Bodenbeläge im Gesundheitswesen: Ein Leitfaden für ­Auswahl ­und Reinigung

An Bodenbeläge im medizinischen Bereich werden die unterschiedlichsten ­Anforderungen gestellt. Welche Beläge sind aufgrund ihrer chemischen und ­mechanischen Eigenschaften für Gesundheitseinrichtungen geeignet und wie ­müssen sie gereinigt und gepflegt werden, damit sie lange halten? Ein Überblick.

Elastische Böden – wie hier ein Elastomerbelag – gehören zu den häufigsten Bodenbelagsarten in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bei hoher mechanischer Belastung sollten sie mit einem Pflegefilm versehen werden. - © beerkoff – stock.adobe.com

Dekoratives Aussehen, Langlebigkeit, Trittsicherheit, leicht zu reinigen und zu desinfizieren, angenehm in der Begehung, fußwarm, geringer Pflegeaufwand und beständig gegen übliche Reinigungs- und Desin­fektionsmittel: Leider gibt es keinen Bodenbelag, der all diese Eigenschaften vereint. Somit muss genau abgewogen werden, wo die Hauptschwerpunkte liegen, bevor in Einrichtungen des Gesundheitswesens ein neuer Bodenbelag verlegt wird.

Grundsätzlich sollten alle Belagsarten in mehreren Stufen gereinigt werden. Dazu zählen staubbindende Verfahren zur Entfernung lose aufliegender Verschmutzungen und die zwei­stufige Nassreinigung zur Entfernung haftender Verschmutzungen. Durch maschinelle Verfahren lassen sich einzelne Schritte ersetzen. Das Ganze wird durch regelmäßige Sanierungsmaßnahmen wie Politur oder Cleanern unterstützt. Auch eine regelmäßige Grund­reinigung gilt als unverzichtbar.

Bei hoher Belastung: Pflegefilm sinnvoll

Die Belastung eines Belags setzt sich zusammen aus dem Schmutzeintrag und der Frequentierung: Von wie vielen Personen wird ein Bodenbelag täglich begangen und wie viel Schmutz wird eingetragen? Dies hat Auswirkungen auf den Reinigungs- und Pflegebedarf. Ist eine hohe Belastung zu erwarten, sollte ein Belag gewählt werden, der mit einem Pflegefilm versehen werden kann.

Üblich sind wasserlösliche Pflegefilme auf Basis von wasserlöslichen Polymeren oder natürlicher Seife. Solche Pflegefilme lassen sich leicht herstellen, bedürfen aber einer regelmäßigen Sanierung. Weniger Aufwand benötigen wasserfeste Pflegefilme auf Basis von Pflegedispersionen. Moderne Hochleistungspflegedispersionen sind so ausgelegt, dass eine jährliche Grundreinigung nicht mehr unbedingt notwendig ist.

In den meisten Gesundheitseinrichtungen findet man unterschiedlichste Bodenbeläge. In allgemeinen Bereichen und Behandlungsbereichen überwiegen elastische Beläge wie Linoleum oder Elastomer. PVC-Beläge waren viele Jahre verpönt, da sie ein schlechtes Image besitzen. Reinigungstechnisch sind sie aber leicht zu behandeln. Aktuell werden vermehrt dekorative Vinylbeläge verlegt, die allerdings bei Weitem nicht die Reinigungsfreundlichkeit besitzen, die ein klassischer, homogener PVC-Belag hat. In Nassbereichen ist die klassische Fliese nach wie vor der meistverbaute Bodenbelag – heute fast ausschließlich als Feinsteinzeugfliese. Kunstharzbeläge werden, obwohl sie sehr gute Eigenschaften besitzen und sich relativ leicht behandeln lassen, nur selten eingebaut. Sie sind vor allem in OPs oder ähnlichen Bereichen zu finden.

Elastische Beläge: Von Linoleum bis PUR

Alle elastischen Beläge enthalten neben dem Bindemittel auch Füll- und Farbstoffe. In den meisten Fällen hat dies für die Reinigung und Pflege keine Auswirkung. Nur die Farbstoffe können durch starke Säuren angegriffen werden. Deshalb muss vor dem Einsatz von starken Säuren (insbesondere Sauerstoffsäuren wie Phosphorsäure, die in vielen Sanitärgrundreinigern enthalten ist) eine Vorprobe an verdeckter Stelle gemacht werden. Sollten solche Produkte auf den Belag gelangen, müssen die Reste sofort entfernt und gut nachgespült werden, um optische Veränderungen zu verhindern. Die meisten elastischen Beläge lassen sich mit einem wasserfesten Pflegefilm versehen. Sind sie lange Zeit im Einsatz, kommt es vor, dass eine erneute Grundreinigung und Einpflege zu Problemen führt. Ist der Belag an sich noch intakt, kann er nach starker Nutzung und Verschleiß durch Aufbringen einer ­neuen Beschichtung/Lackschicht saniert werden.

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    Vor allem, wenn Elastomerbeläge oft mit alkalischen Mitteln oder Desinfek­tionsmitteln behandelt werden, neigen sie zu Kreidung (vorne) – eine typische Alterserscheinung. Eine Sanierung kann Abhilfe schaffen (hinten).
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    Auch Linoleumbeläge – hier zu sehen ein eingepflegter Linoleumbelag mit teilweise entfernter Vergütung – sind im Gesundheitswesen geeignet, allerdings eher für Bereiche, in denen keine hohe mechanische Belastung zu erwarten ist.
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    Der Vorteil von Feinsteinzeugfliesen: Sie sind außerordentlich beständig gegen chemische und mechanische Belastungen.
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    Elastische Böden – wie hier ein Elastomerbelag – gehören zu den häufigsten Bodenbelagsarten in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bei hoher mechanischer Belastung sollten sie mit einem Pflegefilm versehen werden.

Linoleum: Linoleumbeläge bestehen hauptsächlich aus natürlichen Rohstoffen wie Leinöl, Harzen, Holz und Korkmehl, Füllstoffen sowie farbgebenden Pigmenten. Aufgrund der Zusammensetzung sind rohe, unbehandelte Linoleumbeläge sehr porös und saugfähig und benötigen einen Pflegefilm. Dafür sorgen sie für ein angenehmes Raumklima, da sie Feuchtigkeit speichern und wieder an die Raumluft abgeben ­können.

Moderne Linoleumbeläge werden mit einer Vergütung ausgeliefert. Die aus Polyurethan oder UV-gehärtetem Acrylat bestehende Schicht lässt sich durch Nassgrund­reinigung nicht entfernen. Solange die werkseitig aufgebrachte Schicht intakt ist, benötigt der Belag bei durchschnittlicher Belastung keine weiteren Einpflegemaßnahmen. Sobald aber die werkseitige Vergütung beschädigt oder verschlissen ist, kommt der normale Linoleumbelag zum Vorschein. Er kann wie ein typischer Linoleumboden behandelt werden. Probleme machen Beläge, bei denen nur ein Teil der Vergütung abgetragen ist. Dies führt auch bei sachgerechter Reinigung zu einem ungleichmäßigen Oberflächenbild. Es kann nur durch aufwendige Sanierungs- oder Pflegemaßnahmen egalisiert werden.

Linoleum ist empfindlich gegenüber alkalischen Reinigern und starker Mechanik. Die Beläge sind gut geeignet für Bereiche, in denen ein gutes Raumklima gefordert ist und in denen keine hohe Belastung, insbesondere mechanischer Art, durch hohen Schmutzeintrag, zu erwarten ist.

Bewertung

  • Chemische Eignung: Befriedigend. Bei sachgerechter Reinigung und Desinfektion sind keine Schäden zu erwarten.
  • Mechanische Eignung: Befriedigend. Bei sachgerechter Arbeit sind keine Schäden zu erwarten.
  • Reinigungsaufwand: Mittel. Es können die meisten bekannten Verfahren zum Einsatz kommen, im Einzelfall sind spezielle Verfahren notwendig.
  • Pflegeaufwand: Eine Pflege wird empfohlen, andernfalls können vereinzelt Schäden auftreten. Nach Verschleiß der Vergütung: Eine spezielle Pflege wird dringend empfohlen.
  • Gesamturteil: Natürlich, pflegeintensiv und empfindlich gegenüber Alkalien.

Elastomerbeläge: Elastomerbeläge, auch Kautschuk- oder Gummibeläge genannt, bestehen meist aus Kunst­kautschuk und zum Teil aus Naturkautschuk. Neben Kautschuk und den üblichen Inhaltsstoffen wie Füll- und Farbstoffen enthalten sie Alterungsschutzmittel. Sie werden oft als Weichmacher bezeichnet, haben aber andere Eigenschaften und Aufgaben, da Elastomerbeläge von sich aus elastisch sind und keine Weichmacher benötigen. Gummibeläge altern mit der Zeit. Dies wird durch eine Oberflächenveränderung (Kreidung) sichtbar, die sich auch durch eine nass­chemische Grundreinigung nicht vollständig entfernen lässt. Die Alterung wird beschleunigt durch starkes Tageslicht (UV-Licht) und alkalische Reiniger oder Desinfektionsmittel. Gealterte Beläge ohne sichtbare Risse oder durchgehende Beschädigungen lassen sich durch spezielle Verfahren sanieren.

Meist werden Elastomerbeläge ohne Oberflächenvergütung angeboten. Unvergütete Elastomerbeläge zeichnen sich durch ihre besonders dichte, geschlossene Oberfläche aus. Sie haben eine gute mechanische Belastbarkeit, sind sehr angenehm zu begehen und gelten als fußwarm. Bei hoher mechanischer Belastung sollten auch Kautschukbeläge mit einem Pflegefilm versehen werden. Polymerdispersionen, die einen harten Pflegefilm bilden, sind nicht geeignet.

Die chemische Beständigkeit gegen Reinigungs- und Desinfektionsmittel ist nur mittelmäßig. Beläge ­ohne Schutzschicht, die oft mit alkalischen Mitteln oder mit Desinfektionsmitteln behandelt werden, neigen zu Kreidung – eine typische Alterungserscheinung, die durch Sanierung behoben werden kann. Danach sollten die Beläge mit einem Pflegefilm versehen werden. Geeignet sind wasserlösliche Pflegefilme und wasserfeste, beim Einsatz dauerelastische Pflege­dispersionen.

Bewertung

  • Chemische Eignung: Befriedigend. Bei sachgerechter Reinigung und Desinfektion sind keine Schäden zu erwarten.
  • Mechanische Eignung : Gut. Beständig bei großer Belastung (Schmutzeintrag oder starke Frequentierung).
  • Reinigungsaufwand: Einfach bis aufwendig – je nach Struktur.
  • Pflegeaufwand: Eine Pflege wird empfohlen.
  • Gesamturteil: Gute mechanische Belastbarkeit, mittlere chemische Belastbarkeit.

PVC-Beläge: Neuerdings werden PVC-Beläge – PVC steht für Polyvinylchlorid – auch als Vinylbeläge verkauft. Dies soll vom schlechten Image ablenken. PVC-Beläge haben immer noch einen schlechten Ruf in Bezug auf Recycling und im Brandschutz, da bei einem Brand gefährliche Substanzen freigesetzt werden. PVC ist ein sehr harter und spröder Kunststoff. Erst durch Zugabe von Weichmachern wird daraus ein elastisches Material. Die Weichmacher haben ebenfalls zum schlechten Image von PVC-Belägen beigetragen, da sie vom Belag abgegeben werden und von Nutzern aufgenommen werden können. Heute werden oft Weichmacher verwendet, die nicht mehr auf der Basis von Phthalaten beruhen. Phthalate stehen im Verdacht, insbesondere bei Kindern, eine hormonähnliche Wirkung zu besitzen. PVC-Beläge sind sehr beständig gegen die meisten Reinigungs- und Pflegemittel. Nur starke Lösemittel können den Belägen Schäden zufügen. Sie besitzen eine hohe mechanische Verschleißfestigkeit.

Heute besitzen alle PVC-Beläge eine werkseitige Vergütung, meist aus PUR. Es gibt drei Varianten:

  • Klassische homogene Beläge, die vollständig aus einer Schicht PVC bestehen. Sie sind reinigungstechnisch sehr gut. Sollte die Vergütung durch Verschleiß beschädigt oder entfernt worden sein, hat dies nur wenig Einfluss auf die Reinigungsfähigkeit. Sie lassen sich mit allen Pflegedispersionen behandeln und können so immer wieder in einen optisch guten Zustand versetzt werden.
  • Klassische heterogene Beläge bestehen aus mehreren unterschiedlichen Schichten PVC. Sie können eine unterschiedliche Konsistenz aufweisen. Teilweise sind sie auch mit strukturierter Oberfläche ausgestattet.
  • Moderne heterogene Beläge werden häufig als ­Design- oder LVT-Beläge (Luxury Vinyl Tiles) bezeichnet. Sie sehen oft aus wie Holz-, Stein-, Metall- und Textilbeläge – durch die spezielle Oberflächenprägung sind sie vom Original kaum zu unterscheiden. Wegen der strukturierten Oberfläche lassen sich die Beläge aber oft viel schlechter reinigen. In manchen Fällen ist eine manuelle Reinigung nur noch sehr eingeschränkt möglich und es bleibt nur die maschinelle Reinigung. Insbesondere in Bereichen, die oft eine desinfizierende Fußbodenreinigung erfordern, führt dies zu häufigen Zwischenreinigungen.

Bewertung

  • Chemische Eignung: Sehr gut. Beständig gegen ­saure und alkalische Reiniger sowie übliche Flächendesinfektionsmittel.
  • Mechanische Eignung: Sehr gut. Beständig bei sehr großer Belastung (hoher Schmutzeintrag und starke Frequentierung).
  • Reinigungsaufwand: In der Regel einfach. Es können alle Verfahren zum Einsatz kommen. PVC/LVT: Aufwendig. Es müssen spezielle Verfahren angewandt werden.
  • Pflegeaufwand: Eine Pflege wird empfohlen; ohne Pflege können vereinzelt Schäden auftreten.
  • Gesamturteil: Hohe chemische und mechanische Beständigkeit, pflegeleicht.

Polyolefinbeläge: Polyolefinbeläge bestehen aus Kunststoffen wie Polypropylen. Sie waren als weichmacherfreier Ersatz für PVC gedacht. Teilweise werden Poly­olefinbeläge auch heute noch so betitelt. Sie werden meist, wie LVT-Beläge aus PVC, in dekorativen, oberflächenstrukturierten Planken angeboten. Polyolefin hat aufgrund seiner chemisch-physikalischen Eigenschaften eine sehr hohe Widerstandskraft gegenüber Chemikalien (Flaschen von Reinigungsmitteln bestehen aus dem gleichen Material). Leider fehlt es unvergüteten Belägen an mechanischer Festigkeit. Deshalb sind Polyolefinbeläge mit speziellen Oberflächen und einer werkseitigen Vergütung ausgestattet. Dies macht die Beläge relativ unempfindlich gegenüber mechanischer Belastung. Dadurch lassen sie sich mit allen üblichen Verfahren reinigen und pflegen.

Bewertung :

  • Chemische Eignung: Sehr gut. Beständig gegen ­saure und alkalische Reiniger sowie übliche Flächendesinfektionsmittel.
  • Mechanische Eignung: Sehr gut. Beständig bei sehr großer Belastung (hoher Schmutzeintrag und starke Frequentierung).
  • Reinigungsaufwand: Aufwendig. Es müssen spe­zielle Verfahren zur Reinigung und Pflege angewandt werden – abhängig von der Oberflächenstruktur.
  • Pflegeaufwand: Eine Pflege wird empfohlen. Ohne Pflege können vereinzelt Schäden auftreten.
  • Gesamturteil: Hohe chemische Beständigkeit, mitt­lere mechanische Beständigkeit.

PUR-Beläge: PUR oder PU steht für Polyurethan – ein sehr schlagzäher Kunststoff. Erst seit einigen Jahren gibt es PUR-Beläge auch als elastische Varianten. Die Beläge weisen ebenfalls eine sehr gute chemische Beständigkeit gegenüber Reinigungs- und Desinfektionsmitteln auf. Auch gegenüber mechanischer Belastung sind sie sehr widerstandsfähig. Sollten Schäden durch Verschleiß auftreten, können sie nur schlecht saniert werden. Nicht alle PUR-Beläge lassen sich mit einer Pflegedispersion einpflegen.

Bewertung

  • Chemische Eignung: Sehr gut. Beständig gegen ­saure und alkalische Reiniger sowie übliche Flächendesinfektionsmittel.
  • Mechanische Eignung: Sehr gut. Beständig bei sehr großer Belastung (hoher Schmutzeintrag und starke Frequentierung).
  • Reinigungsaufwand: Mittel. Es können die meisten bekannten Verfahren zum Einsatz kommen. Im Einzelfall sind spezielle Verfahren notwendig.
  • Pflegeaufwand: Eine Pflege wird empfohlen. Ohne Pflege können vereinzelt Schäden auftreten.
  • Gesamturteil: Sehr gute chemische und mechanische Beständigkeit, pflegeleicht.

Hartbeläge: Von Stein bis Kunstharz

Steinbeläge: Zu den Steinbelägen gehören alle Natursteine sowie Kunststeine. Unterschieden wird insbesondere nach der Säurebeständigkeit und danach, ob der Stein gepflegt werden muss. Hartgesteine wie Granit, Basalt oder Gneis benötigen im Allgemeinen keine Pflege – anders als Weichgesteine wie Schiefer, Travertin oder Sandstein. Hochalkalische Reiniger können alle Steinbeläge schädigen. Säureempfindliche Steine wie Betonwerkstein, Marmor oder Jura sollten nicht in Bereichen verlegt werden, in denen mit sauren Produkten zu rechnen ist.

Alle Steinbeläge gelten als mehr oder minder porös und können unterschiedlich stark Flüssigkeiten aufnehmen. Je poröser ein Stein, umso weniger eignet er sich ohne weitere Behandlung für Bereiche mit hohem Wassereintrag. Eine Im­prägnierung kann dies erheblich verringern. In Bereichen mit hohem Fettschmutzaufkommen sollten Steinbeläge nicht eingesetzt werden, da dieser Schmutz in den Stein einzieht und sich nur noch schlecht oder gar nicht entfernen lässt. Wie aufwendig sich die Unterhaltsreinigung gestaltet, ist davon abhängig, wie stark die Oberfläche strukturiert ist. Glatte Steinbeläge sind pflegeleicht und mit allen typischen Verfahren zu behandeln. Strukturierte Beläge sind meist sehr aufwendig zu behandeln. Polierte Steinbeläge sollten aufgrund von gesetzlichen Anforderungen nicht für Arbeitsstätten verwendet werden.

Bewertung

  • Chemische Eignung: Gut. Beständig gegen typische Reiniger und übliche Flächendesinfektionsmittel.
  • Mechanische Eignung: Gut. Beständig bei großer Belastung (Schmutzeintrag/starke Frequentierung).
  • Reinigungsaufwand: Mittel. Es können die meisten bekannten Verfahren zum Einsatz kommen. Im Einzelfall sind spezielle Verfahren notwendig, abhängig von der Oberflächenstruktur.
  • Pflegeaufwand: Eine spezielle Pflege wird dringend empfohlen, abhängig von der Gesteinsart. Ohne Pflege werden Schäden vereinzelt auftreten.
  • Gesamturteil: Gute chemische und mechanische Beständigkeit, pflegeleicht.

Keramische Beläge: Keramische Beläge sind alle Arten von gebrannten Fliesen sowie Klinker- und Cottobe­läge. Feinsteinzeugfliesen gehören zu den gängigsten Bodenfliesen. Es gibt sie unbehandelt, geschliffen und glasiert. Glasierte Feinsteinzeugfliesen verhalten sich wie klassische Fliesenbeläge und erzeugen, je nach Oberflächenbeschaffenheit, nur wenige Probleme bei der Reinigung. Es kommt jedoch nicht nur auf das Material an, sondern auch auf die Fugen. Klassisch verlegt heißt zementöse Fugenmasse. Sie ist mechanisch empfindlich und gegenüber sauren Produkten nicht beständig. Außerdem neigen zementöse Fugen aufgrund ihrer Porosität zur Geruchsbildung. Dies kann durch Kunstharzfugen (zum Beispiel Epoxidharz) verhindert werden. Beim Einbau muss aber gut darauf geachtet werden, dass alle überschüssigen Reste der Fugen­masse von der Fliese entfernt werden (Nebenleistung des Fliesenlegers), da eine spätere Entfernung durch den Gebäudereiniger (Sonderleistung) nicht oder nur mit sehr großem Aufwand möglich ist.

Feinsteinzeugfliesen haben sehr viele herausragende Eigenschaften. Dazu gehört eine außerordentliche Beständigkeit gegen chemische und mechanische Belastungen. Sie sind trittsicher und bieten viele dekorative Oberflächen. Nur bei der Reinigungsfähigkeit stellen unglasierte beziehungsweise polierte Feinsteinzeugfliesen besondere Anforderungen. Aufgrund der Herstellung besitzen sie eine mikroporige Oberfläche. Bei falscher Reinigung lagert sich dort Schmutz ein, der mit der Zeit zu Vergrauung führt. Bei sachgerechter Reinigung bieten Feinsteinzeugfliesen für Bereiche mit hoher Belastung einen sehr gut zu unterhaltenden Bodenbelag. Werden sie auch desinfizierend gereinigt, müssen regelmäßig Zwischenreinigungen erfolgen, um Reste der Desinfektionsreiniger zu entfernen.

Bewertung

  • Chemische Eignung: Sehr gut. Beständig gegen ­saure und alkalische Reiniger sowie übliche Flächendesinfektionsmittel.
  • Mechanische Eignung: Sehr gut. Beständig bei sehr großer Belastung (hoher Schmutzeintrag/starke Frequentierung).
  • Reinigungsaufwand: Aufwendig. Es müssen spe­zielle Verfahren angewandt werden.
  • Pflegeaufwand: Gering. Keine spezielle Pflege erforderlich.
  • Gesamturteil: Sehr gute chemische und mechanische Beständigkeit, pflegeleicht.

Kunstharzbeläge: Als Kunstharzbeläge im Objektbereich werden meist Beläge aus Zwei-Komponenten-Systemen hergestellt. Dazu gehören Beläge aus Epoxidharz und Polyurethan. Sie weisen eine sehr ­hohe chemische Beständigkeit auf. Einzig Behandlungsmittel mit starken Lösemitteln (zum Beispiel Farb­verdünner) können auch bei sachgerecht eingebauten Kunstharzbelägen zu oberflächlichen Beeinträchtigungen führen. Ein wasserfester Pflegefilm deckt solche leichten optischen Mängel vollständig ab.

Gegenüber mechanischer Belastung sind Kunstharzbeläge ebenfalls sehr gut beständig. Ist mit einer größeren Belastung zu rechnen, sollten sie mit einem Pflegefilm versehen werden. Probleme gibt es bei Epoxidharzbelägen in Bereichen, wo viel mit heißem Wasser hantiert wird (zum Beispiel in Großküchen). Die Beläge sind nur eingeschränkt beständig gegenüber heißem Wasser und neigen dann zu gut sichtbaren Veränderungen, die sich fast immer als weißliche Verfärbung äußert. Funktional bewirkt dies zwar nur geringe Einbußen, aber es führt zu massiven optischen Veränderungen. Hier sollte auf Polyurethan-Oberflächen ausgewichen werden. Kunstharzbeläge sind in vielen Dekors und Oberflächenbeschaffenheiten erhältlich. Dabei gilt: Je stärker die Oberflächenstruktur, umso höher der Reinigungs- und Pflegeaufwand. Glatte Beläge lassen sich ohne großen Aufwand reinigen und pflegen.

Bewertung

  • Chemische Eignung: Sehr gut. Beständig gegen ­s­aure und alkalische Reiniger sowie übliche Flächendesinfektionsmittel.
  • Mechanische Eignung: Sehr gut. Beständig bei sehr großer Belastung (hoher Schmutzeintrag/starke Frequentierung).
  • Reinigungsaufwand: Von einfach bis aufwendig – je nach Oberflächenstruktur.
  • Pflegeaufwand: Eine Pflege wird empfohlen; ohne Pflege können vereinzelt Schäden auftreten.
  • Gesamturteil: Hohe chemische und mechanische Beständigkeit, pflegeleicht.

Vorsicht bei Holz- und Textilbelägen

Holzbeläge: Holzbeläge sind nässeempfindlich. Somit ist eine desinfizierende Reinigung immer mit der Gefahr der Schädigung oder Zerstörung des Belags behaftet. Deshalb sollte Holz nur in Bereichen ohne spezielle Anforderungen an die Hygiene verlegt werden.

Bewertung

  • Chemische Eignung: Ausreichend. Leichte Schäden können vereinzelt auftreten.
  • Mechanische Eignung: Befriedigend, bei sachgerechter Reinigung und Pflege sind keine Schäden zu erwarten.
  • Reinigungsaufwand: Aufwendig. Es müssen spe­zielle Verfahren angewandt werden.
  • Pflegeaufwand: Hoch. Eine spezielle Pflege ist vorgeschrieben.
  • Gesamturteil: Repräsentativ, aber pflegeintensiv und nässeempfindlich.

Textile Beläge: Textile Beläge können grundsätzlich auch in Einrichtungen des Gesundheitswesens zum Einsatz kommen. Insbesondere Kurzvelours ist geeignet. Jedoch ist der tägliche Aufwand für eine sachgerechte Reinigung und Desinfektion immens. Deshalb eignen sich textile Beläge nur für eingeschränkte Bereiche, zum Beispiel reine Verwaltungsbereiche, in denen keine besonderen Ansprüche an die Hygiene gestellt werden.

Bewertung

  • Chemische Eignung: Ausreichend. Leichte Schäden können vereinzelt auftreten.
  • Mechanische Eignung: Befriedigend. Bei sachgerechter Reinigung und Pflege sind keine Schäden zu erwarten.
  • Reinigungsaufwand: Aufwendig. Spezielle Verfahren zur Reinigung und Pflege sind erforderlich.
  • Pflegeaufwand: Hoch. Eine spezielle Pflege ist vorgeschrieben. Ohne Pflege werden Schäden auftreten.
  • Gesamturteil: Wenig geeignet für hygienisch anspruchsvolle Bereiche, hoher Reinigungs- und Pflegeaufwand.

Jürgen Otterbein | heike.holland@holzmann-medien.de

Jürgen Otterbein - © Tana

Jürgen Otterbein

ist öffentlich bestellter Sachverständiger und Leiter der Anwendungstechnik beiTana-­Chemie.