Digital angebundene Maschinen: Durchblick dank Vernetzung

Angesichts des sich wandelnden Arbeitsmarktes muss sich die Branche auf neue Lösungen einlassen. Ein Dienstleister berichtet über seine Erfahrungen mit einem ­digital vernetzten Flottenmanagementsystem als Zwischenschritt auf dem Weg zu ­umfassenden ­Cleaning-on-Demand-Lösungen.

Die Daten aus dem ­Flottenmanagementsystem ­lassen sich jederzeit am ­Computer einsehen. - © Martin Stollberg/Kärcher

Digitalisierung und Vernetzung sind in aller Munde, auch in der Reinigungsbranche. Was sich mit modernen Mitteln wie einem webbasierten Flottenmanagementsystem bewegen lässt, zeigt ein Blick auf die Abläufe bei der mittelständischen Gebäudereinigung Wasserle aus dem bayerischen Kaufering. Dabei hat das vielfach ausgezeichnete Familienunternehmen, das für eine Imageverbesserung der Reinigungsbranche wirbt, eine größere Vision: Bedarfsorientierte Reinigung statt festem Reinigungsplan.

"Sauberkeit als Leidenschaft" lautet der Slogan des 2004 von Markus Wasserle als Ein-Mann-Firma gegründeten Unternehmens, das der Gebäudereinigermeister zu beachtlicher Größe gebracht hat. Aktuell beschäftigt die Firma, die sich auf die Schwerpunkte Glas- und Fassadenreinigung sowie das Reinigen von Tiefgaragen, Büros und Treppenhäuser spezialisiert hat, 350 Mitarbeiter aus über 25 Ländern. "Unser Team besteht überwiegend aus Vollzeitkräften, und das aus gutem Grund", sagt Markus Wasserle, der ehrenamtlich auch Kreishandwerksmeister im Landkreis Landsberg ist. "Wir wollen berufliche Heimat bieten, nicht nur einen Job." Entsprechend greift das Unternehmen, das sich innerbetrieblich dem Prinzip Fordern und Fördern verschrieben hat, seinen Mitarbeitern mit praktischen Angeboten unter die Arme. Das Spektrum reicht von Sprachkursen für eine schnelle Integration über Hilfe bei Behördengängen, Firmenwohnungen und Mitarbeiterkrediten bis zur Gratisnutzung der hauseigenen Kfz-Werkstatt. Nach einjähriger Betriebs­zugehörigkeit erhalten Mitarbeiter die Möglichkeit, sich am Kapital der Firma zu beteiligen.

"Auch wenn wir uns als Wirtschaftsunternehmen durch Leistung im Markt behaupten müssen, setzen wir auf Menschlichkeit und Partnerschaft", sagt Markus Wasserle. "Sozial- und Preisdumping lehnen wir ab. Neben absoluter Kundenorientierung stehen bei uns Professionalität und Respekt im Mittelpunkt. Reinigung ist eine Tätigkeit, auf die wir stolz sind und die wir in einem familiär geprägten Umfeld erbringen."

Wirtschaftlich wie auch in der öffentlichen Wahrnehmung ist die Gebäudereinigung Wasserle stark aufgestellt. Mit rund 200 gewerblichen Kunden, darunter Prestigeobjekte wie der O2-Tower (Bayerns höchster Wolkenkratzer), nimmt die Firma in der Metropolregion München eine wichtige Marktposition ein. Selbst im Corona-Jahr 2020 konnte der Umsatz um 15 % gesteigert werden. Seit Jahren gewinnt das mittelständische Unternehmen regelmäßig renommierte Preise und Auszeichnungen in den ­Kategorien Nachhaltigkeit, Familienfreundlichkeit und Bester Arbeitgeber. Erst kürzlich ging bundesweit der zweite Platz beim Mittelstands-Ranking Great Places to Work 2022 nach Kaufering. "Wasserle ist ein Leuchtturm der Branche", sagt Rene Svoboda, der als Digital Consultant beim Kärcher-Vertrieb Deutschland in Winnenden eng mit der Firma aus Kaufering zusammenarbeitet.

Flottenmanagementsystem 2018 ­eingeführt

Der Startschuss für den Einsatz von Reinigungsmaschinen mit dem webbasierten Flottenmanagementsystem Kärcher Fleet bei Wasserle fiel 2018. Markus Wasserle berichtet: "Nachdem ich schon länger, angespornt durch das starke Wachstum der Firma, nach digitalen Lösungen zur transparenten Erfassung und Einsatzsteuerung unseres Maschinenparks gesucht hatte, entdeckte ich auf der CMS 2017 am Kärcher-Stand eine kom­plette Serie von professionellen Scheuersaugmaschinen mit exakt dieser Op­tion. Mein Favorit war dabei die besonders wendige BR 45/22, bei der sich der Bürsten­kopf direkt über das Lenkrad steuern lässt. Wie geschaffen schien dieses akkubetriebene Modell für die maschinelle Reinigung von kleinen und verwinkelten Zwischen­ebenen in den gut 1.000 Treppenhäusern, die wir Woche für Woche auf dem Plan haben und hier mit Wischmopp und Bürste bislang echte Knochenarbeit leisten mussten."

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    © Kärcher
    Das Dashboard liefert visuell gut aufbereitete Informationen.
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    Markus Wasserle ist Gründer und Chef der mittelständischen Gebäudereinigung Wasserle, die das webbasierte Flottenmanagementsystem auf breiter Front nutzt und sich aktiv mit dem Thema Cleaning on Demand befasst.
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    Eine akkubetriebene Direktlenker-Scheuersaugmaschine ist das Einstiegsmodell in die verlinkte Welt. Über 60 dieser Geräte sind bei Wasserle im Einsatz.
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    In der firmeneigenen Kletterei wird der Nadelvlies-Teppichboden regelmäßig mit einem Waschsauger gereinigt.

Nach umfangreichen Tests des Flottenmanagementsystems im laufenden Betrieb von zwei vernetzen BR-45/22-Geräten, die ihre Leistungsfähigkeit bei der Reinigung von durch winterlichen Salzauftrag verschmierten Hartböden unter Beweis stellen mussten, erfolgte ab 2018 die komplette Ausrüstung der Wasserle-Flotte mit Maschinen aus Winnenden. Aktuell sind knapp 100 Kärcher-Geräte im Einsatz, wobei das Spektrum von Scheuersaugmaschinen über Kehrmaschinen bis zu Saugern und Geräten für die Teppichreinigung reicht. "Dank Fleet wurde Wasserle binnen kurzer Zeit zu einem wichtigen Partner, den wir längst in den Kreis unserer Testkunden aufgenommen haben. Sie versorgen uns mit praktischem Feedback aus dem Markt, um unsere Produkte kontinuierlich zu verbessern", berichtet Rene Svoboda.

Immer und überall informiert

Das Flottenmanagementsystem wird als Abo für eine Vielzahl von professionellen Reinigungsmaschinen aus dem Kärcher-Programm angeboten. Das Einstiegsmodell in die verlinkte Welt bildet die handliche Direktlenker-Scheuersaugmaschine BR 45/22, die mit über 60 Geräten in der Flotte von Wasserle vertreten ist und bei sämtlichen Treppenhausreinigungen eingesetzt wird. Um die Kommunikation zu ermöglichen, sind die Reinigungsmaschinen mit einer Telematikbox und einer globalen SIM-Karte ausgestattet. Der Datenaustausch erfolgt nahezu in Echtzeit. Die in einer speziell gesicherten Cloud-Datenbank gesammelten und aufbereiteten Informationen werden über ein Webportal autorisierten Nutzern zugänglich gemacht, die über genau definierte Zugangsberechtigungen und Passwörter exakt eingegrenzt sind. So kann der Chef einer Reinigungsfirma auf sämtliche Informationen in seinem Account zugreifen, während ein Objektleiter nur die für ihn relevanten Daten sieht.

Abrufbar sind unterschiedliche Informationen. Das Spektrum reicht vom genauen Standort jedes einzelnen Gerätes über die aktuelle Verfügbarkeit bis zu den tatsächlichen Lauf- beziehungsweise Arbeitszeiten (mit Abgleich von Ist- und Soll-Werten). Implementiert ist ein Ampel-Warnsystem, das auf Probleme oder Störungen hinweist. Für schnellen Durchblick sorgt ein Dashboard, eine grafische Benutzeroberfläche, in der die erhobenen Informationen leicht verständlich visualisiert sind. Dank der Cloud-Technologie kann der Zugriff von überall und zu jeder Zeit erfolgen: Im Büro wie auch von unterwegs.

Mehr Transparenz und Objektivität

"Mit dem Flottenmanagementsystem haben wir ein Tool, das uns zusätzliche Transparenz und Objektivität liefert und so unsere Abläufe und Prozesse weiter verbessert", lautet das Fazit von Firmenchef Markus Wasserle. Bei der wöchentlichen Teamsitzung des Managements ist das digitale Tool Fleet ein fester Tagesordnungspunkt. "Mit den Echtzeitdaten sind wir immer auf dem Laufenden und können schnell nachsteuern“, sagt Sabrina Wasserle, die für Qualitätsmanagement und Mitarbeiterförderung zuständig ist. "Wird eine Maschine kaum oder gar nicht genutzt, kann das etwa an einem technischen Defekt liegen. Vielleicht haben wir aber auch einen neuen Kollegen vor Ort, dem wir mit einer Nachschulung unter die Arme greifen können. Liegen die Laufzeiten eines Gerätes dauerhaft zu hoch, können wir das Objekt mit einer größeren Maschine aus unserem Fuhrpark ausstatten, sodass unser Team seine Arbeit schneller und leichter erledigen kann. Cool ist auch der Diebstahlschutz. So konnten wir uns per GPS-Ortung schon mal eine gestohlene Maschine zurückholen."

Reinigen in der Kletterhalle

Zu den exotischsten Orten, an denen die Maschinen zum Einsatz kommen, zählt "Die Kletterei" in Kaufering, ein Eventzentrum mit 15 m hoher Kletter- und Boulderhalle sowie Restaurant. Besitzer dieser 2017 gestarteten Freizeiteinrichtung, die auch Kurse für Glasreiniger und Industriekletterer anbietet, ist Wasserle. "'Die Kletterei', in deren Gebäude sich auch die Firmenzentrale sowie die Wohnung für unsere Großfamilie mit sieben Kindern befindet, ist längst zum Aushängeschild unseres Unternehmens geworden", sagt Markus Wasserle. "Klettern steht für Werte wie Mut, Vertrauen und Kraft, die uns gut beschreiben."

Regelmäßig kommt in der Kletterhalle der Puzzi 10/1 zum Einsatz. Gefordert ist das kompakte Sprühextraktionsgerät bei der fasertiefen Beseitigung von Kreideresten im Teppichboden. Die spezielle Kreide sorgt für besseren Halt beim Klettern und Hangeln. "Ein Riesenplus des Waschsaugers ist die rasche Wiederbegehbarkeit des Teppichs. Möglich macht’s die leistungsstarke Turbine, die dem Nadelvlies beim Absaugen unmittelbar 85 % der Feuchte entzieht", erklärt Richard Szabo, Personaldisponent bei Wasserle, der immer wieder mal selbst mit verschiedenen Kärcher-Geräten arbeitet. "Einziges Manko der kompakten Maschine ist ihre fehlende Fleet-Anbindung", ergänzt Markus Wasserle. Genau hier hat der Hersteller Abhilfe in Aussicht gestellt. "Aktuell entsteht eine neue Software, die auch unsere kleineren Maschinen netzwerkfähig macht", sagt Rene Svoboda.

Cleaning on Demand als ­ambitioniertes Ziel

"Digitales Flottenmanagement ist nur ein erster Schritt in die richtige Richtung", betont Markus Wasserle. "Angesichts des sich wandelnden Arbeitsmarktes und gigantischer Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaneutralität, muss sich auch unsere Branche auf neue Lösungen einlassen. Digitalisierung, Sensorik, Vernetzung und innovative Algorithmen bis hin zur Künstlichen Intelligenz werden auch bei der Gebäudereinigung zum Zuge kommen. Der Trend geht weg von starren Reinigungsplänen, hin zu flexiblen ­Cleaning-on-Demand-Konzepten. Gereinigt wird erst, wenn es tatsächlich notwendig ist. Dieses 'weniger ist mehr' ist gut, vor allem für den Planeten Erde, auf dem auch unsere Nachkommen noch lange sicher leben sollen."

Erfahrungen sammeln im Silicon Valley

Was schon heute im Bereich Smart Cleaning geht, schaute sich Wasserle im März dieses Jahres mit seinem Führungsteam im Rahmen einer USA-Reise beim kalifornischen IT-Unternehmen Zan Compute an. Das Start-up im Silicon Valley ist globaler Technologiepartner von Kärcher für die Entwicklung bedarfsorientierter Reinigungslösungen auf Basis von vernetzter Sensorik und KI. Bei Kunden unterschiedlicher Branchen wie Flughäfen und in großen Bürokomplexen sammelt Zan Compute praktische Erfahrungen bei der Umsetzung neuer Konzepte im Bereich Facility Management.

"Die Reise war ein voller Erfolg", berichtet Markus Wasserle. "Wir konnten direkt mit dem Facility Manager von Face­book sprechen und ihn zu seinen Erfahrungen mit dem System befragen. Laut seiner Aussage haben sich die Reinigungskosten reduziert und die Qualität ist dabei konstant geblieben. Zentral ist für uns, dass der Mensch auch beim Smart Cleaning wichtig bleibt. Reinigung und Pflege müssen auch künftig Tätigkeiten sein, die Menschen intrinsisch motivieren und zufrieden machen."

Martin Wendland, freier Journalist | markus.targiel@holzmann-medien.de