Vinylböden sind immer häufiger in den Objekten zu finden, in der Regel aber nur schwer von anderen Belägen zu unterscheiden – zumindest auf den ersten Blick. Was kennzeichnet diese mittlerweile omnipräsenten Designbeläge und wie ist bei der Unterhalts- und Grundreinigung vorzugehen? Ein Überblick.

Vinylbodenbeläge sind chlorfrei und unempfindlich gegen Nässeeinwirkung. Sie sind beständig gegen die meisten Chemikalien und vermitteln beim Begehen eine gewisse Wärme und Elastizität. Die Anschaffungskosten halten sich im Rahmen, die Oberfläche ist strapazierfähig und zudem sind Vinylbodenbeläge frei von schädlichen Weichmachern.
Angeboten werden sie als Paneele, Klick-Paneele, Fliesen oder Rollenware; sie sind daher vielseitig einsetzbar. Wegen der hohen Zahl an individuellen Designs und Macharten erfreuen sich Vinylböden einer immer größeren Beliebtheit. Optisch lassen sie sich mittlerweile kaum noch von anderen Bodenbelägen unterscheiden. Daher werden Vinylbeläge auch als Designbeläge bezeichnet, denn sie sehen Linoleum, Polyurethan (PU), Elastomer und Polyvinylchlorid (PVC), aber auch Laminat, Parkett oder Feinsteinzeug, oftmals zum Verwechseln ähnlich.
Die Größe des Marktes für Vinylbeläge wurde im Jahr 2023 auf weltweit rund 30 Milliarden Euro geschätzt. Ende 2030 werden es voraussichtlich rund 34 Milliarden Euro sein. Dabei ist Deutschland der viertgrößte Abnehmer hinter den USA, China und Polen. Der Markt wird weiter durch individuelle und maßgeschneiderte Gestaltungsmöglichkeiten nach Kundenvorstellungen vorangetrieben. Um diesen Vorlieben und Dekortrends gerecht zu werden, reagieren die Hersteller und bieten eine enorme Auswahl an Gestaltungsvarianten. Zu verdanken haben Vinylbeläge ihre Renaissance – sie waren bereits einmal in den 1970er-Jahren recht beliebt – letztlich den heutigen mannigfaltigen optischen Gestaltungsmöglichkeiten sowie ihren Nutzungseigenschaften.
Vinyl ist strapazierbar und beständig
Hauptvorteile der Vinylbeläge sind deren Wasser- und Chemiebeständigkeit, Strapazierbarkeit und Langlebigkeit. Sie werden seit geraumer Zeit vermehrt auch in Sanitärbereichen oder Teeküchen und auf sogar eingangsnahen Verkehrsflächen verbaut, wo früher eher Stein oder Fliesenbeläge verlegt wurden. Um der Nutzung in diesen Bereichen Rechnung zu tragen und eine vollständige Wasserdichtigkeit zu gewährleisten, reagieren die Hersteller mit Weiterentwicklungen der Wasserbeständigkeit bei Kernmaterialien, Träger- und Dekor- sowie Nutzschicht.
Den Bodenbelag bestimmen
Da Vinylbodenbeläge schwer zu erkennen sind, besteht eine latente Verwechslungsgefahr mit anderen elastischen Böden und zum Teil auch mit Hartbodenbelägen. Daher müssen die ausführenden Personen vor der Reinigung in Erfahrung bringen, um welchen Bodenbelag es sich explizit handelt. Im Prinzip lassen sich Linoleum, Polyurethan, PVC, Elastomer, Vinyl, Parkett und Laminathartbodenbeläge im eingebautem Zustand oft nur sehr schwer voneinander unterscheiden. Man kann sich also nicht darauf verlassen, dass der Bodenbelag anhand der Optik und der Haptik zweifelsfrei bestimmt werden kann.
Parkett kann man über die Oberflächenbeschaffenheit und seine Wärme in der Regel dann doch gut erkennen. Anders sieht es bei Laminat, Polyurethan und Vinyl aus. Die Optik ist ähnlich, es gibt diese Beläge als lose Paneele, Fliesen oder Klick-Paneele mit abgeschrägten Kanten oder auch ohne, als Rollenware mit und ohne Trittschalldämmung und in verschiedenen Macharten mit Polyurethanbeschichtung oder klassisch in Natur. Durch den Umstand, dass sich die unterschiedlichen elastischen Bodenbelagsarten, Polymerisate und Thermoplaste (PVC, Vinyl, Polyolefin), Elastomer (Polyurethan, Kautschuk), optisch kaum mehr unterscheiden, bleibt für die Erkennung nur die Brennprobe mit einer Büroklammer in Kombination mit der Haptik.
Im Zweifel muss es eine Brennprobe sein
Linoleum riecht bei der Brennprobe nach verbranntem Holz sowie Leinöl und es entsteht eine kleine Aufwerfung aus Asche rund um die Büroklammer. PVC riecht stechend nach Chlor und es kommt zu einer Aufwerfung, die sich nicht entfernen lässt. Elastomer verbrennt nicht, sondern es entsteht lediglich eine kleine Aufwerfung um die Büroklammer herum, es riecht nach verbranntem Gummi und rußt.
Bei Vinyl riecht es nach Wachs
Bei Vinyl, Polyolefin und Polyurethan riecht es beim Eindringen der heißen Büroklammer nach Wachs und nach dem Herausziehen kommt es zu einer kleinen Aufwerfung rund um die Büroklammer. Der Einstich ist unter Umständen nur schwer zu erkennen.
Bei der haptischen Prüfung fühlt sich die Linoleumoberfläche relativ hart und etwas strukturiert an. Die Vinyloberfläche fühlt sich dagegen weicher und wärmer an. Polyolefin fühlt sich auf gewisse Weise glatt und strukturiert, fast wie liniert, an. Und PVC sowie Polyurethan haben eine sehr glatte und harte Oberfläche. Elastomerbeläge wirken beim Befühlen etwas stumpf und vermitteln eine gewisse Elastizität.
So erkennen Sie Vinylbeläge
Haptik: Bei der haptischen Prüfung fühlt sich die Vinyloberfläche weicher und wärmer als zum Beispiel Linoleum an. Polyolefin fühlt sich auf gewisse Weise glatt und strukturiert, fast wie liniert, an. Polyurethan ebenso wie PVC haben eine sehr glatte und harte Oberfläche. Elastomerbeläge wirken beim Befühlen etwas stumpf und vermitteln eine gewisse Elastizität.
Brennprobe: Bei Vinylbelägen – wie auch bei Polyolefin und Polyurethan – riecht es beim Eindringen der heißen Büroklammer nach Wachs und nach dem Herausziehen kommt es zu einer kleinen Aufwerfung rund um die Büroklammer. Der Einstich ist unter Umständen nur schwer zu erkennen.
Kunststoffbelag mit Mehrschichtaufbau
Vinylbodenbeläge werden als Paneele, Fliesen und Rollenware angeboten. Alle drei Produktgruppen haben eines gemeinsam: Bei allen Vinyl- und Designbodenbelägen handelt es sich um Kunststoffbeläge mit Mehrschichtaufbau. Auf eine Stabilisierungs- und Trittschalllage folgt eine Trägerschicht, auf der die Druckschicht, das Dekor, aufgelegt wird. Die Nutzfläche ist eine transparente Schicht, die meist aus Polyurethan besteht und die darunter liegenden Schichten vor Umwelteinflüssen und Beschädigungen schützt. Alle drei Produktgruppen – Paneele, Fliesen und Rollenware – sind elastische Bodenbeläge und weitestgehend beständig gegen Feuchtigkeit und äußere chemische Einflüsse. Sie reagieren aber besonders empfindlich auf mechanische Punktbelastungen.
Wegen der unterschiedlichen chemischen und mechanischen Belastungsfähigkeit der genannten, optisch oftmals kaum zu unterscheidenden Belagsarten ist es für den Gebäudereiniger unabdingbar, sich vor Beginn der Reinigungsarbeiten, egal ob Grund- oder Unterhaltsreinigung, kundig zu machen. Er muss in Erfahrung bringen, um welchen Bodenbelag es sich handelt und sich die entsprechende Reinigungs- und Pflegeanleitung sowie das technische Datenblatt des Bodenbelagsherstellers beschaffen.
Zweistufig mit Mikrofasermopp wischen
In der Unterhaltsreinigung zeigt sich der Vinylbodenbelag erfreulich unkompliziert, sofern man ein paar Kleinigkeiten beachtet. Vinybeläge verfügen meist über eine hohe Oberflächenspannung und es empfiehlt sich deshalb, einen hochnetzenden Bodenreiniger oder einen Alkoholreiniger zu verwenden. Reiniger mit pflegenden Inhaltsstoffen können unter Umständen zu einer unschönen wolkigen und speckigen Optik führen. Dies ist abhängig von der Art des Werksfinshs, der Nutzungsart und der mechanischen Beanspruchung durch die Nutzer. Daher empfiehlt es sich, im Zweifelsfall zwei Testflächen anzulegen und diese mit den unterschiedlichen Bodenreinigern einige Tage zu reinigen und dann zu beurteilen, welche Reinigungschemie für die gewünschte Optik und Entfernung der Verschmutzungen am besten geeignet ist.
Unabhängig davon sollte ein strukturierter Vinylbodenbelag immer zweistufig mit einem Mikrofasermopp gewischt und regelmäßig durch maschinelles Polieren verdichtet werden. Dadurch wird der Boden optisch ansprechender und ist weniger anfällig für mechanische Belastungen. Bei einem nicht-strukturierten Vinylbelag reicht in der Regel einstufiges Wischen aus.
Klassisch grundreinigen
Vinylbodenbeläge, mit oder ohne abgeschrägten Kanten als Paneele, Fliesen oder Rollen, können in vielen Fällen klassisch grundgereinigt werden. Aber Achtung: Vor der Nassgrundreinigung ist es zwingend nötig festzustellen, ob bei Paneelen die Kanten gegen Eindringen von Feuchtigkeit geschützt sind. Bei weniger wertigen Vinylbodenbelägen ist dies nicht immer der Fall.
Bei der klassischen Nassgrundreinigung ist darauf zu achten, dass nur schleifmittelfreie Pads zum Einsatz kommen. Abrasiv wirkende Pads in Braun, Grün und Schwarz zerkratzen und zerstören die Oberfläche beziehungsweise die Oberflächenvergütung nachhaltig. Dadurch werden die Reinigungs- und Nutzungseigenschaften dauerhaft verändert und der grundgereinigte Belag lässt sich in der Unterhaltsreinigung kaum mehr optisch befriedigend und ergonomisch reinigen.
Starke Mechanik wie sie durch verunreinigte Filzgleiter, Schreibtischstuhlrollen oder durch Schmutzeintrag von außen (zum Beispiel Sand und Split) entsteht, schädigt die Oberfläche von Vinyl nachhaltig. Bodenbeläge, die diese Oberflächenbeschädigungen aufweisen, müssen oder können im besten Fall nur durch eine Sanierung wieder in einen funktionalen Zustand gebracht werden. Eine klassische Nassgrundreinigung statt einer Sanierung scheitert oft daran, dass die Oberflächenvergütung, die Nutzschicht, in der Regel aus Polyurethan besteht und Polyurethan chemisch nahezu unlösbar ist. Aber auch hier gibt es Ausnahmen.
Anschleifen und neu versiegeln
Manche Hersteller rüsten den Vinylbodenbelag mit einem Werksfinsh aus, das mit einer herkömmlichen Polymehrdispersion beschichtet werden kann und ein Abschleifen unnötig macht. Ist dies nicht der Fall, muss der Bodenbelag mechanisch, wie bei der trockenen Pflegefilmsanierung, unter Zuhilfenahme einer schweren Einscheibenmaschine mit 400 Umdrehungen/Minute und Absaugung sowie einem grauem Schleifpad gleichmäßig angeschliffen werden. Nach dem Anschleifen muss der Bodenbelag eine gleichmäßig matte, kratzfreie und homogene Oberfläche aufweisen. Leichte Kratzer, die durch das graue Pad hervorgerufen werden, zählen nicht dazu. Im Anschluss wird die Oberfläche entstaubt und mit einer Versiegelung versehen. Als Versiegelung kommen optimalerweise entweder ein Zwei-Komponenten-Polyurethanlack, UV-aushärtender Polyurethanlack oder eine Polyurethanbeschichtung in Betracht. Bei der Polyurethanbeschichtung kann es unter Umständen nötig sein, den Bodenbelag mit einem PU-Primer vorzubehandeln. Das ist quasi ein Haftvermittler und Porenfüller, der die eventuell nach dem Abschleifen noch vorhandenen leichten Kratzer auffüllt. Die mit dem Primer behandelte Oberfläche sollte nach vollständiger Durchtrocknung (12 bis 24 Stunden) erneut mit Einscheibenmaschine und grauem Schleifpad gleichmäßig angeschliffen und mattiert werden. Dies dient der besseren Optik und erhöht die Strapazierfähigkeit der Reparaturbeschichtung.
Teilsanierung möglich
Diese Sanierungsmethode kann unter bestimmten Umständen auch partiell durchgeführt werden. Dies ist abhängig vom Design des Vinylbodens sowie dem Lichteinfall und der baulichen Lage des Belags. Auch wegen der teilweise unterschiedlichen chemischen und mechanischen Belastungsfähigkeit der Vinylbodenbeläge muss der Gebäudereiniger vor Beginn der Reinigungsarbeiten in Erfahrung bringen, um welchen Bodenbelag genau und welches Oberflächenfinsh es sich handelt. Für die Unterhaltsreinigung gilt das ebenso wie für die Grundreinigung.
Uwe Büttner | heike.holland@holzmann-medien.de
Uwe Büttner
ist Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und selbstständiger Berater mit dem Schwerpunkt öffentliche Ausschreibungen – www.reinigungsexperte.de.
