
Rosalia Zelenka kommt, um die Spuren des Allerschlimmsten zu löschen: Ein Mord, ein Selbstmord, eine verwüstete Messie-Wohnung. Als Tatortreinigerin beseitigt sie die Spuren von Gewalttaten. Ihre Erlebnisse hat sie in einem Buch festgehalten. Sie berichtet mit gespenstischer Sachlichkeit, wie man Leichenfundorte hygienisch einwandfrei reinigt. Denn Blutspuren rasch mal mit dem Tuch beseitigen und den Abfluss hinunterspülen ist gemeingefährlich. Räume mit sich zersetzenden Leichen bergen große Ansteckungsgefahr. Sie geht von Viren aus, die der Leichnam in sich trug, von Schimmelpilzen und von toxischen Leichenzersetzungssubstanzen. Badewasser muss per Hand abgeschöpft werden, spezielle Reinigungsmittel sind notwendig, die menschliches Eiweiß auflösen. Zelenka betritt die Schauplätze von Gewalttaten mit Ganzkörperanzug und Atemmaske, denn auch die Gerüche sind
schwer erträglich. Es kann auch notwendig sein, hochgiftiges Ozongas zur Keimabtötung auszubringen, Böden herauszunehmen und Wände zu schleifen, um die Übertragung von Krankheiten zu unterbinden. Ganz nebenbei hilft sie mitunter bei der Verbrechensaufklärung, weil sie Beobachtungen macht, die von den Kriminalisten übersehen wurden. Da sie als eine der Ers-
ten vor Ort ist, leistet sie zugleich Krisenintervention bei den Angehörigen: „Die Tatortreinigung vermag mehr als die Reinigung und Desinfektion eines Leichenfundortes“, schreibt Zelenka. „Wir leisten bei den Hinterbliebenen psychische Hygiene.“ Die Konfrontation mit dem Tod und den Spuren, die dieser am Ort des Sterbens hinterlässt, hat mehr Ruhe und Ausgeglichenheit in ihr Leben gebracht: „Ich kann nun jeden Moment genießen und beurteile Menschen nicht nach Äußerlichkeiten.“ Die toughe Wienerin ist auch Fassadenreinigerin und schwingt sich, an Seilen gesichert, über die Hochhäuser.