Bergmarathon „Ab Kilometer 35 wird es brachial“

Marathonlaufen ist Armin Bornschlegl, Geschäftsführer der ABO Glasreinigung, zu wenig. Er hat sich dem Berg marathon verschrieben. Hier führt die Piste nicht eben auf Asphalt durch Städte und Dörfer, sondern tausende von Höhenmeter bergauf und bergab – 41,2 km lang.

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    Vor der Überquerung des Scaletta-Passes treffen sich die Läufer des Ultramarathons K78 mit den Läufern des K42.
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    Ankunft auf der Scaletta-Hütte. Viele harren hier stundenlang aus, um die Läufer bei der Ankunft frenetisch anzufeuern. „Das ist einfach der Swiss Alpine“, sagt Armin Bornschlegl, „ein tolles Erlebnis!“
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    Endspurt: Die letzten 200 m gibt Armin Bornschlegl nochmal alles. Sein Ziel, unter fünf Stunden zu brauchen, hat er mit 04:52:00 leicht geschafft und dabei noch für rationell reinigen fotografiert. Mehr Bilder finden Sie in der Multimedia-Galerie auf www.rationell -reinigen.de.

„Ab Kilometer 35 wird es brachial“

-Beim Bergmarathon laufen die Teilnehmer dieselbe Distanz wie bei einem Stadtmarathon: 41,2 km. Die Strecke führt durch die Berge mit Höhenunterschieden bis zu 2.700 Höhenmeter. „Im Klartext bedeutet das, man läuft permanent Berg auf, Berg ab“, bringt es Armin Bornschlegl auf den Punkt. Das hat zur Folge, dass ein Bergmarathon gut anderthalbmal so lange dauert wie ein normaler Stadtmarathon. „Das hört sich simpel an, ist es aber nicht“, sagt er, denn der Körper kann gewisse Stoffe nur bis zu einer bestimmten Menge einlagern. „Selbst wenn man sehr gut trainiert ist, kann man im Normalfall maximal drei Stunden ohne Zuführung gewisser Stoffe von außen gut laufen“, erklärt der Extremsportler. Dann folgt der Zusammenbruch des Körpersystems, der sich vor allem in Muskelkrämpfen äußert.

Sich selbst überwinden – bis an die Grenze

Was beim einen blanken Horror hervorruft, macht für den anderen den Spaß an der Sache aus. Bornschlegl: „Bis zu Kilometer 30 oder 35 läuft alles ganz gut und dann wird es brachial. Das macht den Bergmarathon für mich so reizvoll – die echte Überwindung. Wer noch keinen Bergmarathon gelaufen ist, kann es wahrscheinlich nicht nachvollziehen, was ich meine. Es ist die Herausforderung sich selbst bei diesen letzten wirklich sehr harten Kilometern zu überwinden.“ In Davos in der Schweiz kommen zu einem Bergmarathon etwa 2.000 bis 3.000 Läufer aus der ganzen Welt. Die Besten benötigen etwa 3,5 Stunden und die Letzten trudeln nach sieben bis acht Stunden ein. „Die wandern halt eher“, sagt Bornschlegl. Er liegt im guten Mittelfeld und hat vor zwei Jahren für die Strecke etwa fünfeinhalb Stunden benötigt. In diesem Jahr will er drei bis vier Marathons laufen. „2006 habe ich einen großen Fehler gemacht“, gibt er zu, „ich bin innerhalb von fünf Wochen drei Marathons gelaufen. Das hatte zur Folge, dass ich das komplette Jahr 2007 aussetzen musste.“ Fast acht Monate hatte er mit Schmerzen in der rechten Ferse zu kämpfen. Das soll ihm kein zweites Mal passieren. „In Zukunft werde ich die natürlichen Erholungszeiten einhalten“, versichert er. Es zeige aber auch die extreme körperliche Belastung der Gelenke. „Man läuft tatsächlich teilweise über Stock und Stein“, erzählt er. In dieser Saison hat er mit einem Halbmarathon in Wien begonnen. „Ohne großes Training“, wie er sagt. Das Ergebnis ist für ihn zufriedenstellend, aber noch steigerungsfähig. „Jetzt bin ich schon ganz gut trainiert und würde die Strecke wahrscheinlich in zehn bis zwölf Minuten weniger laufen.“ Training, das bedeutet 50 bis 70 km pro Woche. Dafür steht er um 5 Uhr früh auf und läuft etwa eine Stunde, 10 bis 12 km je nach Bergstrecke. „Danach wecke ich meine Familie, mache Frühstück und fühle mich einfach sehr gut.“ Das Saison-Highlight war am 26. Juli in Davos: der Swiss Alpine. Für Bornschlegl eine der interessantesten und schönsten Strecken. Interessant wegen der Laufcharakteristik, denn in der Anfangsphase gilt es gleich sehr viele Höhenmeter zu bewältigen, und schön, wegen der wunderbaren Berglandschaft. „Die Strecke führt über einige Bergpässe, so dass man teilweise bis auf Schneehöhe kommt, und das in der luftigen Sportkleidung.“ Dieses Mal ist er in Ruhe angetreten, hat eine Woche vorher in einer Berghütte Kraft geschöpft und sich akklimatisiert. „2006 bin ich nach anstrengenden Arbeitstagen in der Nacht vor dem Start angereist, habe noch eine große Portion Spaghetti gegessen und am morgen ging es dann auch schon los.“ Diesmal hat er in der Woche vor dem Swiss Alpine ein hartes Trainingsprogramm absolviert: insgesamt 9 bis 10 km Schwimmen, 50 km Mountainbike fahren (ca. 1.500 Höhenmeter), 80 bis 90 km Bergstrecken laufen (ca. 4.000 Höhenmeter) und 45 km Inlineskaten auf flachem Gelände. „Ich war auch überrascht, was es bringt, sich perfekt zu ernähren“, erzählt Bornschlegl. Mit speziellen Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminen und Mineralstoffen hat er seinen Körper für die sportlichen Strapazen gerüstet.

Schlechte Läufer werden nach Hause geschickt

Davos bietet nicht nur den normalen Marathon mit 42,2 km an, sondern noch einen Ultramarathon mit einer Gesamtlänge von 78 km und 2.320 m Steigung und Gefälle. Armin Bornschlegl gibt sich mit der antiken Streckenlänge zufrieden und freut sich über sein gutes Ergebnis: Von 1.000 Läufern kam er nach 04:52:00 bereits als 173. an und belegte damit in seiner Altersgruppe den 28. Platz. „Hätte ich für rationell reinigen nicht unterwegs noch Fotos geschossen, hätte ich sicher noch gut zehn Minuten früher durchs Ziel gehen können“, schätzt er.

Von den 1.000 Läufern sind ein Drittel unterwegs ausgeschieden. Bornschlegl kann nicht nachvollziehen, warum offensichtlich völlig unzureichend trainierte Freizeitsportler unbedingt mitlaufen wollen. „In Davos holen routinierte Ärzte die schlechten Läufer kategorisch raus und schicken sie nach Hause. Darüber bin ich sehr froh.“ Wie wichtig diese Kontrollen sind, wurde erst kürzlich tragisch deutlich. Beim 16 km langen Zugspitzlauf starben zwei Läufer an Unterkühlung und Entkräftung, nachdem das Wetter umgeschlagen hatte und die geschwächten Läufer in kurzen Hosen durch den Schnee joggten. Derzeit wird ermittelt, ob der Veranstalter zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Nachts allein am Arlberg

Derartige Risiken geht Bornschlegl nicht ein. Er trainiert das ganze Jahr, auch im Winter. Um für die Sommerläufe fit zu bleiben, verfolgt er noch ein zweites Hobby: das Schneeschuhwandern. „Am Arlberg zum Beispiel bin ich am Tag Ski gefahren und in der Nacht mit Schneeschuhen steile Passagen zu den Liften hochgewandert. Die Pistenbully-Fahrer dachten sicher, ich bin meschugge, in der Nacht mit einer Kopflampe in der Gegend herumzulaufen.“ Der Marathon und das Schneeschuhwandern sind der einzige Luxus, den sich der Geschäftsführer in seiner Freizeit leistet. Beruflich ist er in ganz Europa unterwegs. Der Firmensitz ist in Landshut, die Familie wohnt in der Nähe von Wien. Für einige ist es nicht nachvollziehbar, warum er sich für ein körperlich so anstrengendes Hobby entschieden hat. „Das war Zufall“, erinnert er sich, ein Studienfreund lief sehr erfolgreich Bergmarathon,„da wollte ich einfach wissen, ob ich das auch schaffe.“ Das hat er klar bewiesen.

Rebecca Eisert | rebecca.eisert@holzmannverlag.de