Oldtimer Autos mit Charakter

Friedrich Kübler, Fuhrparkleiter bei Kärcher, ist Vorsitzender des Classic Freunde e.V. Als gelernter Kfz-Mechaniker konnte er Hobby und Beruf vereinen. Die Vereinsmitglieder haben sich nämlich der Restaurierung von Oldtimern verschrieben.

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    Aus Friedrich Küblers Oldtimersammlung: Karmann Ghia Typ 14 Cabrio.
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    Karmann Ghia Typ 34, Baujahr 1965.
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    Reinigungsarbeiten am Karmann Ghia Typ 34 mit einem Trockeneisstrahlgerät.
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    Mercedes-Benz 190 SL, Baujahr 1960.
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    Lloyd LP 600, Baujahr 1956: aus erster Hand und nicht restauriert.
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    Opel Manta A, Baujahr 1971.
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    © rationell reinigen
    Friedrich Kübler (links) und sein Team mit dem zu restaurierenden Alfa Romeo Spider auf der Messe Retro Classics.

Autos mit Charakter

-Die Messe Retro Classics, Mitte März in Stuttgart, war Treffpunkt für alle Oldtimer-Fans. Da durften auch Friedrich Küblers Classic-Freunde nicht fehlen, zumal es sozusagen ein „Heimspiel“ war. Auf ihrem Stand präsentierten die Vereinsmitglieder ihre wunderschön restaurierten Fahrzeuge, die das Herz eines jeden Autofans höherschlagen lassen. „Damals baute man noch Autos mit Charakter. Heute kann man die ja kaum noch voneinander unterscheiden“, sagt Kübler. Aber es geht ihm und seinen Mitstreitern in erster Linie dennoch nicht um die Autos an sich. Die Vereinsmitglieder des im September 2002 anlässlich eines Oldtimer-Treffens in Bühlertann gegründeten Vereins verbindet die Liebe zu historischer Technik im Allgemeinen und der Wunsch, sie für die Nachwelt zu bewahren, im Besonderen. „Uns ist die Erhaltung eines alten Fahrrads genauso wichtig wie die eines Mercedes 300 SL – es geht um den Werterhalt“, verdeutlicht Kübler die Vereinsmaxime.

Als gelerntem Kfz-Mechaniker sei ihm Reinigung bzw. Werterhaltung von früh an wichtig gewesen, erzählt Kübler. So kam es, dass er bereits in den 70er Jahren mit der Restaurierung von Autos begann. Sein Hobby musste zwischenzeitlich zugunsten der Familie zurückstecken. Seit Anfang der 90er Jahre aber – „die Kinder sind ja inzwischen erwachsen“ – widmet er sich wieder seinem geliebten Hobby. Abends oder am Wochenende „arbeitet“ er an seinen Autos, eine Tätigkeit, die er eher als Ausgleich zum Entspannen vom Berufsalltag ansieht.

Wichtig ist Kübler, dass er Jugendliche für die „handwerkliche Arbeit“ begeistern kann. „Die können am Computer alles. Wer aber ist heute noch in der Lage, im wahrsten Sinne des Wortes handwerklich Werte zu schaffen?“ Insofern freut es ihn besonders, dass Jugendliche einer benachbarten Hauptschule im Rahmen eines Ferienprogramms, das inzwischen schon im vierten Jahr läuft, bei der Restaurierung von Fahrzeugen mit Begeisterung helfen. Seit Januar arbeiten sie gemeinsam einen Alfa Romeo Spider auf. Dabei handelt es sich um ein Projekt der „Lebenshilfe Gießen“, die jährlich gespendete Oldtimer verlost. Die dabei entstehenden Kosten trägt die Firma Kärcher, die die Classic-Freunde unterstützt; die Arbeitszeit stellen die Vereinsmitglieder kostenlos zur Verfügung. Kübler kann auf die professionellen Geräte seines Arbeitgebers zurückgreifen, seien es Hochdruckreiniger oder das Trockeneisstrahlgerät. Anfang 2009 soll der Wagen dann verlost werden. Das dabei eingenommene Geld kommt einem guten Zweck zugute.

So sehr es Friedrich Kübler auch liebt, an seinen Autos zu werkeln – die „Belohnung“ erfährt er dann bei einer der größeren Ausfahrten. „Es ist etwas Wunderbares, wenn man mit einem Oldtimer – mit einer deutlich geringeren Geschwindigkeit als heute üblich – einfach nur durch die Landschaft abseits der Autobahnen cruisen statt rasen kann: Man nimmt die Landschaft bewusst in sich auf. Es ist ein erhebendes Gefühl im Vergleich zur heutigen von der Hektik geprägten Zeit.“ Darüber hinaus finden regelmäßig so genannte Clubausfahrten statt und die Vereinsmitglieder nehmen ebenfalls an Oldtimer-Rallyes teil.

Im Laufe der Jahre hat sich der Oldtimer-Fan eine Reihe an Fahrzeugen zugelegt und wieder restauriert. Zu den Highlights seines privaten Fuhrparks zählt etwa der große Karmann Ghia (Typ 34) aus dem Jahr 1965. „Ein relativ seltenes Auto, wovon es nur noch etwa 100 zugelassene Fahrzeuge in Deutschland gibt.“ Mit ein Grund dafür dürfte der relativ hohe Preis gewesen sein. Als das Coupé 1961 auf den Markt kam, kostete es stolze 8.750 DM. Opels Antwort auf den Ford Capri steht ebenfalls in Küblers Garage: der 1970 der Öffentlichkeit vorgestellte Manta A. Eines der erfolgreichsten Modelle des Rüsselsheimer Herstellers, der Kadett B (gebaut zwischen 1965 und 1973), zählt genauso zu Küblers Fuhrpark wie der äußerst seltene und außerhalb der Fachkreise kaum noch bekannte Borgward Isabella, der Carl F. W. Borgward GmbH aus Bremen, der zwischen 1954 und 1962 vom Band lief und zur damaligen Zeit als Schönheit galt. Übrigens, die eher ungewöhnliche Bezeichnung „Isabella“ soll folgendermaßen zustande gekommen sein: Gefragt, wie die noch geheimen Prototypen denn heißen sollten, habe Firmenchef Borgward geantwortet: „Das ist mir egal, schreibt meinetwegen Isabella drauf!“

Das ist es auch, was Friedrich Kübler an den Autos fasziniert: Ihre Geschichte, die Geheimnisse und Kuriositäten, die sich um das eine oder andere Modell und seine Entstehung ranken. Da könne er stundenlang erzählen. Jedes seiner Autos „erzählt“ auch seine eigene Geschichte: Über die Vorbesitzer, die Umstände, wie es schließlich in Küblers Besitz gelangte, usw. Für Friedrich Kübler sind es nicht einfach nur Autos – sie haben Persönlichkeit, einen Werdegang und werden von ihm gerade auch deshalb so geschätzt.

Unterhält man sich mit Kübler, taucht man ein in eine Welt, in der seine Autos zum Leben erwachen – weil er ihnen eben Leben einhaucht. Und seine Begeisterung ist ansteckend!

Markus J. Targiel | markus.targiel@holzmannverlag.de