Parkettreinigung: Ziemlich alles falsch gemacht

Aktueller Schadensfall: Bei der Reinigung eines Parkettbodens in einer Schule beging der mit der Arbeit ­beauftragte Dienstleister gleich drei Fehler. Erhebliche Rissbildung im ­Bereich der ­Dehnungsfugen, Ablösung der Korkfugen und Verfärbungen waren die Folge.

Erhebliche Rissbildung im Bereich der Dehnungsfuge aus Kork durch starken Feuchteeintrag von außen. - © Sascha Hintze

Der Unterschied zwischen einer Pflegeanleitung und einer Pflegeanweisung bei der Reinigung von Parkettböden liegt in der Detailliertheit und Zielsetzung der jeweiligen Dokumente. Dabei ist die Reinigung von Parkettböden in der DIN 18356 geregelt.

Unterschiede kennen

Pflegeanleitung. Eine Pflegeanleitung ist in der Regel ein umfassendes Dokument, das allgemeine Hinweise zur Reinigung und Pflege von Parkettböden enthält. Sie beschreibt die grundlegenden Prinzipien und empfiehlt geeignete Methoden und Produkte für die Reinigung und Pflege, um die Lebensdauer des Bodens zu verlängern. Eine Pflegeanleitung könnte zum Beispiel Folgendes umfassen:

  • allgemeine Pflegehinweise für die regelmäßige Reinigung (zum Beispiel Staubsaugen, Kehren);
  • Empfehlungen für die Auswahl von geeigneten Reinigungs- und Pflegeprodukten;
  • Hinweise zu langfristigen Pflegemaßnahmen, wie zum Beispiel das Auftragen von Pflegemitteln oder das gelegentliche Ölen beziehungsweise Versiegeln.

Die Pflegeanleitung richtet sich oft an Endnutzer, die grundlegende Informationen zur Erhaltung der Parkettqualität suchen.

Pflegeanweisung. Eine Pflegeanweisung hingegen ist oft spezifischer und detaillierter. Sie gibt konkrete Anweisungen zur Reinigung und Pflege und wird häufig im professionellen Kontext verwendet. Die Pflegeanweisung könnte enthalten:

  • Schritt-für-Schritt-Anweisungen zur Reinigung eines bestimmten Parkettbodens, abhängig von Material und Zustand;
  • Angaben zu den genauen Reinigungsprodukten und -geräten, die verwendet werden sollen;
  • spezifische Pflege- und Wartungsintervalle, die einzuhalten sind (zum Beispiel monatliches Ölen bei geöltem Parkett);
  • Sicherheitsvorgaben, um Schäden am Parkett zu vermeiden, wie die Vermeidung von zu viel Wasser oder nicht geeigneten Reinigungsmitteln.

Die Pflegeanweisung ist also präzise und bindend im Gegensatz zur Pflegeanleitung und wird oft erstellt, um eine gleichbleibende Pflegequalität sicherzustellen. Gemäß Punkt 3.1.4 der DIN 18356, die die Ausführung von Parkettarbeiten regelt, ist die Bereitstellung und Übergabe einer Pflegeanweisung ein wesentlicher Vertragsbestandteil. Zusammengefasst: Während die Pflegeanleitung also allgemeine Empfehlungen und Hinweise enthält, liefert die Pflegeanweisung detaillierte, konkrete Anweisungen.

Pflegeanleitung und -anweisung auẞer Acht gelassen

Im aktuellen Schadensfall wurden sowohl die Pflegeanleitung als auch die Pflegeanweisung durch den Dienstleister in einem Schulobjekt vollständig außer Acht gelassen. Zum Einsatz kam – fälschlicherweise – ein sogenannter Multinetzer, um den handwerklich vergüteten Parkettboden zu reinigen.

Ein handwerklich versiegelter Parkettboden ist ein Holzfußboden, der nach der Verlegung manuell mit einer Versiegelung (meist einem Lack) behandelt wird. Hierdurch soll erreicht werden, dass der Parkettboden eine langlebige und strapazierfähige Oberfläche erhält.

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    In der Fläche deutliche Rissbildung mit Verfärbungen im Randbereich durch einen zu hohen pH-Wert.
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    Durch Feuchtigkeit verursachte Ablösung der Korkfuge.
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    © Sascha Hintze
    Erhebliche Rissbildung im Bereich der Dehnungsfuge aus Kork durch starken Feuchteeintrag von außen.

Ungeeignetes Reinigungsprodukt ­eingesetzt

Der Hersteller des Multinetzers beschreibt den Anwendungsbereich seines Produktes als Unterhaltsreiniger für stark wasserabweisende elastische Bodenbeläge. Ein gutes Produkt – leider nicht geeignet für Parkett!

Parkett reagiert auf Feuchtigkeit. Holz nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und gibt sie wieder ab. Dies sorgt zum einen für ein angenehmes Raumklima, führt aber zum anderen zu einem sogenannten Schwind- und Dehnverhalten, also einem Schrumpfen und Ausdehnen des Materials. Dieses Verhalten wird umgangssprachlich oft auch als das Arbeiten des Holzes bezeichnet und ist ein wichtiges Kriterium für die Reinigung und Pflege von Parkettböden. Wird der Feuchtegehalt durch die falsche Reinigungstechnik zusätzlich noch erhöht, können sich Fugen und Lücken zwischen den einzelnen Parkettstäben bilden.

Zu nass gereinigt

Sind diese Fugen und Lücken einmal entstanden, ­bewirkt der Multinetzer, der die Oberflächenspannung des Wasser auf ein Minimum reduzieren soll, dass das Quellverhalten des Holzes zusätzlich noch begünstigt wird und sich das Schadensbild verstärkt. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass der Feuchtegehalt der genutzten Reinigungstextilien viel zu hoch war.

Sascha Hintze | markus.targiel@holzmann-medien.de

Tipp vom Gutachter: Darauf ist bei der Parkettreinigung zu achten

Sascha Hintze - © privat

Sascha Hintze, Gebäudereinigermeister, öffentlich bestellter und vereidigter ­Sachverständiger: "Ohne Pflegeanweisung ist von Reinigungsarbeiten auf Parkett abzusehen. Vor Aufnahme der Arbeiten sind die eingesetzten Mitarbeiter auf die verwendeten Reinigungstextilien und -produkte zu schulen. Vorarbeiter und Objektleitung haben regelmäßig die Einhaltung der Pflegeanweisung zu überprüfen und bei Bedarf nachzuschulen. Darüber hinaus sollen nur Produkte zum Einsatz kommen, die im Einklang mit der Pflegeanweisung stehen. Hersteller machen ihr Produkt für die Reinigung von Parkettböden deutlich kenntlich. Die entsprechende Dosierungsempfehlung der Hersteller ist hierbei zu berücksichtigen und gegebenenfalls mit einem Fachberater vor Ort abzustimmen."