Daytime Cleaning ist mittlerweile in aller Munde und nach Einschätzung vieler Beteiligter in der Branche angekommen. Doch nicht alles, was bei Tageslicht stattfindet, lässt sich auch als Tagesreinigung bezeichnen. Ein Blick auf die Details.

In der Praxis begegnen uns drei Reinigungskonzepte: die Unterhaltsreinigung in Abwesenheit der Nutzer, die Reinigung in Randzeiten und die Tagesreinigung. Die beiden ersten Varianten sind die Standardkonzepte mit einem Anteil von geschätzt rund 90 Prozent.
Der Klassiker: Reinigung auẞerhalb der Betriebszeiten
Die klassische Unterhaltsreinigung findet außerhalb der Betriebszeiten des Kunden statt. Alle anstehenden Reinigungsarbeiten werden systematisch nach einem im Vorfeld festgelegten Ablaufplan durchgeführt. Der Reinigungsablauf wird unter Beachtung der Aspekte Wirtschaftlichkeit, Minimierung der Wegezeiten sowie fachliche Anforderungen geplant. Die Arbeiten werden dann reinigungstäglich in der vorgegebenen Reihenfolge von A bis Z in Teamarbeit oder nach mitarbeiterbezogenen Reinigungsrevieren durchgeführt. Bei der klassischen Unterhaltsreinigung befinden sich zum Zeitpunkt der Reinigung keine Nutzer im Objekt. Alle Reinigungsbereiche sind frei zugänglich, der Reinigungsablauf wird nicht durch äußere Einflüsse gestört. Die Arbeiten finden üblicherweise nach 17 Uhr und vor 7.30 Uhr statt. Diese Systematik bevorzugen die meisten Unterhaltsreinigungskunden, denn dabei wird ihr Betriebsablauf nicht beeinträchtigt. Das ist für viele Kunden und deren Gebäudenutzer attraktiv.
Eine Art Kompromiss: Reinigung in den Randzeiten
Etwas anders verhält es sich bei der Unterhaltsreinigung in den Randarbeitszeiten des Kunden, also in einem Zeitkorridor, in dem sich die Kernarbeitszeit dem Ende zuneigt: Ein Teil der Nutzer ist noch zugegen, ein anderer Teil bereits im Begriff, den Arbeitsplatz zu verlassen. Dieses Reinigungskonzept beginnt in der Regel etwas früher als die klassische Unterhaltsreinigung, oft schon ab 15.30 Uhr. Dabei kommt es zwar vor, dass die Reinigungskräfte auf Nutzer treffen, die am Rande der üblichen Betriebszeiten des Kunden im Gebäude anwesend sind. Bei dieser Art der Unterhaltsreinigung kann man aber nicht von Tagesreinigung im eigentlichen Sinn sprechen.
Tagesreinigung pur: Einsatz im laufenden Betrieb
Tagesreinigung wird nahezu vollumfänglich während der Kernarbeitszeit des Kunden und dessen Nutzern durchgeführt. Es handelt sich um ein Reinigungskonzept, bei dem die Leistungen während der üblichen Betriebs-, Arbeits- beziehungsweise Nutzungszeiten eines Gebäudes und damit im laufenden Betrieb erbracht werden. UNI Europa zum Beispiel, europäischer Gewerkschaftsverband für Beschäftigte im Dienstleistungssektor, beschreibt Daytime Cleaning als Reinigung zu den üblichen Öffnungs- und Geschäftszeiten, die in die betrieblichen Abläufe der Kundeneinrichtung integriert ist.
Das Arbeitszeitfenster beginnt etwa um 7.30 Uhr und endet in der Regel spätestens um 18 Uhr. Entscheidend ist jedoch nicht eine bestimmte Uhrzeit, sondern die Reinigung in den regulären Nutzungs- beziehungsweise Betriebszeiten eines Objekts. Tagesreinigung bedeutet nicht eine Reinigung irgendwann am Tag beziehungsweise bei Tageslicht, sondern Arbeiten in Anwesenheit des Kunden und/oder dessen Beschäftigten. Das zentrale fachliche Merkmal ist die zeitliche Überschneidung von Reinigung und Gebäudenutzung. Ein weiteres Merkmal ist, dass nicht zwangsläufig jeder Bereich zu einem festen Zeitpunkt gereinigt wird. Vielmehr können Nutzungsintensität und Verschmutzungsgrad berücksichtigt werden. Beispielsweise kann ein stark frequentierter Sanitärbereich häufiger kontrolliert und bei Bedarf gereinigt werden.
Kommunikation mit den Nutzern möglich
Daytime Cleaning ersetzt keine Tageskraft für unvorhergesehene Aufgaben, kann aber ein Mehr an Service bieten. Denn die Reinigungskräfte sind während der Betriebszeit sichtbar und es entsteht eine unmittelbare Kommunikationsmöglichkeit mit den Nutzern. Der individuelle Reinigungsbedarf kann direkt gemeldet und von den Reinigungskräften zeitnah abgearbeitet werden. Sie übernehmen damit neben der eigentlichen Reinigung teilweise auch eine Service- und Kommunikationsfunktion.
Die Vorteile für Gebäudedienstleister und deren Mitarbeitende in Organisation und Reinigung liegen auf der Hand: Wenn Reinigungsarbeiten überwiegend in den üblichen Geschäfts- und Betriebszeiten stattfinden, werden sehr frühe Morgen- oder späte Abendarbeitszeiten auf ein Minimum reduziert – mit positiven Folgen auch für die Personalrekrutierung. Für Reinigungskräfte hat Tagesreinigung insbesondere im Zusammenhang mit attraktiven Arbeitszeiten und Vereinbarkeit von Beruf und Familie beziehungsweise Privatleben erhebliche Vorteile gegenüber der klassischen Unterhaltsreinigung. Somit wird auch die Bindung der Beschäftigten an das Reinigungsunternehmen positiv beeinflusst. Die Möglichkeit, den Arbeitsplatz bei Tageslicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, ist ein weiteres Plus. Zudem findet eine Verlagerung weg von Minijobs hin zu sozialversicherungspflichtigen Midijobs oder Vollzeitbeschäftigungen statt.
Die Organisation ist entscheidend
Ein weiterer Unterschied zur Unterhaltsreinigung außerhalb der Betriebszeiten liegt in der Organisation der Arbeitsabläufe. Die Reinigung muss sich bei Tagesreinigung an den laufenden Betrieb anpassen. Deshalb sind insbesondere Flexibilität, Priorisierung, Kommunikation und eine gute Abstimmung der Reinigungskräfte mit den Nutzern wichtig. Tagesreinigung stellt höhere Anforderungen an die Reinigungsunternehmen in Bezug auf Arbeitsorganisation, Kundenkommunikation, Koordination der Arbeitsabläufe sowie das Auftreten der Reinigungskräfte zum Beispiel in puncto Arbeitsbekleidung, Reinigungsequipment und Kommunikationsfertigkeiten.
Ohne kunden- und nutzerbezogene individuelle Reinigungsplanung kommt es zu Beeinträchtigungen sowohl bei den Nutzern als auch bei den Reinigungskräften, Nutzungskonflikte entstehen und auf beiden Seiten kann es dadurch zu einer negativen Wahrnehmung kommen. Daher ist bei der Tagesreinigung die konkrete Ausgestaltung der Arbeitsabläufe entscheidend. Bei der Planung der Arbeiten müssen der Kunde und seine Objektnutzer intensiv einbezogen werden. Die Reinigungszeiten müssen beispielsweise an Besprechungen, Stoßzeiten, Pausen oder Publikumsverkehr angepasst werden. Eine schlechte Planung kann dazu führen, dass Reinigungskräfte häufig ihre Arbeitsabläufe unterbrechen müssen. Beide Seiten müssen daher ein gewisses Maß an Flexibilität an den Tag legen.
Häufig sinkt das Schmutzaufkommen
Tagesreinigung heißt, dass die Reinigungskräfte nicht mehr außerhalb der Wahrnehmung der Nutzer ihrer Tätigkeit nachgehen, sondern Teil des betrieblichen Arbeitsablaufs sind. Durch die Sichtbarkeit der Tätigkeit wird die Arbeit der Reinigungskräfte stärker wahrgenommen und in der Regel auch wertgeschätzt. Rückfragen, Hinweise oder besondere Reinigungsbedarfe können unmittelbar kommuniziert und abgestimmt werden. Ein weiterer positiver Nebeneffekt von Tagesreinigung ist, dass das Schmutzaufkommen und somit der Reinigungsaufwand sich üblicherweise reduzieren. Die Nutzer verhalten sich meist disziplinierter in Bezug auf die Verursachung von Verunreinigungen. Die Reklamationsrate sinkt erfahrungsgemäß bei Steigerung der Nutzerzufriedenheit in Sachen Reinigung. Der subjektive Reinigungsbedarf des Nutzers wird wahrgenommen und in den Arbeitsablauf integriert. Zudem können Spontanverschmutzungen umgehend beseitigt werden.
Nötig ist ein individueller Reinigungsplan
Um Tagesreinigung erfolgreich zu platzieren, ist neben organisatorischen Maßnahmen und Verständnis auf beiden Seiten ein speziell auf den Kunden und seine Nutzer abgestimmter Reinigungsplan erforderlich, der dem Betriebsablauf Rechnung trägt. Die Arbeiten in stark frequentierten Bereichen, Aufzügen, sanitären Anlagen und Haupttreppenhäusern müssen zur der Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs sowie der Arbeitssicherheit (Rutschgefahr!) möglicherweise außerhalb der Betriebszeiten erfolgen. Sanitäre Anlagen werden beispielsweise vor Betriebsbeginn gereinigt und gegen Ende die Aufzüge, Treppenhäuser und Eingangsbereiche. Sinnvoll ist es, einen Wochentag zu vereinbaren, an dem eine Vollreinigung aller Räume durchgeführt wird. Dies ist elementar, da es unter der Woche vorkommen kann, dass ein Nutzer keine Reinigung wünscht, weil die Arbeiten seinen Ablauf zu sehr stören würden. So ist gewährleistet, dass alle vertraglich vereinbarten Leistungen erbracht werden können und alle Räume sich in einem sauberen und gepflegten Zustand befinden.
Möglichst Akku-Geräte einsetzen
Das Reinigungsequipment muss gut gepflegt und sauber sein und zum jeweiligen Kunden passen. Dies gilt auch für die Arbeitsbekleidung der Reinigungskräfte, denn sie sind Teil der Außenwahrnehmung. Der Reinigungswagen sollte aus Sicherheitsgründen abschließbare Fächer haben und immer in einem ansprechenden, sauberen Zustand sein. Auch bei den Reinigungsmaschinen muss gut geplant werden. Die Verwendung von kabelgebundenen Staubsaugern verbietet sich aus Gründen der Arbeitssicherheit, zu hoch wäre die Stolpergefahr für Nutzer und Besucher. Grundsätzlich sollten bei Tagesreinigung nur akkubetriebene Maschinen (zum Beispiel Akku-Sauger) eingesetzt werden. Zudem ist bei allen elektrischen Reinigungsmaschinen auf eine geringe Lautstärke zu achten, um den Geschäftsbetrieb so wenig wie möglich zu stören. Für die Reinigung von Fluren bieten sich Scheuersaugroboter an – sie machen optisch etwas her, nehmen Rücksicht auf die Nutzer, hinterlassen keine Restnässe und zeigen, dass das Reinigungsunternehmen innovativ ist, sich mit neuen Reinigungstechniken auskennt und sie einsetzt.
Zufriedenere Nutzer, mehr Qualität
Zusammenfassend lässt sich sagen: Tagesreinigung bietet Potenzial für attraktivere Arbeitszeiten und eine stärkere Integration der Reinigung in die Abläufe, stellt aber gleichzeitig höhere Anforderungen an den Gebäudereinigungsbetrieb und die Reinigungskräfte sowie an den Kunden und dessen Beschäftigte. Ein Kostenvorteil für den Kunden entsteht eher nicht, aber die Nutzerzufriedenheit erhöht sich und die Reinigungsqualität nimmt zu. Tagesreinigung ist allerdings nicht überall umsetzbar und hat ihre Grenzen dort, wo starker Publikumsverkehr herrscht. Dies gilt zum Beispiel in Einkaufszentren, öffentlichen Behörden wie Zulassungsstellen oder Produktionsbetrieben und Freizeiteinrichtungen.
Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de
Uwe Büttner
ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und selbstständiger Berater mit dem Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen (reinigungsexperte.de).

