Was tun, wenn die PU-Beschichtung sich löst?

Aktueller Schadensfall: Eine nachträglich aufgebrachte PU-Beschichtung auf Lino­leum in einer Kita löste sich. Grund dafür war, dass ­Vorbehandlung, Nutzung und Nachsorge nicht miteinander harmonierten – ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Die PU-Schicht lässt sich stellenweise in dünnen, transparenten oder milchigweißen Schuppen vom Untergrund lösen. - © Sascha Hintze

Die Aufgabe für den Sachverständigen bestand darin, mögliche Ursachen für Ablösungserscheinungen zu ermitteln und ein Konzept zur fachgerechten Sanierung zu entwickeln.

Die PU-Beschichtung erfolgte auf einem elastischen Linoleumboden mit einer Gesamtfläche von über 1.100 Quadratmetern. Ziel war es, die Oberfläche zu versiegeln und widerstandsfähiger gegenüber der nutzerbedingten Beanspruchung zu machen und die Reinigung zu erleichtern. Der Auftragnehmer war über deutliche Ablösungserscheinungen in mehreren Bereichen der Bodenfläche informiert worden. Vor allem in den Randzonen kam es zu einer flächigen Ablösung der Beschichtung, die sich teilweise in dünnen, schuppenartigen Stücken vom Linoleum löste. Diese Schäden traten wenige Monate nach der Applikation der PU-Beschichtung auf, was auf tieferliegende Ausführungs- oder Material­fehler hindeutete.

Im Rahmen der Begutachtung wurden klassische Prüfverfahren wie der Gitterschnitt-Test zur Haftfestigkeit (nach DIN EN ISO 2409) und Messungen der Oberflächenrauheit durchgeführt. Im zentralen Bereich der Räume war die Haftung der Beschichtung intakt. Der Gitterschnitt-Test ergab hier die Klassifikation 0 – also keinerlei Ablösungen. Ganz anders jedoch in den Randbereichen: Dort konnte großflächig eine Ablösung beobachtet werden, mit Einstufung in Klasse 5, was der schlechtesten Haftkategorie entspricht. Das Schadensbild war somit klar: Die PU-Beschichtung war dort weder dauerhaft noch funktional wirksam.

Untersuchung der Oberfläche

Die gemessene Rauigkeit (Rz-Wert) im betroffenen Randbereich betrug 42,2 Mi­krometer. Dieser Wert liegt eigentlich in einem Bereich, der eine gute mechanische Verankerung erwarten lässt. Doch auch hier gilt: Einzelparameter sagen wenig, wenn andere Prozesse fehlerhaft abliefen. Die Untersuchung zeigte vielmehr, dass zusätzliche Einflüsse wie etwa mangelnde Untergrundvorbereitung oder Restfeuchte wesentlich zum Schaden beigetragen haben dürften.

Ein Aspekt, der bei Schadensfällen gern übersehen wird: Die Fläche war nach dem Auftreten erster Abplatzungen weiter in Nutzung. Das bedeutet, dass Feuchtigkeit, Schmutzpartikel und mechanische Belastung auf einen bereits geschwächten Untergrund wirkten, was das Schadensbild verstärkte. Dies zeigt sich auch daran, dass sich die Rauigkeit des Linoleums durch Abrieb und Verschleiß verändert hat. Neu verlegtes Linoleum liegt bei etwa eins bis fünf Mikrometern. Hier lag der Wert bei über 42 Mikrometern – ein deutlicher Hinweis auf zusätzliche mechanische Veränderungen nach der Beschichtung.

Ein weiteres Problem zeigte sich im Bereich der Nutzung. In Spielzonen, insbesondere rund um eine Spielküche, waren deutliche Kratzspuren erkennbar. Diese resultierten nach Einschätzung des Sachverständigen aus dem Einsatz ungeeigneter Möbelgleiter. Gerade in Einrichtungen mit beweglichem Mobiliar und hoher Frequentierung ist dies ein Dauerthema. Der Fachver­band der elastischen Bodenbelagshersteller (FEB) empfiehlt hier Gleiter aus PTFE oder weich beschichtete Kunststofflösungen, um punktuelle Belastungen zu reduzieren. Filzgleiter reichen in solchen Fällen nicht aus.

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    Der Gitterschnitt-Test ist ein standardisiertes Verfahren zur Beurteilung der Haftfestigkeit von Beschichtungen.
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    Das Klebeband zeigt die Ablösung der Beschichtung: Die Quadrate des Gitterschnitts sind in vielen Bereichen vollständig abgeplatzt.
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    Der Rz-Wert gibt die mittlere Rauheit einer Oberfläche an, also die Differenz zwischen höchsten Spitzen und tiefsten Tälern über eine bestimmte Messstrecke.
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    Schädigung durch mechanische Beanspruchung, vermutlich durch Möbelbewegungen oder Spielsachen mit harten Kanten entstanden.
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    Der Boden wurde vor der PU-Beschichtung nicht gleichmäßig geschliffen. Dies hat sich nach der Beschichtung in unterschiedlichen Lichtreflexionen geäußert.
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    Die PU-Schicht lässt sich stellenweise in dünnen, transparenten oder milchigweißen Schuppen vom Untergrund lösen.

Zusätzlich zu den technischen Mängeln traten im Randbereich Schattenbildungen und wolkenartige Strukturen auf. Diese entstehen typischerweise durch ungleichmäßiges Schleifen oder durch ­verbliebene Rückstände aus alten Beschichtungen. Auch hier zeigte sich: Eine lückenlose Untergrundvorbereitung war nicht erfolgt. Solche optischen Unterschiede beeinträchtigen nicht nur das Erscheinungsbild, sondern können auch die langfristige Haftung der neuen Beschichtung gefährden.

Empfohlene Sanierungs­maẞnahmen

Zur Beseitigung des Schadens wurde eine vollständige Entfernung der PU-Beschichtung im Randbereich empfohlen – mindestens 30 Zentimeter von der Wand entfernt, abhängig vom konkreten Haftbild. Die Fläche muss mechanisch angeschliffen und vollständig gereinigt werden. Anschließend kann eine neue PU-Beschichtung fachgerecht aufgetragen werden, idealerweise als zweikomponentiges System mit dokumentierter Trocknungszeit und Schichtdicke. Nach Aushärtung wird ­eine sanfte Flächenreinigung und Oberflächenangleichung empfohlen, um sichtbare Übergänge zu minimieren. Auch wenn sich je nach Lichteinfall leichte optische Unterschiede nicht ganz vermeiden lassen, die Funktionalität und Belastbarkeit stehen im Vordergrund.

Schlussfolgerung und ­Praxistipps

Der Schadensfall zeigt, dass technische Mängel selten isoliert auftreten. Es ist meist das Zusammenspiel aus mangelhafter Vorbehandlung, unzureichender Abstimmung der Produkte und fehlender Kontrolle der Nutzungseinflüsse.

Eine fachgerechte PU-Beschichtung beginnt mit der Wahl des richtigen Systems, setzt aber vor allem eine ausreichende und dokumentierte Untergrundvorbereitung voraus. Ohne diese Grundlage ist selbst die beste Beschichtung nur eine kurzfristige Lösung. Ebenso entscheidend ist das Nutzerverhalten. Möbel ohne geeignete Gleiter, unkon­trollierte mechanische Beanspruchung oder falsch dimensionierte Schmutzfangzonen können jede Beschichtung schnell an ihre Grenzen bringen. Werden PU-Beschichtungen in sensiblen Bereichen eingesetzt, ist ein abgestimmtes Konzept entscheidend. Nur so lassen sich die Lebensdauer der Beschichtung verlängern und Schäden vermeiden.

Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de

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Sascha Hintze

ist Gebäudereinigermeister sowie öffentlich bestellter und ­vereidigter Sachverständiger; hintze@sachverstaendigenbuero-hintze.de