Die Zeiten sind unsicher, die Wirtschaft schwächelt. Trotzdem hat sich das Gebäudereiniger-Handwerk im vergangenen Jahr gut geschlagen. Die Mehrheit der Dienstleister, die sich an der diesjährigen Branchenbefragung von rationell reinigen beteiligt haben, blickt zudem mit Zuversicht in die Zukunft.

Zum mittlerweile 32. Mal haben wir im Zeitraum Mai/Juni die Umfrage Gebäudedienste in Deutschland durchgeführt, an der in diesem Jahr wieder knapp 100 Unternehmen der Branche mitgewirkt haben – bundesweit und quer durch alle Betriebsgrößen. Ziel des resultierenden Branchenspiegels, den wir in bewährter Zusammenarbeit mit selbstständigen Beratern der JMS Augsburg e.V. als studentische Unternehmensberatung der Universität Augsburg sowie der Technischen Hochschule Augsburg erstellt haben, ist es, zum einen auf die Geschäftsentwicklung der Dienstleister im vergangenen Jahr zurückzublicken, zum anderen aber auch ein aktuelles Lagebild der Branche zu zeichnen und dabei herauszuarbeiten, mit welchen Herausforderungen sich die Unternehmen derzeit konfrontiert sehen und wie sie diese zu meistern gedenken.
Zunächst der Rückblick auf 2025: Im Durchschnitt konnten die befragten Betriebe ihren Umsatz um 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Verglichen mit der Branchenentwicklung 2024 hat sich das Wachstum leicht um einen Prozenpunkt abgeschwächt. Geht man weiter zurück und betrachtet die Jahre 2023 (+10,7 Prozent) und 2022 (+9 Prozent), fällt der Rückgang zwar deutlicher aus; angesichts der wirtschaftlich schwierigen Lage, in der sich nicht zuletzt viele Kunden der Gebäudereiniger befinden, hält sich die Branche trotzdem wacker.
Zur Gegenüberstellung von Zahlen mit den vorhergehenden Branchenspiegeln sei angemerkt, dass die Teilnehmer von Umfrage zu Umfrage variieren und sich somit kein direkter 1:1-Vergleich ziehen lässt; da allerdings immerhin 77 der 96 Dienstleister, die an der diesjährigen Befragung teilgenommen haben, auch beim letztjährigen Branchenspiegel vertreten waren, erlauben die Ergebnisse dennoch belastbare Rückschlüsse auch auf mittel- und längerfristige Entwicklungen und Trends innerhalb der Branche.
Während der Umsatz im Gebäudereiniger-Handwerk wie erwähnt im zurückliegenden Geschäftsjahr um knapp sechs Prozent gestiegen ist, hat sich die Anzahl der Mitarbeiter im selben Zeitraum lediglich um 1,1 Prozent erhöht. In Summe beschäftigten die an der Umfrage beteiligten Unternehmen 2025 knapp 352.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Anteil geringfügig Beschäftigter betrug dabei 37,6 Prozent und ist damit im Vergleich zur letztjährigen Befragung (40,2 Prozent) weiter zurückgegangen. Auf Vorjahresniveau bewegte sich die durchschnittliche Wochenarbeitszeit mit 21 Stunden.
Abgefragt haben wir zudem einmal mehr die Anzahl der Azubis in den Betrieben, untergliedert in die drei Bereiche Gebäudereiniger-Azubis, sonstige gewerbliche Azubis und kaufmännische Azubis. Kein Geheimnis ist, dass sich insbesondere für die Ausbildung zum Gebäudereiniger beziehungsweise zur Gebäudereinigerin immer schwerer Nachwuchs finden lässt. Von daher könnte man es zumindest als kleinen Hoffnungsschimmer werten, dass die 96 befragten Betriebe für 2025 in diesem Bereich insgesamt 472 Auszubildende meldeten – und damit rund 50 mehr als im Jahr davor. Bei den sonstigen gewerblichen Azubis waren es 1.247 (2024: 1.023) und bei den kaufmännischen Azubis 574 (2024: 650).
Dauerthema Arbeitskräftemangel
Der Arbeits- und Fachkräftemangel ist und bleibt wohl eine der zentralen Herausforderungen für die Branche. Rund drei Viertel der befragten Unternehmen gaben an, dass sie stark oder sehr stark davon betroffen sind. Für die meisten von ihnen ist die Situation derzeit aber noch beherrschbar. Nichtsdestotrotz mussten knapp 20 Prozent der Betriebe bereits Aufträge ablehnen, weil sie nicht ausreichend Personal fanden.
In Sachen Recruiting setzen die Unternehmen neben klassischen Stellenanzeigen oder der bewährten Mund-zu-Mund-Propaganda unter den Beschäftigten immer stärker auf individuelle und niederschwellige Ansprache über digitale Kanäle, insbesondere Social Media wie Instagram, Facebook, WhatsApp und Co. Oder wie es einer der Umfrageteilnehmer formuliert: "Wir gehen dorthin, wo unsere potenziellen Kolleginnen und Kollegen tatsächlich unterwegs sind. Entscheidend ist dabei nicht die Reichweite, sondern die Ehrlichkeit."
Auf die Frage, ob das Thema Arbeitskräftemangel angesichts reduzierter oder gar komplett wegfallender Leistungen womöglich in den Hintergrund rücken könnte, antworteten 10,2 Prozent der Befragten mit "Ja" und gaben an, dass sie durchaus mehr Leistung erbringen könnten, als aktuell beauftragt wird. Rund 70 Prozent gaben an, dass sie zumindest derzeit noch genügend Aufträge hätten, um diese mit dem aktuellen Mitarbeiterstamm abarbeiten zu können.
Steigende Kosten und ausufernde Bürokratie belasten die Betriebe
Neben dem Dauerthema Arbeitskräftemangel bereiten die stark steigenden Kosten bei Materialien, Ausrüstung und auch bei den Löhnen den Dienstleistern zunehmend Kopfzerbrechen. Einer der Umfrageteilnehmer formuliert es wie folgt: "Wir bewegen uns auf einen Punkt zu, an dem rein über den Preis kalkulierte Aufträge schlicht nicht mehr seriös zu liefern sind. Das zwingt die Branche – und auch die Auftraggeber – zu einer ehrlicheren Diskussion darüber, was Qualität kostet."
Zunehmend zur Belastung werden für die Unternehmen auch die bürokratischen Vorgaben, deren Abbau ungeachtet aller Beteuerungen der Politik nicht oder nur schleppend vorangeht. Die Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung, die nunmehr seit über einem Jahr im Amt ist, beurteilt die Mehrheit der Befragten insgesamt eher kritisch. Der allgemeine Tenor: Nicht alles ist schlecht, aber vieles ist zu wenig durchdacht oder geht zu langsam voran. Eine Stimme dazu im Wortlaut: "Die Stromsteuersenkung etwa war ein Signal – wenn auch eines, das primär die produzierende Industrie erreicht und am Mittelstand der Dienstleistung weitgehend vorbeigeht. Der Anspruch, die Bürokratiekosten um 25 Prozent zu reduzieren, ist richtig formuliert – spürbar geworden ist davon im Alltag bisher wenig. Wer einen Betrieb mit mehreren Tausend Mitarbeitenden führt, merkt jeden zusätzlichen Formularsatz sofort. Was wir uns wünschen würden: eine Wirtschaftspolitik, die den Mittelstand nicht nur als Adressaten von Sonntagsreden begreift, sondern als das, was er ist – das Rückgrat regionaler Wertschöpfung."
Technologieoffenheit wird essenziell
Angesichts der vielfältigen Planungsunsicherheiten wird es für die Betriebe immer wichtiger, Prozesse zu optimieren und sich technologisch weiterzuentwickeln, um langfristig im Wettbewerb bestehen zu können. Hierzu zählt unter anderem der zielgerichtete Einsatz etwa von Automatisierung und auch Künstlicher Intelligenz. Beispiel Reinigungsrobotik: Mittlerweile setzen bereits knapp 45 Prozent der befragten Dienstleister entsprechende Geräte im Echtbetrieb bei ihren Kunden ein, weitere rund 23 Prozent befinden sich immerhin schon in der Testphase.
Im Zusammenhang mit dem Thema Robotik wollten wir zudem wissen, wie die Unternehmen zum Einsatz humanoider Roboter, die derzeit in aller Munde sind, im Umfeld der Gebäudereinigung stehen. Über die Hälfte (53,4 Prozent) der Befragten pflichtet der Einschätzung bei, dass die menschenähnlichen Maschinen perspektivisch wertvolle Dienste bei der Gebäudereinigung leisten könnten. Nur neun Prozent sind der Ansicht, dass humanoide Roboter dafür keine Option sind. Fast ein Viertel der Befragten (23,9 Prozent) gibt in diesem Kontext an, dass man erst die aktuellen Reinigungsroboter wirtschaftlich ans Laufen bringen müsse, bevor sich die Branche mit der nächsten Technologiestufe beschäftigen sollte.
Noch ein paar Anmerkungen zum Thema Künstliche Intelligenz: Rund drei Viertel der Betriebe beschäftigen sich bereits mehr oder weniger intensiv mit KI. Zum Einsatz kommen darauf basierende Lösungen bis dato vor allem in Bereichen wie Marketing, Personal und Verwaltung etwa zur Automatisierung des Schriftverkehrs beziehungsweise zur E-Mail-Kommunikation, zum Erstellen von Anweisungen/Schulungen oder auch bei Übersetzungen. Künstliche Intelligenz zur Steuerung des operativen (Reinigungs-)Betriebs ist hingegen noch die Ausnahme; da aber unter anderem die Anbieter von Branchensoftware ihre Lösungen aktuell auf breiter Front in Richtung KI weiterentwickeln, dürfte die Technologie auch hier bald verstärkt Einzug halten.
Perspektive für 2026
Ungeachtet aller Unwägbarkeiten blickt die Mehrheit der Branchenakteure sehr zuversichtlich (7,6 Prozent) oder zumindest eher zuversichtlich (76,1 Prozent) auf das aktuelle Geschäftsjahr. Lediglich 16,3 Prozent sind nicht oder eher nicht zuversichtlich.
Günter Herkommer | guenter.herkommer@holzmann-medien.de
