Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) hat die Ergebnisse der Herbst-Konjunkturumfrage 2024 veröffentlicht. Noch nie seit Einführung der Umfrage im Jahr 2019 war der Herbst-Ausblick laut BIV so negativ.

An der Online-Umfrage – Fokusthema war die telefonische Krankschreibung, die eine große Mehrheit der Unternehmen kritisch betrachtet – haben sich mehr als 400 Mitgliedsunternehmen beteiligt.
Lediglich 18,5 Prozent von ihnen (Herbst 2023: 29,2 Prozent) blicken mit positiver Geschäftserwartung auf das kommende Jahr. Weitere 43,4 Prozent (Herbst 2023: 38,3 Prozent) erwarten gleichbleibende Geschäfte, 38,1 Prozent (Herbst 2023: 32,5 Prozent) sehen mit negativen Vorzeichen in die Zukunft.
Ähnlich kritisch – wenn auch nicht ganz so düster – fällt der Blick auf das laufende Jahr aus. Nur noch 20,8 Prozent (Frühjahr 2024: 24,6 Prozent) der Unternehmen haben positive Geschäftserwartungen. 56,1 Prozent (Frühjahr 2024: 47,4 Prozent) gehen von gleichbleibenden Geschäften aus und 23,1 Prozent (Frühjahr 2024: 28 Prozent) sehen negativ gestimmt auf das Jahr 2024.
Fokusthema telefonische Krankschreibung
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Die Mehrheit der Unternehmen wünscht sich die Abschaffung der Krankschreibung am Telefon. Um Arztpraxen und Patienten zu entlasten, war die telefonische Krankschreibung in der Corona-Pandemie als Sonderregelung eingeführt und mehrfach verlängert worden. Seit Dezember 2023 ist diese Form wieder grundsätzlich möglich.
Bei 71,3 Prozent der Unternehmen hat sich der BIV-Umfrage zufolge der Krankenstand seitdem erhöht, bei 28,9 Prozent ist er konstant geblieben. 33,3 Prozent der betroffenen Betriebe geben an, der Krankenstand habe sich durch die telefonische Krankschreibung um bis zu zehn Prozent erhöht. 22,4 Prozent nennen eine Größenordnung von bis zu 20 Prozent, 7,5 Prozent geben eine Erhöhung um bis zu 30 Prozent an.
"Die telefonische Krankschreibung war in der Pandemie sinnvoll – nun gereicht sie unseren Betrieben den Zahlen nach aber eindeutig zum Nachteil", sagt Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich, und fügt hinzu: "Es ist richtig, dass die Bundesregierung das Instrument im Rahmen ihrer Wachstumsinitiative überprüfen will – für uns ist die einzig richtige Konsequenz: Abschaffung." Dies fordert eine Mehrheit von 81,4 Prozent der befragten Unternehmen. 10,5 Prozent sind für Beibehaltung, 8,1 Prozent sind unentschlossen.
Zwei weitere Themenfelder bereiten den Unternehmen große Kopfschmerzen. Auf der Skala ganz oben (von 1 bis 10) rangiert mit 8,5 Punkten die Sorge vor zunehmendem Eingriff der Politik in die Tarifautonomie – sei es der erneute Eingriff der Bundespolitik in den gesetzlichen Mindestlohn, seien es Vergabemindestlöhne in Städten oder Bundesländern. Mit 7,8 Punkten ebenso hoch gewichtet ist die Sorge der Unternehmen vor explodierenden Kosten im Sozialversicherungssystem: Dabei sehen die befragten Betriebe mit 45 Prozent die größte finanzielle Sprengkraft im Bereich der Krankenkassen, dicht gefolgt vom Rentensystem mit 39,9 Prozent. 13,2 Prozent beurteilen die Kostenprognosen für den Pflegebereich am kritischsten. Die Arbeitslosenversicherung sehen dagegen nur 1,9 Prozent als größtes Problemfeld. /HH