besonders augenfällig war die Veränderung im Bereich eines ursprünglich vorhandenen hellen Flecks. Dieser Fleck – eine saubere Stelle – diente als Referenz und Vergleich zu der mit Epoxidharz belasteten Fläche (Bild 1). Nach Durchführung der Reinigungsmaßnahme war dieser Fleck nicht mehr vom umliegenden gereinigten Bereich zu unterscheiden – ein eindeutiger Beleg für die hohe Wirksamkeit der Reinigungsmaßnahme.
Fotodokumentation und visuelle Analyse
Zur besseren Nachvollziehbarkeit dokumentierte der Sachverständige beim Ortstermin die Reinigungsmaßnahmen fotografisch. Auf Bild 2 (unten) ist die Stelle mit dem ehemals hellen Referenzfleck hervorgehoben (Kreis). Die rote Linie markiert eine optisch deutliche Grenze zwischen den unterschiedlich behandelten Bereichen:
- Links der gereinigte Bereich mit erfolgreicher Entfernung des Epoxidharzes (Kreis).
- Rechts Bereiche mit deutlich sichtbaren, verbliebenen Rückständen (Pfeile). Dabei handelt es sich um ältere Musterbereiche, bei denen nicht näher spezifizierte Reinigungsprodukte sowie ein Melaminharzschwamm verwendet worden waren. Diese Vorversuche zeigten bereits eine Teilveränderung der Oberflächenoptik, die Rückstände konnten jedoch nicht vollständig entfernt werden.
Detailaufnahme der Oberflächenstruktur
Ergänzende Makroaufnahmen der Feinsteinzeugfliese veranschaulichen die Unterschiede zwischen den behandelten und unbehandelten Zonen (Bild 3):
- Oben: dunkle, ungleichmäßige, hartnäckige Epoxidharzreste, die tief in die Struktur der Fliese eingedrungen sind.
- Unten: gleichmäßig aufgehellt und strukturell klarer – das Ergebnis einer erfolgreichen Entfernung der Rückstände mittels Epoxidharzentferner.
Wichtig: Die im gereinigten Bereich weiterhin sichtbaren kleinen dunklen Punkte sind keine Rückstände, sondern Teil der werksseitigen Strukturierung der Feinsteinzeugfliese. Diese sind materialbedingt und produktionstechnisch gewollt und stellen keinerlei hygienisches oder ästhetisches Problem dar.
Ursachen für die Epoxidharzrückstände
Die Entstehung der hartnäckigen Epoxidharzverunreinigungen ist technisch gut nachvollziehbar. Während der Verfugung mit epoxidharzbasiertem Material wurden geringe Mengen des Produkts auf die Fliesenoberfläche aufgetragen, ohne unmittelbar danach vollständig entfernt zu werden. Diese Rückstände verhärteten und veränderten sich im Laufe der Zeit durch:
- Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen,
- Schmutzeintrag durch Baubetrieb und die anschließende übliche Nutzung,
- Einwirkung von UV-Strahlung und Sauerstoff
- sowie mechanische Beanspruchung durch Begehung und Reinigungsversuche.
Epoxidharz besitzt eine hydrophobe und gleichzeitig klebrige Oberfläche (auch wenn dies haptisch nach einiger Zeit nicht mehr wahrnehmbar ist), was zu einer besonders starken Anlagerung von Schmutzpartikeln, Feinstaub, Mikroorganismen und organischen Rückständen führt. Diese lagern sich in mikroskopischen Vertiefungen der Epoxidharzreste ab und bilden mit der Zeit eine kompakte, optisch dunkle und schwer lösbare Schicht.
Hinzu kommt die chemische Oxidation des Harzes durch UV-Strahlung und atmosphärischen Sauerstoff. Dieser Prozess führt zur Bildung von chromophoren Verbindungen, welche das Licht absorbieren und die Rückstände visuell deutlich dunkler erscheinen lassen. Die Polymerstruktur des Harzes verändert sich damit dauerhaft.
Mechanische Belastungen durch Verkehr und unsachgemäße Reinigungen verschärfen das Problem: Die Oberfläche der Epoxidharzreste, die sich auf der Feinsteinzeugfliese befinden, wird weiter aufgeraut, wodurch die Anhaftung von Schmutz nochmals verstärkt wird. Dies erklärt auch, warum sich die Rückstände nach mehreren Wochen oder Monaten nur noch mit spezialisierten Reinigungsverfahren und Produkten vollständig entfernen lassen.
Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de
Tipp vom Gutachter: Epoxidharzentferner nach Vorgaben einsetzen

Epoxidharzrückstände lassen sich selbst von strukturierten Feinsteinzeugfliesen wirksam entfernen – vorausgesetzt, es kommen passende Produkte und fachgerechte Verfahren zum Einsatz.
Der Einsatz eines Epoxidharzentferners zeigte in der Praxis eine sehr gute Reinigungsleistung und ermöglichte eine vollständige Wiederherstellung der Oberflächenoptik. Greift man auf solch ein Produkt zurück, ist unbedingt die Einwirkzeit und die vom Hersteller vorgegebene Menge beziehungsweise Dosierung zu beachten.
Eine frühzeitige Reinigung nach der Verfugung ist entscheidend, um tiefere Penetration und irreversible Schäden zu vermeiden.
Bei bereits eingetrockneten Rückständen ist eine mechanische Unterstützung und exakte Einhaltung der Produktanleitung unerlässlich.